Karl Friedrich von Baden (* 22. November 1728 in Karlsruhe; † 10. Juni 1811 ebenda) war Markgraf von Baden-Durlach (1738–1771), Markgraf von Baden (1771–1806), Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches (1803–1806) und erster Großherzog von Baden (1806–1811). Mit 73 Jahren Amtszeit ist er einer der am längsten regierenden Monarchen der Geschichte.
Karl Friedrich war der Sohn des Erbprinzen Friedrich von Baden-Durlach und dessen Ehefrau Anna Charlotte Amalie von Nassau-Dietz-Oranien, der Tochter des Prinzen Wilhelm Friso von Nassau-Dietz-Oranien.
Nachdem sein Vater 1732 verstorben war und da die Mutter unter einer Gemütskrankheit litt, übernahm die Großmutter, Markgräfin Magdalena Wilhelmine von Württemberg, die Erziehung Karl Friedrichs und seines Bruders Wilhelm Ludwig. 1738 folgte er seinem verstorbenen Großvater Karl III. als Markgraf nach. Aufgrund seines Alters regierte er zunächst nicht selbst, sondern blieb unter Vormundschaft seiner Großmutter und seines Onkels Karl August von Baden-Durlach. Seine höhere Ausbildung erhielt Karl Friedrich an der Académie de Lausanne 1743–1745. 1745/46 führten ihn Reisen nach Paris und in die Niederlande, wo er bei seinem Onkel Wilhelm Carl Heinrich Friso, dem späteren Erbstatthalter der Vereinigten Provinzen der Niederlande, lebte.
Am 13. Oktober 1746 erfolgte die kaiserliche Mündigkeitserklärung, und Karl Friedrich übernahm die Regierung als Markgraf von Baden-Durlach. Karl Friedrich kehrte über die Fürstenhöfe in Kassel und Darmstadt nach Karlsruhe zurück und übernahm am 22. November 1746, seinem 18. Geburtstag, formal die Regentschaft, wobei er sich – nach Andeutungen in der Literatur – bis nach seiner Heirat 1751 wenig um die Regierung kümmerte.
Zu Beginn des Jahres 1747 kursierten Gerüchte, wonach Karl Friedrich sich dem Katholizismus zuwenden wolle. Dies und Nachrichten über einen losen Lebenswandel (Kartenspiel und amouröse Abenteuer) veranlassten seinen Onkel Wilhelm Carl Heinrich Friso zu Mahnungen, eine geplante Italienreise zu verschieben und sich nicht die Aussichten auf eine „gute Partie“ zu verderben.
Im August 1747 begab er sich zu einem weiteren Besuch in die Niederlande und anschließend nach England, wo er an der Parlamentseröffnung teilnahm. 1748 kehrte er über die Niederlande in die Heimat zurück, wo er nun auch das Oberland besuchte. Zu Beginn des Jahres 1749 warb er um die Hand der Karoline Luise von Hessen-Darmstadt, Tochter des Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt, und im Oktober wurde der Ehepakt zwischen den Fürstenhäusern geschlossen.
Das Haus Baden-Durlach war zufrieden, den Regenten, der im Dezember Vater eines unehelichen Kindes aus der Beziehung mit Elise Barbara Schlutter werden sollte, standesgemäß verheiratet zu haben. Das Haus Hessen-Darmstadt war ebenfalls erfreut, einen standesgemäßen Gemahl für Karoline Luise gefunden zu haben, nachdem sie bereits mehrfach Bewerber abgelehnt hatte. Ursprünglich war es eine Konvenienzehe, die aber zwei außergewöhnliche Menschen zusammenbrachte und offenbar zu einem glücklichen Eheverhältnis führte – auch wenn die Geschichtsschreibung durch badische Hofbeamte teilweise einen Schleier über die Verhältnisse legt. Nach dem Ehepakt kam am 18. Dezember 1749 zunächst der uneheliche Sohn auf die Welt, und das Haus Baden-Durlach arrangierte im Januar 1750 eine Ehe zwischen Elise Barbara Schlutter und dem Oberjäger Johannes Mono. Von Mitte Januar bis Mitte September begab sich Karl Friedrich nach Italien, um die lang geplante Reise zu unternehmen, und frönte dort einem so verschwenderischen Lebenswandel, dass sich sein Hofratspräsident Friedrich Johann Emich von Üxküll-Gyllenband zu einer Ermahnung seines Fürsten veranlasst sah. Am 28. Januar 1751 fand dann endlich die Hochzeit statt, aber im Mai brach Karl Friedrich – ohne Ehefrau – zu seiner zweiten Englandreise auf, von der er erst im September zurückkehrte. Von da an scheint sich Karl Friedrich ernsthaft mit der Regierung seines Landes beschäftigt zu haben.
1771 erbte er die seit 1515 bzw. 1535 von der „bernhardinischen Linie“ regierte Markgrafschaft Baden-Baden und führte die beiden Markgrafschaften zur Markgrafschaft Baden zusammen.
Er gilt als Musterbeispiel eines aufgeklärten absolutistischen Herrschers, förderte in seiner langen Regierungszeit Schulen und Universitäten, Rechtsprechung, Verwaltung, Wirtschaft und Landwirtschaft, Kultur und Städtebau. Verdienste erwarb er sich vor allem um die Reorganisation der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, die seither den Beinamen „Karl“ ihm zu Ehren führt. Er schaffte 1767 die Folter und 1783 die Leibeigenschaft ab. 1809 erließ er das fortschrittliche Badische Judenedikt. Auf seine Initiative gehen die Gründungen der Schmuck- und Uhrenindustrie und der ersten „Zeichenschule für Handwerker“ (1767) in Pforzheim zurück. Um 1780 brachte Karl Friedrich den Gutedel-Wein aus dem schweizerischen Vevey ins Markgräflerland.
Infolge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 wurde Karl Friedrich Kurfürst und ab 1806 Großherzog des neuen und stark vergrößerten Baden. Durch die Politik des Ministers Sigismund Freiherr von Reitzenstein konnten die rechtsrheinischen Teile der Kurpfalz sowie Teile der Hochstifte Konstanz, Basel, Straßburg und Speyer, 1805 der Breisgau und die Ortenau für Baden gewonnen werden. Im Jahr 1806 trat Baden dem Rheinbund bei.
Karl Friedrich war Mitglied einer englischen Freimaurerloge und Ehrenmitglied der Loge Carl zur Eintracht in Mannheim, deren Name jedoch nicht etwa auf ihn, sondern auf den pfälzisch-bayerischen Kurfürsten Karl Theodor zurückgeht.
Sein Grab befindet sich in der Schloss- und Stiftskirche St. Michael in Pforzheim. Die Kroninsignien der Großherzöge von Baden (Zepter und Schwert) wurden, wie die Krone, zur Beisetzung des Großherzogs im Jahr 1811 in aller Eile hergestellt.
Aus seiner unehelichen Beziehung mit Elise Barbara Schlutter hatte Karl Friedrich einen Sohn
Carl Friedrich Hermann von Freystedt (* 18. Dezember 1749; † 20. Dezember 1795)
In erster Ehe heiratete Karl Friedrich am 28. Januar 1751 Karoline Luise von Hessen-Darmstadt, Tochter des Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt. Aus der Ehe gingen folgende Kinder hervor:
Karl Ludwig (* 14. Februar 1755; † 16. Dezember 1801), Erbprinz von Baden ⚭ 15. Juli 1774 Amalie von Hessen-Darmstadt (* 20. Juni 1754; † 21. Juli 1832),
Friedrich (* 29. August 1756; † 28. Mai 1817) ⚭ 9. Dezember 1791 Christiane Luise (* 16. August 1776; † 19. Februar 1829), Tochter des Herzogs Friedrich August von Nassau-Usingen
Ludwig (* 9. Februar 1763; † 30. März 1830) Lebensgemeinschaft mit Katharina Werner (1799–1850), ab 1826 Gräfin Katharina von Langenstein und Gondelsheim, drei Kinder; Großherzog vom 8. Dezember 1818 bis 30. März 1830