An diesem Tag

Karl Friedrich Schinkel

Preußischer Architekt und Maler (1781–1841)

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Karl Friedrich Schinkel (* 13. März 1781 in Neuruppin; † 9. Oktober 1841 in Berlin) war ein Architekt, Stadtplaner, Denkmalpfleger und bildender Künstler in Preußen, der den deutschen Klassizismus und den Historismus entscheidend mitgestaltete. Als Leiter der Oberbaudeputation unterstand ihm eine Bauverwaltung, die fast alle staatlichen Bauvorhaben in ökonomischer, funktionaler und ästhetischer Hinsicht überprüfte. Schinkel war Oberlandesbaudirektor und Architekt des Königs. Seine Bauwerke prägen heute noch das Stadtbild der Mitte Berlins und weiterer Orte.

Nach ihm wurde die Schinkelschule benannt, bei der es sich um mehrere Generationen von Architekten handelt, die unter seinem stilbildenden Einfluss standen. Zu seinen Hauptwerken zählen neben historisch bedeutenden Sakral- und Profanbauten wie der Nikolaikirche in Potsdam, der Friedrichswerderschen Kirche, der Neuen Wache, dem Schauspielhaus und dem Alten Museum in Berlin auch architektonisch revolutionäre Bauten wie das Berliner Gewerbeinstitut und die Schinkelsche Bauakademie. Sowohl hinsichtlich der Bautechniken, Raumkonzepte als auch der Gestaltung gelten einige Werke Schinkels als Wegbereiter des Modernismus in der Architektur.

Jugend, Ausbildung und Studium

Karl Friedrich kam als Sohn von Johann Cuno Christoph (1736–1787) und Dorothea Schinkel, geb. Rose (1749–1800), in Neuruppin zur Welt. Er war das dritte von fünf Kindern. Sein Vater arbeitete als Archidiakon und Superintendent der Kirchen und Schulen des Kreises. In seinem Haus versammelten sich Bildungsreformer, zu denen der Verleger Friedrich Nikolai ebenso gehörte wie der zweite Bürgermeister der Stadt, Justizrat Daniel Noeldechen, und die neuen, jungen Leiter der höchsten Bildungseinrichtung Neuruppins, der Lateinschule. So wuchs Schinkel die ersten Jahre in einem protestantischen Pfarrhaus auf, bis er im Alter von sechs Jahren seinen Vater verlor. Dieser hatte sich bei Löscharbeiten in dem verheerenden Großbrand in Neuruppin vom 26. August 1787 eine tödliche Lungenentzündung zugezogen; auch die Pfarrkirche St. Marien als Arbeitsort des Vaters sowie das Pfarrhaus, in welchem Karl Friedrich, seine drei Schwestern und der Bruder geboren worden waren, wurden ein Raub der Flammen. Nach einer provisorischen Quartiernahme beim befreundeten Pfarrer Seeliger zog die Familie in das Predigerwitwenhaus in der Fischbänkenstraße um; das Haus ist bis heute erhalten. Seit dem Tod des Vaters im Oktober 1787 war der Vormund für die Kinder Justizrat Daniel Noeldechen. Der junge Schinkel erlebte die abgebrannte Stadt und deren Wiederaufbau; die im Zentrum der Stadt aufgebaute neue Hohe Schule im klassizistischen Stil besuchte er mit ihrer Eröffnung vom 24. November 1791 bis 1794.

In diesem Jahr nahm seine Mutter den Wohnsitz mit dreien ihrer Kinder, Karl Friedrich, Friedrich Wilhelm und Charlotte, im Predigerwitwenhaus in der Berliner Papenstraße 10. Der damals schon sehr bekannte Apotheker Valentin Rose dem Jüngeren und Cousin der Schinkel-Kinder übernahm die gesetzliche Vormundschaft für die drei jüngeren Geschwister; die zweitälteste, Sophie, heiratete und nahm die Älteste der Schinkel-Kinder, Dorothea, mit in das Pfarrhaus Kränzlin. In Berlin wurde Karl Friedrich Schüler am Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Er war musikalisch und im Zeichnen sehr begabt; ansonsten sind seine schulischen Leistungen nicht erwähnenswert. Zu dieser Zeit galt in Berlin der junge Friedrich Gilly als das aufstrebende Talent unter den deutschen Architekten. 1797 hatte er mit einem Denkmalsentwurf für Friedrich den Großen für Aufsehen gesorgt. Nach dem Besuch einer Ausstellung mit Architekturzeichnungen Friedrich Gillys stand Schinkels Berufsziel fest: Er wollte Baumeister werden. 1798 verließ Schinkel das Gymnasium und wurde zum Schüler und engen Freund Friedrich Gillys und dessen Vaters David Gilly. Er besuchte deren „Lehranstalt zum Unterricht junger Leute in der Baukunst“ in Berlin, wo er wie andere Architekturstudenten auch zugleich wohnte. Außerdem wurde er im Umkreis des jungen Gilly Mitglied der Privatgesellschaft junger Architekten. 1799 absolvierte er das Feldmesser-Examen vor dem Oberbaudepartement, schrieb sich zusätzlich als Student an der soeben von König Friedrich Wilhelm II. von Preußen neu gegründeten Berliner Bauakademie ein und absolvierte dort 1799/1800 ein einsemestriges Kurzstudium. Die Ausbildung in der Bauakademie war üblicherweise praxisorientiert. Lediglich im Winter waren Lehrstunden vorgesehen, den Sommer verbrachten die Studenten auf Baustellen. Zusätzlich bereicherte Schinkel seine Ausbildung durch den Besuch von Vorlesungen an der Königlichen Akademie der Schönen Künste. Schon 1800 taucht sein Name in den Verzeichnissen nicht mehr auf. Schinkel gehörte zu den Ersten, die die Fachprüfungen für den Staatsdienst ablegten und den Titel eines Bauleiters oder Baustelleninspektors erlangten.

In diesem Jahr starb Schinkels Mutter; der jüngere Bruder war schon 1795 gestorben. Als am 3. August 1800 auch sein Mentor und Freund Friedrich Gilly starb, übergab dessen Vater David Schinkel alle Bauprojekte Friedrichs. Unter der Leitung David Gillys setzte der 22-jährige Schinkel diese fort. Dazu gehörte das für den Kaufmann Sigmund Otto Joseph von Treskow 1805/1806 erbaute klassizistische Schloss Owinsk (heute Owińska bei Poznán); die 1806 unvollendet gebliebenen Räume wurden nach Schinkelschen Entwürfen erst am Ende der 20er Jahre des 19. Jahrhunderts fertiggestellt. Sein erstes Bauwerk, das er plante, entstand auf dem Pfingstberg: der Pomonatempel. Weitere Frühwerke Schinkels entstanden ab 1800 auf dem Vorwerk Bärwinkel im Oderbruch und bis 1803 beim Wiederaufbau des in der Nähe liegenden abgebrannten Dorfes Quilitz (heute Neuhardenberg). Das Verwalter- und Molkenhaus auf Bärwinkel gilt als sein erstes architektonisches Hauptwerk und ist nach Auffassung des Bauhistorikers Goerd Peschken ein Folly aus romanischer Basilika und Salomonischem Tempel.

1803 bis 1810, Leben und Wirken, Bildungsreise und Malerei

Schinkel unternahm 1803 seine erste Italienreise, deren Bedeutung für seinen künstlerischen Werdegang grundlegend wurde. Er nahm während der Reise mit offenen Augen Eindrücke auf und hielt sie in Skizzen, Tagebuchaufzeichnungen und Briefen fest. Zahlreiche Landschaftszeichnungen und Aquarelle überwiegen gegenüber reinen Architekturaufnahmen. Damals galt er für Joseph Anton Koch und andere Maler mehr als Landschaftsmaler denn als Architekt. Die herausragende Stellung der Malerei in Schinkels gesamtem Lebenswerk erkennt man daran, dass er sich auch später, als die Pflichten als Architekt immer größer wurden, beständig der Malerei widmete. Letztendlich können Malerei und Architektur in seinem Werk nicht scharf getrennt werden.

In seinen Bildern erkennt man den Architekten und in seinen Bauten den Maler. Auf seiner Bildungsreise hielt er sich wochenlang in Dresden, Prag und Wien sowie in Triest und anderen alten Adriastädten auf. Als er und sein Reisebegleiter Johann Gottfried Steinmeyer, der spätere Architekt von Putbus, einmal in einer Herberge Zeuge einer pikanten Szene im Nachbarzimmer wurden, predigte Schinkel „Ruhe und Bezähmung“ als das „Edelste des Menschen“. Über Venedig, Padua, Ferrara, Bologna, Florenz und Siena gelangte er nach Rom. Dort traf er auf Wilhelm von Humboldt und gewann ihn zum Freund. Im April 1804 reiste er weiter nach Neapel und bestieg den Vesuv. Einen dreimonatigen Abstecher nach Sizilien betrachtete er als Krönung seiner Reise. Er fertigte auch dort zahlreiche Zeichnungen und Skizzen von Landschaften oder architektonischen Eindrücken an. Der Rückweg führte ihn über Pisa, Livorno, Genua, Mailand, Turin und Lyon nach Paris, wo er im Dezember 1804 eintraf und unter anderem im Musee Napoleon die Beutekunst Bonapartes besichtigte. 1805 kehrte Schinkel über Straßburg, Frankfurt und Weimar nach Berlin zurück.

Nach der preußischen Niederlage gegen die Franzosen in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 war es in Preußen nicht möglich, größere Bauprojekte zu realisieren. Da Schinkel nicht nur ein begabter Architekt, sondern auch Maler war, nutzte er den Freiraum vermehrt für Gemälde. Die Architektur prägte auch den Charakter seiner in der Folge entstandenen Bilder, bei denen häufig utopische und ideale Stadtlandschaften im Zentrum stehen. 1807 bis 1815 malte er unter anderem Panoramen und Dioramen für Wilhelm Ernst Gropius (1765–1852), der in seinem damaligen Wohnhaus in der Berliner Breite Straße ein Café betrieb und seit 1806 eine Maskenfabrik und ein Figurentheater besaß. Hier wohnte Schinkel auch zeitweise. Dessen Sohn Karl Wilhelm Gropius, der Dekorationsmaler, Verleger, Schausteller und ab 1820 königlicher Theaterinspektor war, zählte ebenfalls zu Schinkels Bekanntenkreis. In dem von französischen Truppen besetzten Berlin zeigte Schinkel 1807 die ersten Panoramabilder, darunter von Konstantinopel und Jerusalem. Das Panorama von Palermo war 1808 besonders erfolgreich. Als das vor Napoleon geflohene Königspaar Friedrich Wilhelm III. und Luise im Dezember 1809 aus Ostpreußen zurückkehrte, ließ es sich Schinkels neue Panoramabilder zeigen.

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