An diesem Tag

Karl Fischer (Widerstandskämpfer)

Österreichischer Trotzkist und Widerstandskämpfer (1918–1963)

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Karl Fischer (* 23. September 1918 in Wien; † 17. März 1963 ebenda) war ein österreichischer trotzkistischer Politiker und Widerstandskämpfer gegen den Austrofaschismus, Nationalsozialismus und Stalinismus, der fast 13 Jahre in der Haft dieser drei diktatorischen bzw. totalitaristischen Systeme verbrachte.

Karl Fischer war der Sohn der Seidenwinderin, Textilarbeiterin und Widerstandskämpferin Maria Fischer (1897–1962). Sie nannte ihren Sohn „Kegel“, eine mittelalterliche Bezeichnung für ein uneheliches Kind, ein Name, den Fischer später als Decknamen im Untergrund verwendete. Er wohnte bei seiner Mutter in einer Wohnung in Wien-Penzing (damals zu Hietzing gehörig), Gusenleithnergasse 11.

Fischer absolvierte vom 2. Jänner 1933 bis zum 2. Jänner 1936 eine kaufmännische Lehre in der Eisenhandlung „Eltschka und Radl“ in Wien-Landstraße, Esteplatz 3. 1934 schloss er sich dem Kommunistischen Jugendverband (KJV) in Wien an. Mitte 1935 spaltete er sich mit Georg Scheuer, Josef Hindels, Ernst Federn, Melanie Berger und anderen Gesinnungsgenossen mit einer trotzkistischen Jugendorganisation, den Revolutionären Kommunisten Österreichs (RKÖ), ab, die mit stalinistischen Gruppen konkurrierte und den Grundsätzen der permanenten Revolution folgte. Diese von Leo Trotzki entwickelte Theorie ging davon aus, dass im Zeitalter des Imperialismus selbst der Kampf um demokratische Errungenschaften nur durch den revolutionären Sturz erfolgreich sein könne. Fischer opponierte nicht nur gegen den Austrofaschismus und den Nationalsozialismus, sondern auch gegen den stalinistischen Terror in der Sowjetunion.

Gemeinsam mit Josef Hindels, Georg Scheuer, Josef Reinwein, Franz Lederer u. a. bildete er die Redaktion der illegalen Zeitung Bolschewik.

Widerstand, Verfolgung und Haft

Anfang November 1936 von der österreichischen Staatspolizei in Wien verhaftet, wurde Fischer am 13. August 1937 vom Landesgericht für Strafsachen Wien und am 23. September 1937 vom Obersten Gerichtshof gemeinsam mit Georg Scheuer und weiteren Gesinnungsgenossen im Wiener Trotzkistenprozess aufgrund seiner Mitwirkung an der Herstellung und Verbreitung illegaler politischer Druckschriften wegen Hochverrates zur Strafe des schweren Kerkers in der Dauer von fünf Jahren, verschärft durch einen Fasttag vierteljährlich, verurteilt, mit der Februaramnestie 1938 aber vorzeitig aus der Haft in Krems-Stein freigelassen. Bei der von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg für März 1938 angekündigten Volksabstimmung empfahlen die Revolutionären Kommunisten um Karl Fischer ein Nein gegen einen „Anschluss“ an NS-Deutschland und riefen zum Generalstreik auf.

Nach dem „Anschluss Österreichs“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich emigrierte er im Mai 1938 über die Schweiz nach Frankreich, später nach Belgien, wo er im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv war.

In Paris nahm er gemeinsam mit dem ebenfalls emigrierten Georg Scheuer am 3. September 1938 an der Gründung der trotzkistischen Vierten Internationale teil, die beiden österreichischen Delegierten stimmten allerdings wegen grundlegend anderer Einschätzungen der Weltlage gegen die Proklamation der Internationale. Karl Fischer formulierte dies in seiner Rede an die Delegierten der Gründungskonferenz mit folgenden Worten: „Trotz eurer optimistischen Resolution, an die ihr wahrscheinlich selbst nicht glaubt, sind wir der Meinung, dass die zweite imperialistische Neuaufteilung der Welt mit dem österreichischen Anschluss schon begonnen hat und weitergeht. Der Spanische Bürgerkrieg selbst ist in diesen neuen Weltkrieg bereits eingeschaltet und für die Arbeiter verloren. Man muss es sagen. Unsere Pflicht ist es, die Wahrheit zu sagen. Ihr wollt die Tatsachen nicht sehen, oder ihr seht sie und wollt sie nicht beim Namen nennen ...“. In Folge trennten sich die Revolutionären Kommunisten Österreichs (RKÖ) auch organisatorisch von der Vierten Internationale und begannen, die Einschätzungen der Internationale und Trotzkis zu kritisieren.

In Antwerpen wurde Fischer im Mai 1940 unter dem falschen Vorwurf, „deutscher Spion“ zu sein, verhaftet und in einem zweiwöchigen Bahntransport in Viehwaggons („Le Train phantome“) in das französische Lager Saint-Cyprien (Pyrénées-Orientales) deportiert, aus dem er aber fliehen konnte (sein zweiter Fluchtversuch war erfolgreich). Er hielt sich anschließend in Montauban, Grenoble, Marseille, Paris und vor allem in Lyon auf oder unternahm – weiterhin im Widerstand gegen den Nationalsozialismus – geheime Kurierfahrten für die Résistance. Dabei arbeitete er wiederum eng u. a. mit dem ebenfalls im französischen Widerstand tätigen Georg Scheuer und anderen Gesinnungsgenossen zusammen. Ein Beispiel ihrer illegalen Tätigkeit war, als Mitglieder der Revolutionären Kommunisten (RK), ausgestattet mit selbst hergestellten, gefälschten Gestapo-Papieren, in einer spektakulären Aktion ihre inhaftierte Genossin Melanie Berger aus dem Krankenhaus des Gefängnisses Les Baumettes in Marseille befreiten, wobei sie das Gefängnis betraten und verließen, ohne dabei erkannt zu werden. Mithilfe von Geheimtinte und Geheimcodes hielten sie brieflichen Kontakt zu Genossen in sieben Ländern: Frankreich, Belgien, Schweiz, Österreich, USA, Norwegen und England.

Fischer, der als Widerstandskämpfer in Frankreich unter dem Decknamen „Emil(e) Berger“ lebte und sich selbst als zweisprachiger Elsässer ausgab, befasste sich u. a. mit der Herstellung von Flugschriften in deutscher Sprache, die er selbst unter deutschen Soldaten in Frankreich verbreitete.

Er wurde im September 1943 von der französischen Polizei inhaftiert und befand sich seit 15. September 1943 in einem Pariser (Polizei-)Gefängnis, wie er in einem späteren Brief an seine Mutter berichtete. Im Frühjahr 1944 wurde er aufgrund einer Denunziation durch einen Mithäftling an die Gestapo ausgeliefert und war ab 16. Juni 1944 im Gefängnis Fresnes (Maison d'arrêt de Fresnes) bei Paris interniert. Von dort wurde er im August 1944 ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert, in dem er am 20. August 1944 als Häftling registriert wurde. Seine Häftlings-Nummer war 76999.

Im KZ Buchenwald rettete er Anfang April 1945 knapp vor der Befreiung als Mitglied des Lagerschutzes seinem Freund und Mithäftling, dem Psychoanalytiker Ernst Federn, der ebenfalls Mitglied der Revolutionären Kommunisten Österreichs (RKÖ) gewesen war, nach dessen eigenen Angaben das Leben (siehe Bilder des Briefes Ernst Federns vom 30. März 1963 an Maria Johanna Fischer zum Tod Karl Fischers in der Dokumente-Galerie), indem er ihn vor einem Todesmarsch durch Übergabe seiner eigenen weißen Lagerschutzbinde bewahrte. Dadurch begab er nicht nur sich selbst in große Gefahr, dies dürfte auch ein Grund für seine spätere Verschleppung in die UdSSR gewesen sein. Laut Ernst Federn könnten nämlich österreichische stalinistische KZ-Häftlinge Karl Fischer beim NKWD denunziert haben, weil er ihm die weiße Binde verschafft hatte.

Nach der Befreiung des KZs durch die United States Army am 11. April 1945 verabschiedete ein Redaktionskomitee ehemaliger Häftlinge, bestehend aus Karl Fischer, Marcel Beaufrère, Florent Galloy und Ernst Federn am 20. April 1945 die „Erklärung der internationalistischen Kommunisten Buchenwalds“.

1945 traf er in Linz seine Mutter zufällig wieder. Diese war am 14. April 1943 als Mitglied der trotzkistischen Widerstandsgruppe „Gegen den Strom“ von der Gestapo wegen „hochverräterischer Betätigung“ in Schutzhaft genommen und am 10. Dezember 1943 wegen Vorbereitung zum Hochverrat vom 5. Senat des Volksgerichtshofs in Wien zu fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Sie war zunächst in verschiedenen Wiener Gefängnissen, nach ihrer Verurteilung im Frauenzuchthaus Jauer in der heute polnischen Stadt Jawor inhaftiert gewesen, anschließend bis zur Befreiung durch die United States Army am 20. April 1945 im Frauenstrafgefängnis in Leipzig-Kleinmeusdorf.

Auf Grund seiner Französischkenntnisse war Karl Fischer in Linz zunächst als Dolmetscher für das French Liaison Office tätig. Anschließend arbeitete er in der Abteilung Wirtschaft und Statistik der Linzer Arbeiterkammer als Mitarbeiter von Emily Rosdolsky.

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