An diesem Tag

Justus Brinckmann

Jurist, Kunsthistoriker und Gründer des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (1843–1915)

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Justus Brinckmann (* 23. Mai 1843 in Hamburg; † 8. Februar 1915 in Hamburg-Bergedorf) war ein deutscher Kunsthistoriker, Spiritus rector des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg und 1874 bei dessen Gründung die maßgebliche Persönlichkeit.

Brinckmann war der Sohn des Heidelberger Privatdozenten Karl Heinrich Ludwig Brinckmann und Mary Brinckmann, geb. Justus (1814–1865). Er war ein Urenkel des Försters Johann Ludewig Engelhard Brinckmann. Er unternahm zunächst weite Reisen und studierte dann Naturwissenschaften, Staatsrecht und Nationalökonomie in Leipzig und Wien. Sein in dieser Zeit verstärktes Interesse für Kunstgeschichte wurde geprägt durch den Ansatz von Rudolf Eitelberger, dem ersten Direktor des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie.

Nach Abschluss des Jurastudiums 1867 in Leipzig, wurde er am 10. Januar 1868 als Advokat in Hamburg immatrikuliert und blieb bis 1873 als solcher eingeschrieben.

Er war außerdem Mitarbeiter des Hamburgischen Correspondenten, ab 1868 als Kunstreferent, ab 1871 als Berichterstatter in Frankreich und dann als politischer Redakteur.

1872 erstellte Brinckmann einen Catalog der Sammlung Minutoli, der 1873 in der dritten vermehrten Ausgabe erschien. Als Sachverständiger für das Gewerbewesen war er Kommissar für die Weltausstellung 1873 in Wien und Juror für die Weltausstellungen (Exposition Universelle d’Anvers) 1885 in Antwerpen und 1900 in Paris. 1876 erwarb Brinkmann 32 Objekte aus den Sammlungen Minutoli für den Verein für Kunst und Wissenschaft in Hamburg und somit für das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.

Die Verbundenheit Brinckmanns zum Handwerk zeigt sich darin, dass er vom 1. November 1873 bis zum 1. April 1877, der „Secretair“ der gerade gegründeten Gewerbekammer Hamburg war. Er verstand sich als „erster Diener“ der Gewerbekammer. In dieser Zeit waren der Schlossermeister

Eduard Schmidt und der Buchdrucker Gustav Isidor Herbst die Vorsitzenden der Gewerbekammer.

Brinckmann war seit seiner Jugend leidenschaftlicher Sammler, eine von ihm angelegte Sammlung von Hautflüglern und zwei Sammlungen von Ornamentstichen waren schon in Museumsbesitz übergegangen. Nun zielte er auf den Aufbau eines Museums für Kunst und Gewerbe hin. Ab 1874 konnte ein mit Hilfe der Patriotischen Gesellschaft angelegter Sammlungsgrundstock in gemieteten Räumen ausgestellt werden.

Das Museumsgebäude wurde 1873 bis 1875 nach den Plänen von Carl Johann Christian Zimmermann erbaut. Dem Museum, das 1877 am Steintorplatz als Staatliches Technikum und Museum für Kunst und Gewerbe eröffnet wurde, stand er bis zu seinem Tod 1915 als Direktor vor. Brinckmann wollte den „Geschmack bilden“ und das künstlerische Niveau des Handwerks steigern. Nach dem Tod Brinckmanns wurde 1919 Max Sauerlandt neuer Direktor.

1899 war er Preisrichter eines Preisausschreibens des Kölner Schokoladeproduzenten Ludwig Stollwerck um die Gestaltung eines Stollwerck-Sammelalbums für Stollwerck-Sammelbilder zusammen mit dem Buchbinder Georg Hulbe, dem Architekten Emil Meerwein und dem Maler Julius Christian Rehder (1861–1955) aus Hamburg sowie dem Architekten Bruno Schmitz aus Berlin.

1898 gründete er zusammen mit Heinrich Angst, dem damaligen Direktor des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich, den Internationalen Verband von Museumsbeamten zur Abwehr von Fälschungen und unlauterem Geschäftsgebaren (kurz Museenverband), in dem sich zeitweise über 150 Museumswissenschaftler (u. a. Theodor Demmler, Max Sauerlandt, Wilhelm von Bode) zusammenschlossen, um sich gegenseitig über Fälschungen zu informieren und zweifelhafte Praktiken im Kunsthandel zu bekämpfen.

Justus Brinckmann stellte 1883 als zeichnerische Hilfskraft Wilhelm Weimar im Museum an. 1888 erhielt Weimar eine feste, für ihn neu geschaffene Stelle als „wissenschaftlicher Assistent II. Klasse“ und erster und bis 1894 einziger Mitarbeiter Brinckmanns. Im Museum katalogisierte Weimar die vorhandenen Kunsthandwerke. Außerdem schuf er selbst kunstgewerbliche Gegenstände, kalligrafische Diplome, Urkunden und Schriften. Die Schriftgießerei Genzsch & Heyse druckte postum Weimars Alphabete Alte Schwabacher, Leibniz-Fraktur und die Hamburger Druckschrift. Diese erschienen 1917 in der Zeitschrift Die Heimat. Wilhelm Weimar starb im Juni 1917. Für Justus Brinckmann war es Weimars Verdienst, dass „das Museum zu einem gewissen Ansehen unter seinesgleichen“ gekommen sei, so schrieb er an die Oberschulbehörde.

Ein weiterer Zeichner, der für Brinckmann bzw. das Kunstgewerbemuseum zeichnete und malte war Hermann Haase. Ab 1883 zeichnete Haase gegen Honorar für die Dokumentation der Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe. Haase und der Maler und Publizist Oskar Schwindrazheim (1865–1952) nahmen gemeinsam an seinerzeit geführten Gesprächen teil, das Kunstgewerbe in Hamburg zu reformieren. 1896 erhielt Haase von Brinckmann einen Auftrag, der sein weiteres künstlerisches Schaffen prägte: Brinckmann interessierte sich sehr für künstlerische Darstellung ländlicher Handwerker, insbesondere in den Vierlanden. Daher bat er Haase, in den Vierlanden vor den Toren Hamburgs Aquarelle und Zeichnungen zu erstellen. Erste Werke waren 1898 im Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen. Bis 1905 hatte Haase 700 Aquarelle geschaffen, die kommentiert in Hamburg und auch in anderen Städten wie Flensburg ausgestellt wurden. Das Museum für Kunst und Gewerbe erstellte eine Sammlung, die Zweitfassungen der Tafeln enthielt. Die Gemälde mit Häusern der Vierlande und deren Inneneinrichtungen übernahm das ausgelagerte Hamburger Denkmalarchiv unter der Leitung von Richard Stettiner. Seit 1921 befindet sich die Sammlung im Museum für Hamburgische Geschichte, das die Bilder bis heute aufbewahrt. Das Museum für Kunst und Gewerbe behielt die Werke zu Kleidung, Geräten und Arbeitsweisen. Möglicherweise wählte Justus Brinckmann deshalb als Wohnort gemeinsam mit seiner 3. Ehefrau den südöstlichen Teil Hamburgs, Bergedorf mit den Vierlanden. Von dort gab es einen direkten Bahnanschluss zum Hamburger Hauptbahnhof, also direkt zum MKG.

Justus Brinckmann war seit dem 17. März 1868 mit Ida Laura Anna Marie von Froschauer (1841–1872) verheiratet, einer Tochter von Sebastian von Froschauer, mit der er drei Kinder hatte, darunter die Textilkünstlerin und Hochschullehrerin Maria Brinckmann (1869–1936) und der spätere Rechtsanwalt und Abgeordnete Wolfgang Brinckmann (1871–1930). Nach deren Tod heiratete er 1874 ihre Schwester Maria Pia Adele von Froschauer (1848–1899). Aus dieser Ehe stammen fünf Kinder, darunter Albert Gideon Brinckmann (1877–1924), von 1912 bis 1920 Direktor des Kestner-Museums in Hannover und Carlotta Brinckmann (1876–1965), Weberin und Textilrestauratorin. Seit 1887 war die dänische Künstlerin Henriette Hahn Zeichenlehrerin an der von Brinckmann geleiteten Gewerbeschule für Mädchen. 1893 brachte sie in Paris eine Tochter Brinckmanns zur Welt. Nach dem Tod seiner zweiten Frau heiratete Brinckmann 1901 in dritter Ehe Henriette Hahn, mit der er weitere vier Kinder hatte, darunter die Malerin und Restauratorin Gertrud (Trulle) Brinckmann (1902–1993), die 1926 den Maler und Bildhauer Martin Irwahn heiratete. Die Berufstätigkeit als Künstlerin verbot er seiner Frau, erst nach Brinckmanns Tod konnte sie ihre Arbeit fortsetzten.

Brinckmann lebte lange in einer Wohnung in der Großen Allee 39 (seit 1971 Adenauerallee) nahe seinem Museum am Steintorplatz. Seit 1901 wohnte er in Bergedorf, zunächst in der Brauerstraße 2 (seit 1949 Chrysanderstraße), seit 1909 bis zu seinem Tod 1915 am Reinbeker Weg 56.

Die Trauerfeier für Justus Brinckmann am 12. Februar 1915

Die Trauerfeier für Justus Brinckmann, der am 8. Februar 1915 gestorben war, fand vier Tage später im Hamburgischen Museum für Kunst und Gewerbe statt.

Über seinem Sarg befand sich die Madonna von Andrea della Robbia.

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