An diesem Tag

Kūkai

Japanischer buddhistischer Mönch, Gelehrter und Künstler

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Kūkai (japanisch 空海; dt. etwa „Meer der Leere“; * 27. Juli 774 in Byōbugaura, heute Zentsūji; † 22. April 835 am Kōya-san) war ein buddhistischer Mönch, Gelehrter und Künstler der frühen Heian-Zeit Japans. Er ist der Begründer des japanischen Shingon-Buddhismus – häufig auch als „mantrischer“ oder – was leicht misszuverstehen ist – als „esoterischer“ Buddhismus bezeichnet. Unter dem postumen Ehrentitel Kōbō Daishi (弘法大師) wurde er von späteren Generationen mehr und mehr überhöht, so dass sich in seinem Bild verifizierbare historische Elemente mit vielerlei Legenden vermischen. Unbestritten ist jedoch sein überragender Einfluss auf die Entwicklung des Buddhismus in Japan und die japanische Kultur.

Kūkai war eine Person, die scheinbare Widersprüche in sich vereinte, einerseits entsagte er der Welt und wanderte lange meditierend in den Wäldern umher, andererseits war er bei Hofe einer der wichtigsten kulturellen Führer, Teilnehmer an Gedichtwettbewerben und Kalligraph. Historisch belegbar sind folgende Daten und Ereignisse:

Kūkai war der Sohn von Saeki Tagimi und dessen Frau Tamayori. Die Familie hatte den niedrigen Standestitel (Kabane) der atae inne, d. h., sie gehörte zu einer Klasse Adliger, die traditionell Provinzverwalter stellte. Kūkais Kindheitsname ist mit Tōtomono (貴物) überliefert.

Im Alter von 15 begann er in der Hauptstadt klassisches Chinesisch, Konfuzianismus und Geschichte bei seinem Onkel Atō Ōtari, der auch den Kronprinzen Iyo unterwies, zu lernen. Drei Jahre darauf wurde er zur weiteren Ausbildung an der Hochschule des Hofes (Daigaku-ryō) zugelassen. Mit 20 gab er seine Studien auf – wohl als der Abbruch der Hauptstadt Nagaoka-kyō begann – und nahm 793 als Novize im Iwabuchi-Tempel (Iwabuchidera, 石淵寺) unter dem Abt Gonzō das Studium des Buddhismus auf. Zwei Jahre später legte er das Mönchsgelübde ab und änderte seinen Namen in Kūkai.

Sein erstes Werk, Sankyōshiki, vollendete er 797 im Alter von 24 Jahren. Das heute im Kongōbu-Tempel (Kongōbuji, Kōya-san) gehütete Manuskript von Kūkais Hand zählt zu den Nationalschätzen Japans. Beim Vorwort handelt es sich jedoch um eine spätere Revision.

Über die Jahre zwischen seinem 24. und 31. Lebensjahr ist nichts bekannt. Spätere Hagiographen haben ihm für diese Periode allerlei Wundertätiges angedichtet. Nach allem Dafürhalten war dies eine Zeit der asketischen Wanderungen und des Eremitentums.

Im Tempel von Kume fand er 803 eine Abschrift des Mahāvairocana-Sutras. 804 empfing er im Tōdai-Tempel (Tōdai-ji) zu Nara die volle Ordination. Im selben Jahr gewährte man ihm die Teilnahme an der 18. Gesandtschaft nach China, die von Fujiwara-no-Kadonomaro (藤原 葛野麻呂) geleitet wurde. Bei diesen Reisen zur Vertiefung der diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen nahmen Mönche teil, die in China ihre religiösen und wissenschaftlichen Studien vertieften und über Jahrhunderte hinweg als Träger des Kulturaustauschs zwischen beiden Ländern fungierten. Die kiellosen japanischen Schiffe kenterten leicht und schlugen infolge fehlender Zwischendecks und Trennwände sofort mit Wasser voll. Auch dieses Mal fielen schon auf der Hinreise zwei von vier Schiffen aus. Auf dem Schiff des noch unbekannten Kūkai reiste der renommierte Mönch und spätere Begründer der Tendai-Schule, Saichō mit. Dies war der Beginn einer lebenslangen Beziehung, die später allerdings von Spannungen überschattet wurde.

Chang-an, die Hauptstadt der chinesischen Tang-Dynastie, stellte in ihren Dimensionen, ihrer Architektur und ihrer Internationalität alles in den Schatten, was die japanischen Ankömmlinge je zuvor gesehen hatten. Kūkai fand im Qinglong-Tempel (青龍寺, Tempel des Blauen Drachen) Aufnahme. Nahezu alle japanischen Mönche, die in China studierten, arbeiteten mit chinesischen Übersetzungen. Kūkai war einer der wenigen, die sich auch an die indischen Texte wagten. Sanskrit und die Siddham-Schrift erlernte er vom kaschmirischen Mönch Prajnña (744–810). und Muniśrī. Bei Han Fang-ming verfeinerte er seine Kalligraphie. Der eminente Huiguo (jp. Keika), der als erster eine Reihe seinerzeit disparater Elemente des indischen und chinesischen esoterischen Buddhismus systematisiert hatte, führte ihn in die Lehren des mantrischen Buddhismus ein. Schon nach drei Monaten initiierte er ihn als Nachfolger in der Dharma-Lehrlinie. Nur Kūkai und Yiming (義明), der wie Huiguo bald verstarb, hatten die beiden höchsten Weihen erhalten, so dass Kūkai nach dem Tode von Huiguo zum achten Patriarchen des esoterischen Buddhismus aufstieg. Für seinen verstorbenen Lehrer verfasste er 806 das Epitaph. Während er auf eine Gelegenheit zur Überfahrt nach Japan wartete, überließ ihm der Gouverneur von Yüeh eine Anzahl von Sutrenabschriften.

Eigentlich sollte er 20 Jahre in China studieren. Deshalb war es nicht klar, wie seine eigenwillige, vorzeitige Rückkehr im Jahre 806 am Hofe aufgenommen würde. Nach seiner Ankunft in Hakata auf der Insel Kyushu stellte er eine dem Kaiser zu übergebende Liste der neu in Japan eingeführten Sutren (Shōrai maokuroku) zusammen. Hier gründete er auch den Tōchō-Tempel (Tōchō-ji). Im selben Jahr erhielt Saichō, der, wie vorgesehen, im Vorjahr aus China zurückgekehrt war, die Erlaubnis, esoterische Elemente in seiner Tendai-Lehre zu verwenden.

Mit der Inthronisation des Tennō Saga, der Kūkai wohlgesinnt war, verbesserte sich seine Lage erheblich. Er erhielt die Erlaubnis nach Kyoto zu kommen und trat in den Takaosan-Tempel (jap. Takaosan-ji) ein. Hier führte er erstmals in Japan das Abhisheka-Ritual („Wasserweihe“, 灌頂, kanjō) durch. Der neue Kaiser bat ihn Kalligraphien, Gedichte und Briefe zu verfassen (vgl. Seirei-shū). 810 überließ er ihm die Leitung des Ost-Tempels (jap. Tō-ji) in Kyoto, ein Amt, das er bis 813 innehatte. Im Jahre 811 übernahm er überdies die Leitung des Otokuni-Tempels (jap. Otokunidera) im südlichen Kyoto.

Die Ziele und Meditationsmethoden seiner Lehre legte er erstmals im 4. Jahr der Ära Kōnin (813) in einer Lehrschrift nieder (弘仁御遺戒, Kōnin no go-yuikai). Ungefähr zur selben Zeit entstand auch die Abhandlung über die Unterschiede zwischen esoterischem und exoterischem Buddhismus (辯顯密二教論, Ben-kenmitsu-nikyō-ron). 816 bat er um Erlaubnis, auf einem seinerzeit schwer zugänglichen Hochplateau der Halbinsel Kii einen Tempel zu errichten, dem er den Bergnamen Kōyasan gab. Im Jahr 817 entstanden weitere wichtige Schriften, bevor er sich im folgenden Jahr der Erschließung des Kōyasan widmete.

Die Jahre von 819 bis 821 widmete er sich überwiegend seinem literarischen Schaffen, aber auch der Wiederherstellung eines künstlichen Teichs (Mannō no ike) in seiner Geburtsstadt. Außerdem reproduzierte er Mandalas und 26 Gemälde, die er aus China mitgebracht hatte. Im Jahre 822 errichtete er eine Shingon-Kapelle im Areal des Tō-Tempels.

Nachdem ihm kurz vor dem Rücktritt des Tennō Saga der Tō-Tempel in Kyōto zugesprochen worden war, erkannte der neue Tennō Junna im Jahre 823 die Shingon-Lehre als eigenständige Schule an. Im folgenden Jahr erhielt Kūkai den Hofrang eines „Klein-Vikars“ (少僧都 Shōsōzu). 825 wurde ihm gestattet, eine Lehrhalle im Tō-Tempel zu errichten. Im selben Jahr wurde er Lehrer des Kronprinzen, 827 stieg er zum „Groß-Vikar“ (大僧都 Daisōzu) auf. Zwei Jahre später übernahm er zudem die Verwaltung des Daian-Tempels (jap. Daian-ji) in Nara.

Im Jahre 828 gründete Kūkai in der neuen Hauptstadt Heian-kyō (heute Kyōto) für die Angehörigen der unteren Gesellschaftsschichten eine private Lehranstalt zur umfassenden Bildung in Wissenschaft und Kunst (綜芸種智院 Shugei shuchi-in). Zehn Jahre nach seinem Tode wurde diese Schule, die auch Speisung für Lehrer und Schüler bereitstellte, wieder geschlossen.

In den folgenden Jahren bis 835 verfasste er weitere Schriften. Im Frühsommer 831 zeigten sich erstmals Symptome einer Krankheit. Die ihm verbleibenden Jahre bis zu seinem Tode verbrachte er fast durchweg auf dem Kōyasan. Lediglich nach der Inthronisation des Nimmyō Tennō (833) führte er im Palast Ende 834 erstmals das mishūhō-Ritual (御修法 mishūhō) durch. Noch immer stand die Shingon-Schule unter der Kontrolle des Staates, doch Anfang 835 erhielt Kūkai schließlich die Erlaubnis, jährlich drei Mönche zu ordinieren.

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