Juri Julianowitsch Schewtschuk (russisch Юрий Юлианович Шевчук; wiss. Transliteration Jurij Julianovič Ševčuk; * 16. Mai 1957 in Jagodnoje, Oblast Magadan, Russische SFSR, Sowjetunion) ist ein russischer Sänger, Musiker, Dichter, Komponist, Produzent und Schauspieler. Bekannt wurde er als Begründer und Leadsänger der in der baschkirischen Hauptstadt Ufa gegründeten Rockband DDT, die in den 1980er-Jahren zu den bekanntesten Bands des sowjetischen Underground gehörte und bis heute sehr populär ist.
Schewtschuk ist einer der bekanntesten Rockmusiker und Sänger Russlands und gleichzeitig engagierter Kritiker der Regierung Wladimir Putins. So beteiligte er sich 2008 am Marsch der Unzufriedenen. Internationale Aufmerksamkeit erlangte die Fernsehübertragung einer Diskussion zwischen Putin und Schewtschuk bei einem Empfang im Mai 2010 in Sankt Petersburg, wo der Musiker die Einhaltungen der Freiheitsrechte Andersdenkender in Russland einforderte.
Seine frühe Kindheit verbrachte Schewtschuk in Jagodnoje, dem Hauptort des Rajons Jagodnoje in der vor allem für seine Straflager und Goldminen bekannten Oblast Magadan. Sein Urgroßvater Mudaris Achmadejew war ein Mullah, der 1937 in Baschkortostan erschossen wurde. Väterlicherseits war Großvater Sosfen Iwanowitsch, ein Christ, von Kosaken, ebenfalls im Jahr 1937 bei Kansk erschossen worden. 1964 übersiedelte die Familie nach Naltschik, die Hauptstadt Kabardino-Balkariens, 1970 schließlich nach Ufa, wo er seine Jugend verbrachte. Als Autodidakt erlernte Schewtschuk, Bajan und Gitarre und kam zum Glauben. 1975 begann er ein Studium an der künstlerisch-graphischen Fakultät des Staatlichen Baschkirischen Pädagogischen Instituts. In Ufa erlebte er Vernehmungen bei der Polizei, nachdem er ein Kruzifix auf sein T-Shirt gemalt und dazu geschrieben hatte "Jesus war ein Hippie". Nach Erlangung des Künstlerdiploms wurde er einer Dorfschule zugeteilt, in der er drei Jahre lang Zeichenunterricht gab. Parallel spielte er in mehreren Bands, die auf Schulfesten und in Kulturhäusern auftraten. 1980 kehrte er zu seinen Eltern nach Ufa zurück. 1982 versuchte er spontan, in Gorki Sacharow zu treffen, dessen Haus jedoch bewacht wurde. 1984 wurde er verdächtigt, ein Agent des Vatikans zu sein.
Zu seinen Anti-Kriegs-Engagements gehört ein Song Nicht schießen, geschrieben während des noch andauernden Afghanistan-Krieges, und eine 1995 absolvierte Friedens-Tour in Tschetschenien. Er engagierte sich im Balkan, als dort Krieg herrschte. Kirche bedeute Liebe und Geduld und Toleranz; das stehe über der Politik und habe rein gar nichts mit Politik zu tun:
Einige Bekanntheit erreichte seine offene Auseinandersetzung mit Wladimir Putin bei einem Empfang 2010. Nur wenige Menschen hatten so etwas zuvor gewagt, darunter Michail Chodorkowski.
Schewtschuk lebte und arbeitete 2011 in Sankt Petersburg.
Schewtschuk kritisierte 2014, dass russische Truppen die Krim annektierten.
Am 24. Februar 2022 begannen russische Streitkräfte auf Befehl von Staatspräsident Putin den Überfall auf die Ukraine. Am ersten Tag des Überfalls auf die Ukraine gehörte er zu den Protestierenden.
Schewtschuk ließ an seinen Konzerten das Publikum abstimmen; diese hätten stets für den Frieden gestimmt. Am 18. Mai 2022 fragte er bei einem Konzert in Ufa (Baschkortostan) die 8000 Zuschauer, warum russische Jungs wieder sterben. Heimat bedeute die Babuschka am Bahnhof, die Kartoffeln verkaufe; Heimat sei nicht der Arsch des Präsidenten, der geküsst werden wolle.
Polizisten verhörten Schewtschuk und schrieben ein Protokoll mit der Behauptung, er hätte die Streitkräfte diskreditiert (siehe auch Pressefreiheit in Russland).
Gerichte in Schewtschuks Heimatstadt Sankt Petersburg schickten das Protokoll zurück und schrieben, es sei nicht ersichtlich, inwiefern Schewtschuk Soldaten beleidigt habe. Laut Medienberichten weigerten sich dort alle Richter, den Fall Schewtschuk zu verhandeln.
Er wurde am 16. August 2022 zu einer Geldstrafe von umgerechnet 800 Euro verurteilt.
Neben seiner Tätigkeit als Bandleader der Musikgruppe DDT arbeitet Juri Schewtschuk auch als Solokünstler.
Medaille des Ministeriums für Katastrophenschutz der Russischen Föderation für die "Teilnahme an humanitären Notfall-Operationen"
Silbernes Kreuz des Innenministeriums der Russischen Föderation
"Master" Emblem des Internationalen Kunstfestivals "MASTER CLASS" in Sankt Petersburg
Preisträger der Zeitung Moskowski Komsomolez
Gewinner des Wettbewerbs "Goldene Stimmgabel" in Tscherepowez (1982)