An diesem Tag

Karl Mathy

Staatsminister in Baden

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Karl Friedrich Wilhelm Mathy (* 17. März 1807 in Mannheim; † 3. Februar 1868 in Karlsruhe) war ein badischer Journalist und Politiker. Nachdem er in jungen Jahren aus politischen Gründen in die Schweiz emigrieren musste und auch nach seiner Rückkehr nach Baden 1840 noch zur linken Opposition zählte, wurde er kurz vor Ausbruch der Märzrevolution zu einem der führenden Vertreter des gemäßigten süddeutschen Liberalismus.

Er war unter anderem Herausgeber der Deutschen Zeitung, Mitorganisator der Heppenheimer Tagung, Mitglied des Fünfzigerausschusses und führender Vertreter der Casino-Fraktion in der Frankfurter Nationalversammlung. Nach der Niederschlagung der Revolution begann er eine Karriere als Bankier, wechselte später wieder in den badischen Staatsdienst und wurde schließlich 1866 als Präsident des Staatsministeriums Regierungschef in Baden.

Mathy war Sohn des Lyzealprofessors Johann Peter Arnold Mathy. Dieser war nach Studium am Heidelberger Jesuitenkolleg ursprünglich katholischer Geistlicher, ehe er nach Streitigkeiten mit der Lazaristenbewegung in den Lehrerberuf wechselte, 1805 zum Protestantismus übertrat und im fortgeschrittenen Alter mit seiner langjährigen Haushälterin, Anna-Maria Joerg, eine Familie gründete, der acht Kinder entstammten.

Nach dem Abschluss des Lyzeums studierte Mathy von 1824 bis 1828 Rechts- und Kameralwissenschaften an der Universität Heidelberg. Dort wurde er 1824 Mitglied der Alten Heidelberger Burschenschaft. Nach dem Ende des Studiums reiste er zu Studienzwecken, aber auch aus politischen Gründen, nach Paris. Begeistert vom Philhellenismus hoffte Mathy, dort vom Philhellenistischen Comitee Mittel für eine Reise nach Griechenland zu erhalten, um die dortige Freiheitsbewegung aktiv zu unterstützen. Nachdem er jedoch nicht in den Freiwilligenverband von Graf Harcourt aufgenommen worden war, kehrte er nach Heidelberg zurück und bestand die Aufnahmeprüfung in den Staatsdienst mit „sehr gut“. 1829 trat er dann als Kameralpraktikant in Mannheim in den badischen Staatsdienst ein. 1832 wechselte er zur Steuerdirektion nach Karlsruhe. Von seinen Vorgesetzten gut beurteilt, schien Mathy eine rasche Karriere im Staatsdienst bevorzustehen, zumal der neue Großherzog Leopold einen vergleichsweise liberalen Kurs verfolgte.

Oppositioneller Journalist im Vormärz

In Karlsruhe nahm Mathy regelmäßig als Zuschauer an den Debatten in der Zweiten Kammer der Ständeversammlung teil und begann, für mehrere lokale Zeitungen über die nach der Julirevolution in Frankreich kontroverser werdenden Debatten zu berichten. 1831 veröffentlichte er die Schrift „Vorschläge über die Einführung einer Vermögenssteuer in Baden“, mit der er die Aufmerksamkeit Karl von Rottecks auf sich zog. Rotteck vermittelte Mathy daraufhin als Berichterstatter über die badischen Kammerverhandlungen an die renommierte Augsburger Allgemeine Zeitung. Gleichzeitig schrieb Mathy Artikel für weitere Zeitungen. 1832 gründete Mathy mit der Zeitschrift Der Zeitgeist eine eigene politische Publikation, in der er für die deutsche Einigung und politische Reformen eintrat.

In dieser Zeit auch materieller Sicherheit kündigte Mathy die Hochzeit mit Anna Maria Franziska Stromeyer an. Die für 1833 geplante Hochzeit scheiterte aber zunächst an den Folgen seines politischen Engagements, bevor sie dann im gleichen Jahr am 17. Juli in Schwetzingen doch noch stattfinden konnte. Mathy hatte als Zuschauer am Hambacher Fest teilgenommen. Bei der danach einsetzenden Verfolgung führender Teilnehmer half er Bekannten und Freunden, wie seinem Schwager Franz Stromeyer, den Verhaftungen zu entkommen. Dies und die einsetzenden Unterdrückungsmaßnahmen des Deutschen Bundes nach dem Frankfurter Wachensturm führten dazu, dass er seines Amtes enthoben wurde. 1833 wurde Mathy aus dem Staatsdienst entlassen und vier Wochen in Untersuchungshaft genommen. Anschließend verdiente er seinen Lebensunterhalt eher spärlich mit Artikeln für das Rotteck-Welckersche Staatslexikon und journalistische Gelegenheitsarbeiten.

Als die Mainzer Zentraluntersuchungskommission aufgrund seiner vielfältigen Kontakte zur politischen Opposition von der badischen Regierung 1835 zum dritten Mal seine Verhaftung forderte, floh er mit seiner Familie über Straßburg in die Schweiz, wo er von Johann Rudolf Schneider unterstützt wurde und als Lehrer und Journalist in Biel und Aarau arbeitete. Als Mitstreiter Mazzinis verfasste er Artikel unter anderem für die Konstanzer Seeblätter und La jeune Suisse. Nachdem er in der Schweiz am 11. Juli 1836 verhaftet und wegen des Verdachts auf Zugehörigkeit zu Mazzinis Geheimbund Junges Europa in Untersuchungshaft genommen wurde, konnte seine Frau die Freilassung aus der Haft erwirken. Er entzog sich dem Zugriff der Berner Behörden durch Flucht und bewarb sich als Gymnasiallehrer in Aarau. Er bekam die Stelle jedoch nicht und trat 1837 eine Stelle als Lehrer in Grenchen an, wo die Familie Zuflucht gefunden hatte. Im Oktober 1837 wurde die Berner Untersuchung gegen Mathy eingestellt, und auch eine Ausweisung drohte ihm nicht mehr. In den folgenden Jahren lebte Mathy als Lehrer in Grenchen. Er kehrte 1840 nach Karlsruhe zurück, nachdem er dort von den politischen Vorwürfen freigesprochen worden war. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als profilierter Journalist und schrieb unter anderem für die lokale Badische Zeitung, die Kölnische Zeitung und das Mannheimer Journal. Ab 1842 war er Herausgeber der Landtagszeitung. Neben tagespolitischen Beiträgen machte er sich vor allem in finanzpolitischen Fragen einen Namen. Bereits 1835 hatte Mathy eine Schrift über den Beitritt Badens zum Deutschen Zollverein veröffentlicht. Im Jahr 1837 wurde eine Schrift von ihm über die Ablösung des Zehnten im Kanton Bern mit einem Preis ausgezeichnet.

Wendung zum gemäßigten Liberalen

1842 wurde Mathy Abgeordneter in der Zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung und 1846 auch Mitglied im Mannheimer Gemeinderat. Seit 1844 nahm er an den als Hallgartenkreis bekannten Treffen auf Adam von Itzsteins Gut in Hallgarten teil. Aufgrund seiner politischen Vergangenheit und seiner journalistischen Tätigkeit zählte Mathy schnell zu den einflussreichsten Oppositionellen in der Ständeversammlung.

Nach dem Ende der konservativen Ära Blittersdorf setzte Baden unter den Regierungen von Boeckh und insbesondere Bekk auf ein liberales Reformprogramm, das zumindest ansatzweise die langjährigen Forderungen der traditionell von Beamten und Professoren geprägten liberalen Opposition in der Ständeversammlung aufgriff. Nicht zuletzt aufgrund der dadurch eröffneten Möglichkeiten, beispielsweise der vergleichsweise freieren Presse, bildete sich in der Ständeversammlung Ende 1846 ein radikalerer Flügel um Politiker wie Friedrich Hecker, Lorenz Brentano und Joseph Ignatz Peter heraus, der die bisherige Politik der liberalen Opposition als zu kompromissbereit und nicht entschieden genug ansah. Mathy war für lange Zeit eines der verbindenden Elemente zwischen diesen Flügeln und wurde von beiden Seiten, sowohl den abwertend als „Halben“ bezeichneten Gemäßigten um Georg Gottfried Gervinus und Carl Theodor Welcker als auch den sich als „Ganzen“ bezeichnenden radikaleren Politikern, die zunehmend revolutionäre Forderungen stellten, als einer der Ihren anerkannt. Das verbindende Element war insbesondere der Kampf für die Gewährung weiterer Bürgerrechte, bei dem Mathy häufig auf die immer noch bestehende Zensur hinwies. Bei aller Kritik war Mathy allerdings bereit, in Sachfragen auch die Regierung zu unterstützen. Er galt insbesondere als Spezialist für Wirtschaftsfragen und „verkörperte [...] in hohem Maße den Vorläufer eines Realpolitikers“. Während der Wirtschaftskrise von 1847 stimmte er einem Regierungsantrag zu, einige größere Fabriken des Landes mit staatlichen Mitteln zu unterstützen, um so den Anstieg der Erwerbslosigkeit zu verhindern. Durch diese gemäßigte Haltung wurden die politischen Unterschiede zwischen Mathy und radikaleren Oppositionellen wie Friedrich Hecker, Gustav Struve, Joseph Fickler oder Lorenz Brentano stärker.

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