Kairo (arabisch القاهرة, DMG al-Qāhira ‚die Starke‘ oder ‚die Eroberin‘, wahrscheinlich nach dem Mars, arabisch القاهر, DMG al-Qāhir, benannt; Von Ägyptern wird die Stadt oftmals auch einfach mit dem Landesnamen – arabisch مصر, DMG Miṣr, ägyptisch-arabisch Maṣr – bezeichnet.) ist die Hauptstadt Ägyptens und die größte Stadt der arabischen Welt. Sie wurde 969 von dem fatimidischen Feldherrn Dschauhar as-Siqillī gegründet. Die Stadt hat keine klar definierten Grenzen und unter dem Namen Kairo kann entweder die Metropolregion, das Gouvernement, der urbane Kern des Gouvernements oder der urbane Kern des Metropolgebiets, das sich über mehrere Gouvernements erstreckt, gemeint sein.
Kairo ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Ägyptens und der Arabischen Welt. Die Stadt ist Sitz der ägyptischen Regierung, des Parlaments, aller staatlichen und religiösen Zentralbehörden (Mogamma) sowie zahlreicher diplomatischer Vertretungen. Kairo ist der bedeutendste Verkehrsknotenpunkt Ägyptens und besitzt zahlreiche Universitäten, Hochschulen, Theater, Museen sowie Baudenkmäler. Die Altstadt von Kairo ist ein Ensemble islamischer Baukunst und wird seit 1979 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.
Kairo hat gut 10 Millionen Einwohner im administrativen Stadtgebiet (2022), und die Metropolregion Kairo ist mit etwa 20,75 Millionen Einwohnern (2022) vor Lagos in Nigeria die größte in Afrika. Das administrative Stadtgebiet ist bezüglich der Einwohnerzahl, nach Kinshasa und Lagos, das drittgrößte Afrikas. In Ägypten existiert allerdings keine Meldepflicht, weswegen die angegebenen Einwohnerzahlen Hochrechnungen auf Basis der Volkszählungsergebnisse darstellen.
Die Stadt Kairo hat keine einheitlich definierte Ausdehnung und kein definiertes administratives Stadtgebiet. Die Metropolregion Kairo (Greater Cairo) wird meist aufgeteilt in einen urbanen Kern, eine peri-urbane (gemischt ländlich und städtisch) Zone und die im Osten und Westen gelegenen neueren Siedlungsgebiete, die ab dem Ende des 20. Jahrhunderts entstanden und sich zum größten Teil in die Wüste ausbreiten. Die Gesamtfläche der urban geprägten Metropolregion wurde in einer Studie 2024 veröffentlichten Studie auf 5.020 km2 geschätzt, wovon etwa 16 % (778 km2) der Fläche als urbaner Stadtkern bezeichnet wurden und die bevölkerungsreichen (79 % der Bevölkerung der Metropolregion) und eng besiedelten Stadtkerne von Kairo, Gizeh und Schubra al-Chaima beinhaltet. 3.600 km2 machen die vornehmlich im 21. Jahrhundert entstandenen Wüstensiedlungen östlich und westlich des traditionellen Stadtgebiets aus. Die Metropolregion ist auf vier Gouvernements verteilt, 47 % liegen im Gouvernement Kairo, 35 % liegen im Gouvernement Gizeh, 9 % im Gouvernement al-Qalyubiyya und 8 % im Gouvernement asch-Scharqiyya.
Kairo liegt im Nordosten des Landes am Nil, nur wenige Kilometer nördlich beginnt das Nildelta durchschnittlich 68 Meter über dem Meeresspiegel. Die geographischen Koordinaten von Kairo sind 30° 03' nördlicher Breite und 31° 15' östlicher Länge. Der zum Gouvernement al-Qahira gehörende Teil Kairos liegt auf dem rechten Nilufer und umfasst auch die beiden Inseln Gezira (الجزيرة, mit dem Stadtteil Zamalek) und Roda (الروضة). Ihr gegenüber liegt am westlichen Nilufer direkt anschließend Gizeh, die zur Metropolregion Kairo gezählt wird und die altägyptischen Pyramiden, Sphinx und Nekropole von Gizeh miteinschließt. Im Norden des Stadtgebiets liegt das stark industriell geprägte Schubra al-Chaima.
Die erste Siedlung wurde ursprünglich zwischen dem Gebirgsausläufer Muqattam im Osten und dem Nil im Westen errichtet. Doch auch wenn diese Kairo schon lange nicht mehr eingrenzen, so bilden die Viertel, die sich zwischen diesen beiden natürlichen Schranken befinden, den alten Stadtkern. Nördlich der Stadt erstreckt sich bis zum Mittelmeer das Nildelta. Im Westen befinden sich die Pyramiden von Gizeh. Im Süden liegt das alte Memphis.
Kairo liegt im Tal des Nils, des weltweit längsten, jedoch nicht wasserreichsten Stromes, als dessen Quellfluss der im Hochland von Ruanda entspringende Kagera angesehen wird. Der Nillauf folgt einer tektonischen Linie. Die sich dort befindenden Plateaus brechen hier stufenförmig oder mit einheitlichem Steilhang 100 bis 140 Meter tief ab. Im Tal hat der Fluss eine Reihe von Schotterterrassen gebildet und ein Schwemmland aus schwarzem Schlamm von durchschnittlich zehn Metern Mächtigkeit abgelagert.
Die Gesamtbreite des Tales beträgt im Süden, im Bereich des nubischen Sandsteins, zwei bis fünf Kilometer, im Bereich der tertiären Kalke, etwa von Assuan flussabwärts, zehn bis 15 Kilometer. Stellenweise hat die Erosion des Flusses das widerständige Gestein des kristallinen Unterbaues erreicht. Westlich des heutigen Tales sind Reste eines älteren Niltales erhalten, beispielsweise in der vom Fluss gespeisten Senke des Fayyum. Unterhalb von Kairo öffnet sich das Tal und geht in die weiten, von Kanälen durchzogenen Flächen des 23.000 Quadratkilometer großen Deltas über.
Die Innenstadt lässt sich grob in einen traditionellen und einen modernen Teil einteilen. Das traditionelle Kairo liegt abseits des Nils vor der Zitadelle und dem Berg Muqattam (المقطّم). Es umfasst hauptsächlich das islamische Kairo rund um die Azhar- und andere Moscheen. Des Weiteren sind hier die Wohnviertel nördlich, östlich und südlich des Viertels um die al-Azhar-Moschee zu nennen, so etwa Bāb el-Chalq (باب الخلق), Darb el-Ahmar (الدرب الأحمر), el-Mūskī (الموسكي) oder Sayyida Zeinab (السيّدة زينب es-Sayyeda Zēnab).
Neben den Ausgrabungen von al-Fustat im Süden liegt das koptische Viertel oder Alt-Kairo (مصر القديمة, hocharabisch Misru l-qadīma, ägyptisch-arabisch Masr el-edīma). Eine Besonderheit ist die Stadt der Toten südöstlich des islamischen Viertels, eine Nekropole, die bewohnt ist und sich heute (fast) wie ein normales Stadtviertel gibt.
Das moderne Kairo besteht aus den Geschäftsvierteln, die vom Mīdān et-Tahrīr (ميدان التحرير), dem Mīdān el-Ōperā (ميدان الأوبرا), dem Ramses-Bahnhof (محطة رمسيس Mahattat Ramsīs) und dem Nil eingegrenzt werden. Diese Bereiche sind noch durch kolonialzeitliche Architektur, einen mediterranen Baustil, geprägt. Westlich davon befindet sich das Viertel Zamalek (الزمالك ez-Zamālek) auf der Insel Gezīra, südwestlich liegen Insel Roda und die Garden City (جاردن سيتي), wo viele Botschaften untergebracht sind.
Der wohl bekannteste Vorort ist Heliopolis (مصر الجديدة, hocharabisch Miṣru l-Dschadīda, ägyptisch-arabisch Masr el-Gedīda) im Nordosten der Stadt. Im Süden liegt das in der Kolonialzeit geplante Maadi (المعادي al-Maʿādī), welches durch zahlreiche Villengrundstücke mit umgebendem Garten geprägt ist und somit zu den teureren Wohngebieten zählt. Südlich schließt sich das zum Gouvernement Kairo zählende Helwan (حلوان) an. Ein weiterer Vorort ist Schubra al-Chaima (شبرا الخيمة Schubrā al-Chaima) im Norden.
Weiter außerhalb ist zu unterscheiden zwischen ehemaligen Dörfern und Städten, die sich in die Peripherie Kairos integriert haben, und den auf dem Reißbrett geplanten Satellitenstädten, die sich teilweise direkt an Kairo anschließen, teilweise bis zu 50 Kilometer von der Innenstadt entfernt in der Wüste liegen.
Für Letztere sind auf der östlichen Nilseite unter anderem Nasr City (مدينة نصر Mādīnat Nasr) und die Stadt des 15. Mai (مدينة ١٥ مايو Mādīnat Chāmāstaschar Māio) zu nennen, auf der westlichen Seite die Stadt des 6. Oktober (مدينة ٦ أكتوبر Madīnat Sitta Oktobar) und Sadat City (مدينة السادات Madīnat es-Sādāt). Die Stadt des 6. Oktober gehört zum neu gegründeten Gouvernement as-Sadis min Uktubar, dem auch die Oase Bahariya angehört. Sadat City gehört zum Gouvernement Al-Dschiza.
Das seit 2004 laufende Stadtplanungsprojekt New Cairo geht über die übliche Projektierung eines Vorortes weit hinaus. Es ist die Antwort auf die empfundene Enge, den Wohnraummangel, den Lärm und teilweise Unwirtlichkeit der alten Stadtviertel Kairos. Rund 17 bis 28 Kilometer östlich der Innenstadt sind auf einer bis vor kurzem hügeligen Wüstenfläche von etwa 120 Quadratkilometern private Investoren eingeladen, die erschlossenen Baufelder zu nutzen.