An diesem Tag

Kai Diekmann

Deutscher Journalist

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Kai Georg Diekmann (* 27. Juni 1964 in Ravensburg) ist ein deutscher Journalist und Berater. Von 1998 bis 2000 war er Chefredakteur der Welt am Sonntag, von Januar 2001 bis Dezember 2015 Chefredakteur der Boulevardzeitung Bild und weiterhin Gesamtherausgeber der Bild-Gruppe. Er verließ den Springer-Verlag zum 31. Januar 2017 und übernahm danach neue Aufgaben bei dem amerikanischen Unternehmen Uber. 2017 war er Mitgründer der Public-Relations-Agentur Storymachine.

Diekmann wurde als Sohn des promovierten Rechtsanwalts und Notars Klaus Diekmann (1935–2022) und der medizinisch-technischen Assistentin Brigitte Diekmann, geb. Zajic, in Ravensburg im südlichen Oberschwaben geboren und wuchs mit zwei Schwestern in Bielefeld auf. Dort besuchte er die katholische Marienschule der Ursulinen, wo er die konservative Schülerzeitung Passepartout redigierte. In seiner Kindheit erhielt er Cello-Unterricht. Nach dem Abitur leistete er von 1983 bis 1985 seinen Wehrdienst ab. Er diente zunächst in der Panzerjägerkompanie 190 in der Lützow-Kaserne in Münster-Handorf und ist Oberleutnant der Reserve. Anschließend begann er ein Studium der Geschichte, Germanistik und Politik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Während des Wehrdienstes wurde er als sogenannter Militärfuchs Mitglied der Burschenschaft Franconia Münster, einer schlagenden Studentenverbindung. Nach zwischenzeitlichem Austritt trat er später dort wieder ein.

Sein Studium brach er schon kurze Zeit später ab, als er seine berufliche Tätigkeit 1985 beim Axel-Springer-Verlag als Volontär der Journalistenschule Axel Springer in Hamburg – mit Stationen in Bonn und New York City – begann. Dort machte er Karriere und war für den Verlag zunächst ab 1987 Parlamentskorrespondent für Bild und Bild am Sonntag in Bonn.

Von 1989 bis 1991 war er Chefreporter bei der im Burda-Verlag erscheinenden Illustrierten Bunte. Nach einem kurzen Engagement als stellvertretender Chefredakteur für die B.Z. wechselte er 1992 als Politikchef zur Bild nach Hamburg.

Der Springer-Vorstandsvorsitzende Jürgen Richter versetzte Diekmann 1997 zum Springer-Auslandsdienst. Laut Spiegel hatte sich der Verlagschef an Diekmanns guten Kontakten zum Kanzleramt und zum damaligen Springer-Aktionär Leo Kirch gestört. Danach legte Diekmann eine berufliche Pause ein und reiste 1997 nach Mittelamerika. Wenig später musste Richter selbst den Verlag verlassen.

Unter dem 1998 in den Springer-Vorstand aufgestiegenen vormaligen Bild-Chefredakteur Claus Larass konnte Diekmann seine Karriere fortsetzen. 1998 wurde er Chefredakteur der Welt am Sonntag, von wo er am 1. Januar 2001 auf den Chefredakteursposten der Bild wechselte. Dort begründete er die Kolumne Post von Wagner von Franz Josef Wagner. 2004 wurde er außerdem Bild-Herausgeber und auch Herausgeber der Bild am Sonntag.

Unter Diekmann hatte die Bild, ehemals größte Tageszeitung Europas, einen Auflagenverlust von 3.401.871 Exemplaren oder umgerechnet 79,8 Prozent zu verzeichnen.

Als Chefredakteur der Bild hatte Diekmann überdies die Qualität der journalistischen Arbeit der Zeitung zu verantworten. Diese war in der jüngeren Vergangenheit wieder vermehrt Gegenstand negativer Medienberichte (etwa von Bildblog und Zapp). Danach soll Bild häufiger als andere deutsche Medien gegen grundlegende journalistische Prinzipien verstoßen. Die Behauptung, dass diese Verstöße gegen die Richtlinien des Pressekodexes vermehrt aufgetreten seien, seit Diekmann das Amt des Chefredakteurs von Vorgänger Udo Röbel im Jahr 2000 übernommen hatte, wurde mit einem deutlichen Anstieg der absoluten Anzahl der Rügen des Presserats gegenüber Bild in diesem Zeitraum begründet.

Ab November 2004 saß Diekmann im Beirat der türkischen Tageszeitung Hürriyet, die zum Medienkonzern Dogan gehört. Der Axel Springer Verlag ist mit knapp 20 Prozent am Dogan-Tochterunternehmen Dogan-TV beteiligt.

Am 22. Mai 2007 verübten Unbekannte in Hamburg-Harvestehude einen Brandanschlag auf seinen Privatwagen, eine R-Klasse von Mercedes-Benz, der dabei zerstört wurde. Eine militante Gruppierung unter dem Namen „Militante Kampagne“ bekannte sich später in einem Brief an die dpa zu dem Anschlag.

Ab August 2008 wurde Diekmann in den Vorstand der Bild.T-Online AG berufen, in dessen Aufsichtsrat er zuvor saß. Im Oktober 2009 startete Kai Diekmann ein eigenes Weblog, in dem er im Blogstil über seine tägliche Arbeit als Bild-Chefredakteur berichtete. Es wurde angekündigt, das Projekt 100 Tage lang zu betreiben, im Februar 2010 wurde es eingestellt.

Anfang 2012 spielte Diekmann eine Rolle in der Wulff-Affäre. Der damalige deutsche Bundespräsident Christian Wulff hatte versucht, Diekmann und den Vorstandsvorsitzenden des Axel Springer Verlags, Mathias Döpfner, von kritischer Berichterstattung abzubringen, indem er ihnen Strafanzeigen androhte.

Anfang November 2015 gab die Axel Springer SE bekannt, dass Diekmann am 1. Januar 2016 seinen Posten als Chefredakteur der Bild an seine Nachfolgerin Tanit Koch abgeben und ab diesem Zeitpunkt die Führung der Chefredakteure übernehmen würde.

Am 30. Dezember 2016 kündigte der Verlag an, dass Diekmann Springer nach 30 Jahren zum 31. Januar 2017 verlassen werde.

Am 6. Januar 2017 berichtete unter anderem Der Spiegel, eine Springer-Mitarbeiterin habe im Sommer 2016 bei der Staatsanwaltschaft Potsdam Anzeige wegen sexueller Belästigung gegen Diekmann erstattet. Der Vorwurf der Mitarbeiterin bestand darin, dass Diekmann sie nach einer Klausurtagung in Potsdam im Sommer 2016 beim Baden belästigt habe. Dieser bestritt die Vorwürfe. Weiter schrieb der Spiegel, laut dem Springer-Konzern habe Diekmanns Ausscheiden nichts mit den Vorwürfen zu tun. Die Kündigung sei bereits seit mehr als einem Jahr geplant gewesen und habe „den geplanten Abschied allenfalls beschleunigt“. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelte daraufhin wegen des Verdachts der sexuellen Belästigung. Die Ermittlungen wurden Anfang August 2017 eingestellt, nachdem neben den gleichermaßen glaubwürdigen, aber widersprüchlichen Aussagen Diekmanns und der Mitarbeiterin keine weiteren, objektiven Beweismittel gefunden werden konnten.

2017 wurde Diekmann Berater des amerikanischen Dienstleistungsunternehmens Uber. Er wurde in das „Public policy advisory board“ berufen, dem zum Beispiel der frühere US-Minister Ray LaHood und die ehemalige EU-Kommissarin Neelie Kroes angehören. Diekmanns Aufgabe besteht unter anderem darin, das Unternehmen in politischen Fragen zu beraten. Die Mitglieder des Gremiums treffen sich einmal jährlich in San Francisco und erhalten üblicherweise Unternehmensanteile statt einer Bezahlung. Wenige Wochen nach der Verpflichtung Diekmanns wurde eine Beteiligung des Springer-Konzerns an dem amerikanischen Unternehmen bekannt.

Diekmann gründete 2017 mit Michael Mronz und dem ehemaligen Chefredakteur von Stern.de Philipp Jessen die Public-Relations-Agentur Storymachine.

Im November 2017 gaben Diekmann und sein Jugendfreund, der Ex-Investmentbanker Leonhard Fischer, die Planung einer „digitalen Vermögensverwaltung“ bekannt, die rund 20 Mrd. Euro von Privatanlegern einsammeln und verwalten soll. Das Projekt unter dem Namen Zukunftsfonds ging Ende Mai 2018 offiziell an den Start.

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