An diesem Tag

Karl Haushofer

Deutscher Geograph und Geopolitiker

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Karl Ernst Haushofer (* 27. August 1869 in München; † 10. März 1946 auf dem Hartschimmel-Hof bei Pähl am Ammersee) war ein deutscher Offizier, Geograph und bekannter Vertreter der Geopolitik.

Leben und Schritte der Berufsentwicklung

Karl Haushofer war der älteste Sohn des Münchener Professors für Nationalökonomie Max Haushofer Jr. (1840–1907) und seiner Frau Adele Fraas (1844–1872). Sein Großvater war der Landschaftsmaler Max Haushofer Senior; zur Familie gehörten noch die Geschwister Marie (1871–1940) und Alfred (1872–1943). Nach dem Tod der Mutter 1872 übernahm die Großmutter Adele Fraas (1819–1889) die Erziehung der Kinder. Nach Absolvierung des humanistischen Gymnasiums trat Karl Haushofer 1887 zunächst als Einjährig-Freiwilliger in das 1. Feldartillerie-Regiment „Prinzregent Luitpold“ der Bayerischen Armee ein. Im Jahr darauf wurde er Dreijährig-Freiwilliger und Offiziers-Aspirant. Er erhielt eine hervorragende Beurteilung. Nach dem Besuch der Kriegsschule folgte 1889 seine Beförderung zum Sekondeleutnant. Von 1890 bis 1892 absolvierte er die Artillerie- und Ingenieurschule. Daran schloss sich 1895 der Besuch der Bayerischen Kriegsakademie an.

In dieser Zeit lernte er Martha Mayer-Doss (1877–1946) kennen, Tochter eines 1882 vom Judentum zum Katholizismus übergetretenen Tabakfabrikanten aus Mannheim, die er 1896 in der Wallfahrtskirche St. Anton oberhalb von Partenkirchen heiratete. Die 19-jährige Braut war sehr sprachbegabt, beherrschte Englisch und Französisch, und hatte großes Interesse an politischen Fragen, frauenrechtlichen Themen und dem aktuellen Geschehen um sie herum. Das stand etwas im Gegensatz zu Karl Haushofers Vorstellungen, aber er duldete es. Aus der Ehe gingen die Söhne Albrecht (1903–1945) und Heinz (1906–1988) hervor.

Im Jahre 1898 beendete Karl Haushofer die Kriegsakademie, die ihm die Qualifikation für den Generalstab, die Höhere Adjutantur und das Lehrfach zusprach. Im Anschluss daran wurde er Adjutant der 1. Feldartillerie-Brigade und 1899 für zwei Jahre zum Generalstab kommandiert. 1901 kehrte Haushofer als Hauptmann zu seinem Stammregiment zurück und war hier für drei Jahre als Batteriechef tätig. 1904 folgte seine Versetzung zur Zentralstelle des Generalstabs sowie die Kommandierung an die Kriegsakademie. Haushofer unterrichtete dort den 37. Lehrgang in Kriegsgeschichte und Geschichte der Kriegskunst, wurde jedoch 1907 mitten im Semester zum Generalstab der 3. Division in Landau in der Pfalz versetzt, was er als Strafmaßnahme empfand. Im April 1907 starb dann auch noch sein Vater.

Diese Ereignisse stürzten Karl Haushofer in eine ernsthafte Krise. Er haderte mit dem „Militärischen“, das nicht mehr seinem Interesse entspreche, sehnte sich nach der Lehrtätigkeit zurück und suchte nach Möglichkeiten einer anderen Berufslaufbahn. Mit dem in seinem Alter erreichten Dienstgrad als Hauptmann sah er keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten. Er plante, sich auf die freiwerdende Stelle des Militärattachés in Konstantinopel zu bewerben, nahm davon jedoch Abstand, als er erfuhr, dass es fast ausschließlich um die Wahrnehmung repräsentativer Aufgaben gehe. Kurze Zeit später trug ihm der Mitarbeiter des Generalstabes Heinrich Graf von Luxburg (1874–1960) Informationen über eine Ausschreibung für eine Inspektionsreise nach Japan zu. Auch hierfür konnte er sich nur schwer entscheiden. Erst auf Drängen seiner Ehefrau Martha Haushofer gab er seine Bewerbung, fast zu spät, ab.

Am 24. Juni 1907 erhielt Karl Haushofer davon Kenntnis, dass er für diesen Auslandsauftrag ausgewählt worden war. Es blieben ihm nun noch knapp 16 Monate bis zur Einschiffung. Mit der Abgabe der Bewerbung stand fest, dass ihn seine Ehefrau begleiten würde. „Ich war ja die treibende Kraft bei dem Entschluss gewesen“ vertraute sie ihrem Reisetagebuch an. Von Beginn an war sie in die Reisevorbereitungen mit einbezogen. Die benötigte Fachliteratur stellte sie zusammen. Sie fertigten Länderskizzen an, prüften mögliche Kontakte und Konsultationspartner im Vorfeld. Doch mit dem Erlernen der japanischen Sprache tat er sich recht schwer, während Martha recht gut zurechtkam.

Zur Reisegruppe gehörten außer Karl und Martha Haushofer nur der bereits erwähnte Heinrich Graf von Luxburg und der Strafrechtler und Cousin von Martha, Max Ernst Mayer (1875–1923). Martha führte ein Tagebuch, um die vielen neuen und wissenschaftlich verwertbaren Kenntnisse recht authentisch festzuhalten. Für Karl Haushofer bestand das Ziel der Reise darin, die politische und militärische Situation in den besuchten Ländern genau zu studieren, zur Festigung der Beziehungen dieser Länder mit Deutschland beizutragen und dabei mögliche strategische Partnerschaften zu überprüfen. In Japan war vorgesehen, ihn zunächst an der deutschen Botschaft in Tokio und anschließend bei einem japanischen Feldartillerieregiment, in der Nähe von Kyoto, als militärischen Beobachter einzusetzen.

Am 19. Oktober 1908 bestieg man in Genua den Reichspostdampfer „Goeben“. Jahrzehnte später schrieb Stefan Zweig in seinen Erinnerungen Die Welt von Gestern: „Von Kalkutta aus nach Hinterindien und auf einem Flußboot den Irawadi hinaufsteuernd, war ich täglich stundenlang mit Karl Haushofer und seiner Frau zusammen, der als deutscher Militärattaché nach Japan kommandiert war. Dieser aufrechte, hagere Mann […] gab mir die erste Einsicht in die außerordentlichen Qualitäten und die innere Zucht eines deutschen Generalstabsoffiziers. […] Haushofer […] kam aus einer kultivierten, gutbürgerlichen Familie […] und seine Bildung war auch jenseits des Militärischen universal. Beauftragt, die Schauplätze des russisch-japanischen Krieges an Ort und Stelle zu studieren, hatten sowohl er als seine Frau sich mit der japanischen Sprache, ja auch Dichtung, vertraut gemacht […]. Er arbeitete auf dem Schiff den ganzen Tag, verfolgte mit dem Feldstecher jede Einzelheit, schrieb Tagebücher oder Referate, studierte Lexika; selten habe ich ihn ohne ein Buch in Händen gesehen. Als genauer Beobachter wußte er gut darzustellen; ich lernte von ihm im Gespräch viel über das Rätsel des Ostens, und heimgekehrt, blieb ich dann mit der Familie Haushofer in freundschaftlicher Verbindung; wir wechselten Briefe und besuchten einander in Salzburg und München.“

Über Singapur und Hongkong erreichte man nach vier Monaten, am 19. Februar 1909, Japan und wurde in Tokio durch Angehörige der deutschen Botschaft begrüßt. Die ursprünglich für Karl Haushofer vorgesehene Beschäftigung an der Botschaft oder dem Attachébüro kam nicht zustande, da er sich aufgrund seines Dienstgrades als Major dem amtierenden Militärattaché, Hauptmann Paul Walter Bartels, hätte unterordnen müssen. Ein solches Ansinnen lehnte er brüsk ab und der amtierende Geschäftsträger der Gesandtschaft Alfons Mumm von Schwarzenstein (1859–1924) bestätigte, dass für Haushofer auch keine Notifizierung beim japanischen Außenministerium erfolgen werde. Schließlich hielt er sich nur 7 Wochen in Tokio auf, in denen er mit hohen Amtsträgern Japans und Führern der Japanischen Armee bekannt gemacht wurde. Danach ging es weiter in das südwestliche Japan in Begleitung des Dolmetschers Murata, da Karl Haushofer mit der japanischen Sprache nicht zurechtkam. Die Regenzeit verbrachten sie in Kyoto und kamen in der Region um den Fujiyama im August 1909 an. Auf dieser Reiseetappe hatte Karl Haushofer mit erheblichen Depressionen zu kämpfen. Zukunftsängste plagten ihn, und da er sich noch nie längere Zeit an fremden Orten wohlgefühlt hatte, befiel ihn ein heftiges Heimweh. Das führte ihn zeitweilig fast bis zur Handlungsunfähigkeit. Seine Stimmung hellte sich erst wieder im September auf, als er beim Besuch der Mandschurei zahlreiche japanische Offiziere der Besatzungstruppen kennenlernte. Hier war er als bayerischer Offizier gefragt. Er erfuhr vom Fortschritt des Aufbaus der südmandschurischen Eisenbahn, besichtigte Militärobjekte in Tianjin, tauschte Militärerfahrungen über die Kriegshandlungen Japans gegenüber China und Russland aus und lernte hier auch den Sekretär der japanischen Kolonialvertretung Honda Kumatarō kennen, der 1924 japanischer Botschafter in Berlin wurde.

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