Kalabrien (italienisch Calabria; kalabresisch Calàbbria) ist die südlichste Region des italienischen Festlandes. Bildlich gesprochen nimmt es die Stiefelspitze der Italienischen Halbinsel ein. Es hat eine Fläche von 15.080 km² und 1.827.571 Einwohner (Stand 31. Dezember 2025). Die Hauptstadt der Region ist Catanzaro.
Kalabrien grenzt im Norden an die Basilikata, im Westen an das Tyrrhenische Meer und im Süden und Osten an das Ionische Meer. Die Küste erstreckt sich über eine Länge von 780 km. Die Straße von Messina trennt Kalabrien von der Insel Sizilien.
Kalabrien ist fast vollständig von Gebirgszügen bedeckt. Im Süden liegt der Aspromonte mit dem Montalto (1955 m). Es folgen die Gebirge der Sila und der Serre und im Norden das Massiv des Pollino mit dem höchsten Berg der Region, dem Serra Dolcedorme (2267 m).
Kalabrien wird von zahlreichen Flüssen durchzogen, die allerdings in den Sommermonaten kein Wasser führen. Der längste Fluss ist der Crati, der als einziger ganzjährig Wasser führt. Zu den größten Seen zählen die Stauseen Lago di Cecita, Lago Arvo und Lago Ampollino.
Vor allem die südlichen Gebiete Kalabriens sind bedingt durch die Messina-Verwerfung immer wieder Erdbeben ausgesetzt. Am 5. Februar 1783 ereignete sich im südlichen Teil ein Erdbeben, das rund 300 Dörfer zerstörte und etwa 30.000 Menschen das Leben kostete. Nachbeben folgten am 6. und 7. Februar und am 1. und 28. März. Es ist eines der am besten dokumentierten und untersuchten historischen seismischen Ereignisse in Italien und ging auch in die Forschungen von Giuseppe Mercalli ein. Das Erdbeben von Messina 1908 zerstörte Reggio Calabria nahezu vollständig.
In Kalabrien gibt es drei Klimazonen. Am Tyrrhenischen Meer im Westen herrscht subtropisches Klima mit wenig Niederschlägen in den Wintermonaten. Am Ionischen Meer herrscht heißes, trockenes und niederschlagsarmes Klima vor. In den Höhenlagen der Gebirgszüge ist es im Vergleich zu den Küstenregionen kühler, in den Wintermonaten fällt Schnee bis auf 1200 Meter. Die Durchschnittstemperaturen liegen je nach Gebiet zwischen 7 °C und 15 °C im Januar und zwischen 26 °C und 34 °C in den Monaten Juli und August.
Selten gibt es Bodenfrost und es kann im Januar schon mal an die 20 °C gehen. Ebenso liegt im Sommer die Temperatur immer über 30 °C und erreicht auch oft die 40 °C. Nachttemperaturen von mehr als 25 °C sind ganz normal für diese Region. Wochenlange Dürreperioden und Waldbrände sind während des Hochsommers nicht selten.
Kalabrien hat 320 Sonnentage im Jahr und gehört damit zu den sonnigsten Regionen Europas.
Die Region verfügt über einen reichen Baumbestand mit zum Teil jahrhundertealten Buchen- und Pinienwäldern.
Die dichtesten Waldgebiete Italiens liegen im Aspromonte. Dort gedeiht auch die für Kalabrien typische Zitruspflanze Bergamotte. Im Pollinogebirge ist die Lorica-Kiefer heimisch, eine der ältesten Baumarten Europas. In den Wäldern leben Wölfe, Wildkatzen, Schlangen und Greifvögel. Der für die Berge der Sila und der Serra typische Baum ist die Schwarzkiefer, die bis zu 50 m hoch wird. Die Wälder dieser Gegend sind auch bekannt für ihren Pilzreichtum. Hier sind vorwiegend Füchse, Hasen und Wildschweine beheimatet. In den Küstenregionen gedeihen Palmen, Kakteen, Opuntien, Agaven, Pinien, Oliven-, Zitronen- und Orangen- sowie Eukalyptusbäume.
Um Flora und Fauna zu schützen, wurden drei Regionalparks eingerichtet. Der Parco Nazionale del Pollino im Norden erstreckt sich bis in die Basilikata.
Südlich liegen der Parco Nazionale della Sila und der Parco Nazionale dell’Aspromonte.
Kalabrien ist zum großen Teil eine Gebirgsregion. Das „Kalabrische Gebirge“ beschreibt im Südwesten Italiens einen Bogen, den „Kalabrischen Bogen“. Dieser verbindet die Apenninen, also das orografische „Rückgrat“ Italiens, mit den Maghrebiden, dem Hochgebirgszug im Norden Siziliens.
Das kalabrische Gebirge ist dreigeteilt in die Sierra Dolcedorme im Norden, das Silagebirge in der Mitte Kalabriens und den Aspromonte im Südwesten der Region. Ein Teil reicht sogar über die Straße von Messina hinüber und bildet mit den Monti Peloritani die Nordostecke Siziliens. Das Kalabrische Gebirge bildet jedoch geologisch eine Einheit. Es besteht überwiegend aus paläozoischen Graniten und Gneisen. Stellenweise sind mesozoische bis miozäne Deckschichten vorhanden.
Die Küstenregionen und die Täler des Crati, Neto und kleinerer Flüsse werden von Sedimenten des Mittleren Miozän bis hin zu holozänen Sedimenten geprägt. Das kalabrische Gebirge entstammt der variskischen Gebirgsbildungsphase, ist also älter als die im Norden und Südwesten anschließenden Apenninen und Maghrebiden. Seit seiner Heraushebung findet auch ein stetiger Abtrag des Gebirges statt. Der Abtragungsschutt wurde seither vor allem im Westen des Ionischen Meeres abgelagert, zum Teil auch in die Hebung des Gebirges mit einbezogen. Die Nordostgrenze folgt einer sogenannten Transformstörung, einer geologischen Störungszone, an der sich die beiden angrenzenden Kontinentalplatten gegeneinander verschieben. Im Südosten des Kalabrischen Gebirges kommt es zur Subduktion, also zum Absinken von basaltischem Ozeanboden der Afrikanischen Platte unter die aus leichteren Materialien bestehende Adriatische Platte. Die Subduktion der Afrikanischen Platte hat zur Heraushebung des Kalabrischen Gebirges geführt. Studien haben ergeben, dass diese Gesteine der oberen Schichten einen Haufen von Deckschichten, der Apennin und die sizilianischen Maghrebiden, formen.
Die neogene Evolution des zentralen Mittelmeer-Systems wird dominiert von der Migration des kalabrischen Bogens nach Südosten, wo dieser die afrikanische Platte und ihren Promontori überschiebt (Argand, 1916; Boccaletti und Guazzone, 1972). Die wichtigsten tektonischen Elemente des kalabrischen Bogens sind die südlichen Apenninen, der „Kalabrien-Peloritani“, oder einfach „kalabrische Block“ und die sizilianischen Maghrebiden. Das Bergvorland besteht aus der Apulien-Plattform, die Teil der Adria-Platte ist, und die Ragusa- oder Hybleische-Plattform, die eine Verlängerung der Afrikanischen Platte bildet. Diese Plattformen werden von den Becken des Ionischen Meeres getrennt. Das Becken des Tyrrhenischen Meeres wird als Backarc-Becken bezeichnet. Dieses Subduktions-System zeigt, wie die südliche Platte mit afrikanischer Affinität unterhalb der nördlichen Platte mit europäischer Affinität abtaucht.
Im Moment ist das Gebiet seismisch und vulkanisch hochaktiv. Dies wird allgemein der Wiederherstellung eines Gleichgewichts nach der jüngsten (Mitte Pleistozän) Deformationsphase zugeschrieben.
Fundstücke und Steinritzzeichnungen (z. B. in der Grotta del Romito) belegen, dass Kalabrien spätestens im Jungpaläolithikum durch Menschen besiedelt war. Die Jäger und Sammler der nacheiszeitlichen Phase, dem Mesolithikum, ernährten sich zunehmend von Fisch, wie Untersuchungen in der Grotta della Madonna erwiesen.