Das Kaiserreich Trapezunt war einer der Nachfolgestaaten des Byzantinischen Reichs, entstanden nach der Eroberung der Hauptstadt Konstantinopel im Zuge des Vierten Kreuzzugs. Es erstreckte sich zeitweise über die historischen Landschaften Paphlagonien, Pontos und den Westen von Kolchis. Das Reich bestand von 1204 bis 1461.
Schon vor 1204 bestanden in dem aus dem Blickwinkel der Hauptstadt Konstantinopel abgelegenen Gebiet, das aber für Diplomatie und Handel von großer Bedeutung war, separatistische Tendenzen. Diese waren durch die Gabraden-Herrschaft gestärkt worden. Diese weitverzweigte Familie war schon bis etwa 1140 als Vorkämpferin gegen die Türken „halbunabhängig“ (Karpow) gewesen.
Das Kaiserreich lag im Osten des Südufers des Schwarzen Meeres und wurde 1204 von der byzantinischen Herrscherdynastie der Komnenen gegründet, welche bereits vor der Eroberung Konstantinopels durch die Teilnehmer des Vierten Kreuzzugs aus der Hauptstadt geflohen waren, aber bis 1204 ein separates Reich um Amastris (anatolische Nordwestküste zum Schwarzen Meer) beherrschten. Die Komnenen konnten mit Unterstützung der georgischen Königin Tamar einen Küstenstreifen erobern und halten, der strategische und ökonomische Bedeutung hatte, weil hier wichtige Handelsrouten verliefen. Das Territorium entsprach im Wesentlichen dem ehemaligen byzantinischen Thema Chaldia.
Die Gründer des Staates waren Enkel des Kaisers Andronikos I. Komnenos. Alexios und David hatten den Titel Großkomnenen angenommen. Nach Niederlagen gegen das Kaiserreich Nikaia und die Seldschuken schieden sie aus dem Kreis der griechischen Mächte, die das Byzantinische Reich wiederherstellen konnten, aus. Auch verloren sie Sinope an die Seldschuken. Die Städte in Paphlagonien fielen an Nikaia. Kerngebiet des Reiches wurde der Küstensaum zwischen dem Fluss Çoruh und Amisos (Samsun). In der ersten Hälfte gehörte auch die südliche Krim zum Reich, mit der Stadt Chersonesos; mit dem dortigen Fürstentum Theodoro bestanden enge Beziehungen. 1223 gelang Kaiser Andronikos I. ein Sieg über die Seldschuken.
Ebenso wie das Sultanat der Rum-Seldschuken mussten sich die Komnenen 1243 nach der Schlacht vom Köse Dağ den mongolischen Ilchanen als Vasallen unterwerfen. Mit ihrer Hilfe gelang die Rückeroberung von Sinope von 1254 bis 1265. Bis 1282 hielten sie gegen die Laskariden und Palaiologen, die ab 1261 wieder in Konstantinopel herrschten, den Anspruch auf den Titel Kaiser der Romäer aufrecht. Zwischen 1260 und 1280 setzte eine Annäherung an die Paläologen ein. 1261 erkannte der Metropolit der Hauptstadt Sonderrechte des Metropoliten von Trapezunt an.
Schließlich verzichtete Kaiser Johannes II. auf den Kaisertitel zugunsten des Despotentitels sowie auf seine Ansprüche auf den Thron von Byzanz. 1281/82 heiratete er die Tochter Kaiser Michaels VIII. Palaiologos. Allerdings kehrten die Komnenen im 14. Jahrhundert zum Kaisertitel zurück, jedoch ohne universalen Anspruch.
Das Reich und seine Hauptstadt, die heute Trabzon heißt, erlebten während des 13. und frühen 14. Jahrhunderts eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte, wovon Bauwerke wie die Kirche Hagia Sophia zeugen. Dies hing damit zusammen, dass sich der Orienthandel von Bagdad, das die Mongolen 1258 zerstört hatten, nach Täbris verlagert hatte. Damit wurde Trapezunt ab etwa 1270/80 „zum wohl bedeutendsten Zentrum der abendländischen Kaufleute im Fernhandel mit Persien, Mittelasien und China“ (Karpov). Nach 1280 entstanden Händlerkolonien, zunächst der Genuesen.
1319 folgten venezianische Faktoreien. Seit etwa 1287 saßen sie bereits in Soldaia, Tana folgte 1332. Dennoch schufen sie, im Gegensatz zu den Genuesen, kein Siedlungsnetzwerk im Schwarzmeergebiet. Venedig bevorzugte Schiffskonvois (mude), das heißt, jährlich wurde Schiffsraum von Staats wegen versteigert. Wenn nötig, wurden die Schiffe mit ihrer wertvollen Fracht von Kriegsschiffen begleitet.
Mit den in ihrer Zeit effektivsten Mitteln, Schiffen, Handelsgesellschaften, doppelter Buchführung, Wechseln, Banken usw. dominierten sie nicht nur den Fernhandel, sondern sie integrierten das Schwarze Meer in das Handelssystem des Mittelmeeres. Damit jedoch ruinierten sie die Wirtschaft der griechischen Staaten und unterbanden weitgehend deren Zugriff auf die ökonomischen Möglichkeiten. Die griechischen Händler waren weiterhin bedeutend, doch agierten sie als Juniorpartner, und es bestand ein gewisses Misstrauen, da sich beide Seiten für Häretiker hielten. Mit dem Abzug der Italiener im 15. Jahrhundert waren die Griechen wiederum in der Lage, die Stellung als führende Händler in diesem Raum einzunehmen.
Das Reich passte seine Wirtschaftspolitik der veränderten Situation an. So stand die Produktion von Wein, Oliven, Honig und Wachs sowie von Rosinen und Haselnüssen im Mittelpunkt. Der Viehhandel wurde verstärkt, ebenso wie der Getreideanbau. Dennoch mussten Weizen, aber auch Salz und Fisch aus dem nördlichen Schwarzmeerraum eingeführt werden. Von den ansteigenden Fiskaleinnahmen aus dem Handel (Kommerkion) profitierten die leitenden Beamten des Reiches.
Für die Geldzirkulation waren die Rohstoffe Gold, Silber und Kupfer von größter Bedeutung. Kupfer gewannen die Komnenen in Kerasous (Giresun), Rhizaion (Rize) sowie im Tal des Philabonites (Harşit) und an der Ostgrenze. So konnten nach dem Vorbild der Goldmünzen Kaiser Andronikos’ I., dessen Ikonographie sie folgten, bereits relativ schwere Kupfermünzen, trachea, geprägt werden, die zwischen 4,5 und 5,8 g wogen. Beim Silber hingegen hing das Reich von Importen ab, sicherlich türkischen, wahrscheinlich aber auch von Barren westlicher Provenienz, also von Genuesen und Venezianern. Silberminen bestanden in Argyria (Halkavala) an der Schwarzmeerküste und Zigana sowie Paipertes (Bayburt) sowie um Tzanicha (Canca, Gümüşhane). Letztere ging 1330 an die Il-Chane verloren. Die Produktion von Silber genügte nicht, insbesondere weil die Nachbarmächte immer wieder Tributzahlungen forderten. Die ersten Aspra wurden unter Manuel I. geprägt. Nach der herrschenden Dynastie, den Komnenen, nannte man die Münzen in Venedig Cominiati. Nach 1297 wurde die Münze nach und nach entwertet, ihr Gewicht sank bis Mitte des 15. Jahrhunderts um zwei Drittel, der Silberanteil um die Hälfte. Schon um 1400 spielte Trapezunt als Mittler zwischen Ost und West kaum noch eine Rolle, weil das Mongolenreich einem Zerfallsprozess ausgesetzt war, und sich zudem die Osmanen auf beiden Seiten des Schwarzen Meeres festsetzten.
Der Handel zwischen den Anrainern des Schwarzen Meeres war dabei lange sehr intensiv, wie Münzfunde erweisen, insbesondere in Tana auf der Krim. Auf dem dortigen Markt wurde mit Sklaven, Weizen, Honig, Käse, Pelzen und Häuten, Kupfer, Wachs, Fisch, Salz und Holz, mit Baumwolle, Leinen, Seide, mit Silber- und Kupferwaren, mit Wein, Butter, Seife und Papier, mit Gewürzen, Glaslampen nach dem Vorbild Muranos, Pelzen aus Sibirien, aber auch Alaun aus dem Norden Anatoliens gehandelt. Ein vor Cherson gesunkenes Schiff, das nach dem Jahr 2000 gehoben wurde, barg 36 Münzen aus Trapezunt, die dort unter Manuel I. geprägt worden waren. Dabei nahm, nimmt man die Funde als Grundlage, der Handel in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu. Nikaia hingegen spielte nur eine geringe Rolle in diesem weiträumigen Handelssystem. Auch mit Georgien bestand ein intensiver Warenaustausch, wie Münzfunde, wie der Hortfund von Tobanieri belegen; weitere 21 Hortfunde sind dort bekannt (Stand: ). Als es 1282 bis 1285 zum Krieg zwischen Georgien und Trapezunt kam, begann Georgien eigene Münzen zu prägen, die diejenigen des Gegners imitierten (Kirmanueli, nach Kaiser Manuel I.). In Armenien hingegen sind wohl nur wenige Münzen aus Trapezunt zirkuliert, wobei dies auch mit der Forschungslage zusammenhängen kann. Die dort gefundenen Münzen könnten darauf hinweisen, dass die Händler auch nach dem Verlust der Krim weiterhin nach Wegen zu den östlichen Märkten suchten. Allerdings nahm ihre Reichweite nach Osten schnell ab, der Raum, in dem sie ganz überwiegend umliefen war der rund um das Schwarze Meer.