Der Kölner Dom (offiziell Hohe Domkirche zu Köln) ist eine römisch-katholische Kirche in Köln unter dem Patrozinium des Apostels Petrus. Er ist die Kathedrale des Erzbistums Köln sowie Metropolitankirche der Kirchenprovinz Köln. Hausherr ist der Dompropst. Der Dom ist eine der größten Kathedralen im gotischen Baustil, mit 157,22 Metern die vierthöchste Kirche der Welt und nach dem Ulmer Münster der zweithöchste Sakralbau Deutschlands.
Sein Bau wurde 1248 im Auftrag von Konrad I. nach Entwurf von Meister Gerhard begonnen und 1880 im Auftrag von Friedrich Wilhelm IV. nach Entwurf von Ernst Friedrich Zwirner vollendet. Einige Kunsthistoriker haben den Dom wegen seiner einheitlichen und ausgewogenen Bauform als „vollkommene Kathedrale“ bezeichnet. Ursprünglich als repräsentative Kathedrale der Kölner Erzbischöfe und monumentales Reliquiar für die Gebeine der Heiligen Drei Könige geplant, galt der Dom bei seiner Vollendung im 19. Jahrhundert als Nationalsymbol für Deutschland.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der scheinbar unversehrte Dom inmitten der ausgebombten Stadt als „Wunder“ verstanden und zu einem emotionalen Symbol für den Lebenswillen. Der Dom zählt seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe und gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.
Römische und merowingische Bischofskirche
Maternus, ein Vertrauter des Kaisers Konstantin I., war in den Jahren um 313 (dem Jahr der „konstantinischen Wende“) der erste urkundlich bezeugte Bischof Kölns. Die ursprünglich kleine frühchristliche Gemeinde, bis zum Toleranzedikt des Galerius im Jahre 311 noch „illegal“ und von den Behörden der Provinz Germania inferior phasenweise verfolgt und allenfalls toleriert, versammelte sich über Generationen – wohl schon seit Anfang oder Mitte des 3. Jahrhunderts – nicht in einer Kirche, sondern in privaten Wohnhäusern christlicher Familien. Ein solches lag vermutlich auf dem Domhügel unter dem heutigen Chor.
Es befand sich nicht im Zentrum der Provinzhauptstadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium, wo das Praetorium stand, sondern am nördlichen Siedlungsrand unweit des Rheinufers, wo etwa zur selben Zeit die römische Stadtmauer errichtet wurde, auf deren Innenseite das Haus in unmittelbarer Nähe lag. Auf seinem Grundstück wurde eine erste Taufkapelle gebaut, deren begehbares Taufbecken unter dem Domchor archäologisch ergraben wurde. Es wird vermutet, dass an der Stelle dieses Hauses eine erste Kirche entstand, die spätestens zur Zeit des Maternus († um 328) zur ersten Bischofskirche (Kathedrale) wurde. Der heutige Dom ist zwar ein gotischer Bau, doch die wahrscheinliche Platzkontinuität der Kathedrale entspricht in etwa der des Trierer Doms, in dem sogar noch bedeutende römische Bausubstanz steckt.
Noch zu Lebzeiten des Maternus gestattete Kaiser Konstantin I. im Jahre 321 der jüdischen Gemeinde der Colonia, die sich parallel zur christlichen entwickelt hatte und ebenfalls zur religio licita („erlaubten Religion“) geworden war, eine Aufnahme ihrer Mitglieder in die curia der Provinzhauptstadt; ihre erste Synagoge wurde vermutlich etwa zur gleichen Zeit wie die erste Bischofskirche im späteren Kölner Judenviertel erbaut. Der bedeutendste antike Sakralbau der Stadt war aber der im 1. Jahrhundert n. Chr. errichtete Tempel für die Kapitolinische Trias, der Haupttempel der Stadt, welcher den Hauptgöttern der römischen Religion geweiht war: Jupiter, Juno und Minerva. Er lag ebenfalls auf einer kleinen Erhebung in Rheinnähe, jedoch am südlichen Siedlungsrand der römischen Kolonie. Als Maternus starb, bestanden die drei Religionen in Köln mit ihren jeweiligen Gotteshäusern nebeneinander. Ein weiterer bedeutender Bau dieser Zeit entstand um 345 auf einer leichten Anhöhe inmitten eines Gräberfelds westlich außerhalb der Stadtmauer, ein großes, prachtvolles Mausoleum, das später ebenfalls in eine Kirche umgewandelt wurde, die heutige Basilika St. Gereon.
Nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft am Rhein bauten die in Köln residierenden merowingischen Kleinkönige des Fränkischen Reichs im 6. Jahrhundert an der vermutlichen Stelle der ersten antiken Bischofskirche eine neue, die schließlich etwa 40 bis 50 Meter lang und mit einem Ambo ausgestattet war. Diesen frühmittelalterlichen Bau ließ wahrscheinlich der austrische König Theudebert errichten, ein Enkel Chlodwigs, des ersten Merowingerkönigs. Die Bischofskirche diente auch Mitgliedern der königlichen Familie als Grablege; unter anderen wurde um 537 Theudeberts langobardische Gemahlin Wisigarde hier bestattet. 1959 wurden bei archäologischen Untersuchungen im Zuge des Baus einer neuen Krypta merowingische Gräber entdeckt, darunter ein reich ausgestattetes Frauengrab aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts, welches das von Wisigarde sein könnte. Die Grabungsfunde unter dem Domchor lassen allerdings keine vollständige Rekonstruktion der Gebäude aus der Merowingerzeit zu.
Auch die Fundamente einer antiken Kirche sind, mit Ausnahme des Taufbeckens, bisher nicht eindeutig identifiziert. Das gilt auch für den Bischofspalast der merowingischen Zeit, der üblicherweise neben der Kathedrale gestanden haben dürfte, als erste der Residenzen der Kölner Bischöfe. Die Merowinger-Könige selbst ließen sich im antiken Praetorium nieder, dem repräsentativen einstigen Wohn- und Amtsbau des Kommandanten des Legionslagers und später des Provinzmagistrats, den sie als Königspfalz benutzten. Aus den Überresten des römischen Tempels der Kapitolinischen Trias am Südrand der Stadt wurde in der Merowingerzeit die Pfalz der fränkischen Hausmeier aus der Dynastie der Pippiniden, die mit Pippin dem Jüngeren ab 751 Könige der Franken wurden und damit als Karolinger die Merowinger ablösten. Plektrudis, die Ehefrau des Hausmeiers Pippin des Mittleren, stiftete dort um 720 die zweitwichtigste Kirche des mittelalterlichen Köln, St. Maria im Kapitol, die auf den Fundamenten des Tempels steht. Der Rat der Stadt Köln zog im Mittelalter am Dreikönigstag in der Prozession zu Ehren der im Dom bestatteten Heiligen Drei Könige, der Kölner Stadtheiligen, von St. Maria im Kapitol zum Dom. Heute finden die Prozessionen im Anschluss an das jeweilige Pontifikalamt im Binnenchor des Domes statt, wobei die Trapezplatte des goldenen Dreikönigenschreins geöffnet wird, sodass die Häupter sichtbar werden.
Östlich des Domchores lag schon in spätantiker Zeit eine Taufkirche (Baptisterium), in der die frühen Christen dem damaligen Ritus folgend in etwa knietiefes Wasser stiegen und vollständig übergossen wurden. Es wird vermutet, dass das aus dem 5. Jahrhundert stammende Taufbecken (Piscina) ursprünglich im Garten des als christlicher Versammlungsort dienenden römischen Wohnhauses stand. Später wurde die über dem Becken errichtete Taufkirche zusammen mit der Domkirche zu einem baulichen Komplex zusammengefasst, der sich aber heute archäologisch nicht mehr nachweisen lässt. Als der Hildebold-Dom errichtet und aufgrund des veränderten Ritus mit einem Taufstein ausgestattet wurde, blieb von der Taufkirche nur das Taufbecken übrig. Heute gilt das Baptisterium, das im Dom-Sockel zugänglich ist, als ältestes Zeugnis für den christlichen Kultus in Köln.
Köln ist, wie die meisten der ältesten Städte Deutschlands, aus einem römischen Legionslager am Rhein hervorgegangen, der damals die Grenze zwischen dem Römischen Reich mit seinen germanischen Provinzen (Germania inferior, Germania superior, Raetia) und der „freien“ Germania magna war. Die frühchristlichen Gemeinden dieser linksrheinischen Städte hatten sich teils schon in der Antike, teils im Frühmittelalter zu Bischofssitzen entwickelt, die wiederum ihre Herrschaft in weitläufigen geistlichen Territorien ausdehnten, in diesem Falle dem bedeutenden Staatswesen Kurköln. Auch die römisch-deutschen Könige und Kaiser bewegten sich auf dem Strom rasch von Süden nach Norden und umgekehrt, von hier aus über Mosel und Main auch nach Westen und Osten, um ihr Reich mittels eines Reisekönigtums zu kontrollieren und errichteten entlang des Flusses etliche Königspfalzen. Auf ihren Reisen besuchten sie oft die Residenzen der ihnen ergebenen Bischöfe, welche sie bis zum Investiturstreit sogar selbst ernannten. Könige und Bischöfe förderten sich gegenseitig, was die Ausdehnung der geistlichen Staaten, der sogenannten Germania Sacra, begünstigte.