An diesem Tag

Karl Jaspers

Deutscher Philosoph und Psychiater (1883–1969)

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Karl Theodor Jaspers (* 23. Februar 1883 in Oldenburg, Deutschland; † 26. Februar 1969 in Basel, Schweiz) war ein deutscher Psychiater und Philosoph. Er lehrte zuletzt an der Universität Basel und wurde kurz vor seinem Tod auch Schweizer Staatsbürger.

Als Arzt und mit seinem 1913 erschienenen Werk Allgemeine Psychopathologie hat Jaspers grundlegend zur wissenschaftlichen Entwicklung der Psychiatrie beigetragen. Er gilt auch als herausragender Vertreter der Existenzphilosophie, die er vom Existentialismus Jean-Paul Sartres strikt unterschied. Sein philosophisches Werk wirkt insbesondere in den Bereichen der Religionsphilosophie, Geschichtsphilosophie und der interkulturellen Philosophie nach. Mit seinen einführenden Schriften zur Philosophie, aber auch mit seinen kritischen Schriften zu politischen Fragen wie zur Atombombe, zur Demokratieentwicklung in Deutschland und zur Debatte um eine deutsche Wiedervereinigung hat er hohe Auflagen erreicht und ist einem breiteren Publikum bekannt geworden.

Karl Jaspers war der Sohn des Bankdirektors und Landtagsabgeordneten Carl Wilhelm Jaspers (1850–1940) und dessen Frau Henriette geborene Tantzen (1862–1941), der Tochter des oldenburgischen Landtagspräsidenten Theodor Tantzen der Ältere. Das Geburtshaus lag in der Moltkestraße 19, später, im Jahre 1892, zog die Familie dann in die Bismarckstraße 12 um. Der oldenburgische Ministerpräsident Theodor Tantzen der Jüngere war ein Onkel Jaspers’. Väterlicherseits entstammte er einer wohlhabenden Bankiersfamilie, die er als liberal-konservativ bezeichnete. Sein Urgroßvater hatte durch Schmuggelgeschäfte ein immenses Vermögen erworben, mit dem Jaspers’ Großvater aber verschwenderisch umgegangen war. Vor diesem Hintergrund vermittelten ihm seine Eltern Verantwortungsbewusstsein und kritisches Denken.

Sein Bruder Enno (1889–1931) war Rechtsanwalt in Oldenburg, seine Schwester Erna Margarethe (1885–1974) war verheiratet mit Eugen Dugend (1879–1946), dem Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts Oldenburg.

Karl Jaspers war Schüler des Alten Gymnasiums in Oldenburg.

Von Kindheit an litt Jaspers an Bronchialproblemen (angeborenen Bronchiektasen), die seine körperliche Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigten und ihn anfällig für Infektionen machten. Strikte Disziplin zur Aufrechterhaltung seiner Gesundheit bestimmte und beschränkte nach autobiographischen Zeugnissen daher sein Leben, das allerdings wie das seiner Geschwister zusätzlich durch familiäre Umstände erheblich belastet war und ihn für psychologische Fragen sensibilisierte.

Jaspers studierte zunächst Ende 1901 in Heidelberg und später in München drei Semester Rechtswissenschaft. Nach einem Kuraufenthalt in Sils-Maria nahm er 1902 in Berlin ein Medizinstudium auf, das er ab 1903 in Göttingen und ab 1906 in Heidelberg weiterführte. Hier wurde er mit Unterstützung von Karl Wilmanns am 8. Dezember 1908 bei Franz Nissl promoviert, dem Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik, der ihm nach seiner Approbation von 1909 bis 1914 Gelegenheit zur Mitarbeit als Volontärassistent gab.

1907 lernte Jaspers Gertrud Mayer (1879–1974) kennen, die als Assistentin im Sanatorium Oskar Kohnstamms arbeitete. Sie stammte aus einer orthodoxen deutsch-jüdischen Kaufmannsfamilie in Prenzlau in der Uckermark und war die Tochter des Kaufmanns David Mayer (1834–1929) und dessen Frau Clara (1845–1912). Gertruds älterer Bruder war der Historiker Gustav Mayer, ihr jüngerer Bruder der später in Berlin tätige praktische Arzt Ernst Mayer (1883–1952), ein Studienfreund von Jaspers, der ihm als Gesprächs- und Briefpartner über Jahrzehnte verbunden blieb. Karl Jaspers und Gertrud Mayer heirateten 1910. Sie überlebte die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland nur dank dieser Ehe.

Max Weber, den er 1909 durch Hans Walter Gruhle kennengelernt hatte, wurde wissenschaftliches Vorbild für Jaspers. 1910/11 nahm er zeitweise am Arbeitskreis über die psychologischen Theorien Freuds und verwandter Anschauungen teil. Diese Gruppe hatte sein jüngerer Mitassistent Arthur Kronfeld aufgrund des jahrelangen Austausches mit seinem Freund, dem späteren Nobelpreisträger Otto Meyerhof, aus dem Kreis des Göttinger Philosophen Leonard Nelson heraus ins Leben gerufen. Daran beteiligt waren neben Gruhle auch Meyerhofs Kollege Otto Warburg sowie der Medizinstudent Wladimir Eliasberg, der später mit Kronfeld in der großen, europaweiten Psychotherapiebewegung der 1920er Jahre eine bedeutende Rolle spielte. Jaspers hat diesen Kreis nie erwähnt, obwohl er später selbst eine wissenschaftliche Begründung der Psychotherapie einforderte und sich bis zu seinem Lebensende mit der Psychoanalyse und ihren weltanschaulichen Ansprüchen kritisch auseinandersetzte.

Am 13. Dezember 1913 legte Jaspers als gerade Dreißigjähriger mit Unterstützung von Nissl und Weber an der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg bei Wilhelm Windelband sein Lehrbuch der Allgemeinen Psychopathologie als Habilitationsschrift vor und konnte sich im Fach Psychologie habilitieren. Mit dieser Schrift hinterließ Jaspers bei seinem Wechsel in die Philosophie der Psychiatrie ein bis heute richtungweisendes Werk, das in der Fachwelt umgehend große Anerkennung fand. Mit seiner Erweiterung des psychiatrischen Methodenarsenals um die psychische Krankheitserscheinungen beschreibende psychologisch-phänomenologische Methode überwand Jaspers Vorbehalte der Hirnforschung gegen die von ihm so genannte Hirnmythologie und ging gleichzeitig deutlich über den experimental-psychologischen Ansatz Wilhelm Wundts hinaus, den vor ihm Emil Kraepelin in die Psychiatrie eingebracht hatte.

Während des Ersten Weltkriegs lag Karl Jaspers’ Bruder, Enno Jaspers, in der Etappe. Karl Jaspers befürchtete, aufgrund seines schwächlichen Gesundheitszustandes dennoch zum Landsturm ohne Waffe eingezogen zu werden, was ihm allerdings erspart blieb. Mit seinem Bruder Enno korrespondierte er in dieser Zeit. Bereits nach zwei Jahren Lehrtätigkeit am Philosophischen Seminar der Universität Heidelberg wurde Karl Jaspers dort 1916 zum außerordentlichen Professor ernannt. 1920 trat er die Nachfolge von Hans Driesch an und rückte damit zum Extraordinarius auf. Im selben Jahr begann seine Freundschaft mit Martin Heidegger, die bis zu dessen Eintritt in die NSDAP im Mai 1933 dauerte. Es folgten gegenseitige Besuche und ein reger Briefwechsel. Heidegger hatte Jaspers’ Psychologie der Weltanschauungen in einer großen Rezension gewürdigt und war sehr von diesem Werk beeinflusst. Da ihre Ausarbeitung des Seinsdenkens aber doch sehr unterschiedlich war, hielt sich die fachliche Diskussion in Grenzen.

Noch schneller wurde Jaspers ordentlicher Professor: 1921 führten Bleibeverhandlungen wegen an ihn ergangener Berufungen dazu, dass für ihn ein persönliches Ordinariat eingerichtet und er damit neben Heinrich Rickert 1922 Mitdirektor des Seminars wurde. Nach Ausbildung und Haltung bestand zu Rickert eine erhebliche Distanz, die sich auch in beider Auffassung von Philosophie niederschlug. Für Rickert – als neukantianisch eingestellten wissenschaftsorientierten Philosophen – war schon die Berufung des fachfremden Jaspers mit seinem psychologischen Hintergrund, vor allem aber seine Orientierung an der Seinsfrage, schwer zu akzeptieren. Über die unterschiedliche Bewertung von Leistung und Person des von Jaspers hoch geschätzten Max Weber kam es früh auch zum persönlichen Bruch zwischen Jaspers und Rickert.

In den folgenden Jahren konzentrierte sich Jaspers auf eine intensive und tiefe Einarbeitung in die Geschichte und Systematik der Philosophie. Zunächst las er über die großen Philosophen und begann ab 1927 mit der Ausarbeitung seines dreibändigen Hauptwerks Grundriss der Philosophie, das er ab 1924 im regen Austausch mit seinem Freund und Schwager Ernst Mayer entwickelt hatte. Hannah Arendt promovierte 1926–1928 bei Jaspers über den Liebesbegriff bei Augustin. Ihre Freundschaft begann im Jahr 1932 und endete erst mit seinem Tod.

Verhältnis zum Nationalsozialismus

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten glaubte Jaspers sich immer noch mit dem Freiburger Philosophen Martin Heidegger, der am 1. Mai 1933 der NSDAP beigetreten war, in einer Art Kampfgemeinschaft gegen den „Niedergang der Universität“ verbunden, der sich, wie Jaspers es formuliert, „seit hundert Jahren langsam, seit dreißig Jahren schnell“ vollziehe. Jaspers und Heidegger teilten, lange vor 1933, die Auffassung von der Universität als Stätte der Erziehung und Ausbildung einer geistesaristokratischen Elite, die sich von der „Vermassung“ und vom bloßen Wissenschaftsmanagement abhob. Am 20. April 1933 schrieb er an Heidegger: „Sie sind bewegt von der Zeit –, ich bin es auch. Es muß sich zeigen, was eigentlich in ihr steckt.“

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