Sigmund Gottlob Junius Brutus Frey, auch Lucien-Junius Frey, geboren als Moses Dobruška; konvertiert und nobilitiert als Franz Thomas Edler von Schönfeld (* 12. Juli 1753 in Brünn; † 5. April 1794 in Paris) war ein Schriftsteller und Neffe (2. Grades) sowie Anhänger von Jakob Joseph Frank, dem Begründer des Frankismus. Aus einer jüdischen Familie stammend wandelte er sich vom Talmud- und Kabbala-Gelehrten zum deutsch- und hebräischsprachigen Dichter, Freimaurer und K.u.K. Heereslieferant in Wien, und dann als Jakobiner zum Agitator in der Französischen Revolution, infolge der er im Alter von vierzig Jahren im Prozess gegen Georges Danton 1794 verurteilt und hingerichtet wurde.
Moses Dobruška war das zweite der zwölf Kinder von Salomon Dobruška (1715–1774) und Schöndl (Katharina) Dobruška, geb. Hirschel (1731–1791). Sein Vater war ein reicher jüdischer Kaufmann und Heereslieferant. Er hatte die Pacht des K.u.K. Tabakgefälls von seinem Vater, dem aus Dobruška gebürtigen, 1764 verstorbenen Jacob Moyses Wertheimer oder Wimer übernommen und war damit Inhaber des Monopols auf den Tabakhandel in sämtlichen Städten in Mähren. Jacob Moyses hatte sich 1730 in Brünn, wo sich seit der Vertreibung der Juden im Jahre 1454 Juden nicht mehr ansiedeln durften, als Kaufmann niedergelassen und 1750 das Tabakgefäll gepachtet. Zusätzlich besaß er die Erlaubnis zu Tabakproduktion in der Tabakfabrik zu Mährisch-Neustadt, deren Erzeugnisse er frei verkaufen durfte. Seine Tochter heiratete in die Familie Oppenheimer in Wien ein. Salomon Dobruška betrieb in seinem Haus eine kleine Synagoge. Moses` Mutter war eine Cousine von Jakob Joseph Frank. Sie war mit Wolf Benjamin Eibeschütz befreundet und eine Anhängerin und führende Förderin des Sabbatianismus, einer auf Schabbtai Zvi zurückgehenden messianische Bewegung im Judentum. Nach dem Tod ihres Ehemannes betrieb sie dessen Geschäft eigenständig weiter. Sie verheiratete mehrere Kinder an angesehene Geschäftsleute, so heiratete eine Tochter 1788 einen Sohn von Israel Hönig. Zudem gründete sie einen Salon, an dem auch Christen teilnahmen. Gegner aus Kreisen des traditionellen rabbinischen Judentums wie Jacob Emden diffamierten sie deshalb als Hure.
Moses’ Vater wollte, dass sein Sohn Moses ein gelehrter Rabbi werden sollte, und ließ ihn demgemäß im Talmud unterrichten. Moses lernte dafür neben Jiddisch, der Alltagssprach der aschkenasischen Juden, auch die Hebräische Sprache. Durch seinen Hauslehrer erhielt er zudem Unterricht in der hebräischen Dicht- und Redekunst und in den orientalischen Sprachen. Dadurch wurde sein Interesse am Humanismus geweckt. Sein Vater gab schließlich sein Einverständnis, den Talmudunterricht durch das Studium der europäischen Sprachen zu ersetzen, neben Deutsch Englisch, Französisch und Italienisch. Es gelang Moses, seinen Vater zu bewegen, dass er ihm eine Summe von 1.500 Gulden zur Anschaffung von Büchern gewährte. Er studierte die alten Klassiker und deutschen Poeten. Unter letzteren fesselte ihn zunächst besonders Salomon Gessner. Moses versuchte sich bald selbst in der deutschen Dichtung und gab 1773 Etliche Gedichte zur Probe heraus. Dieses erste Werk des Zwanzigjährigen erhielt zwar eine recht negative Rezension durch Johann Erich Biester, verschaffte Dobruška jedoch Bekanntschaft unter den deutschen Literaten.
Am 20. Mai 1773 heiratete er Elke Joß (~1757–1801), die Adoptivtochter des reichen Kaufmanns und Bankers Joachim Popper, und zog mit ihr nach Prag und später nach Wien, wo er als Heereslieferant für die österreichische Armee im Balkan tätig war. In den folgenden Jahren erschienen eine Reihe von Publikationen unterschiedlicher Literaturgattungen aus Moses Dobruškas Feder, teilweise in deutscher und teilweise in hebräischer Sprache. Neben Schäferdichtung veröffentlichte er mit Sefer ha-sha‘ashu‘a (= Buch des Vergnügens) auch einen gelehrten Kommentar zu dem Lehrgedicht Bechinat olam (= Prüfung der Welt) des mittelalterlichen jüdischen Dichters Jedaja Bedersi, in dem er neben rabbinischer Literatur auch ausgiebig jüdische Aufklärer und besonders Moses Mendelsohn zitierte. Das Sefer ha-sha‘ashu‘a widmete er seinem Schwiegervater.
Stark geprägt war Dobruškas Weltanschauung durch seinen Onkel Jakob Frank. Dieser sah sich selbst als den Messias, der die Juden von der Gesetzlichkeit des Talmuds und der Unterdrückung in der christlichen Gesellschaft befreite. Seine kabbalistische Lehre wird als Frankismus bezeichnet. Frank hatte sich zusammen mit etwa dreitausend seiner Anhänger 1759 taufen lassen, allerdings unter der Bedingung, dass seine Gemeinschaft ihre Sonderbräuche und -lehren beibehalten dürfte. Die Konversion zur römisch-katholischen Kirche ermöglichte es ihm, Land in Polen-Litauen zu erwerben, und garantierte den Frankisten Schutz vor ihren Gegnern unter der jüdischen Orthodoxie. Frank propagierte die Taufe als notwendigen Teil des Heilswegs, der es vom Messias und seinen Anhängern erfordere, vor der endgültigen Erlösung in die Tiefe der Sünde hinabzusteigen. König August III., der persönlich Franks Pate geworden war und ihn in die Szlachta aufgenommen hatte, und die führenden katholischen Geistlichen, die zunächst die angebliche Bekehrung einer großen Anzahl von Juden begrüßt hatten, sahen sich getäuscht. Frank wurde mit seiner Familie ab 1760 als Häretiker im Kloster Jasna Góra in Tschenstochau gefangengesetzt, um ihn von seinen Anhängern fernzuhalten. Allerdings wurde ihm bald Briefverkehr und dann auch Besuch gestattet, so dass sich das Kloster zu einem Pilgerort der Frankisten entwickelte. Nach der Ersten Teilung Polens wurde Frank durch die Russen am 21. Januar 1773 freigelassen und entschied, sich in Brünn niederzulassen, wo kaum innerjüdische Opposition zu erwarten war, und dort einen eigenen Hofstaat und eine militärisch organisierte Kompanie seiner Anhänger aufzubauen.
Franz Thomas (Edler von) Schönfeld
Unter Franks Einfluss bekannte sich Dobruška am 17. Dezember 1775 zu Prag öffentlich zum Katholizismus und ließ sich zusammen mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter im Veitsdom taufen. Dabei nahm er den Namen Franz Thomas Schönfeld an. Seine Frau nannte sich Wilhelmine. Den Namen Schönfeld nach dem gelehrten Jesuitenpater Franz Expeditus Schönfeld aus dem gleichnamigen böhmischen Adelsgeschlecht hatte schon sein älterer Bruder Carl (* 1751) bei seiner Taufe 1764 angenommen. Auch fast alle anderen Geschwister traten zwischen 1775 und 1791 zum Katholizismus über. Als Offizier ebnete Karl Schönfeld seinen Geschwistern den Weg in kaiserliche Dienste und damit den sozialen Aufstieg. Moses’ Schwiegervater Joachim Popper, der den Übertritt zum Christentum ablehnte, entzog seiner Adoptivtochter und deren Mann die Mitgift, wogegen Franz Thomas Schönfeld lange und schließlich erfolgreich klagte, denn 1778 erklärte das Ehepaar, auf weitere Ansprüche auf Poppers Vermögen zu verzichten.
Am 25. Juli 1778 wurde Franz Thomas Schönfeld in Wien zusammen mit seinen beim Militär beschäftigten Geschwistern Karl Schönfeld, k. k. Unterlieutenant, und Joseph Schönfeld, Fähnrich, sowie zusammen mit seinen weiteren Geschwistern Maximilian, Leopold und Emanuel Schönfeld in den erbländischen Adelstand erhoben. Aus dem Adelsdiplom ist zu erfahren, dass Moses Dobruški alias Franz Thomas Edler von Schönfeld Mitvorsteher der berühmten Garellischen Bibliothek war, die seinerzeit von Michael Denis geleitet wurde. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Zensur von Büchern. Er stand damit hoch in der Gunst von Maria Theresia und Joseph II., denen er mehrere seiner in diesen Jahren erschienenen Schriften widmete. Schon 1778 erschien seine Biographie in Ignaz de Lucas Das gelehrte Oesterreich.
Zusammen mit Ephraim Joseph Hirschfeld, der nicht konvertierte, trat Franz Thomas Edler von Schönfeld dem Orden der Ritter und Brüder St. Johannis des Evangelisten aus Asien in Europa (auch Asiatische Brüder genannt) bei, einer Gesellschaft der Freimaurer, über die zwischen 1783 und 1790 in Mitteleuropa viel gesprochen wurde. Sie war eine der ersten Freimaurerlogen auf deutschem Boden, die Juden aufnahm. Inhaltlich verband sie jüdisch-kabbalistisches mit christlich-mystischem Gedankengut. Für diese Loge übertrug Schönfeld kabbalistische Texte aus dem Umkreis der Sabbatianer ins Deutsche. Er zog sich jedoch bereits vor dem Verbot der Freimaurerei durch Joseph II. 1785 aus dem Orden zurück, blieb jedoch bis zu seiner Übersiedlung nach Paris 1792 im Kontakt mit Hirschfeld. Dem Illuminatenorden trat Schönfeld ebenfalls bei.