An diesem Tag

KZ Flossenbürg

Nationalsozialistisches Konzentrationslager in Bayern (1938–1945)

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Das Konzentrationslager Flossenbürg (auch KZ Flossenbürg) war von 1938 bis zum 23. April 1945 ein Konzentrationslager im Deutschen Reich, in der Gemeinde Flossenbürg bei Weiden im Oberpfälzer Wald, etwa auf halber Strecke zwischen Nürnberg und Prag, nahe der Grenze zum damaligen Sudetenland. Die KZ-Häftlinge wurden zum Abbau des Flossenbürger Granits im Steinbruch und später zur Produktion des Jagdflugzeugs Messerschmitt Bf 109 der Messerschmitt GmbH Regensburg eingesetzt. Von den etwa 100.000 Gefangenen kamen mindestens 30.000 ums Leben. Dem Stammlager waren zudem fast 90 KZ-Außenlager zugeordnet. Heute befindet sich auf einem Teil des ehemaligen Lagergeländes die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.

Das KZ Flossenbürg war von Anfang an als ein Konzentrationslager zur Ausbeutung von Zwangsarbeitern für die wirtschaftlichen Interessen der SS geplant. In diesem ersten Lager einer neuen, der „zweiten Generation“ von Konzentrationslagern, richtete sich der Terror nicht mehr nur gegen die politischen Gegner der Nazis, sondern auch gegen gesellschaftliche Außenseiter. Als geeignete Standorte wurden Steinbrüche (neben Flossenbürg Mauthausen und Natzweiler) oder Ziegeleien mit Lehmgruben (wie Neuengamme) ausgewählt.

Dieser neue Typus Konzentrationslager trug u. a. der Tatsache Rechnung, dass die SS gleichzeitig mit dessen Gründung erstmals begann, eigene wirtschaftliche Ziele zu verfolgen. Spätestens Mitte 1937 begann die SS, sich nach geeigneten Steinbrüchen umzusehen. Himmler traf mit Hitler und Speer eine Vereinbarung, dass Gefangene zur Baustofferzeugung für die nationalsozialistischen Bauvorhaben eingesetzt werden können. Diese wird häufig als „Anordnung des Führers anlässlich einer Besprechung beim Führer mit dem Reichsführer SS und Architekt Speer“ bezeichnet. Billigste rechtlose Arbeitskräfte sollten profitabel in den eigens zu diesem Zweck gegründeten Deutschen Erd- und Steinwerken (DEST), die Himmler unterstanden, ausgebeutet werden. In diesen Lagern steigerte das Regime den Terror zu einer absoluten und perfektionierten, bisher ungekannten Machtfülle, die mit unmenschlicher Zwangsarbeit, Hunger, Willkür und Schikane die Vernichtung von Menschen einplante und später fabrikmäßig organisierte – und das durchaus nicht nur im Geheimen, denn Terror wirkt durch weitestmögliche Einschüchterung.

Infolgedessen wurde der Bau des Konzentrationslagers vor der Bevölkerung nicht geheim gehalten. Von Anfang an waren an der Erstellung der benötigten Infrastruktur sowie am Lageraufbau öffentliche Verwaltungen und Privatunternehmen beteiligt. Die Berliner Kämper & Seeberg AG lieferte sämtliche Baracken ; die Notbeleuchtung lieferte die Münchner Gebr. Schwaiger GmbH, die auch für die KZs Dachau und Mauthausen, die SS-Totenkopfstandarte „Ostmark“ sowie für die Sturmbann-Verwaltung II/SS3 in Tobelbad bei Graz geliefert hatte. Für die Elektroinstallation bewarb sich die Firma Hans Krapf aus dem nahen Floß. Auf Spengler-, Installations- und Sanitärarbeiten bewarb sich die Firma Hans Kraus aus Weiden. Auch die Lieferung von Lebensmitteln für die Gefangenen und den SS-Totenkopfverband übernahm vielfach die private Wirtschaft.

Schon der Aufbau des Lagers, das ursprünglich für 3000 Häftlinge und 400 bewachende SS-Leute geplant wurde, war vom erwähnten Terrorregime, von unzureichender Ernährung und Unterbringung sowie von täglichen Schikanen bis hin zum Mord an Einzelnen durch die SS und ihre Helfershelfer gekennzeichnet. Bevor der Aufbau des Lagers mit einer angrenzenden SS-Kaserne, Stacheldrahtsicherungen und Wachtürmen sowie Küche und Wäscherei abgeschlossen war, begann bereits die Arbeit im Steinbruch . Im Frühjahr 1940 belief sich die Stärke der SS-Wachmannschaften auf etwa 300 Mann, zusätzlich waren etwa 90 Angehörige im Kommandanturstab tätig. 1945 betrug die Zahl der SS-Angehörigen etwa 3000 Männer und Frauen.

Zum Zeitpunkt der Errichtung des KZ zeichnete sich aus Regierungssicht eine riesige Nachfrage nach Baumaterialien durch das Reich ab. Großstädte wie Berlin, München u. a. sollten in „Führerstädte“ umgestaltet, die Infrastruktur für den geplanten Krieg (militärische Produktionsstätten u. a.) vorangetrieben werden. Himmler und die SS boten an, rasch und billig Natursteine und Ziegel zu liefern. Dafür pachteten die DEST 1938 für zehn Jahre vom Land Bayern ein Gelände am Wurmstein. Am 20. Juli 1938 wurde im Beratungsbuch des Gemeinderates Flossenbürg festgehalten, dass ein Pachtvertrag über den Plattenberg zur Errichtung einer Siedlung für SS-Angehörige auf unbestimmte Zeit geschlossen werde.

Im Februar 1943 begann in Flossenbürg die Produktion für das Jagdflugzeug Messerschmitt Bf 109 der Messerschmitt GmbH Regensburg in den umfunktionierten Steinmetzhallen der DEST mit 200 Gefangenen. Aus den von der DEST für das Werk Flossenbürg angefertigten Monatsberichten Mai bis Juli 1943 geht eindeutig hervor, dass die Ausweitung der Flugzeugproduktion in Flossenbürg bereits vor der Bombardierung des Messerschmitt-Werkes Regensburg im August 1943 geplant worden war. Anfang 1944 arbeiteten schon 2000, im Oktober des gleichen Jahres über 5200 Gefangene in der Flugzeugproduktion. Galt für die Zwangsarbeit (im Steinbruch) ein Zwölf-Stunden-Tag, so wurde bei der Produktion für Messerschmitt auf ein Drei-Schicht-System mit acht Stunden je Arbeitsschicht umgestellt.

Die Einweisungen zwischen 1938 und 1945 in ständig steigender Zahl zeigen in anschaulicher Weise einen Wandel in der Herkunft der Häftlinge. Überwogen in den Jahren 1938 und 1939 deutschsprachige Häftlinge, die mehrheitlich mit einem grünen Winkel als Zeichen für sogenannte Berufsverbrecher in kriminalpolizeilicher Vorbeugungshaft gekennzeichnet waren, änderte sich das Verhältnis ab 1940. Die Zahl der ausländischen Häftlinge stieg kontinuierlich mit der Besetzung weiterer Nachbarstaaten an. Die ausländischen Häftlinge erhielten in der Regel einen roten Winkel als Zeichen für politische Häftlinge, wobei die Nationalität durch ein entsprechendes Buchstabenkürzel im Winkel bezeichnet war.

3. Mai 1938: Die ersten 100 Häftlinge aus dem KZ Dachau trafen ein. Reichsführer SS Heinrich Himmler wurde vom Inspekteur der KZ Theodor Eicke über dieses Ereignis informiert. Die Häftlinge arbeiteten in drei Steinbrüchen der Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH (DEST) der SS, ab 1941 in vier Steinbrüchen.

Ende 1938 waren etwa 1500 Häftlinge als „Berufsverbrecher“ in polizeilicher Vorbeugehaft inhaftiert. In diese Haft konnte man schnell auf reinen Verdacht durch die Kriminalpolizei und ohne richterlichen Beschluss gelangen. Das Lager wurde wegen der Kennzeichnung der inhaftierten „Asozialen“ und „Kriminellen“ mit einem grünen Winkel auch als Grünes Lager bezeichnet.

27. September 1939: 981 mit Rotwinkeln gekennzeichnete Häftlinge kamen vom Block IV des KZ Dachau wegen vorübergehender Schließung nach Flossenbürg und blieben bis zum Frühjahr 1940. Sie behielten währenddessen ihre Dachauer Nummern.

April 1940: 1000 meist politische Häftlinge kamen vom KZ Sachsenhausen nach Flossenbürg. Ende 1940 waren über 2600 Häftlinge im Lager untergebracht. Heinrich Himmler besuchte das KZ Flossenbürg, das dann in die Lagerkategorie II (für „schwer belastete, jedoch noch erziehungs- und besserungsfähige Häftlinge“) eingestuft wurde.

1940: Ein Krematorium wurde in Auftrag gegeben. Den Zuschlag erhielt die auf Abfall- und Müllverbrennungsanlagen spezialisierte Firma Kori aus Berlin. Zuvor waren die Leichen im Krematorium der Stadt Selb verbrannt worden, doch die Kapazitäten reichten dort nicht mehr aus. Ende 1940 nahm das KZ-Krematorium Flossenbürg den Betrieb auf. Ab Ende 1944 reichte die Kapazität des Ofens nicht mehr aus, sodass die Toten im Freien verbrannt wurden.

Dezember 1940 / Januar 1941: Polnische Häftlinge vom KZ Auschwitz kamen nach Flossenbürg; bis Mitte 1941 waren es etwa 700.

Februar 1941: Beginn der systematischen Ermordung bestimmter Gruppen von Häftlingen im Geheimen durch die SS. Dies blieb im Lager nicht unbemerkt. Den Tötungsaktionen fielen etwa 2500 Menschen zum Opfer.

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