Julius Johannes Ludovicus Payer, seit 1876 Ritter von Payer (* 2. September 1841 in Teplitz-Schönau, Böhmen; † 30. August 1915 in Veldes (heute Bled, Slowenien)), war ein österreich-ungarischer Offizier, Polar- und Alpenforscher, Kartograf und Professor der Militärakademie, der sich auch als Maler einen Namen machte.
Mit Carl Weyprecht leitete er von 1872 bis 1874 die Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition, bei der u. a. die arktische Inselgruppe Franz-Josef-Land entdeckt wurde. In Anerkennung dieser Verdienste wurde Julius Payer 1876 in den erblichen Adels- bzw. Ritterstand erhoben.
Julius war der Sohn des k.k. Ulanenhauptmanns Franz Anton (Rudolf) Payer (1791–1855) aus Kriegern und der Blandine Franziska Payer, geborene John (1802–1882). Sein älterer Bruder Richard Payer war ein Forschungsreisender im Amazonasgebiet.
Julius von Payers Ausbildung erfolgte zunächst am Kadetteninstitut zu Krakau und anschließend von 1856 bis 1859 an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Unter seinen Lehrern war der bekannte Geograph und Alpinforscher Carl Sonklar. Nach erfolgreichem Abschluss wurde Payer am 15. Juni 1859 als Unterleutnant 2. Klasse zum 36. Infanterieregiment überstellt (österreichisch: ausgemustert).
Am 24. Juni 1859 kam es zur österreichischen Niederlage bei Solferino, wodurch der Großteil Oberitaliens an das italienische Königreich Sardinien-Piemont fiel. Julius Payer war davon zunächst nicht betroffen, weil sein Regiment zum Schutz vor einem befürchteten französischen Angriff in der Bundesfestung Mainz des Deutschen Bundes und in Frankfurt am Main stationiert war.
Die Monatsgage des Unterleutnants Payer betrug zu dieser Zeit 36 Gulden.
Von 1860 bis 1866 war Payers Regiment an verschiedenen Orten in Venetien stationiert. Payer nutzte dies dazu, um jedes Jahr während seines Urlaubs verschiedene Alpengipfel zu erkunden und auch schriftlich darüber zu berichten. Dreißig Erstbesteigungen in der Ortler-, Adamello- und Glocknergruppe werden ihm zugeschrieben.
1860 bis 1862 war Julius Payer bei der Truppe in Verona und machte von dort aus erste Bergtouren in den Monti Lessini und am Monte Baldo. 1863 unternahm er eine Besteigung des Großglockners von der Tiroler Ortschaft Kals aus und erstellte darüber einen professionellen Bericht, der 1864 mit Zeichnungen und Landkarte in der Fachzeitschrift Geographische Mitteilungen von August Petermann veröffentlicht wurde. 1864 wurde Payer Kommandant des Lagunenforts Lombardo bei Chioggia und unternahm im September umfangreiche Erkundungstouren durch das Gebiet der Adamello- und Presanella-Gruppe. Als Payer auf seiner Rückreise in Trient Station machte, wurde der dort kommandierende Generalmajor Kuhn auf den jungen Leutnant aufmerksam, weil dieser beim Bergsteigen im Urlaub zuverlässige Landkarten des Gebirgsmassivs gezeichnet hatte. Payer bezeichnete die Begegnung mit dem General später als alles entscheidend für sein Leben. Im Spätsommer 1865 begann Payer mit der bergsteigerischen Erschließung der Ortlergruppe. Bis 1865 wirkte er auch als Lehrer für Geschichte und Geographie an der Militärakademie.
Am Italienkrieg von 1866 nahm Payer im 3. Bataillon des 36. Infanterieregiments teil. Am 17. Juni 1866 wurde er zum Oberleutnant befördert. In der Schlacht bei Custozza am 24. Juni 1866 konnte er eine feindliche Kanone wegnehmen und erhielt dann am 18. Juli das Militärverdienstkreuz. Trotz der gewonnenen Schlacht hatte Österreich den Krieg gegen Preußen verloren und musste Venetien an das mit Preußen verbündete Königreich Italien abtreten. Daher wurde auch das 36. Infanterieregiment von Venetien in das Gebiet um Jägerndorf in Österreichisch-Schlesien verlegt.
Auf dem Weg dorthin nahm Payer im September 1866 seinen Urlaub, den er zur Erforschung der westlichen Ortler-Alpen (Trafoier Gebiet) nutzte. Im August des folgenden Jahres reiste Payer von Jägerndorf über Wien und Venedig nach Trient, um die südlichen Ortler-Alpen zu erforschen. Dabei wäre Julius Payer beinahe ums Leben gekommen, als sich ein Schnee-Überhang auf der Punta San Matteo unerwartet ablöste. Payer und sein Führer Johann Pinggera stürzten dabei 200 Meter in die Tiefe. Zu ihrem unglaublichen Glück befand sich dort eine Schneegrube, so dass beide mit dem Leben und ohne schwere Verletzungen davonkamen.
Als General Kuhn Anfang 1868 Kriegsminister geworden war, erinnerte er sich an Payer und berief ihn an das Militärgeographische Institut, dessen Direktor August von Fligely Payer weiter förderte.
Zur Erstellung neuer Karten vom Adamello- und Ortlergebiet erhielt Payer drei bergerfahrene Tiroler Kaiserjäger, 1000 Gulden und einen Theodolit.
Payer war jetzt in offizieller Mission tätig, verfügte über professionelles Gerät und war nicht mehr auf wenige Urlaubswochen eingeschränkt, er blieb jedoch weiterhin Offizier beim 36. Infanterieregiment. Nachdem Payer die Vermessungsarbeiten im Herbst 1868 abgeschlossen hatte, entband ihn der Kriegsminister im Januar 1869 von seinen Dienstpflichten, um ihm die Teilnahme an der Zweiten Deutschen Nordpolar-Expedition (1869/70) von Petermann und Koldewey zu ermöglichen. Kuhn gehörte später auch zu den Unterstützern der Österreichisch-Ungarischen Nordpol-Expedition von Payer und Weyprecht (1872–1874).
Schon im Alter von 27 Jahren galt Julius Payer als versierter Erforscher des Hochgebirges, der sowohl wissenschaftliche Beobachtungen in der Natur als auch topographische Zusammenhänge sicher beherrschte und ebenso in der Lage war, seine Erkenntnisse schriftlich niederzulegen. 1868 ernannte ihn daher die Universität Halle aufgrund seiner bergsteigerischen Forschungen und Publikationen zum Dr. phil. ehrenhalber.
1869/70 nahm Payer auf Einladung August Petermanns an der Zweiten Deutschen Nordpolar-Expedition unter Kapitän Carl Koldewey nach Ostgrönland teil. Die Expedition verließ Bremerhaven am 15. Juni 1869 in Gegenwart König Wilhelms von Preußen. Mit der Germania erreichte man als nördlichsten Punkt die Shannon-Insel. Vom Winterquartier bei der Sabine Ø aus wurde die Küste zwischen 73° und 77° nördlicher Breite vermessen. Payer unternahm mehrere Schlittenreisen zur Erforschung des Landes, insbesondere rund um den Kejser Franz Joseph Fjord. Als erfahrener Alpinist bestieg er küstennahe Berge, wie einen fast 2100 m hohen Gipfel nahe der nach ihm benannten 2320 m hohen Payer Tinde. Am 11. September 1870 kehrte die Germania wohlbehalten nach Bremerhaven zurück.
Am 15. Oktober 1870 wurde Payer in Wien von Kaiser Franz Josef I. zu einer halbstündigen Privataudienz empfangen, bei der er dem Monarchen über die Ergebnisse der Expedition berichtete. Mit Allerhöchster Entschließung vom 24. November 1870 erhielt Payer in Anerkennung seiner bei der Zweiten Deutschen Nordpolar-Expedition erworbenen Verdienste um die Wissenschaft den Orden der Eisernen Krone III. Klasse, verbunden mit dem Anrecht auf erblichen Ritterstand.
Eine zweite Expedition führte ihn 1871 mit Carl Weyprecht auf der von Hans Graf Wilczek gecharterten Isbjörn in die Gewässer zwischen Spitzbergen und Nowaja Semlja. Die Fahrt bereitete die große Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition vor, die von 1872 bis 1874 auf dem Forschungsschiff Tegetthoff mit Carl Weyprecht als Kommandant zur See und Julius Payer als Kommandant an Land stattfand. Sie führte zur Entdeckung Franz-Joseph-Lands. Bald nach seiner Rückkehr hatten sich viele Kritiker zu Wort gemeldet, die die Existenz des Franz-Joseph-Landes und auch die Erlebnisse der Teilnehmer während der Expedition bezweifelten. Aufgrund von Zeugenaussagen, Tagebüchern und wissenschaftlichen Skizzen konnte Payer die Zweifel zwar weitgehend widerlegen; die von ihm bei dieser Expedition vermeintlich entdeckten Gebiete König-Oskar-Land und Petermann-Land erwiesen sich später aber tatsächlich als nicht existent. Aufgrund des Misstrauens in der Offizierskaste wurde allerdings seine außertourliche Beförderung zum Hauptmann hintertrieben. Der in der Ehre gekränkte Payer nahm seinen Abschied – mit 44 Gulden Honorar.
1876 weilte Julius von Payer zur Erholung in Franzensbad. Dort machte er die Bekanntschaft der reichen Frankfurter Bankiersgattin Fanny Kann, geb. Gumpertz (* 19. Juli 1845). Ihr Vater Leopold Gumpertz hatte ein Wechselgeschäft auf der Zeil 61 (Adressbuch 1872). Gumpertz hatte 1839 den israelitischen Bürgereid in Frankfurt abgelegt. Fanny Kann war verheiratet mit dem Frankfurter Bankier (Geschäft: Bleichstr. 6) Beer Moses Kann, einem Neffen von Louis Rothschild. Sie war offenbar sehr angetan von dem berühmten Bergsteiger und Polarforscher. Sie ließ sich noch im gleichen Jahr scheiden und heiratete Julius von Payer. Am 15. November 1877 meldete Payer sich in Frankfurt wohnhaft. 1877 bis 1879 lebte das Paar in Frankfurt in der Hanauer Landstraße 15 im Ostend. Zwei Kinder wurden geboren, zuerst am 6. Mai 1877 in Bayonne die Tochter Oliva Julia Fanny und am 15. Mai 1881 in Frankfurt der Sohn Julius.