Karl (auch Carl) Philipp Theodor (* 10. Dezember 1724 auf Schloss Drogenbos bei Brüssel; † 16. Februar 1799 in der Münchner Residenz) war seit dem 31. Dezember 1742 als Karl IV. Pfalzgraf und Kurfürst von der Pfalz sowie Herzog von Jülich-Berg. Seit dem 30. Dezember 1777 war er als Karl II. auch Kurfürst von Bayern und damit der erste Herrscher Pfalzbayerns. Seine Regierungszeit hatte enorme Bedeutung für die kulturelle, ökonomische und infrastrukturelle Entwicklung des süddeutschen Raumes in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Seine Eltern waren Herzog Johann Christian von Pfalz-Sulzbach und Maria Henriette de La Tour d’Auvergne, eine Großnichte von Henri de La Tour d’Auvergne, Vicomte de Turenne. Karl Theodor gehörte damit väterlicherseits einer Pfälzer Linie des Hauses Wittelsbach an, mütterlicherseits entstammte er dem Haus La Tour d’Auvergne.
Durch den frühen Tod seiner Mutter (1728) erbte er im Alter von vier Jahren die Markgrafschaft von Bergen op Zoom in den Niederlanden. Durch die frühen Tode seines Onkels Joseph Karl von Pfalz-Sulzbach (1729) und seines Vaters (1733) wurde Karl Theodor im Alter von zehn Jahren dann auch Pfalzgraf und Herzog von Pfalz-Sulzbach.
Seine frühe Kindheit verbrachte Karl Theodor großenteils in Drogenbos bei Brüssel in den Österreichischen Niederlanden, auf dem Schloss seiner Urgroßmutter, der Herzoginwitwe Maria Henrietta von Arenberg, geborene del Caretto, Marquise von Grana und Savona (1671–1744), einer Tochter des spanischen Statthalters Otto de Grana. Dort war Französisch die Umgangssprache, Deutsch lernte er bei Hauslehrern als Fremdsprache.
Im Auftrag seines entfernten Verwandten, des Kurfürsten Karl Philipp von der Pfalz, wurde er bereits ab dem Alter von zehn Jahren durch Jesuiten in Mannheim – etwa Pater Franz Joseph Seedorf – auf die ihm nach der Wittelsbacher Hausunion zufallende Rolle als künftiger Kurfürst vorbereitet. Da Karl Philipp keine männlichen Nachkommen hatte, war absehbar, dass mit ihm die Wittelsbacher Linie Pfalz-Neuburg aussterben würde. Karl Theodor, der ebenso wie Karl Philipp von Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg abstammte, war daher der nächste Erbe von dessen Landen, so auch insbesondere der Kurpfalz und der Herzogtümer Jülich und Berg.
1742 heiratete Karl Theodor im Alter von 17 Jahren seine Cousine Elisabeth Auguste, älteste Enkelin des Kurfürsten Karl Philipp, an deren 21. Geburtstag. Während dieser Ehe kam erst nach knapp zwanzig Jahren als einziges Kind ein Sohn namens Franz Ludwig Joseph zur Welt. Der lang ersehnte Stammhalter starb jedoch zur großen Bestürzung der Eltern einen Tag nach seiner Geburt am 29. Juni 1761. Dieses Ereignis entfremdete die Ehegatten zunehmend voneinander. Trotz der Kinderlosigkeit seiner Frau, ihrer Liebhaber und der zahlreichen eigenen Mätressen verstieß Karl Theodor seine Gattin bis zu ihrem Tode jedoch nicht. Als Folge des frühen Todes seines Sohns ließ er 1766 ein Entbindungsheim mit angeschlossener Hebammenschule gründen.
Wegen seiner weitsichtigen Außenpolitik gilt Karl Philipp als der bedeutendste politische Kopf der Wittelsbacher in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, er hatte auch hartnäckig Karl Theodor die Nachfolge in allen seinen Ländern gesichert. In diesem Zusammenhang erfolgte 1741 vertraglich mit Brandenburg-Preußen unter Einschluss von Kursachsen eine endgültige Beilegung des langjährigen Erbfolgestreits um die Herzogtümer Jülich und Berg. Da jedoch auch Karl Theodor letztlich ohne legitimen Nachwuchs blieb, schwelte das Problem nach einiger Zeit weiter.
Am letzten Tag des Jahres 1742 erbte Karl Theodor dann die Herrschaftsgebiete Karl Philipps, so insbesondere die Kurpfalz und die Herzogtümer Jülich und Berg, aber auch die niederländische Herrschaft Ravenstein sowie die bayerischen Stammlande Karl Philipps, also Pfalz-Neuburg. Durch Umbesetzung des Ministeriums, Sparmaßnahmen am Hof sowie durch Reorganisation der Verwaltung, Abschaffung des Ämterkaufs und Verbesserung der Justiz versuchte der neue Herrscher seiner Aufgabe gerecht zu werden.
Am 22. Mai 1744 während des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740–1748) schloss Karl Theodor die Frankfurter Union, ein Bündnis mit dem neuen Kaiser, Karl VII. von Bayern, Friedrich II. von Preußen, Friedrich II. von Hessen-Kassel. Nach dem Tode Karls VII. im Februar 1745 verloren französische und Pfälzer Truppen die Schlacht bei Pfaffenhofen gegen Österreich. Bis zur Wahl eines neuen Kaisers führte Karl Theodor gemeinsam mit dem neuen Kurfürsten von Bayern, Maximilian III. Joseph, das Reichsvikariat. Sein Vikariatstaler trägt in der Umschrift den Titel des Reichsvikars mit PROV(isor) & VICARIUS. Auch der doppelköpfige Reichsadler mit dem pfälzischen Wappen auf der Brust weist auf sein Vikariat hin.
Im Frühjahr 1745 wurde die Frankfurter Union durch den Frieden von Füssen gesprengt. Maximilian III. von Bayern anerkannte Maria Theresia als Herrscherin über die Habsburgermonarchie (Pragmatische Sanktion) und versprach ihren Gemahl, Franz Stephan von Lothringen, bei der Kaiserwahl nicht nur selbst zu unterstützen, sondern auch die ebenfalls von Wittelsbachern regierten Kurpfalz und Kurköln für ihn zu gewinnen. Karl Theodor folgte diesem Versprechen nicht und verweigerte Franz Stephan die pfälzische Kurstimme. Der Wahl von dessen Sohn, Joseph II., zum König in Germanien, mithin zu dessen präsumtiven Nachfolger, stimmte er nur widerwillig zu.
In der Außenpolitik lehnte sich Karl Theodor an Frankreich an, von dem er Subsidien erhielt. Nach dem europäischen Bündniswechsel von 1756 führte diese pro-französische Haltung zwar zu einer Annäherung an den Kaiserhof, doch schielte Karl Theodor angesichts des Streits um Jülich und Berg auch auf die preußische Militärmacht. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) betrieb Karl Theodor den Reichskrieg gegen Friedrich II. von Preußen nur mit wenig Nachdruck und scherte noch vor dem Hubertusburger Frieden aus. Denn nachdem Großbritannien und Frankreich am 3. November 1762 den Präliminarfrieden von Fontainebleau geschlossen hatten (der am 10. Februar zum Frieden von Paris führte), zogen die französischen Truppen aus dem Reich ab. Kurz darauf, am 24. November, schloss die Kurpfalz mit Preußen einen Waffenstillstand. Württemberg unterzeichnete am 4. Dezember mit Preußen gar ein Neutralitätsabkommen – was einen klaren Rechtsbruch darstellte: Die gegen Preußen von einem Reichstag gemeinsam beschlossene Reichsexekution konnte nur mittels eines Reichstagsbeschlusses wieder aufgehoben werden. Trotzdem erklärte sich am 6. Januar 1763 auch Bayern neutral. Dem Beispiel folgten rasch weitere Reichsstände. Auch auf Anregung der Wittelsbacher Kurfürsten von der Pfalz und von Bayern beriet der Reichstag seit dem 17. Januar über eine Neutralitätserklärung des Reichs. Der Kaiserhof beugte sich der Macht des Faktischen und erklärte – zur eigenen Gesichtswahrung – am 20. Januar, dass es die 1757 aufgestellten Reichskontingente nicht mehr benötige. Am 11. Februar 1763 erklärte sich das Reich als neutral. Am 15. Februar 1763 beendete der zwischen Preußen und Österreich geschlossene Frieden von Hubertusburg den Siebenjährigen Krieg.
Kulturpolitik und Mäzenatentum
Im Geist der Aufklärung vollzog er zahlreiche Reformen und betätigte sich als Mäzen. Im Jahre 1753 stattete ihm Voltaire auf Einladung einen Besuch in Schwetzingen ab. Aus Preußen kommend, hatte der Dichterphilosoph mehr als einen Monat in der Reichsstadt Frankfurt unter Arrest gestanden. Der Kurfürst entschädigte ihn durch die Aufführung von vier Theaterstücken aus der Feder seines französischen Gastes. Dies, die Förderung der Drucklegung einiger seiner Werke sowie die ersten deutschen Übersetzungen (Henriade), die im Umfeld des pfälzischen Hofes entstanden, verhalfen in den nächsten Jahren dazu, Voltaires Schriften stärker im Alten Reich zu verankern. Mit Karl Theodor verband Voltaire eine lose, aber für beide Seiten fruchtbare Beziehung, die sich nicht zuletzt finanziell lohnte. Voltaire bot dem Kurfürsten mehrfach Geldanlagen in Form von Leibrenten (rentes viagères) an, die dem vormodernen Staat ohne Kredite zu schneller Liquidität verhalfen, Karl Theodor hingegen verpflichteten, dem Dichterphilosophen lebenslang regelmäßige Rentenzahlungen auszuschütten. Solch ein Investment wurde 1757 von Voltaire im Wert von 100 000 Livres getätigt. Die bisher von Davidson vertretene Interpretation des Geldgeschäftes, in welcher der Kurfürst sich an den Theateraufführungen für Voltaire so verausgabt habe, dass er diesen in der Folge um 100.000 Francs habe bitten müssen, konnte widerlegt werden.