An diesem Tag

Königreich beider Sizilien

Historischer Staat in Süditalien

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Das Königreich beider Sizilien (italienisch Regno delle Due Sicilie) war ein von 1816 bis 1861 bestehender Staat in Süditalien. Es entstand am 8. Dezember 1816 durch staatsrechtliche Vereinigung zweier bis dahin nur in Personalunion verbundener Königreiche, die beide aus historischen Gründen die Bezeichnung „Königreich Sizilien“ trugen, da sie in einer päpstlichen Bulle von Papst Clemens IV. aus dem Jahr 1265 als Königreich Sizilien diesseits und jenseits des Leuchtturms (lateinisch Regnum Siciliae citra et ultra Pharum) bezeichnet wurden, wobei der Leuchtturm von Messina gemeint war. Das „jenseitige Königreich Sizilien“ (Regno di Sicilia ulteriore) umfasste die Insel Sizilien mit der Hauptstadt Palermo, während das „diesseitige Königreich Sizilien“ (Regno di Sicilia citeriore) südliche Teile der Apenninhalbinsel mit der Hauptstadt Neapel umfasste, wobei dieses „Festland-Sizilien“ zur besseren Unterscheidung auch als Königreich Neapel bezeichnet wird.

Das Königreich beider Sizilien umfasste somit ganz Unteritalien und war bis zur Einigung Italiens der größte der italienischen Teilstaaten, allerdings auch der wirtschaftlich ärmste. Die Staatsform war seit 1816 die der absoluten Monarchie; erst am 29. Januar 1848 erhielt das Königreich eine Verfassung. Das Königreich beider Sizilien bestand bis 1860, als es von Freischärlern unter Führung von Giuseppe Garibaldi erobert und mit dem neugeschaffenen Königreich Italien vereint wurde. Der letzte König Franz II. kapitulierte am 13. Februar 1861.

Normannisches Reich in Sizilien und Süditalien und Aufteilung in zwei Reiche

Ab 1061 eroberten normannische Krieger die seit 827 von den Sarazenen beherrschte Insel Sizilien. Der Eroberer Roger I. wurde zum Grafen von Sizilien und Kalabrien. Sein Sohn Roger II. erbte dazu noch das Herzogtum Apulien. 1131 wurde daraus das Königreich Sizilien. Durch weitere Eroberungen konnte Roger II. seinen Herrschaftsbereich über ganz Unteritalien bis zum Kirchenstaat ausdehnen. Das bis dahin normannische Königreich Sizilien fiel 1194 an den Staufer Heinrich VI., der 1186 Konstanze von Sizilien geheiratet hatte, die Tochter des Normannenkönigs Roger II. von Sizilien und Tante und Erbin des letzten Normannenkönigs Wilhelm II. Konkurrierende Gegenkönige aus der normannischen Herrscherfamilie wurden schließlich mit militärischer Gewalt beseitigt.

Als 1197 Heinrich VI. starb, übernahm Konstanze die Herrschaft über das sizilianische Königreich als Regentin für ihren Sohn. Dieser war als Friedrich II. bereits im Alter von zwei Jahren 1196 auch zum deutschen König gewählt worden, wurde aber nach dem Tod seines Vaters als solcher nicht mehr anerkannt. 1212 wurde er auf Betreiben des Papstes (Innozenz III.) dann doch noch deutscher König, zunächst als Gegenkönig zu Otto IV., und 1220 zum Kaiser gekrönt. Friedrich II. (Friedrich I. von Sizilien) hielt sich aber nur selten auf deutschem Boden auf, sondern regierte sein Reich von Süditalien aus. Im Gegensatz zum (langobardischen) Königreich Italien nördlich des Kirchenstaates wurde das Königreich Sizilien nie Teil des Heiligen Römischen Reiches.

Infolge des sich verschärfenden Konflikts zwischen der Staufer-Dynastie und dem Papsttum wurde 1265 der französische Prinz Karl von Anjou durch Papst Clemens IV. auf den sizilianischen Thron gehoben. Karls Machtübernahme erfolgte 1266 durch dessen Sieg über den Stauferkönig Manfred, der Sizilien zunächst als Regent für seinen unmündigen und abwesenden Neffen Konradin verwaltet, dann aber selbst die Königswürde angenommen hatte. Als letzter Staufer, der Anspruch auf den sizilianischen Thron erhob und darum kämpfte, wurde Konradin 1268 gefangen genommen und von seinem Gegner in Neapel hingerichtet.

Anders als in Neapel, das den Schwerpunkt der Anjou-Herrschaft bildete, wurde die französische Herrschaft auf Sizilien schon nach wenigen Jahren durch die Volkserhebung von 1282 („Sizilianische Vesper“) beseitigt, die stattdessen Peter III. von Aragon, einen Schwiegersohn des Stauferkönigs Manfred, auch zum König der Insel erhob. Das alte normannisch-staufische Königreich war seither – trotz wechselseitiger Herrschaftsansprüche – faktisch in das aragonesische Königreich von Sizilien und das durch die Anjou regierte Königreich Neapel geteilt. Im Frieden von Caltabellotta 1302 erkannte der aragonesische König Friedrich II. von Sizilien und der angevinische König Karl II. von Neapel die Herrschaft des jeweils Anderen an, wobei jedoch für die Insel die antike Bezeichnung „Trinacria“ gewählt wurde, während der Titel „König von Sizilien“ mit der neapolitanischen Herrschaft verbunden blieb, womit es nun zwei Königreiche mit Namen Sizilien gab.

Eine kurze „Wiedervereinigung“ erfolgte von Sizilien aus, als 1442 der aragonesisch-sizilianische König Alfons V. auch das Königreich Neapel unter seine Herrschaft brachte. Mit Alfons’ Tod löste sich diese süditalienische Personalunion wieder auf, da der aragonesische Thronerbe Johann II. (1458 – 1479) lediglich in Sizilien anerkannt wurde, nicht aber in Neapel, wo Ferdinand (Ferrante, 1458 – 1494), ein unehelicher Sohn Alfons’ V., 1458 die Herrschaft an sich riss. Dessen Nachfahren verloren jedoch Neapel 1495 zuerst an den französischen König Karl VIII., der alte Anjou-Thronrechte für sich reklamierte, und am Ende der dadurch ausgelösten Kriege 1501/04 an König Ferdinand V. von Aragon und Sizilien (1479 – 1516).

Durch die dynastische Verbindung 1494 der Habsburger mit den Häusern Aragon und Kastilien fielen 1516 auch Neapel und Sizilien an Karl V. Mit dem Aussterben der spanischen Habsburger 1700 gerieten Neapel und Sizilien in die Wirren des Spanischen Erbfolgekriegs. Nach anfänglicher Herrschaft der nun in Spanien regierenden Bourbonen wurde Mittelitalien 1707/08 von Österreich besetzt, dessen habsburgische Linie ebenfalls Anspruch auf das Königreich erhob. Die Friedensschlüsse von 1713/14 (Utrecht/Rastatt) beließen das Königreich Neapel bei Österreich, wiesen hingegen das Königreich Sizilien Viktor Amadeus von Savoyen zu, der dieses aber 1720 mit den Habsburgern gegen Sardinien eintauschte. Seit dieser Zeit spricht man von „Neapel-Sizilien“. Bis 1735 wurde die Königreiche Neapel und Sizilien nun von Österreich regiert.

Im Polnischen Thronfolgekrieg wurden die Österreicher hier von spanischen Truppen bedrängt, die die Ansprüche des Herzogs von Parma und spanischen Infanten Karl auf Neapel und Sizilien stützten und 1734 bei Bitonto siegten.

Infant Karl aus dem Haus Bourbon regierte beide Sizilien von 1735 bis 1759, bis er König von Spanien wurde. Er war seit über 230 Jahren der erste König von Neapel und Sizilien, der persönlich dort lebte und regierte. Herrschaftszentrum wurde bzw. blieb Neapel, das von den neuen Bourbonen-Königen prachtvoll ausgebaut wurde, während Sizilien einen zweitrangigen und halbkolonialen Status beibehielt Als dieser durchsetzungsstarke Monarch 1759 König von Spanien wurde, musste er, da diese Krone gemäß internationalen Verträgen mit Neapel-Sizilien nicht vereinigt werden durfte, sein bisheriges Reich an seinen jüngeren Sohn Ferdinand IV. abtreten, der die Nebenlinie Bourbon-Sizilien begründete. Diese wurde durch die Heirat von Ferdinand IV. und Maria Karolina von Österreich, einer Tochter von Kaiserin Maria Theresia, am 12. Mai 1768 mit den österreichischen Habsburgern verbunden. Dominierte zunächst der doppelte Einfluss der Großmächte Spanien und Österreich, geriet Neapel-Sizilien – insbesondere im Zuge der französischen Revolutionskriege ab 1792 – immer stärker in direkte Abhängigkeit von der Seemacht Großbritannien, um sich der neuen europäischen Vormacht Frankreich zu erwehren.

Französische Revolution und Napoleonische Kriege

1799 wurde die Bourbonen-Herrschaft im Teilkönigreich Neapel durch revolutionäre französische Truppen beendet, die dort gemeinsam mit süditalienischen Anhängern der Revolution die Parthenopäische Republik etablierten. Der unter britischem Schutz in seine sizilianische Hauptstadt Palermo geflüchtete König wurde jedoch durch den baldigen Rückzug der Franzosen und einen blutigen antirevolutionären Aufstand der Landbevölkerung unter Führung des Kardinals Fabrizio Ruffo in Neapel zurück an die Macht gebracht. Zahlreiche einheimische Revolutionäre wurden daraufhin hingerichtet.

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