Karl Friedrich Otto Ruß (* 14. Januar 1833 in Baldenburg; † 29. September 1899 in Berlin) war einer der prominentesten Fachbuchautoren im Bereich Vögel, besonders der Vogelhaltung des 19. Jahrhunderts. Er war Begründer und Herausgeber der Zeitschrift „Gefiederte Welt“, einer der traditionsreichsten deutschsprachigen Vogelfachzeitschriften.
Ebenso gab er ab 1876, gemeinsam mit Bruno Dürigen, die Isis. Zeitschrift für alle naturwissenschaftlichen Liebhabereien heraus und verband populärwissenschaftliche Aufklärung mit seinem Engagement für Amateurforscher. Er schrieb auch unter dem Pseudonym Berthold Schwarz.
Ruß, dessen Vater und Großvater beide Apotheker gewesen waren, studierte Pharmazie und legte 1862 in Berlin die Apothokerprüfung ab, da er davon ausging, die Familientradition fortzuführen. Er promovierte 1866 in Rostock. und arbeitete danach mehrere Jahre in verschiedenen norddeutschen Städten als Provisor. Wegen eines „Kehlkopfleidens“ gab er den Apothekerberuf auf. Neben der Pharmazie befasste er sich schon seit seiner Kindheit mit der Vogelkunde, später allgemein mit Naturwissenschaften und wollte die unterschiedlichen Errungenschaften und Fortschritte dieser wissenschaftlichen Disziplin einem breiten Publikum zugänglich machen. In diesem Zusammenhang orientierte er sich an seinem großen Vorbild, dem Zoologen Emil Adolf Roßmäßler. 1859 trat Ruß erstmals öffentlich mit einem längeren Gedicht zum Tode Alexander von Humboldts in Erscheinung und siedelte sich 1867 Berlin an. Er widmete sich von nun an ganz der Schriftstellerei. In seinem Buch Deutsche Bürger- und Bauern-Predigten zeigte er sich als Anhänger des Sozialreformers Hermann Schulze-Delitzsch und trat für „Pressefreiheit“ und mehr „Rechte der Arbeiter“ ein.
Ruß schrieb Bücher zur Warenkunde für Hausfrauen, bevor er sich fast ausschließlich der Ornithologie und dem Vogelschutz widmete. Ruß war auch regelmäßiger Mitarbeiter der Gartenlaube, der Leipziger Illustrirten Zeitung, Unsere Zeit. Deutsche Revue der Gegenwart und von Westermanns Monatsheften. Von 1876 bis zum 8. Jahrgang 1883 gab er zusammen mit Bruno Dürigen, ab dem 9. Jahrgang 1884 bis zum letzten (14.) Jahrgang 1889 allein die Isis : Zeitschrift für alle naturwissenschaftlichen Liebhabereien heraus.
Er führte zahlreiche beobachtende Forschungen an heimischen und exotischen Vogelarten durch. Seine Beobachtungen veröffentlichte Karl Ruß in mehreren Büchern u. a. das Handbuch für Vogelliebhaber, Züchter und Händler von 1872, in dem er Zucht und Pflege einheimischer Vogelarten beschrieb. Im Jahr 1878 folgte ein weiterer Band dieses Handbuches. Hier beschrieb Ruß die Haltung und Pflege verschiedener exotischer Vogelarten. Der Ornithologe Philipp Leopold Martin würdigte ihn: „Karl Russ hat das Verdienst sich erworben, der Erste zu sein, der mit Umsicht, Geduld und Opfer es dahin gebracht, in kaum 10 Jahren an 150 fremdländischen Vögelarten zu pflegen, wovon 63 Arten wirklich gebrütet haben. Das Beispiel welches Russ geliefert hat, musste nothwendig eifrige Nachahmer finden und hat das Berliner Aquarium unter A. Brehm's Leitung sich in der Vögelzüchtung auf eine staunenswerthe Höhe bereits erhoben.“ Im September 1880 berichtete Karl Ruß erstmals auf einer Versammlung der Deutschen Naturforscher und Ärzte in Danzig über seine Forschungen.
Sein Sohn Karl Ruß jun., der auch an der Redaktion der Zeitschrift Die gefiederte Welt beteiligt war, starb wenige Monate vor seinem Vater. Karl Ruß wohnte zuletzt in der Belle-Alliance-Straße 81. Er starb am 29. September 1899 an einem Herzschlag. Er wurde auf dem Heilig-Kreuz-Kirchhof in Mariendorf beigesetzt.
Otto Finsch ehrte ihn 1877 in Ploceus russi, ein Name der heute als Synonym für den Blutschnabelweber (Quelea quelea (Linnaeus, 1758)) steht. Bereits zwei Jahre vorher, im Jahr 1875, widmete ihm Anton Reichenow Lagonosticta russi, ein Synonym für den Senegalamarant (Lagonosticta senegala (Linnaeus, 1766))
Deutsche Bürger- und Bauern-Predigten. C. M. Roskowski, Bromberg 1862, Digitalisat
Die Orts- und Familien-Namen im preußischen Polen. In: Globus. Illustrirte Zeitschrift für Länder- und Volkskunde. Band 6, Hildburghausen 1864, S. 152–154.
In der freien Natur. Schilderungen aus d. Thier- und Pflanzenwelt .
Erste Reihe. Böttcher, Berlin 1865 (2. Auflage, Haack, Berlin 1875)
Zweite Reihe. Böttcher, Berlin 1868
Naturwissenschaftliche Blicke ins tägliche Leben. Eduard Trewendt, Breslau 1865
Berthold Schwarz: Schönheitspflege. Eine Gabe für jeden Toilettentisch. Haack, Berlin 1866 (2. Auflage 1874)
Rathgeber auf dem Wochenmarkte. Eine Ergänzung zu jedem Kochbuch. Eduard Trewendt, Breslau 1867
Waarenkunde für die Frauenwelt. 3 Bände. Eduard Trewendt, Breslau
Band 1. Nahrungs- und Genussmittel. 1868, Digitalisat
Band 2. Hauswirtschafts-Gegenstände. 1868