Kapila Vatsyayan (Hindi कपिला वात्स्यायन; * 25. Dezember 1928 in Delhi; † 16. September 2020 in Neu-Delhi) war eine indische Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Künste und des Tanzes sowie eine Politikerin.
Kapila Vatsyayan fing mit acht Jahren an, Tanzarten zu lernen, die sie lebenslang weiter lernte, darunter Kathak, Manipuri und Odissi bei bekannten Lehrern und Gurus, da zunächst ihre Mutter Satyawati Malik, eine indische Schriftstellerin, dies als nötig erachtete, später auch sie selbst.
Vatsyayan erwarb einen Master-Abschluss in englischer Literatur an der Universität Delhi, wo sie Techniken des modernen Tanzes und der Literaturwissenschaft kennenlernte und praktischen Tanz gleichzeitig bei professionellen Tänzern in Chennai lernte, wie zum Beispiel den Shantiniketan-Stil von Rabindranath Tagore und Rukmani Devi’Arundale. So konnte sie Hintergrundwissen und Strukturen zum praktischen Können entwickeln. Durch das Lesen der Upanishaden und von Kulturphilosophen wie Ananda Coomaraswamy entwickelte sie ein Verständnis für Tanz als Weg zur Selbsterkenntnis.
Anschließend absolvierte sie einen zweiten Master-Studiengang in Pädagogik an der University of Michigan in Ann Arbor. Sie promovierte danach an der Banaras Hindu University in Tanz und Skulptur und verknüpfte so ihre Verbundenheit zur indischen Tradition mit wissenschaftlichem Denken.
Sie vertiefte auch ihre schon vorhandenen Grundlagen in Sanskrit, Indologie und Archäologie.
1950er Jahre bis zur Jahrtausendwende
Vatsyayan unterrichtete nach dem Studium an den Universitäten von Delhi, Banaras, Philadelphia und Kalifornien.
Im Jahr 1954 wurde sie nach der Wahl von der Union Public Service Commission (UPSC) stellvertretende Bildungsberaterin im Bildungsministerium und wurde im Anschluss daran Staatssekretärin für Kunst.
Im selben Jahr trat sie in einer Ballettaufführung am nationalen Tanzfestival auf.
Sie heiratete den Hindi Schriftsteller S.H. Vatsyayan (Künstlername Ajneya) und trennte sich 1969 wieder.
Vatsyayan unterstützte 1967 das Errichten des zentralen Instituts für höhere Tibetanische Studien in Sarnath-Varanasi, ebenso 1977 das Indira Gandhi Rashtriya Manav Sangrahalaya in Bhopal, das Zentrum für kulturelle Ressourcen und Training in Delhi im Jahr 1979 und das nationale Indira Gandhi Zentrum für Kunst (= Indira Gandhi National Centre for the Arts, IGNCA) in Delhi im Jahr 1985, das sie erfolgreich leitete. Ihr gelang die Überführung von einem System jährlicher Zuschüsse zu einer Stiftungsfinanzierung, um die institutionelle Eigenständigkeit, Rechenschaftspflicht und Autonomie des Zentrums dauerhaft zu sichern.
Sie wurde Mitglied der Sangeet Natak Akademi im Jahr 1970 und der Lalit Kala Akademie im Jahr 1995.
1986 bzw. 1987 wurde sie Gründungsmitglied des Kuratoriums und Geschäftsführerin des Indira Gandhi National Centre for the Arts in Delhi. Im Jahr 1993 wurde sie zur akademischen Direktorin ernannt, ein Amt, das sie bis zum Jahr 2000 innehatte, als sie von einer von der Bharatiya Janata Party (BJP) geführten Mitte-Rechts-Regierung in den Ruhestand versetzt wurde.
Von 1997 bis 2001 war sie Präsidentin des India International Centre (IIC) und hatte 1997 auch eine kleine Rolle in einem Hindi-Film namens Swara Mandal.
Ab 2003 war sie Vorsitzende des IIC-Asien-Projekts, das 2016 in „Internationale Forschungsabteilung“ umbenannt wurde.
Außerdem war sie Vizepräsidentin des Indischen Rates für kulturelle Beziehungen.
Kapila Vatsyayan vertrat Indien im Exekutivrat der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur bei der UNESCO von 2004 bis 2009.
Als 2005 eine vom Indischen Nationalkongress geführte Mitte-Links-Regierung, die United Progressive Alliance (UPA) an die Macht gekommen war, wurde sie zur Vorsitzenden der Einrichtung ernannt, 2007 aber wieder ersetzt. Sie blieb weiterhin Mitglied des Kuratoriums.