Judith Kohlenberger (* 6. Dezember 1986 in Eisenstadt) ist eine österreichische habilitierte Soziologin. An der Wirtschaftsuniversität Wien leitet sie das Forschungsinstitut für Flucht- und Migrationsforschung und Management (FORM).
Kohlenberger hat an der Universität Wien das Diplomstudium der Anglistik und Amerikanistik mit einer Arbeit zur US-amerikanischen Populärkultur abgeschlossen und, unter anderem als Fulbright-Stipendiatin, danach eine kulturwissenschaftliche Dissertation zu Darstellungen wissenschaftlicher Praxis verfasst. Diese Arbeit war Basis des 2015 erschienenen Sachbuchs The New Formula For Cool. 2025 habilitierte sie sich mit der Arbeit Sociological Approaches to Forced Migration in Austria and other European Host Countries: Self-Selection and Multi-Tier Integration of Third-Country Asylum Seekers, Refugees and Displaced Persons since 2015 an der WU zum Thema Migration in Europa seit 2015. Kohlenberger lehrt an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) und leitet dort das Forschungsinstitut für Migrations- und Fluchtforschung und -management (FORM).
Sie gehört seit 2019 dem Vorstand der Schumpeter Gesellschaft Wien an, seit 2020 als Generalsekretärin. Am Österreichischen Institut für internationale Politik (oiip) ist Kohlenberger Senior Researcher. Weiters ist sie seit 2024 Affiliate Policy Fellow am Jacques Delors Centre der Hertie School in Berlin.
Kohlenberger publiziert in österreichischen Medien immer wieder zu ihrer Forschung, kommentiert aktuelle gesellschaftliche Debatten und wird zu Themen der Migration befragt. Für die Zeitschrift für Flucht- und Flüchtlingsforschung (Z’Flucht) fungiert sie seit 2024 als Ko-Herausgeberin.
Sie gehört dem Expertenrat Migration.Integration.Teilhabe des Österreichischen Integrationskongresses und dem Integrationsrat W.I.R. der Stadt Wien an. Sie ist weiters im Vorstand des Beratungszentrums für Migrantinnen und Migranten und des Wissenschaftsnetzs Diskurs tätig. Im Rahmen eines Wissenschaftsvermittlungsprojekts hostet sie den Podcast Aufnahmebereit für Ankommende und Aufnehmende in der modernen Migrationsgesellschaft.
Unter dem Vorsitz von Zeynep Buyraç ist sie seit 2024 Vorstandsmitglied von SOS Mitmensch.
Kohlenbergers Forschungsarbeit befasst sich mit Fluchtmigration und Integration, Flucht und Bildung, der Demografie von Displaced Persons sowie Krisennarrativen. Ihre Arbeit wurde in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht, darunter PLOS ONE, Refugee Survey Quarterly und Health Policy.
Seit Herbst 2015 arbeitet sie zu Fluchtmigration und Integration, unter anderem im Rahmen der Studie Displaced Persons in Austria Survey (DiPAS), welche erstmals in Europa das Humankapital und die Wertvorstellungen von Geflüchteten erfasst hat, und dem Refugee Health and Integration Survey (ReHIS) zur psychosozialen Gesundheit von syrischen, irakischen und afghanischen Geflüchteten, die ab dem Herbst 2015, dem Beginn der vom Bürgerkrieg in Syrien ausgelösten europäischen Flüchtlingskrise, in Österreich eintrafen.
Am Institut für Sozialpolitik der WU Wien leitete sie mehrere Forschungsprojekte, darunter Women’s Integration Survey (WIN): Inclusion, Participation and Enablement of Refugee Women in Austria (2019–2021), einer Kooperation mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, dem Vienna Institute of Demography und dem Arbeitsmarktservice, welches sich den Integrationswegen geflüchteter Frauen widmet. Zuletzt leitete sie ein Forschungsprojekt zu Studierenden aus dem Globalen Süden und mit Fluchthintergrund an österreichischen Hochschulen (gefördert vom Jubiläumsfonds der Stadt Wien) sowie eine Primärdatenerhebung unter ukrainischen Vertriebenen in Wien.
2019: 8. Platz im Ökonomieranking „Deutschlands einflussreichste Ökonomen“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in der Kategorie Frauen
2019: Kurt-Rothschild-Preis des Dr.-Karl-Renner-Instituts und des SPÖ Parlamentklubs zusammen mit Isabella Buber-Ennser und Bernhard Rengseine für den Displaced Persons in Austria Survey (DiPAS) als eine von vier neben dem Hauptpreis ausgezeichneten Arbeiten
2021: Förderungspreis der Stadt Wien
2022: Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch – Anerkennungspreis für Das Fluchtparadox
2023: Wissenschaftsbuch des Jahres für Das Fluchtparadox
2024: Anas Schakfeh Preis in der Kategorie Verdienste um Menschenrechte, Demokratie und Förderung der Rechtsstaatlichkeit
The New Formula For Cool. Science, Technology, and the Popular in the American Imagination. Transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3092-3 (zugl. Dissertation).
Wir. Kremayr & Scheriau, Wien 2021, ISBN 978-3-218-01255-3.
Das Fluchtparadox: Über unseren widersprüchlichen Umgang mit Vertreibung und Vertriebenen. Kremayr & Scheriau, Wien 2022, ISBN 978-3-218-01345-1. (Rezensionsnotizen dafür auf Perlentaucher.)