An diesem Tag

Königreich Bayern

Ehemaliger europäischer Staat (1805 bis 1918), Teil des Deutschen Reiches nach 1871

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Das Königreich Bayern war ein Staat in Mitteleuropa. Es bezeichnete den bayerischen Staat zur Zeit der Herrschaft der bayerischen Könige zwischen 1806 und 1918. Das Königreich hatte seinen Ursprung im bayerisch-französischen Vertrag von Brünn vom 10. Dezember 1805 und in dem am 26. Dezember 1805 beim Frieden von Pressburg zwischen den Bevollmächtigten des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte und des römisch-deutschen und österreichischen Kaisers Franz II./I. abgeschlossenen Friedensvertrag, denn Österreich musste nun die Grafschaft Tirol und Vorarlberg an das mit Frankreich verbündete Bayern abtreten. Am 1. Januar 1806 erfolgte in München die Proklamation von Kurfürst Maximilian IV. zu König Maximilian I. Joseph.

Knapp tausend Jahre zuvor hatten die Karolinger nach dem Ende des älteren Stammesherzogtums Baiern bereits als Könige oder Unterkönige von Bayern regiert, worauf auch 1806 Bezug genommen wurde. Sie siegelten Urkunden aus dieser Zeit als Könige von Bayern oder setzten zur Herrschaftsausübung bisweilen Statthalter (Präfekten) ein. Nach dem Ende der Karolinger war das jüngere Stammesherzogtum Bayern entstanden. Das Staatsgebiet des neuen Königreichs umfasste, nach mehreren Gebietsanpassungen, ab 1815/16 neben dem ehemaligen Kurfürstentum Bayern und zahlreichen weiteren altbayerischen Gebieten (wie die ehemals reichsunmittelbaren Fürstentümer des Hochstifts Passau, des Hochstifts Freising und der Fürstpropstei Berchtesgaden (Berchtesgadener Land), den Rupertiwinkel und die Reichsstadt Regensburg) auch die linksrheinische Pfalz, dazu weite Teile Frankens mit Nürnberg und Würzburg sowie Schwabens mit Augsburg.

Der Wahlspruch des Königreichs Bayern und des Hauses Wittelsbach lautete „In Treue fest“. Das Königreich existierte bis in das Jahr 1918, als sein letzter König Ludwig III. aufgrund der Novemberrevolution am Ende des Ersten Weltkrieges das Land verließ und ins Exil flüchtete. Mit der Errichtung des Freistaates Bayern und zeitweise der Räterepublik Bayern wurde nicht ein neuer Staat in Bayern gegründet, sondern Bayern letztlich als parlamentarische Republik neu organisiert.

Gründung und territoriale Expansion

Von Kurpfalzbayern bis zur Gründung des Königreichs

Ende des Jahres 1777 erbte der Pfälzer Wittelsbacher Kurfürst Karl Theodor auch das Kurfürstentum Bayern. Somit entstand Kurpfalz-Bayern, weite Gebiete am Rhein wurden nun von München aus regiert. Im Frieden von Lunéville 1801 musste Kurpfalz-Bayern wie andere Staaten des damaligen Heiligen Römischen Reiches zugunsten Frankreichs auf seine linksrheinischen Gebiete verzichten. Damit verlor es die linksrheinischen Teile der Kurpfalz und des Herzogtums Jülich-Berg. Dem Kurfürstentum Bayern wurden jedoch beim Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 Teile Frankens und Schwabens zugesprochen; es musste aber den noch verbliebenen rechtsrheinischen Teil der Kurpfalz mit Heidelberg und Mannheim an Baden abgeben. 1805 band sich Bayern durch den Bogenhausener Vertrag an das Frankreich Kaiser Napoleons. Während die neue 30.000 Mann starke bayerische Armee am 2. Dezember 1805 österreichische Truppen bei Iglau festhielt, gewann Napoleon die Dreikaiserschlacht von Austerlitz. Die Verträge von Brünn und der Friede von Preßburg brachten Bayern großen Landgewinn, unter anderem ganz Tirol und Vorarlberg, die österreichisch-schwäbische Markgrafschaft Burgau, die Reichsstadt Augsburg und das Gebiet um Lindau. Ansbach, Eichstätt und das Passauer Ilzland wurden ebenfalls Teil des neuen Bayern. Der damit verbundene Machtzuwachs war einer der Gründe für die Ausrufung Bayerns zum Königreich.

Im Frieden von Preßburg, der am 26. Dezember 1805 zwischen Frankreich und dem deutschen Kaiser Franz II. geschlossen wurde, wurde das mit Napoleon verbündete Bayern zum Königreich proklamiert. Kurfürst Maximilian IV. Joseph von Bayern – seit 1799 Herrscher über Kurbayern – nahm am 1. Januar 1806 offiziell den Titel „König Maximilian I. von Bayern“ an. Maximilian Joseph hatte 1795 das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken geerbt, das jedoch bereits von der französischen Revolutionsarmee besetzt war. 1799 war er Kurfürst von Bayern geworden, als Nachfolger des ohne eheliche Nachkommen verstorbenen Kurfürsten Karl Theodor. Im Druck des Regierungsblattes stand anlässlich der Königsproklamation, dass sich „der baierische Staat zu seiner ursprünglichen Würde emporgehoben“ habe, ein Verweis auf die Zeit der Karolinger.

Im März 1806 trat das Königreich Bayern das rechtsrheinische Herzogtum Berg mit seiner Residenzstadt Düsseldorf im Tausch gegen das Fürstentum Ansbach an Napoleon ab. Damit waren alle rheinischen Gebiete der Wittelsbacher gegen näher an Bayern gelegenen Herrschaften eingetauscht worden. Der formelle Austritt Bayerns aus dem Reichsverband unter Verzicht auf die Kurwürde erfolgte dann im Juli 1806 mit der Rheinbundakte. Bayern wurde zum führenden Mitglied des Rheinbundes als Verbündeter Frankreichs.

Bündnis mit Frankreich und Konsolidierung nach dem Wiener Kongress

Die Zwangsaushebung von Rekruten für die bayerische Armee führte zum Aufstand der Tiroler unter Andreas Hofer, der am 9. April 1809 in der Tiroler Hauptstadt Innsbruck begann und am 1. November 1809 mit der Niederlage der Tiroler am Bergisel endete. Der Pariser Vertrag vom 28. Februar 1810 zwischen Frankreich und Bayern führte zu Gebietsarrondierungen. Bayern erhielt das Markgraftum Bayreuth, das Fürstentum Regensburg, das Innviertel, das halbe Hausruckviertel sowie den Rupertiwinkel (bis 1803 Erzstift Salzburg) und das Berchtesgadener Land (bis 1803 Kernland der Fürstpropstei Berchtesgaden) als Territorien hinzu. Im Gegenzug mussten das südliche Tirol und einige schwäbische Gebiete abgegeben werden. Durch den Grenzvertrag zwischen Bayern und Württemberg vom 18. Mai 1810 und die jeweiligen Gebietsabtretungen wurde die heute noch bestehende Grenze geschaffen.

König Maximilians Minister Maximilian Graf von Montgelas gilt dabei als Schöpfer des modernen bayerischen Staates. Am 1. Mai 1808 wurde die Bayerische Konstitution erlassen, die Freiheits- und Gleichheitsrechte gewährte und den König als Staatsorgan definierte. Der König musste die Verfassung beeiden und war dieser damit unterworfen. Gleichzeitig beseitigte die Verfassung alle Relikte der Leibeigenschaft, die das alte Reich hinterlassen hatte. Durch die Religionsedikte vom 10. Januar 1803 und vom 14. Juni 1809 wurden alle drei christlichen Bekenntnisse gleichberechtigt – Katholiken, Reformierte und Lutheraner.

1807 wurden die ständischen Steuerprivilegien abgeschafft. 1805 wurden alle erblichen und käuflichen Ämter durch die große Dienstespragmatik abgeschafft. Das Münchner Regulativ von 1805 und das Judenedikt von 1813 gewährten den Israeliten im neuen Bayern erste Freiheiten.

Am 27. August 1807 führte Bayern als erstes Land der Welt eine Pockenimpfung ein. 1812 wurde die bayerische Gendarmerie gegründet. Durch ein neues Strafgesetzbuch, das Anselm von Feuerbach entworfen hatte, wurde 1813 die Folter abgeschafft.

Ab Juni 1812 starben 30.000 bayerische Soldaten bei Napoleons Feldzug gegen Russland. Der Russlandfeldzug kostete Bayern damit fast sein gesamtes entsandtes Heer und verstärkte nun nicht nur bei Montgelas die Neigung zur Loslösung Bayerns von Frankreich. Wegen der von Montgelas und Max Joseph immer sorgfältig beachteten Volksstimmung befürchtete man Unruhen vor allem in Tirol, Vorarlberg und Franken. Allerdings konnte man durch die allgemeine Wehrpflicht das Heer schnell wieder neu aufbauen. Bereits 1813 bedrohten voranrückende russische Truppen jedoch das Hofer Land im Nordosten des Königreichs. Max I. Joseph gab daraufhin am 8. Oktober 1813 – noch 10 Tage vor der Völkerschlacht bei Leipzig – durch den geheimen Vertrag von Ried die Kooperation mit Napoleon auf und verbündete sich im Sechsten Koalitionskrieg mit Österreich.

Als Ergebnis des Wiener Kongresses 1814/15 musste Bayern zunächst seine Zugewinne Tirol und Vorarlberg sowie das wiedergewonnene Innviertel großenteils wieder zugunsten der Habsburgermonarchie aufgeben. Es bekam aber zum Ausgleich linksrheinische Teile der Pfalz sowie fränkische Gebiete um Würzburg und Aschaffenburg zurück. Das bis dahin hessische Alzenau mit Umland, das von Wien regierte Hammelburg sowie Bad Brückenau, Miltenberg, Amorbach und das bis dahin böhmische Marktredwitz wurden wieder an Franken angegliedert. Die neuen Grenzen wurden letztendlich durch den am 14. April 1816 unterzeichnete Vertrag von München festgelegt, als das Königreich Bayern zugunsten des Kaisertums Österreich auch Salzburg aufgab und dafür weitere fränkische Gebiete erwarb und große Teile der linksrheinischen Pfalz, darunter Pfalz-Zweibrücken, zurückerhielt. Der badisch-bayerische Grenzstreit über die rechtsrheinische Pfalz mit den alten Wittelsbacher Residenzen Mannheim, Schwetzingen und Heidelberg wurde dann 1818 auf dem Aachener Kongress zugunsten Badens entschieden.

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