An diesem Tag

Kaj Franck

Finnischer Designer

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Kaj Gabriel Franck (* 9. November 1911 in Wyborg (finnisch: Viipuri), Finnland (heute Russland); † 26. September 1989 in Santorin, Griechenland) war ein finnischer Designer, der als „das Gewissen des finnischen Designs“ bezeichnet wurde. Er war neben Alvar Aalto, Tapio Wirkkala und Timo Sarpaneva einer der bedeutendsten Vertreter finnischen Designs.

Francks Vater Kurt entstammte einer Lübecker Kaufmannsfamilie, seine Mutter Genéviève kam aus einer finnlandschwedischen Künstlerfamilie und arbeitete selbst als ausgebildete Möbeldesignerin. Ihr Vater, Francks Großvater, der Architekt und Schriftsteller Johan Jacob Ahrenberg, war der erste Industriedesigner bei Arabia. Nach dem Tod des Vaters zog die Familie 1918 nach Helsinki, wo Franck zur Schule ging. Anschließend studierte er an der Hochschule für Industriedesign, der Vorgängerin der heutigen Hochschule für Kunst und Design Möbeldesign und schloss 1932 als Innenarchitekt ab.

1930 besuchte Franck die Stockholmer Ausstellung, die den Durchbruch des Funktionalismus in den nordischen Ländern brachte. Seine eigene Entwicklung dreht sich um die Auseinandersetzung für und wider den Funktionalismus und die finnische Ausprägung von Kunst und Design. Die Prinzipien des Funktionalismus übernahm er in seinen Arbeiten erst in den späten 1940er Jahren, um den Herausforderungen starker sozialer und wirtschaftlicher Umbrüche der Nachkriegsperiode und des Wiederaufbaus in Finnland gerecht zu werden.

Francks Einberufung zum Militärdienst 1939 brachte ihn zum ersten Mal aus dem künstlerischen und gebildeten großbürgerlichen Umfeld heraus in engen Kontakt mit sozial schwachen Bevölkerungsschichten, was für sein weiteres Leben prägend war und seine Vorstellungen von Design weg vom Kunsthandwerk hin zu gut gestalteten, allgemein verfügbaren Massenprodukten veränderte.

1933–1934 arbeitete er als Illustrator für die Kataloge der Glaswerke Riihimäki, danach als Innenarchitekt, Schaufensterdekorateur, Textilgestalter und Ausstatter beim Kaufhaus TE-MA in Helsinki. Von 1938 bis 1945 entwarf er bedruckte Stoffe für Yhtyneet Villatehtaat und Helsingin Taidevärjäämö. Für die finnische Familienwohlfahrtsvereinigung entwarf Franck 1946 sein erstes Gebrauchsgeschirr.

1945–50 entwarf er Glasprodukte für Iittala, 1946 begann er als Designer bei Arabia, wo er schnell zum Chefdesigner aufstieg und mit Kilta sein wohl berühmtestes und bis heute verfügbares Tafelgeschirr entwickelte. 1951 wechselte er zu Nuutajarvi, einem Glashersteller, der nach einem Brand in Schwierigkeiten geraten war und vom damaligen Eigentümer der Arabia, dem Wärtsilä Konzern übernommen wurde und übernahm dort bis 1976 die künstlerische Leitung. Er entwarf aber weiterhin für Arabia und andere Firmen wie Iittala.

Daneben war er von 1946 an zunächst als Lehrer und später als künstlerischer Leiter der Kunsthochschule, Vorgängerin der Hochschule für Kunst und Design Helsinki tätig.

Franck starb 1989 auf einer Urlaubsreise in Griechenland.

Kaj Franck entwarf schlichte, höchst einfach gestaltete Gebrauchsgegenstände. Alles Überflüssige hat er weggelassen; die Form auf ihren Grund reduziert. Ein weiteres seiner Prinzipien war die Harmonie von Farben und Formen. Die Reduktion auf das Wesentliche spiegelt klar Francks Überzeugung

Er steht in einer Entwicklung, die heute im 1875 gegründeten, ältesten Designmuseum der Welt in Helsinki, dargestellt wird. Bereits vor Erlangung nationaler Unabhängigkeit suchten die Finnen ihre eigene Identität neben Sprache und Geschichte in der Gestaltung der Alltagsgegenstände. Ihren Ursprung findet diese Designtradition in selbstgefertigten Dingen bäuerlicher Lebensweise und der finnischen Nationalromantik, die, inspiriert vom deutschen Jugendstil, auf die Folklore Kareliens und die nationalen Mythen des Kaleva zurückgeht.

Der hergebrachte finnische Agrarstaat erfuhr durch die, nach Zerstörungen, Bevölkerungsverschiebungen und anderen Umwälzungen in der Folge des Zweiten Weltkriegs, notwendigen Neu- und Wiederaufbauarbeiten im ganzen Land eine nie dagewesene Entwicklung zu einem modernen Industrie- und Sozialstaat westeuropäischer Prägung. Ein integraler und notwendiger Teil dieser Entwicklung sind die Ikonen moderner finnischer Architektur und Gestaltung. Im Design von Alltagsgegenständen sind Geschirr von Tapio Wirkkala, Timo Sarpaneva und Kaj Franck, Vasen von Alvar Aalto oder Stoffe und Kleidung im frechen Design von marimekko nicht wegzudenken und international anerkannt.

Gleichgültig ob künstlerisches Wirken oder Gebrauchsgegenstand, Francks Hauptinteresse galt immer der Entwicklung neuer Techniken, Materialien und Gestaltungen, Eigenschaften und Ausdrucksformen. Als Ergebnis seiner Experimente bei Nuutajärvi sind viele althergebrachte Techniken überprüft und neue Produktionsmethoden entwickelt worden, beispielsweise die Farbringtechnologie, die Herstellung traditionellen Filigree oder überfangenen Glases. In den 1950ern hat Franck die Filigreetechnik für sich entdeckt und damit bis in die 1970er hinein experimentiert und immer wieder Einzelstücke gestaltet.

Geometrie und universelle Formen

Franck bestand nachdrücklich auf der Allgemeingültigkeit grundlegender geometrischer Formen wie Würfel, Kegel, Zylinder etc., die ihm die Grundlage für seine Entwürfe gaben und aus denen er kulturüberspannend universelle, weltweit gültige Formen entwickelte. Beispielhaft kommt das in der von ihm bevorzugten klassisch semi-sphärischen Form der Teetassen zum Ausdruck. Er hat gestalterisch auch immer auf Formen Bezug genommen, die sich im Laufe langen praktischen Gebrauchs und menschlicher Nutzung zu endgültiger Reife entwickelt haben, ohne dass man einen einzelnen Gestalter nennen kann oder über das Zustandekommen nachdenkt. Solche Objekte haben ihre Form im Laufe der Zeit angenommen und den Menschen die Jahrhunderte über gedient. Prägende Beispiele dafür fand er vor allem in Japan.

Franck besuchte Japan zum ersten Mal 1956, um japanische Kunst und Gartengestaltung kennenzulernen. Er war kein unkritischer Bewunderer, sondern hat einzigartiges und beständiges erkannt und für sich herausgearbeitet. Gusseisenobjekte, die in der Teezeremonie benutzt werden, haben ihn ebenso eingenommen wie Keramik, Holzgegenstände oder Textilien. Materialien und deren Oberflächen beeindruckten ihn in gleicher Weise wie die Formgebung und künstlerische Gestaltung. Der ihm eigene Minimalismus und seine Ablehnung Überflüssigem oder Verschwendung gegenüber fanden ihre kongeniale Spiegelung in der Feinfühligkeit, dem Bewusstsein und Respekt gegenüber den Materialien in Kunst und Design des klassischen Japan.

Den Hojo-Teien Zen-Garten des Ryōan-ji Tempels in Kyōto beschrieb Franck als „vielleicht das Schönste, das ich je gesehen habe“.

Berühmt: Kartio, Kilta, Teema und andere

Seine bekannteste Glasserie war Kartio (1958–1975) für Nuutajärvi. Auf deren Grundlage und seiner in den fünfziger Jahren geschaffenen Keramikgeschirr-Serie Kilta für Arabia ist die Geschirrserie Teema entstanden, eine seiner international bekanntesten Arbeiten. In den Servicen hat der Künstler den Grundsatz seines kreativen Schaffens ausgedrückt: ständiges Streben nach reiner Form und schlichter Schönheit.

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