Käthe Buchler, geb. Katharina von Rhamm, (* 11. Oktober 1876 in Wolfenbüttel; † 14. September 1930 ebenda) war eine deutsche Fotografin, deren Bilder als bedeutsame Quellen für die Geschichte der deutschen Frauen im Kriegsalltag im Ersten Weltkrieg und die Verwendung der Farbfotografie dienen.
Käthe Buchler wurde 1876 als Tochter des Landtagsabgeordneten, Landsyndikus und Rechtshistorikers Albert von Rhamm (Mitglied der Ehrlichen Kleiderseller zu Braunschweig) und seiner Frau Emma geb. Spies in Braunschweig geboren. Mit zwei Schwestern und einem Bruder wuchs sie in gesicherten Verhältnissen wohlbehütet auf.
Da sie seit frühester Jugend schwerhörig war, ließ sie sich gegen dieses Leiden mehrfach in Berlin behandeln. Dort nahm sie an Kursen für Fotografie des 1866 gegründeten Lette-Vereins teil, der sich der „Förderung der Erwerbstätigkeit des weiblichen Geschlechts“ verschrieben hatte und seit 1890 auch die Ausbildung zur Fotografin anbot. Zuvor hatte sie sich bereits mit Ölmalerei und Aquarellmalerei auseinandergesetzt.
1895 heiratete sie den Inhaber der Chininfabrik Braunschweig Buchler & Co, Walther Friedrich Theodor Buchler (1863–1929), der das 1858 von seinem Vater Hermann Buchler begründete Unternehmen führte. Das Ehepaar wohnte zunächst mit in der Villa der Schwiegereltern, Petritorpromenade 25, die nach den Eigentümern Villa Buchler genannt wurde. 1901 zog das junge Paar in die Villa am Löwenwall 19, die schließlich ebenfalls als Villa Buchler bezeichnet wurde. Dort besann sie sich auf die damaligen Kurse zurück und begann ihren Mann und ihre zwei Kinder im Porträt mit einer von ihm geschenkten zweiäugigen Voigtländer-Kamera festzuhalten. Doch auch sozial engagierte Fotoserien mit einer vom selben Hersteller produzierten Plattenkamera im Format 9 × 12 folgten. Ab 1906 frischte sie ihre Kenntnisse im Lette-Verein wieder auf. Seit 1913 verwendete sie auch das Autochromverfahren zur Herstellung von Farbfotografien. In erster Linie lichtete sie mit diesem recht teuren Verfahren das Umfeld ihrer Familie ab, aber auch die Kinder des Braunschweiger Rettungshauses, einer Einrichtung für sozial benachteiligte Jungen und Mädchen, und Sintikinder, die in Steterburg Rast machten, fanden sich auf diesen Farbaufnahmen wieder.
Als ab 1914 immer mehr Männer im Gefolge des Ersten Weltkriegs dienstverpflichtet wurden, mussten verstärkt Frauen den „Dienst an der Heimatfront“ in traditionellen Männerberufen leisten. Käthe Buchler dokumentierte die „Frauen in Männerberufen“ – so ihre eigene Bezeichnung –, die mit ihrer Arbeit wichtige Lücken füllten, aber deren Tätigkeiten gesellschaftlich nicht gut angesehen waren, mit viel Sympathie.
Käthe Buchlers Nachlass, der etwa 1000 Glasnegative, ca. 240 Autochrome, Diapositive, Alben, Vintageprints und Archivalien umfasst, befindet sich seit 2003 im Bestand des Museums für Photographie Braunschweig. Eine erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Quellenmaterial erfolgte 1980 durch den Fotohistoriker Bodo von Dewitz. Im Zuge einer ARD-Dokumentation über den Ersten Weltkrieg wurden ihre Bilder 2004 auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. 2006 präsentierte das Museum für Photographie Braunschweig Käthe Buchlers zwischen 1913 und 1930 entstandene Autochrome. 2012 folgte eine Ausstellung und begleitende Publikation ihrer zur Zeit des Ersten Weltkriegs aufgenommenen Fotografien.
Gabriele Armenat (Hrsg.): Frauen aus Braunschweig. Braunschweig 1991.
Ute Daniel: Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 48). Göttingen 1986.
Bodo von Dewitz: Photographien aus Braunschweig 1901–1918 von Käthe Buchler, geb. von Rhamm. in: Arbeitsberichte aus dem Städtischen Museum Braunschweig. Nr. 37, Braunschweig 1980.
Miriam Jung, Franziska Schmidt (Hrsg.): Die Welt in Farbe. Käthe Buchler – Autochrome 1913 bis 1930. Appelhans Verlag, Braunschweig 2006, ISBN 978-3-937664-52-1.
Florian Ebener, Jasmin Meinold: Käthe Buchler – Fotografien zwischen Idyll und Heimatfront, Appelhans Verlag, Braunschweig 2012, ISBN 978-3-941737-76-1.
Doris Obschernitzki, Karin Weber-Andreas: Im Blick die Fotografin … aber was noch? Lette-Verein, Berlin 1991.
Mechthild Wiswe: Buchler, Käthe. In: Luitgard Camerer, Manfred Garzmann, Wolf-Dieter Schuegraf (Hrsg.): Braunschweiger Stadtlexikon. Joh. Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig 1992, ISBN 3-926701-14-5, S. 49.
Käthe Buchler als Persönlichkeit im BLIK – Braunschweiger Leit- und Informationssystem für Kultur. auf braunschweig.de
100 Jahre Farbfotografie, 70 Jahre Farbfilm. auf photoscala.de
Ausstellung Käthe Buchler: Die Welt in Farbe - Autochrome 1913 – 1930 auf dasverborgenemuseum.de
Autochrome – And Gone to Heaven. auf humanflowerproject.com
Käthe Buchler – Autochrome 1913 bis 1930. – Ausstellung im Photomuseum, Braunschweig (Memento vom 12. Januar 2008 im Internet Archive)