Das deutsche Konzentrationslager Auschwitz I gehörte als Stammlager neben dem Vernichtungslager KZ Auschwitz II–Birkenau und dem KZ Auschwitz III–Monowitz zum Lagerkomplex Auschwitz und war eines der großen NS-Konzentrationslager. Es befand sich zwischen Mai 1940 und Januar 1945 nach der Besetzung Polens im annektierten südpolnischen Gebiet des deutsch umbenannten Landkreises Bielitz am südwestlichen Rand der nun deutsch benannten Kleinstadt Auschwitz (polnisch Oświęcim).
Teile des Lagers gehören seit 1947 zum staatlichen polnischen Museum und Gedenkstätte. Seit dem 27. Juni 2007 trägt der größte Teil des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz der SS in der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes insgesamt die offizielle Bezeichnung Auschwitz-Birkenau – deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager. Die SS-interne Abkürzung in der Zeit des Nationalsozialismus lautete K. L. Auschwitz (KL = Konzentrationslager). Die Nummerierung der Teillager wurde vor allem in der Nachkriegszeit zur eindeutigen Unterscheidung der drei verschiedenen Teile des Konzentrationslagers Auschwitz verwendet. Zeitweise waren sie verwaltungsintern die Kürzel für die drei Stammlager.
Die Reste des Konzentrationslagers befinden sich in Südpolen bei der Stadt Oświęcim. Das KZ-Stammlager Auschwitz (später Auschwitz I) wurde am Westrand der Stadt Oświęcim, jenseits des Flusses Sola in und bei einer ehemaligen polnischen Kaserne errichtet. Bekannt ist der über dem Haupttor dieses Lagerteils angebrachte zynische Schriftzug Arbeit macht frei.
Die Anbindung des Bahnhofs von „Auschwitz“ an den internationalen Schienenverkehr nach Norden war und ist über eine Strecke in die Richtungen Warschau und Breslau (bzw. weiter nach Berlin und Westen), nach Süden in die Richtungen Prag, Budapest, Wien und Bratislava, gegeben. Zwei Strecken führten in östlicher Richtung nach Krakau (dort über Przemyśl weiter in die UdSSR, Ukraine). Diese Gleisverbindungen erleichterten den Antransport von immer neuen Gefangenenzügen aus Polen, der UdSSR, Deutschland und dem übrigen zeitweise besetzten Europa.
Nach dem Überfall auf Polen 1939 verschleppten die deutschen Besatzer zunehmend jüdische Polen im Zuge ihrer Germanisierungspolitik in ein Barackenlager, das die Stadt Auschwitz 1916 für „Sachsengänger“ genannte Erntehelfer errichtet hatte. Laut Aussagen des polnischen Untersuchungsrichters Jan Sehn, der nach dem Krieg die Ermittlungen gegen den ersten Kommandanten Rudolf Höß leitete, war es der SS-Oberführer und Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD in Breslau Arpad Wigand, der zu dieser Zeit, also gegen Ende des Jahres 1939, zum Bau eines Konzentrationslagers in Auschwitz anregte.
Am 1. Februar 1940 erteilte der Reichsführer SS Heinrich Himmler dem Inspekteur der Konzentrationslager Richard Glücks die Weisung, im Altreich und in den besetzten Ostgebieten geeignete Gebäudekomplexe, Gefängnisse und Lager auf deren Verwendungsmöglichkeiten als Konzentrationslager zu prüfen. In der Weisung Himmlers wurde Auschwitz auch namentlich genannt. Drei Wochen später, am 21. Februar 1940, erstattete Glücks Bericht. In Bezug auf die Eignung von Auschwitz als Konzentrationslager erklärte er:
„Auschwitz, eine ehemalige polnische Artilleriekaserne (Stein- und Holzgebäude) ist nach Abstellung einiger sanitärer und baulicher Mängel als Quarantänelager geeignet. [...] Die noch notwendigen baulichen und hygienischen Untersuchungen in Auschwitz werden z. Z. durchgeführt. Wenn die vom Chef der Sicherheitspolizei veranlaßten Verhandlungen auf Überlassung des Lagers von der Wehrmacht – es befindet sich, wie bereits gemeldet, noch eine Baukompanie im Lager – zum Abschluß gekommen sind, wird sofort die Instandsetzung als Quarantänelager von mir durchgeführt werden. Die notwendigen Vorbereitungen habe ich hierzu bereits getroffen.“
Eine von Höß geleitete Kommission führte nach den ersten Arbeiten am 17. und 18. April eine weitere Inspektion durch, wobei die Kaserne und das umliegende Gebiet zusammen mit den Gebäuden der ehemaligen polnischen Tabakmonopolgesellschaft erneut als geeignet deklariert wurden – trotz der nachträglich geäußerten Meinung von Höß, dass es sich dabei zwar um einen „gebäudemäßig gut erhaltenen, aber vollständig verwahrlosten und von Ungeziefer wimmelnden Komplex“ handelte. In der Folge erteilte Himmler am 27. April 1940 den Befehl, in Auschwitz eine als Durchgangslager konzipierte Anlage zu errichten. Höß wurde darauffolgend am 4. Mai offiziell als Lagerkommandant bestätigt.
In der Folge errichteten die deutschen Besatzer noch im Frühjahr des gleichen Jahres aus den ursprünglichen Unterkünften für die Saisonarbeiter das Konzentrationslager, um in einer so genannten polnischen Phase des deutschen Konzentrationslagers bis Mitte 1942 zunächst polnische Regimegegner zu internieren und als Zwangsarbeiter einzusetzen.
Ursprünglich war das KZ Auschwitz wegen seiner „günstigen verkehrstechnischen Lage“ als Quarantäne- und Durchgangslager für verhaftete polnische Staatsangehörige aus Oberschlesien geplant, die als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt werden sollten. Da es in der Nähe Sand- und Kiesgruben gab, wurde der Standort auch als SS-Wirtschaftsbetrieb interessant. Durch Zwangsumsiedlung (Räumung) ließ Heinrich Himmler dafür eine Sicherheitszone von 20 Quadratkilometern von Polen freimachen, auf der ein landwirtschaftliches Mustergut für Zuchtvieh und Saatgut entstehen sollte.
Pläne für die Errichtung eigener Rüstungsbetriebe stießen innerhalb des Machtapparates auf Widerspruch. Die SS übernahm aber Reparaturaufträge für die Wehrmacht und vermietete „ihre“ Häftlinge an Privatunternehmen, die sie als Zwangsarbeiter in zahlreichen Nebenlagern und Außenkommandos einsetzten.
An der Planung war auch der Vorstand der I.G. Farben, hier besonders das Vorstandsmitglied Otto Ambros, beteiligt, der einen geeigneten Standort für die Buna-Produktion suchte und bereits im Laufe des Jahres 1940 erkannte, dass Auschwitz über genügend geeignetes Gelände verfügte und dass die notwendigen Rohstoffe, Wasser, Kalk, Salz und Kohle in der Nähe von Auschwitz in großen Mengen vorhanden waren. Im Dezember 1940 besichtigte Ambros den in Frage kommenden Bereich. Am 1. März 1941 trafen Himmler und eine Abordnung der I.G. Farben zu einer Besprechung und Ortsbesichtigung in „Auschwitz“ zusammen und am 7. April 1941 fand in Kattowitz die Gründungssitzung des Buna-Werkes statt. An dieses Werk wurde, zusammen für andere Produktionsstätten der I.G. Farben, das spätere KZ Auschwitz III–Monowitz angegliedert (im Südosten des Werkbereichs).
Auschwitz I wurde im Mai 1940 entgegen der ersten Planung nicht als Durchgangslager, sondern als Konzentrations- und Arbeitslager eingerichtet. Für die ersten Bauarbeiten wurden 300 Juden aus Oświęcim als Zwangsarbeiter herangezogen. 39 polnische Häftlinge aus dem reichsdeutschen Konzentrationslager Dachau vervollständigten den Bautrupp. Der erste Häftlingstransport erreichte Auschwitz I am 20. Mai 1940. Dieser durch den SS-Hauptscharführer Gerhard Palitzsch begleitete Transport aus dem KZ Sachsenhausen bestand aus reichsdeutschen Strafgefangenen, die als Funktionshäftlinge Aufsichts- und Kontrollfunktionen übernehmen sollten (Häftlingsnummern 1–30). Am 14. Juni 1940 folgte dann der nächste Transport mit 728 polnischen politischen Gefangenen aus Tarnów (Häftlingsnummern 31–759). Auch von den überwiegend christlichen Gefangenen dieses Transports überlebten nur etwa 200 den Zweiten Weltkrieg. In diesem Transport befand sich auch Wiesław Kielar (Häftlingsnummer 290), der später über seinen fünfjährigen Aufenthalt in Auschwitz umfassend Zeugnis ablegte.
Alte polnische Armeekasernen, die teils von einer Mauer umgeben waren, boten sich für den Verwendungszweck als Konzentrations- und Arbeitslager an. 18 Backsteingebäude wurden zum Teil aufgestockt und ein Krankenbau sowie ein Lagergefängnis hergerichtet, das ab August 1941 als Block 11 bezeichnet wurde. Wachtürme und Drahtverhaue wurden hinzugebaut. Außerhalb lagen unter anderem zwei Gebäude für Verwaltung und zur Unterbringung der Wachmannschaft, die Dienstvilla Höß sowie ein Krematorium, das in einem von Erdmassen abgeschirmten ehemaligen Munitionsbunker eingerichtet wurde.