Julian Charles John Lennon (* 8. April 1963 in Liverpool als John Charles Julian Lennon) ist ein britischer Musiker, Komponist und Fotograf. Er ist der Sohn von John Lennon aus dessen erster Ehe mit Cynthia Powell.
Julian Lennon besuchte die Ruthin School in der Nähe der Stadt Ruthin in Denbighshire in North Wales. Seine Mutter Cynthia Powell heiratete nach der Scheidung von John Lennon drei weitere Male. Ein harmonisches Familienleben hat Julian Lennon nach eigenen Angaben nie kennengelernt, da sein Vater die Familie im Jahr 1968 verließ und fortan mit Yoko Ono zusammenlebte, die er im März 1969 heiratete.
John Lennon suchte jedoch ab 1973, in dieser Zeit mit May Pang zusammenlebend, den Kontakt zu seinem heranwachsenden Sohn aus erster Ehe. Für die Besuche musste Julian sich jedoch in die USA begeben, da sein Vater ab September 1971 dort lebte und er 1972 Probleme wegen seiner Aufenthaltsgenehmigung bekam. Es drohte ihm wegen wachsender Befürchtungen der CIA vor einem sich „radikalisierenden“ Künstler John Lennon die Ausweisung. So konnte er während dieser Zeit die USA nicht verlassen.
Während eines Besuchs im Sommer 1974 spielte Julian als damals Elfjähriger bei einer etwa 30 Sekunden dauernden Version von Ya Ya Schlagzeug, während sein Vater sang und Klavier spielte. Das Lied wurde auf John Lennons Album Walls and Bridges veröffentlicht. Julian Lennon sah seinen Vater im April 1979 während eines gemeinsamen Urlaubs in Palm Beach, Florida, zum letzten Mal. Kurz vor John Lennons Ermordung 1980 war der telefonische Kontakt nach Julian Lennons Angaben besonders intensiv gewesen.
Rückblickend sah Julian Lennon seine Beziehung zu seinem Vater kritisch. Dies zeigt sich auch in seiner Namensänderung, die er 2020 vornahm. Er ließ die Reihenfolge seiner Vornamen offiziell ändern von John Charles Julian Lennon in Julian Charles John Lennon.
Julian Lennon inspirierte drei Songs der Beatles. Sein Vater John schrieb 1967 Lucy in the Sky with Diamonds, nachdem ihm Julian eine seiner Zeichnungen gezeigt und sie ihm als „Lucy am Himmel mit Diamanten …“ erklärt hatte. Diese Hintergrundinformation wurde nicht zuletzt verbreitet, um der naheliegenden Deutung zu begegnen, die Initialen des Song-Titels spielten auf LSD an. 1968 schrieb Paul McCartney Hey Jude. Der Einfall zu dem Titel kam ihm, als er auf dem Rückweg von einem Besuch bei Cynthia Lennon war. Das Stück sollte ein Trost für Julian sein, da sich seine Eltern gerade hatten scheiden lassen. Hey Jude hieß deshalb zuerst Hey Jules. Jahre später ersteigerte Julian Lennon das Originalmanuskript von Hey Jude. Good Night, ein Titel auf dem Album The Beatles, ist ebenfalls ein Lied von John Lennon für seinen Sohn Julian, obwohl es von Ringo Starr gesungen wurde.
Im Oktober 1984 veröffentlichte Julian Lennon unter der Führung des Produzenten Phil Ramone das Album Valotte. Die Singleauskopplung Too Late for Goodbyes erreichte Platz sechs der britischen Singlecharts und Platz fünf in den USA, die Single Valotte erreichte ebenfalls die Top Ten in den USA. Das Album verkaufte sich weltweit 1,5 Millionen Mal.
Lennon spielte auf seinem Debütalbum Gitarre, Schlagzeug, Percussion, Bass und Keyboards. Was die Zuhörer beeindruckte, waren sein Aussehen und seine Stimme, die beide stark an seinen Vater erinnern. Es kamen Gerüchte auf, dass es doch eine Beatles-Reunion geben könnte – mit Julian Lennon als Ersatzmann. Sein ehemaliger Schulfreund Justin Clayton spielte auf dem Album Valotte und den zukünftigen Alben bis einschließlich 2011 Gitarre und war bei einigen Liedern auch Mitkomponist. Im November 1985 erschien die von Lennon eingesungene Single Because, sie wurde aus dem Musical Time von Dave Clark ausgekoppelt, die weitere Single Time Will Teach Us All mit Lennon als Sänger wurde im Mai 1986 veröffentlicht.
Nach einer erfolgreichen Nordamerika-Tournee im Jahr 1985 veröffentlichte Lennon im März 1986 sein zweites Album The Secret Value of Daydreaming, konnte jedoch lediglich eine Single in den US-Top-40 platzieren, das Album erreichte in den USA Goldstatus. Es folgte 1986 eine weitere Nordamerika-Tournee, die Europa-Tournee wurde wegen der zu geringen Kartennachfrage abgesagt. Anschließend zog er sich in die Schweiz zurück. Im November 1986 wurde die Single Midnight Smoke aus dem Mike-Batt-Musical The Hunting of the Snark veröffentlicht, auch hier war Lennon Gastsänger.
Das dritte Album Mr. Jordan vom März 1989 war der erste Versuch, sich von seinem Vater zu emanzipieren. Kritiker zogen Vergleiche mit David Bowie, aber seine Plattenfirma war von dem Produkt wenig begeistert. Aus Mangel an Promotion nahm kaum jemand das Album wahr. Lennon begab sich ab Juli 1989 auf eine kurze Tournee durch Großbritannien und den USA. Im Oktober 1989 erschien der Soundtrack zur Fernsehserie Wunderbare Jahre, auf dem Lennon mit einer Coverversion des Rolling-Stones-Stücks Ruby Tuesday vertreten ist.
Im August 1991 veröffentlichte Lennon sein nächstes Album Help Yourself. Die Singleauskopplung Saltwater war ein kommerzieller Erfolg, mit Ausnahme der USA. So erreichte die Single Platz eins in Australien. Von jahrelangem Alkohol- und Drogenkonsum gezeichnet, zog Lennon erst nach Norditalien und dann nach Südfrankreich, um Abstand vom Musikgeschäft zu gewinnen. Jahrelang rührte er kein Instrument an und beschäftigte sich mit Architektur und Kochen. Im Dezember 1995 erschien das Soundtrackalbum Mr. Holland’s Opus, bei dem Lennon das Lied Cole’s Song beisteuerte.
Im Mai 1998 erschien sein fünftes Album Photograph Smile, für das er eigens das Label Music from Another Room gründete. „Ich wollte nicht, dass meine letzten Alben mein Vermächtnis an die Musikindustrie darstellen. Sie waren einfach nicht gut genug. Ich wollte ein Album machen, auf das ich stolz sein kann. Eines, über das ich die Kontrolle hatte“, erklärte er den Schritt 1999 in einem Interview. Im selben Jahr folgte eine Club-Tournee in Nordamerika.
Danach zog er sich erneut ins Privatleben zurück. Ein zu Beginn des neuen Jahrtausends angekündigtes Album erschien nicht. Im Juli 2001 wurde das Kompilationsalbum VH1 Behind the Music: The Julian Lennon Collection veröffentlicht. Nach drei Jahren meldete sich Lennon im September 2005 auf seiner Website, um mitzuteilen, dass er jegliche Interviewanfragen zum 25. Todestag seines Vaters ablehne. „Mein Dad war ein großes Talent, dessen Musik und Ideale Millionen Menschen inspiriert hat. Dennoch begegne ich ihm mit gemischten Gefühlen. Er war der Vater, den ich liebte, aber er hat mich in vielerlei Hinsicht enttäuscht. Wer weiß, wie sich unsere Beziehung entwickelt hätte, wenn er nicht ermordet worden wäre […]“, erklärte er dort.
2006 erschien das Duett mit Gregory Darling New Dream auf Darlings Album Shell. Als Lucy Vodden, Lennons frühere Schulfreundin und Inspiration für den Beatles-Titel Lucy in the Sky with Diamonds 2009 starb, veröffentlichte Lennon nach elf Jahren musikalischer Pause die Charity-Single Lucy in Gedenken an Vodden unter seinem Namen. Weitere Veröffentlichungen 2011 erfolgten auf dem Kompilationsalbum Shine on! Volume One mit dem Lied Children of the World und ein weiteres Duett December Sky mit Tomi Swick.
Im Oktober 2011 erschien Lennons sechstes Studioalbum Everything Changes in Großbritannien. Einige der Lieder des Albums waren zuvor bereits als Rohmixe auf Lennons Myspace-Profil zu hören gewesen. Beginnend ab Juni 2013 wurde das Album auch international mit zwei zusätzlichen Liedern veröffentlicht. Am 8. April 2013, an seinem 50. Geburtstag, wurde die Single Someday, ein Duett mit Steven Tyler, veröffentlicht. Zwischen 2012 und 2014 wurden noch folgende Duette veröffentlicht, die nicht auf seinem Album enthalten sind: Hope (mit Nick Wood), All that You’ve Wanted (mit Matt Backer), Luv XXX (mit Aerosmith), Rain in England (mit Tony Mortimer), Let You Go und Fallin in Love (mit Dave Harris), Do You Think I'm a Joke? (mit Andrew Cole) und High Road (mit Brent Bourgeois). 2014 steuerte Lennon für den Soundtrack Price of Desire das Lied Goodbye bei. Im Dezember 2016, 25 Jahre nach der Erstveröffentlichung, erschien von Lennon eine Neuaufnahmes des Liedes Saltwater unter dem Titel Saltwater 25.