An diesem Tag

Karl Moltrecht

Evangelisch-lutherischer Geistlicher, deutsch-baltischer Märtyrer

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Karl Moltrecht (* 12. Maijul. / 24. Mai 1860greg. im Pastorat St. Matthiae, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich; † 20. Januar 1919 bei Tuckum, Lettland), mit vollem Namen Emil Karl Johann Albert Moltrecht, auch Albert Karl Johannes Moltrecht oder Carl Moltrecht geschrieben, lettisch Kārlis Moltrehts oder Kārlis Alberts Johans Moltrehts, mit vollem Namen Emīls Kārlis Johans Alberts Moltrehts, war ein deutsch-baltischer Geistlicher. Er gilt als evangelischer Märtyrer und ist auf dem Rigaer Märtyrerstein verzeichnet.

Die Datumsangaben in diesem Artikel richten sich, wenn nicht anders angegeben, für den Zeitraum bis 1918 nach dem julianischen Kalender.

Karl Moltrecht stammte aus einer in Livland alteingesessenen Familie, die zahlreiche Pastoren hervorgebracht hatte. Auch sein Vater Karl Moltrecht war Pastor. Seine familiäre Prägung war entsprechend christlich.

Karl Moltrecht der Jüngere bestand im Juni 1879 nach dem 1869 begonnenen Besuch der Birkenruhschen Anstalt als Externer seine Maturitätsprüfung am Rigaer Gouvernements-Gymnasium. 1879 bis 1886 studierte er Theologie an der Kaiserlichen Universität Dorpat. Dort gehörte er der Studentenverbindung „Baltische Corporation Livonia Dorpat“ an. 1880 arbeitete er als Hauslehrer in Breslau/Kreis Wolmar in Livland. Vom 5. Oktober 1884 bis 1885 war er Mitglied des Theologischen Vereins Dorpat. Er erhielt 1886 sein Diplom als graduierter Student. Im Oktober dieses Jahres bestand er seine Kandidatenprüfung vor dem livländischen evangelisch-lutherischen Konsistorium.

Von 1886 bis 1887 verbrachte er sein Probejahr bei Pastor Blumenthal in Peterskapelle in Livland. Er wurde am 25. Januar 1887 in Wolmar (lettisch Valmiera) von seinem Vater ordiniert, war 1887 Pastor-Adjunkt in Kremon (lettisch Krimulda) und in St. Matthiae bei seinem Vater, von 1887 bis 1889 dann in Pernigel (lettisch Liepupe) in Livland. 1889 wurde er zum Prediger in Zohden (lettisch Code, in Kurland gelegen) berufen. Dass er als Livländer in Diensten der Kurländischen Kirche stand, war ungewöhnlich. Am 11. Oktober 1889 heiratete er Amalie Johanna.

1891 wechselte er als Pastor nach Dondangen (lettisch Dundaga) in Kurland. Er galt als sehr konservativ, auch in theologischen Fragen. Andersdenkenden gegenüber verhielt er sich allerdings tolerant, freundlich und zurückhaltend. Sowohl bei der deutschen als auch bei der lettischen Gemeinde war er gleichermaßen beliebt. Wenn ein Gemeindemitglied seine Hilfe brauchte, nahm er lange Wege bei jedem Wetter auf sich. Nicht selten musste er dafür Strecken von 60 km auf schlechten Wegen zurücklegen.

Moltrecht gehörte dem Verein zur Bekämpfung der Lepra in Kurland an.

Im Jahre 1893, am 22. Sonntag nach Trinitatis, assistierte Moltrecht Pastor Friedrich van Beuningen-Schleck bei der Einweihung der neuen Kirche der livischen Gemeinde in Popen in Kurland, die auf den Grundmauern der alten, baufälligen Kirche errichtet wurde, welche für den Neubau abgerissen worden war. Die Kirche befand sich in Hörweite des Meeres. Moltrecht ging mit an der Spitze des Zuges, einen Teil der Altargeräte tragend. Dann sprach er vor der Kirche das Gebet. Es wurde später berichtet, dass im selben Moment die Wolkendecke aufbrach und den Sonnenschein hindurch ließ.

Am 5. Mai 1894 starb seine erste Frau; am 8. Juni 1895 heiratete er Betty Wilhelmine Bose, eine Tochter des Verwalters Goswin Bose in Kokenhof in Livland.

Im Mai 1900 wurde er im Alter von nur 40 Jahren zum Propst von Pilten (lettisch Piltene) gewählt.

Im April 1901 wurde ihm das goldene Brustkreuz verliehen.

Am 27. Mai 1901 assistierte Moltrecht dem Generalsuperintendenten Panck bei der Amtseinführung Hermann von Gavels als Pastor von Neuhausen.

Am 13. Dezember 1902 informierte er anlässlich eines ähnlichen Fundes die „Rigasche Rundschau“ über ein seltenes Gleithörnchen, das im Sommer 1880 oder 1881 im Laiksaarschen Kronsforst eingefangen worden war.

Während der Russischen Revolution von 1905

Karl Moltrecht blieb trotz der Lebensgefahr für die Landpastoren auch während der Russischen Revolution 1905 bei seiner Gemeinde.

Im August 1905 geriet Moltrecht in einen Streit um Monumente und Bildnisse örtlicher Patrone in seiner Dondangener Kirche. Die lettische Zeitschrift „Peterburgas awises“ berichtete, bei den Geehrten habe es sich um Tyrannen gehandelt, derer man sich nur mit Hass erinnere. Dies verhindere die Andacht. Ein Monument blockiere gar den Blick und Weg zum Altar. Ein früherer Pastor sei seines Amtes enthoben worden, weil er um die Entfernung der Bildnisse gebeten habe. Moltrecht aber kümmere sich nicht um das Problem, sondern werfe der Gemeinde vor, in Sünde versunken zu sein und sich dringend bekehren zu müssen. Die Zeitung urteilte, es verderbe die Gemeinde, wenn sie zur „Anbetung“ ihrer früheren Tyrannen gezwungen werde. Statt diese „Kirchenschändungen“ zu beseitigen, werde die Gemeinde zum geduldigen Warten auf die Hilfe von oben ermahnt. Die oben Stehenden seien aber nicht daran interessiert, die Bilder ihrer Vorfahren zu entfernen.

Im Anschluss an die Revolution von 1905

Am 11. Maijul. / 24. Mai 1906greg. wurde der Pastor der Nachbargemeinde, Albert Grühn, ermordet. Moltrecht blieb noch immer bei seiner Gemeinde.

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