An diesem Tag

Karl Lehmann

Deutscher Philosoph und röm.-kathol. Kardinal, Bischof von Mainz

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Karl Kardinal Lehmann (* 16. Mai 1936 in Sigmaringen; † 11. März 2018 in Mainz) war ein deutscher römisch-katholischer Geistlicher, Theologe und Hochschullehrer und von 1983 bis 2016 Bischof von Mainz. Ab 1968 war er ordentlicher Professor für Dogmatik, von 1987 bis 2008 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Lehmann wurde 2001 von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt.

Karl Lehmann wurde in Sigmaringen als älterer von zwei Söhnen geboren und verbrachte seine Jugend in Veringenstadt, wo sein Vater Karl Lehmann (1903–1986) Volksschullehrer war. Die Mutter Margarete Lehmann (1911–1997) war ausgebildete Buchhändlerin. Sein jüngerer Bruder war Reinhold Lehmann (1939–1998). Von 1942 bis 1945 besuchte Karl Lehmann die Grundschulen in Liggersdorf und Langenenslingen, woher auch seine Eltern stammen. Mit dem Besuch des Staatlichen Gymnasiums Sigmaringen trat er in das dortige Erzbischöfliche Studienheim St. Fidelis ein.

Studium, Priesterweihe, Professur

Nach der Schulzeit studierte Lehmann von 1956 bis 1964 Philosophie und Katholische Theologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, wo er im Germanicum-Hungaricum lebte. Er empfing am 10. Oktober 1963 in Rom durch Julius Döpfner die Priesterweihe für das Erzbistum Freiburg. Seine Primiz feierte er zunächst in San Saba und dann auch in Veringenstadt.

1962 wurde Lehmann von der Päpstlichen Universität Gregoriana im Fachgebiet Philosophie mit einer Dissertation zum Thema Vom Ursprung und Sinn der Seinsfrage im Denken Martin Heideggers zum Dr. phil. promoviert. Beim II. Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965 war er als Mitarbeiter des Theologen Karl Rahner tätig; dessen wissenschaftlicher Assistent war er zunächst (1964 bis 1967) am Seminar für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, später (1967) am Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 1967 wurde Karl Lehmann von der Gregoriana im Fachgebiet Theologie mit einer Arbeit zum Thema Auferweckt am dritten Tag nach der Schrift – Exegetische und fundamentaltheologische Studien zu 1 Kor 15, 3b–5 zum Dr. theol. promoviert und durch den Freiburger Erzbischof Hermann Schäufele endgültig für die wissenschaftliche Laufbahn freigestellt.

1968 erhielt er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Dogmatik II der Katholisch-Theologischen Fakultät der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Da Lehmann in Deutschland weder promoviert worden war noch sich habilitiert hatte, war die Berufung mit einem rechtlichen formalen Problem verbunden. Mit Hilfe eines externen Gutachtens des Tübinger Dogmatikprofessors Joseph Ratzinger wurde die Lehrbefähigung Lehmanns, die Venia Legendi, an der Mainzer Fakultät bestätigt.

Zusammen mit Walter Kasper, Joseph Ratzinger, Karl Rahner und anderen plädierte er im Februar 1970 mit dem Memorandum zur Zölibatsdikussion für eine eindringliche Überprüfung und differenziertere Betrachtung des Zölibatsgesetzes der lateinischen Kirche.

Seit 1971 war Lehmann Professor für Dogmatik und ökumenische Theologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau. Ab 1972 war er Mitherausgeber einer

Internationalen Katholischen Zeitschrift. 1974 berief ihn Papst Paul VI. in die Internationale Theologenkommission, der er von 1975 bis zu seiner Bischofsweihe angehörte. Er war Vorsitzender ihrer Unterkommission zum Studium der Theologie der Befreiung. Am 26. März 1979 verlieh ihm Papst Johannes Paul II. den Titel Ehrenprälat Seiner Heiligkeit. Im Dezember desselben Jahres kritisierte Lehmann den Entzug der kirchlichen Lehrbefugnis Hans Küngs durch Johannes Paul II. und bezeichnete diese Entscheidung als „rabenschwarzen Tag für die Theologie“. Ab 1982 war er Mitherausgeber der Schriftenreihe Dialog der Kirchen.

Am 3. Juni 1983 wurde Lehmann vom Mainzer Domkapitel zum Bischof gewählt und infolgedessen am 23. Juni 1983 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Mainz ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm sein Amtsvorgänger, Hermann Kardinal Volk, am 2. Oktober desselben Jahres im Mainzer Dom; Mitkonsekratoren waren Wolfgang Rolly, Weihbischof in Mainz, und Oskar Saier, Erzbischof von Freiburg. Lehmann war der 87. Nachfolger des heiligen Bonifatius auf dem Mainzer Bischofsstuhl und damals der jüngste Bischof Deutschlands.

Nachdem er seit 1985 stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war, wurde er am 22. September 1987 zum Vorsitzenden gewählt. In den Jahren 1993, 1999 und 2005 wurde er jeweils für weitere sechs Jahre in diesem Amt bestätigt. Die letzte Wahl erfolgte auf der Vollversammlung der Bischöfe am 20. September 2005 in Fulda. Am 15. Januar 2008 gab er bekannt, dieses Amt am 18. Februar desselben Jahres niederzulegen.

Im Bistum Mainz führte Lehmann 1996 mit der Strukturreform „…damit Gemeinde lebt“ eine Pastoral ein, in der die einzelnen Gemeinden verstärkt zusammenarbeiten. Diese Pastoralreform wurde im Februar 2007 mit dem Abschluss von Kooperationsverträgen verbindlich. Ein weiteres bedeutendes Ereignis war der 93. Deutsche Katholikentag im Juni 1998, der in Mainz stattfand. Im Januar 2001 gründete er die Initiative „Netzwerk Leben“, die sich für die Beratung von Schwangeren im Bistum einsetzt, nachdem die katholische Kirche in Deutschland aus der Schwangerenkonfliktberatung ausgestiegen war.

Am 21. Januar 2001 verkündete Papst Johannes Paul II. die Namen von 37 Geistlichen, die zur Kardinalskreierung im Konsistorium am 21. Februar vorgesehen waren und kündigte an, in Kürze die Namen weiterer Kardinäle in pectore bekannt zu geben. Diese Ankündigung setzte er am 28. Januar 2001 um und benannte zwei Kardinäle in pectore sowie die Namen von fünf weiteren Priestern, die er in pectore zur Ernennung im Konsistorium am 21. Februar vorgesehen hatte, darunter auch Karl Lehmann. Lehmann wurde im Rang eines Kardinalpriesters mit der Titelkirche San Leone Magno während des Konsistoriums vom 21. bis 23. Februar 2001 zusammen mit 41 weiteren neu ernannten Kardinälen feierlich in sein Amt eingeführt. Nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. nahm er am Konklave 2005 teil.

Bei Vollendung seines 75. Lebensjahres brachte Lehmann aus Altersgründen ein Rücktrittsgesuch vor, dem Papst Benedikt XVI. nicht stattgab. Nach dem Rücktritt Benedikts XVI. nahm Lehmann am Konklave 2013 teil. Die Wahl des neuen Papstes Franziskus begrüßte er und sprach von einem „Neubeginn“. Er stellte sich auch hinter den Papst und verteidigte dessen Vorgehensweise zur Zeit der argentinischen Militärdiktatur.

In einem Interview im Sommer 2015 deutete Lehmann an, dass er mit Vollendung des 80. Lebensjahres im Mai 2016 aus dem Amt scheiden werde. Am 16. Mai 2016, dem 80. Geburtstag Karl Lehmanns, nahm Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch an.

Karl Lehmanns Amtszeit war die drittlängste in der Geschichte des Bistums Mainz. Nur Lothar Franz von Schönborn und Willigis waren länger im Amt.

Der offizielle kirchliche Titel Lehmanns seit seiner Ernennung zum Kardinal lautete:

Seine Eminenz Karl Kardinal Lehmann, Kardinalpriester der Heiligen Römischen Kirche, durch Gottes Barmherzigkeit und des Heiligen Apostolischen Stuhles Gnade, Bischof des Heiligen Stuhles von Mainz.

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