Kaisa Leena Mäkäräinen (* 11. Januar 1983 in Ristijärvi) ist eine ehemalige finnische Biathletin.
Zwischen ihrem Weltcupdebüt im Jahr 2005 und dem Karriereende 2020 gewann Kaisa Mäkäräinen 27 Einzelrennen, insgesamt sechs Medaillen bei Biathlon-Weltmeisterschaften, konnte dreimal den Gesamtweltcup für sich entscheiden und ist damit eine der erfolgreichsten Biathletinnen. Seit ihrem dritten Erfolg im Winter 2017/18 ist sie die älteste Gesamtweltcupgewinnerin der Frauen. Die Finnin war zudem eine der dominanten Langläuferinnen ihrer Zeit im Biathlon-Weltcup. 2011 wurde sie als erste Biathletin überhaupt zur finnischen Sportlerin des Jahres gewählt.
Kaisa Mäkäräinen stammt aus Ristijärvi im Nordosten Finnlands, wo sie zur Welt gekommen und aufgewachsen ist. Ein Teil ihrer Familie lebt heute noch dort. Heute wohnt sie mehrere hundert Kilometer weiter südlich in Joensuu, nicht weit von Kontiolahti entfernt. Sie startete für den Kontiolahden Urheilijat und nutzte unter anderem das Kontiolahden ampumahiihtokeskus für die Vorbereitung auf die Wettkämpfe. Wenn sie neben dem Training und den Wettkämpfen Zeit fand, studierte sie an der Universität in Joensuu Mathematik und Physik auf Lehramt. In der Vergangenheit hat sie als Sportreporterin für die Lokalzeitung Karjalainen gearbeitet. Ihr damaliger Verlobter Jarkko Siltakorpi war als Skitechniker beim finnischen Biathlonverband angestellt.
Als nach der Saison 2015/16 eine Stellungnahme von Mäkäräinen bezüglich ihrer Zukunft als Leistungssportlerin erwartet wurde, überraschte sie am 7. April 2016 in einer angekündigten Verlautbarung nicht mit der Entscheidung für oder gegen den Sport, sondern stellte ihr neues Projekt vor, dem sie sich neben ihrer sportlichen Karriere widmet. Den Bau ihres Hauses begleitete sie mit regelmäßigen Bild- und Wortbeiträgen in sozialen Netzwerken unter dem Titel „Kaisa goes home“ (engl. für „Kaisa geht nach Hause“).
Anfänge im Biathlon (2003 bis 2007)
Die Studentin Kaisa Mäkäräinen begann 2003 mit dem Biathlonsport, nachdem sie vorher bereits im Langlauf aktiv war. Sie startete für Kontiolahden Urheilijat (Kontiolahti Sport Club) und wurde anfangs von Tomi Kuutti trainiert. Ende Januar 2004 bestritt sie mit den Juniorenweltmeisterschaften in Haute-Maurienne, wo ein 23. Platz im Einzelwettkampf ihr bestes Resultat war, ihre ersten internationalen Rennen und gehört seit 2004 zum finnischen Nationalteam. Im März 2005 nahm Mäkäräinen in Hochfilzen erstmals bei Biathlon-Weltmeisterschaften teil und erreichte dort als bestes Ergebnis Rang 49, wiederum im Einzelwettkampf. Seit der Saison 2005/06 startet die Finnin im Weltcup. Nachdem sie in Östersund mit der Staffel Rang 14 belegt und im Sprint als 94. die Qualifikation für das Verfolgung deutlich verpasst hatte, errang sie eine Woche später in Hochfilzen als 29. des Sprints ihre ersten Weltcuppunkte. Am Ende der Saison belegte sie im Gesamtweltcup Rang 62. Im folgenden Winter klassierte sich Mäkäräinen im Weltcup regelmäßig unter den besten 30 und kam Ende Januar 2007 als Siebte des Massenstarts von Pokljuka erstmals unter die besten zehn. Dieses Ergebnis konnte sie bei den Weltmeisterschaften in Antholz bestätigen, als sie Achte im Einzel und Siebte im Massenstart wurde. Im Gesamtweltcup konnte sie sich auf den 27. Platz verbessern.
Erste Erfolge im Weltcup (2007 bis 2010)
Die Weltmeisterschaften im Sommerbiathlon 2007 in Otepää beendete die Finnin als Doppelweltmeisterin im Sprint und in der Verfolgung auf Skirollern. Im Winter 2007/08 gelang ihr kurz vor Weihnachten als Zweite im Sprint von Pokljuka erstmals der Sprung unter die besten drei in einem Weltcuprennen. Bei den Weltmeisterschaften in Östersund war ein 15. Platz im Massenstart ihr bestes Ergebnis. Im Gesamtweltcup gelang ihr nach einem weiteren Podestplatz (3. beim Verfolgungsrennen in Ruhpolding) und einigen Platzierungen unter den besten zehn eine weitere Steigerung auf Platz 13. 2008/09 konnte sie dieses Niveau halten, erreichte zwei weitere Podestplätze im Weltcup und wurde 14. im Gesamtweltcup. Bei den Weltmeisterschaften 2009 in Pyeongchang unterlag sie in der Verfolgung der Russin Olga Saizewa im Zielsprint und wurde Vierte. Zum Abschluss der Saison gewann sie den Sprint-Titel bei den Finnischen Meisterschaften. Im folgenden Winter stagnierten ihre Leistungen nach gutem Beginn (3. Platz im Sprint von Östersund), sodass sie die Gesamtweltcupwertung in diesem Winter nur auf Rang 22 abschloss. Auch ihre ersten Olympischen Winterspiele in Vancouver im Februar 2010 verliefen für die Finnin wenig erfolgreich: als bestes Resultat erreichte sie Rang 45 in der Verfolgung.
Weltmeistertitel und Gesamtweltcupsieg (2010/2011)
Für die Weltcupsaison 2010/11 wurde Mäkäräinen durch den Österreicher Josef Obererlacher trainiert. Sie zeigte sich schon beim Einzel in Östersund mit der besten Laufzeit aller Teilnehmerinnen in guter Laufform. Beim folgenden Sprint blieb sie zudem im Schießen ohne Fehlschuss und gewann ihr erstes Weltcuprennen vor der ebenfalls fehlerfreien Miriam Gössner, die zwar in der Loipe ein wenig schneller, aber am Schießstand langsamer war. In der anschließenden Verfolgung gelang ihr nach erneut makellosem Schießen der zweite Sieg, wiederum vor Gössner. Ihr bisher größter Erfolg gelang Kaisa Mäkäräinen bei den Weltmeisterschaften 2011 im russischen Chanty-Mansijsk. Nach einem zweiten Platz im Sprint hinter Magdalena Neuner gelang ihr in der anschließenden Verfolgung durch ein fehlerfreies Schießen der Gewinn der Goldmedaille. Mäkäräinen ist damit die erste finnische Biathlonweltmeisterin der Geschichte. Bei den Wettbewerben zum Saisonabschluss am Holmenkollen lief sie zum zwanzigsten Mal während der Saison in die Top Ten und sicherte sich dank ihrer Konstanz als erste Finnin den Biathlon-Gesamtweltcup. 2011 wurde sie auch zur Sportlerin des Jahres in Finnland gewählt.
Etablierung in der Weltspitze (2011 bis 2013)
Nach einem Trainerwechsel konnte Mäkäräinen in der Weltcupsaison 2011/12 nicht ganz an die Erfolge des Vorjahres anknüpfen. Obwohl sie sich zum Anfang der Saison wieder in phänomenaler Laufform zeigte, konnte sie über den Winter vor allem wegen oft nur mäßiger Schießleistungen mit den dominanten Frauen wie Magdalena Neuner und Darja Domratschawa nicht mithalten. Trotzdem erreichte sie im Weltcup mehrere Podiumsplatzierungen, dabei unter anderem den Gewinn im Einzel in Nové Město na Moravě. Vor heimischen Publikum in Kontiolahti, nur wenige Kilometer von ihrem Wohnort in Joensuu entfernt, sicherte sich die Finnin bei fast −20 °C nach einem zweiten Platz im Sprint den ersten Platz in der Verfolgung. Nach enttäuschenden drei Bewerben bei den Biathlon-Weltmeisterschaften 2012 in Ruhpolding, bei denen sie lediglich einmal die Top 20 erreichte, sicherte sie sich im letzten Rennen, dem Massenstart über 12,5 km, die Bronzemedaille hinter Tora Berger und Marie-Laure Brunet. Im Gesamtweltcup belegte sie zum Saisonende hinter Neuner, Domratschawa und Berger Rang 4, im Einzel- und Sprintweltcup erreichte sie jeweils die Top 3. Sie gewann zudem mit dem Schweden Carl Johan Bergman die World Team Challenge in der Arena auf Schalke in Gelsenkirchen.
Zur Vorbereitung auf die Weltcupsaison 2012/13 wurde sie von Juha Hirvi als Schießtrainer unterstützt. Der Finne war sechsmaliger Olympiateilnehmer und gewann bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney die Silbermedaille im Kleinkaliber-Dreistellungskampf. Im Weltcup blieb sie in diesem Winter ohne Sieg, stand aber sechs Mal auf dem Podest und belegte Rang fünf im Gesamtweltcup. Bei den Weltmeisterschaften 2013 in Nové Město na Moravě konnte sie allerdings keine Medaille gewinnen. Im Sommer 2013 gewann sie den Lysebotn Opp, ein Bergrennen in Norwegen über 7,5 km auf einer Serpentinenstraße, an dem traditionell die schnellsten Langläufer und Biathleten der Welt teilnehmen.
Zweiter Erfolg im Gesamtweltcup und Olympische Spiele (2013/2014)
Im Winter 2013/14 erreichte Mäkäräinen mit einem zweiten Platz in Annecy-Le Grand-Bornand bis zur Weihnachtspause lediglich einmal die Top 10 und klassierte sich zu diesem Zeitpunkt auf dem elften Rang in der Weltcupgesamtwertung. Doch bereits in Oberhof gelang ihr mit zwei zweiten Plätzen erneut der Sprung aufs Podium. Zu den Olympischen Winterspielen ins russische Sotschi reiste sie als Drittplatzierte im Gesamtweltcup an. Dort nahm sie an allen vier Einzelwettbewerben teil, blieb allerdings ohne Medaille. Lediglich im Einzel (9.) und im Massenstart (6.) gelang ihr der Sprung unter die besten zehn. Im heimischen Kontiolahti erreichte sie ihren ersten Hattrick, indem sie die beiden Sprintrennen sowie das Verfolgungsrennen klar für sich entscheiden konnte. Beim abschließenden Weltcup in Oslo sicherte sie durch ihre Ergebnisse den Sieg des Sprint- und des Verfolgungsweltcups und konnte mit einem knappen Vorsprung von nur vier Punkten auf die Vorjahressiegerin Tora Berger zum zweiten Mal in ihrer Karriere den Gesamtweltcup gewinnen.