An diesem Tag

Juli Zeh

Deutsche Schriftstellerin, Juristin, Verfassungsrichterin des Landes Brandenburg

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Juli Zeh (bürgerlich Julia Barbara Finck, geborene Zeh; * 30. Juni 1974 in Bonn) ist eine deutsche Schriftstellerin, Juristin und ehrenamtliche Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg.

Zehs Vater ist der ehemalige Direktor beim Deutschen Bundestag (2002–2006) Wolfgang Zeh.

Zeh besuchte die Otto-Kühne-Schule in Bonn und legte dort das Abitur ab. Anschließend studierte sie als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes Rechtswissenschaften mit Studienschwerpunkt Völkerrecht an der Universität Passau, der Jagiellonen-Universität in Krakau, der New York University und der Universität Leipzig. 1998 legte sie in Sachsen das erste Staatsexamen als Jahrgangsbeste und 2003 das zweite Staatsexamen ab.

Nach einem Praktikum bei den Vereinten Nationen (UNO) in New York folgte ein juristischer Aufbaustudiengang „Recht der Europäischen Integration“, den sie als Magistra der Rechte (LL.M.Eur.) abschloss.

Ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig hatte Zeh 1996 noch vor Abschluss des Jurastudiums begonnen und im Jahr 2000 mit dem Diplom abgeschlossen.

2010 wurde Zeh an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken zum Dr. iur. promoviert. Ihre Dissertation behandelt die Rechtsetzungstätigkeit von UN-Übergangsverwaltungen. Sie wurde dafür mit einem Deutschen Studienpreis der Hamburger Körber-Stiftung ausgezeichnet.

Sie ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

Seit 2007 lebt Zeh in Barnewitz, einem Dorf im Havelland in Brandenburg; zuvor hatte sie viele Jahre in Leipzig gelebt. Sie ist mit dem Schriftsteller David Finck verheiratet und Mutter zweier Kinder.

Sie ist Reiterin und setzt sich in ihren Büchern Gebrauchsanweisung für Pferde und Socke und Sophie mit dem Verhältnis von Pferd und Mensch auseinander.

Neben ihrer literarischen Arbeit betätigt sich Juli Zeh auch journalistisch. Sie schreibt u. a. Essays für Die Zeit und die FAZ. Von Mai bis Oktober 2014 verfasste sie (im regelmäßigen Drei-Wochen-Wechsel mit Jakob Augstein und Jan Fleischhauer) die Kolumne Die Klassensprecherin im Spiegel. Für die Pioneer AG von Gabor Steingart moderiert sie einen literarischen Podcast.

Am 12. Dezember 2018 wurde Juli Zeh vom Brandenburgischen Landtag auf Vorschlag der SPD-Fraktion zur ehrenamtlichen Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt und am 30. Januar 2019 im Brandenburger Landtag vereidigt.

Juli Zehs Debütroman Adler und Engel (2001) – in 35 Sprachen übersetzt – spielt im Milieu international tätiger Juristen und der Drogenmafia. Der Biographie der Autorin entsprechend hat der Roman einen juristischen Gehalt: Er thematisiert das Völkerrecht und damit eine „sehr spezielle Rechtsform, die eigentlich den Charakter oder den Namen Recht nur zur Hälfte verdient,“ weil es in „jeder Sekunde immer noch im Entstehen begriffen“ sei, sich „ständig mit [seinem] eigenen Untergang konfrontiert“ sehe und „mit [seiner] eigenen Wirkungslosigkeit.“

Das 2002 veröffentlichte Reisetagebuch Die Stille ist ein Geräusch ist das Ergebnis einer Reise nach Bosnien und Herzegowina im Sommer 2001, nur mit ihrem Hund als Begleitung. Es geht um die tiefe Verstörung der Menschen angesichts der Nichtbeachtung ihres zerstörten Landes durch die Völkergemeinschaft, das Nicht-Gesehen-Werden durch Europa: „Hier liegt das Skelett des Landes frei. Hier wohnt der Tod in den Falten üppigster Natur.“

Ein Hund läuft durch die Republik (2004) ist eine gemeinsam mit David Finck und Oskar Ters herausgegebene Anthologie mit Erzählungen junger Bosnier in deutscher Sprache über die Situation in ihrem Land.

Der Schauplatz des Romans Spieltrieb (2004) ist ein Gymnasium in Zehs Heimatstadt Bonn. Die Protagonisten sind Schüler und Lehrer der Schule, an deren Verhalten und Einstellungen exemplarisch die rechtsphilosophische Frage nach der objektiven Existenz von Recht und Unrecht thematisiert wird. Mit einem Auszug aus dem Roman nahm Juli Zeh 2004 am Ingeborg-Bachmann-Preis teil. Ihr Text stieß auf geteiltes Echo bei der Jury. Der Roman erreichte allerdings ein breites Publikum und erhielt in den deutschen Feuilletons überwiegend positive Rezensionen. Bernhard Studlar erarbeitete aus diesem Roman ein gleichnamiges Bühnenstück, das am 16. März 2006 im Deutschen Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt wurde. Der Roman wurde 2013 von Gregor Schnitzler unter dem Originaltitel Spieltrieb mit Michelle Barthel in der Hauptrolle verfilmt.

Das Kleine Konversationslexikon für Haushunde mit Fotografien von David Finck erschien 2005. Darin erklärt Othello, der Haushund einer Schriftstellerin, die Welt, wie sie wirklich ist – aus dem Blickwinkel eines Hundes.

Alles auf dem Rasen, erschienen im März 2006, ist ein Sammelband von 30 Essays.

Der im Jahr 2007 veröffentlichte Roman Schilf verbindet eine Kriminalhandlung um zwei elitäre Physiker mit Reflexionen zum Charakter der Zeit. Er wurde bereits im Erscheinungsjahr von Bettina Bruinier und Katja Friedrich dramatisiert und am 13. Dezember 2007 am Münchner Volkstheater uraufgeführt. Für ihre Inszenierung wurde Bruinier mit dem „Stern des Jahres der Münchner Abendzeitung“ ausgezeichnet. Die österreichische Erstaufführung erfolgte 2012 am Wiener Kosmos Theater.

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