An diesem Tag

Justinian I.

Spätantiker (ost-)römischer Kaiser (527-565)

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Justinian, altgriechisch Ἰουστινιανός, lateinisch Iustinianus, in seinen Konsulardiptychen aus dem Jahr 521 als Flavius Petrus Sabbatius Iustinianus belegt (* um 482 in Tauresium; † 14. November 565 in Konstantinopel), war vom 1. April (als Mitkaiser) bzw. 1. August 527 bis zu seinem Tod römischer Kaiser. In manchen orthodoxen Quellen wird er als Heiliger bezeichnet, im offiziellen kirchlichen Synaxarion jedoch nicht als solcher geführt.

Justinian gilt als einer der bedeutendsten Herrscher der Spätantike. Seine lange Regierungszeit markiert eine wichtige Phase im Übergang vom antiken Imperium Romanum zum Byzantinischen Reich des Mittelalters. Für das sich unter ihm anbahnende Ende der Antike stehen die von ihm befohlene Schließung der neuplatonischen Philosophenschule in Athen 529 und die faktische Abschaffung des altrömischen Amts des Konsuls im Jahr 542, während zugleich noch einmal bedeutende Hervorbringungen der antiken Kultur zu beobachten sind. Andererseits gelang es ihm in langen Kriegen gegen Ostgoten und Vandalen, weite Teile des inzwischen untergegangenen Weströmischen Reichs wieder unter direkte kaiserliche Kontrolle zu stellen, nachdem diese Gebiete im Verlauf der in der älteren Forschung sogenannten Völkerwanderung unter germanische Herrschaft bzw. Verwaltung mit bloß noch formeller (ost-)römischer Oberhoheit geraten waren. Im Osten sah sich das Reich zu seiner Zeit in schwere, wechselvolle Kämpfe mit den persischen Sassaniden verwickelt. Prägende Bedeutung gewann Justinian für die Rechtsgeschichte, da er die Kompilation des römischen Rechts, das später so genannte Corpus iuris civilis, in Auftrag gab.

Das Kaisertum erfuhr während seiner Regierung eine immer stärkere Sakralisierung. Dies zerstörte die letzten Reste der einst vom Prinzipat geschaffenen Fiktion, dass der Kaiser nur ein primus inter pares sei. Die wichtigste erzählende Quelle für die Zeit Justinians sind die Werke des bedeutenden Geschichtsschreibers Prokopios von Caesarea, der die Politik des Kaisers teils lobte, teils heftig kritisierte.

Allgemeines zur Person Justinian

Justinian war ein um das Jahr 482 geborener Bauernsohn aus dem Dorf Tauresium (heute Taor in Nordmazedonien) in der Prätorianerpräfektur Illyrien. Meist nimmt man an, sein Geburtsname sei Petrus Sabbatius gewesen, doch wurde dies auch bezweifelt. Der Name seines Vaters, Sabbatius, wird oft als Anzeichen für einen illyrischen oder thrakischen Ursprung der Familie interpretiert; dies ist jedoch problematisch. Justinians Muttersprache war das Lateinische. Tauresium gehörte zum Zuständigkeitsbereich des Bischofs von Rom; beides waren wohl Gründe für Justinians starke Westorientierung. Prokopios wirft dem Kaiser zwar fehlerhaftes Griechisch vor, tatsächlich aber war er belesen und gebildet. Johannes Malalas schreibt wohl zutreffend: „Beim Sprechen des Griechischen machte er manchen Fehler, doch schreiben konnte er es mit großer Leichtigkeit.“ Zeitlebens war der soziale Aufsteiger Justinian Anfeindungen von Seiten der senatorischen Elite ausgesetzt.

Justinian war ein Neffe des späteren Kaisers Justin I., der seit etwa 470 im Heer Kaiser Leos I. und später unter Zenon und Anastasius Karriere machte. Sein Onkel holte ihn in die Hauptstadt Konstantinopel, ermöglichte ihm eine gute Ausbildung, adoptierte ihn vor 520 und baute ihn nach seiner Thronbesteigung (518) wohl früh zum Nachfolger auf. Schon zu Lebzeiten seines Onkels hatte Justinian nach Ansicht der meisten Forscher großen Einfluss auf die Reichspolitik. Diese traditionelle Sichtweise wurde in der neueren Forschung jedoch bestritten, und wenigstens für die frühen Jahre sollte man die Rolle Justinians wohl nicht überbewerten. Fest steht aber, dass er nach 518 rasch Karriere machte: 519 wurde Justinian zum comes ernannt, 521 wurde er magister equitum et peditum praesentalis und bekleidete sein erstes Konsulat (drei weitere folgten: 528, 533 und 534). Seit 525 trug er vermutlich den Titel Caesar und galt damit wohl offiziell als Thronerbe. Am 1. April 527 wurde er schließlich zum gleichrangigen Mitkaiser (Augustus) erhoben; die Zeremonie fand ungewöhnlicherweise nicht öffentlich, sondern im Palast statt, auch wenn Justinian laut Johannes Zonaras anschließend im Hippodrom auch die Akklamation durch das Volk entgegennahm. Am 1. August stieg er dann nach Justins Tod zum Alleinherrscher auf. Er war seit 524 oder 525 mit der ebenfalls aus einfachsten Verhältnissen stammenden Theodora verheiratet, die 527 den Titel Augusta erhielt und laut einigen Quellen einen großen Einfluss auf Justinian gehabt haben soll. Die Ehe blieb ohne Nachkommen (mindestens ein Kind starb unmittelbar nach der Geburt). Justinian hatte mehrere Vettern; der bedeutendste war Germanus, der auch ein talentierter Feldherr und wichtiger Vertrauter Justinians war.

Justinian starb am 14. November 565 in Konstantinopel, wo er sich fast seine gesamte Regierungszeit hindurch aufgehalten hatte. Das Chronicon Paschale überliefert in diesem Zusammenhang eine Beschreibung seines Aussehens, die als zeitgenössisch gilt: „Untersetzt, aber mit breitem Brustkorb, blass; mit dünnem Haar und einer Stirnglatze, einem runden, gutaussehenden Gesicht mit rötlichen Wangen, stets leicht lächelnd; mit graumeliertem Haar und einem nach römischer Sitte glattrasierten Kinn, einer wohlgeformten Nase und heller Haut.“ Nach dem Tod des Kaisers, der keinen Mitherrscher ernannt hatte, drohte zunächst ein Machtkampf zwischen zweien seiner Neffen, beide mit Namen Justin: dem General Justin, einem Sohn des Germanus, und dem Chef der Hofhaltung, dem späteren Kaiser Justin II. Letzterer konnte sich schließlich durchsetzen; er ließ seinen Rivalen bald darauf ermorden.

Laut dem Augenzeugen Niketas Choniates wurde Justinians Grab in der Apostelkirche im April 1204 von Kreuzrittern geplündert, wobei der Leichnam des Kaisers damals noch ungewöhnlich gut erhalten gewesen sein soll.

Im Verlauf des 5. Jahrhunderts war der Westen des Imperium Romanum der direkten kaiserlichen Kontrolle entglitten. 476/80 war das weströmische Kaisertum erloschen, und da West- und Ostrom formal niemals zwei voneinander getrennte Staaten gewesen waren (siehe Reichsteilung von 395), lag die Herrschaft über das Gesamtreich fortan beim einzig verbliebenen Augustus in Konstantinopel. Aus Sicht Justinians handelte es sich bei seiner Westpolitik also im Grunde nicht um Außenpolitik, denn die (ost-)römischen Herrscher hatten ihre Ansprüche auf das Westreich seither nie aufgegeben. Sie wurden von fast allen gentilen Reichsbildungen auch tatsächlich formal als Oberherren anerkannt, doch agierten die reges des Westens de facto weitgehend unabhängig vom Willen Ostroms. Justinian, der als letzter römischer Kaiser Latein als Muttersprache sprach, gab sich mit diesem Zustand nicht zufrieden und strebte die Wiederherstellung der faktischen Herrschaft des Kaisers über die ganze spätantike Oikumene an (Restauratio imperii). Während seiner Regentschaft wurden daher große Gebiete im Westen des alten Imperium Romanum mit militärischer Gewalt unterworfen.

Ob diese Offensiven bereits von langer Hand geplant waren, ist in der Forschung umstritten. Eine bereits längerfristige Konzeption, die früher allgemein angenommen wurde, wird in den letzten Jahren vermehrt bezweifelt; vielmehr habe man erst nach den unerwartet raschen Erfolgen von Justinians Feldherr Belisar über die Vandalen im Jahr 534 begonnen, weiterreichende Ziele im Westen zu verfolgen. Die Kriege Justinians wurden besonders von dem Zeitgenossen Prokopios von Caesarea in seinem acht Bücher umfassenden griechischen Geschichtswerk (Bella oder Historien) eingehend geschildert.

Im Rahmen der Eroberungen im Westen unter Justinian ist die Armee allerdings an die Grenzen ihrer Kapazitäten gelangt. In diesen Jahren, in denen oströmische Truppen sowohl in Italien (von 535 bis in die frühen 550er Jahre) als auch ab 540 (nachdem der Perserkönig Chosrau I. ins Imperium eingefallen war) an der Ostgrenze in schwere Kämpfe verwickelt waren, scheint die Hofarmee die meisten ihrer Einheiten an die verschiedenen Feldarmeen abgetreten zu haben (diese Verbände unterstanden jeweils einem magister militum), denn nach 551 sind ihre Truppen nicht mehr nachweisbar. Als 559 die Kutriguren vor Konstantinopel auftauchten, musste hastig eine Verteidigung improvisiert werden.

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