Judy Collins (* 1. Mai 1939 in Seattle, Washington; bürgerlich Judith Marjorie Collins) ist eine US-amerikanische Folksängerin und Songschreiberin.
Als Kind lernte Judy Collins klassisches Klavier bei Antonia Brico. Mit 13 Jahren hatte sie ihr Konzertdebüt mit Mozarts Konzert Nr. 10 Es-Dur KV 365 für zwei Klaviere. Wenig später erwachte jedoch ihr Interesse für die Musik von Woody Guthrie und Pete Seeger. In New Yorks Greenwich Village sang sie in Clubs, wobei sie sich auf der Gitarre begleitete. 1961 erschien ihr erstes Album A Maid of Constant Sorrow.
Anfangs spielte und sang sie klassische Folksongs und Stücke erfolgreicher Kollegen wie Tom Paxton, Phil Ochs und Bob Dylan. Sie nahm eigene Versionen bekannter Songs auf, etwa Dylans Mr. Tambourine Man oder Turn! Turn! Turn! von Pete Seeger. Daneben spielte sie Stücke noch wenig bekannter Songschreiber, darunter Joni Mitchell und Leonard Cohen, dessen Lied Suzanne sie erstmals veröffentlichte.
Mit ihrem Album Wildflowers (1967, mit Arrangements von Joshua Rifkin) begann Judy Collins, eigene Lieder aufzunehmen. Das Album gewann einen Grammy und das Stück Both Sides, Now (geschrieben von Joni Mitchell) gelangte auf Platz 8 der Billboard Hot 100.
Das Album Who Knows Where the Time Goes (1968) wurde von David Anderle produziert, Stephen Stills (von Crosby, Stills & Nash), mit dem Collins zu dieser Zeit liiert war, ist als Gitarrist zu hören. Stills widmete ihr das Lied Suite: Judy Blue Eyes, in dem er das Ende ihrer Beziehung thematisierte. Trotzdem traten Collins und Stills weiterhin gemeinsam auf, etwa in einer Fernsehshow von Graham Nash und sangen 2010 auf Collins’ Album Paradise ein Duett. Das Album enthielt auch ein weiteres Duett mit der Folksängerin Joan Baez. 2017 gingen Collins und Stills erstmals zusammen auf Tour und veröffentlichten im September ihr gemeinsames Album Everybody Knows.
In den 1970er Jahren hatte Judy Collins Hits mit eigenen Liedern wie My Father und Born to the Breed sowie mit Stücken anderer Songschreiber, darunter Amazing Grace und Send In the Clowns. Ihr Album True Stories and Other Dreams besprach 1973 die deutsche Musikzeitschrift Sounds. Der Rezensent Joseph Schlögl fand, Collins klinge nach dreizehn Jahren auf der Szene und elf Langspielplatten immer noch frisch und glaubwürdig. Als besonders gelungen hob er Secret Gardens, Cook with Honey und Song for Martin hervor, Tom Paxtons The Hostage nannte er einen grimmigen Kommentar zur Häftlingsrevolte im Attica State Prison. Bei Che habe sich Collins übernommen, insgesamt sei das Album aber „ein (fast) ungetrübter Genuß“. Daneben produzierte sie den oscarnominierten Dokumentarfilm Antonia: A Portrait of the Woman (1974) über ihre Klavierlehrerin Antonia Brico.
1987 veröffentlichte Judy Collins ihre Memoiren unter dem Titel Trust Your Heart. Sie schrieb auch zwei Romane, trat aber weiterhin als Musikerin auf und brachte Alben heraus. 1993 sang sie bei der Amtseinführung von Bill Clinton. Die Clintons benannten nach eigenen Angaben ihre Tochter Chelsea nach dem (von Joni Mitchell geschriebenen) Lied Chelsea Morning, das 1969 von Collins veröffentlicht wurde.
Judy Collins ist UNICEF-Botschafterin und kämpft gegen den Einsatz von Landminen. Seit dem Suizid ihres Sohnes Clark Taylor im Jahr 1992 setzt sie sich auch für die Vorbeugung von Suizid ein. 2015 wurde sie in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.
1998: Christmas at the Biltmore Estate
1999: The Best of Judy Collins
2000: Intimate Portrait: Judy Collins
2001: Judy Collins Live at Wolf Trap
2003: Wildflower Festival (DVD mit Gastauftritten von Eric Andersen, Arlo Guthrie und Tom Rush)
2005: Pete Seeger’s Rainbow Quest
1998: Singing Lessons: A Memoir of Love, Loss, Hope and Healing
2003: Sanity and Grace: A Journey of Suicide, Survival and Strength
2012: Sweet Judy Blue Eyes: My Life in Music
Literatur von und über Judy Collins im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek