An diesem Tag

Judith Butler

US-amerikanische Philosophin, Hochschullehrerin und Autorin

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Judith Butler (* 24. Februar 1956 in Cleveland, Ohio) ist ein US-amerikanischer nichtbinärer Mensch und durch philosophische sowie sozialwissenschaftliche Arbeit bekannt. Butler hat den Lehrstuhl für Rhetorik und Komparatistik an der University of California, Berkeley inne. Butlers einflussreiche sozialwissenschaftlich-philosophischen Arbeiten stehen in der Tradition des Poststrukturalismus und der Queer-Theorie.

Seit Ende der 1980er Jahre finden Butlers Arbeiten zur feministischen Theorie internationale Aufmerksamkeit. Mit der Schrift Das Unbehagen der Geschlechter stieß Butler 1990 die Diskussionen um die Queer-Theorie an. Ein wichtiger Beitrag Butlers ist das performative Modell von Geschlecht. Demnach wird die Einteilung in die Geschlechtskategorien „männlich“ und „weiblich“ nicht als naturgegebene oder unausweichliche Absolutheit gesehen, sondern diese binäre Geschlechterordnung soziokulturell durch Wiederholung von Sprechakten und Inszenierungen konstruiert. Über die Geschlechterforschung hinaus hat Butler sich mit Fragen von Macht- und Subjekt-Theorien beschäftigt und seit 2002 mit der Ethik der Gewaltlosigkeit.

Butler publiziert und äußert sich regelmäßig zum Nahostkonflikt und löste in diesem Zusammenhang mehrere Kontroversen aus, etwa durch eine Aussage über die islamistischen Terrororganisationen Hamas und Hisbollah, die sie 2006 dem „progressiven Teil der globalen Linken“ zurechnete, und durch Statements nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023, den Butler als „politischen Widerstand“ bezeichnete. Butler tritt für eine Ein-Staat-Lösung in Palästina ein und unterstützt die Ziele der Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions (BDS).

Judith Butler wuchs in Cleveland (Ohio) auf. Butlers Eltern, eine Wirtschaftswissenschaftlerin ungarischer Herkunft und ein Zahnarzt aus Russland, waren praktizierende Juden und politisch engagiert. Butler besuchte eine jüdische Schule, erlernte die hebräische Sprache und nahm Unterricht in jüdischer Ethik, den Butler als die erste philosophische Schulung bezeichnete. Mit vierzehn Jahren las Butler philosophische und theologische Schriften, unter anderem von Baruch de Spinoza, Martin Buber, Paul Tillich, John Locke und Montesquieu. Mit sechzehn Jahren hatte Butler ein Coming-out.

Nach Eigenangaben von 2012 gehört Butler der Kehillah Community Synagogue im kalifornischen Oakland an. Butler lebt mit der US-amerikanischen Politologin Wendy Brown zusammen. Sie haben einen Sohn (* 1995).

Butler definiert sich etwa seit 2019 als nichtbinär und verwendet im Englischen die Pronomen they/them. Im September 2021 merkte Butler an, dass es zur Zeit der Veröffentlichung des Buches Gender Trouble 1990 noch keine Geschlechtskategorie für nichtbinäre Personen gab (nonbinary), aber jetzt würde Butler sich dort einordnen.

Butler besuchte das Bennington College, bevor Butler an die Yale University wechselte. Von 1974 bis 1982 studierte Butler dort vor allem Kontinentalphilosophie, las Karl Marx und Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Martin Heidegger und Maurice Merleau-Ponty sowie Autoren der Frankfurter Schule. 1978/1979 absolvierte Butler mit einem Stipendium des Fulbright-Programms ein akademisches Jahr an der Universität Heidelberg, wo Butler die Studien zum Deutschen Idealismus vertiefte. Über das Women’s Studies Programm in Yale, zu dessen Etablierung als reguläres Lehrangebot Butler beitrug, kam Butler in Kontakt mit dem Poststrukturalismus. Nach Abschluss des Studiums begann Butler eine Lehrtätigkeit an der Yale University und wurde dort 1984 mit einer Dissertation über den Begriff der Begierde bei Hegel und seiner Rezeption bei Alexandre Kojève, Jean Hyppolite und Jean-Paul Sartre promoviert.

Ab 1985 erhielt Butler ein Postdoc-Stipendium der Wesleyan University, hatte von 1986 bis 1989 eine Assistenzprofessur für Philosophie an der George Washington University und von 1989 bis 1991 an der Johns Hopkins University inne. In dieser Zeit veröffentlichte Butler erste Essays, ab 1988 insbesondere zu feministischen Theorien. 1990 erschien Butler Buch Gender Trouble: Feminism and the Subversion of Identity (deutsch Das Unbehagen der Geschlechter), das breit und kontrovers rezipiert wurde und Butler internationale Beachtung brachte. 1991 erhielt Butler eine reguläre Professur für Humanwissenschaften an der Johns-Hopkins-Universität. 1993 wechselte Butler an die University of California, Berkeley, wo eine Professur für Rhetorik folgte. 1998 erhielt Butler den Maxine-Elliot-Lehrstuhl für Rhetorik und Vergleichende Literaturwissenschaft dieser Universität. 2012 trat Butler an der Columbia University in New York eine Gastprofessur im Fachbereich für Englisch und Vergleichende Literatur an.

Neben Gender Trouble wurden vor allem Butlers Schriften Bodies that matter: On the Discursive Limits of Sex, erschienen 1993, deutsch 1995 unter dem Titel Körper von Gewicht, das 1997 veröffentlichte Excitable Speech: A politics of Performative, deutsch 1998 als Haß spricht, und Antigone’s Claim: Kinship Between Life and Death, erschienen 2000, deutsch 2001 als Antigones Verlangen, vielfach rezipiert. 2002 wandte sich Butler dem Projekt einer Theorie des moralischen Subjekts zu. In Butlers ersten umfangreichen Veröffentlichung zur Moralphilosophie, Kritik der ethischen Gewalt. Adorno Vorlesungen 2002, erschienen 2003, in der englischen Fassung 2005 unter dem Titel Giving an Account of Oneself, bietet Butler einen Umriss einer neuen ethischen Praxis, die der Notwendigkeit kritischer Autonomie entspricht.

Judith Butler nimmt als feministische Theoretikerin seit 1979 auch aktiv an der Frauenbewegung teil. Ab Mitte der 1980er Jahre trat Butler gegen die durch die sogenannte AIDS-Krise ausgelösten homophoben Stimmungen auf und unterstützte die Bewegung Act Up.

Die Philosophie Judith Butlers verschreibt sich der Dekonstruktion verbreiteter Denkgewohnheiten und Konzepte, indem etwa das Denken in Kategorien von Körper und Identität neu gefasst werden. Ausgangspunkt von Butlers Theorien ist die Auseinandersetzung um die Verschränkung von Subjekt und Macht. Butler geht, in Anlehnung an Michel Foucault und John Austin, von der Annahme einer „Wirkmächtigkeit von Diskursen“ und der „performativen Kraft von Sprache“ aus. Diskursive und sprachliche Macht ist das „fundamentale Konstruktionsprinzip von Wirklichkeit“. Daraus entwickelt Butler als zentrale These, dass Körper nicht unabhängig von kulturellen Formen existieren: auch wenn sie als naturgegeben erscheinen, sind sie das Konstrukt normativer Ideale. In verschiedenen Werken, wie Das Unbehagen der Geschlechter (1990), Körper von Gewicht (1993) und Hass spricht (1997), arbeitet Butler dieser These entsprechend heraus, dass in dem performativen Modell von Geschlecht die Kategorien männlich und weiblich als Produkt einer Wiederholung von Sprechakten verstanden werden und nicht als natürliche oder unausweichliche Materialisierungen.

Das Werk von Butler wird in der einführenden Literatur in inhaltlich voneinander abgrenzbaren Komplexen besprochen, um die grundlegenden Charakteristika nachzuzeichnen. Als die wichtigsten darin gelten:

das theoretische Gedankengebäude, das auf Überlegungen bekannter Denker gründet, von denen aus Butler die eigene sprachphilosophische und diskursanalytische Position entwirft;

die Kritik am Identitäts- und Subjektbegriff, einschließlich der Kritik an einem normativen Geschlecht und einem heterosexuellen Zwangsbild;

die spezifisch feministische Theorie, welche die normierende Wirkung des zweigeschlechtlichen Denkens aufzeigt und in der Geschlechterforschung verankert;

die philosophische Dimension mit den subjekttheoretischen Annahmen der performativen Machtwirkungen, aber auch der normativen Grenzen des Subjekts;

die politischen Strategien, die sich sowohl aus Butlers Kritik am Identitäts- und Subjektbegriff wie aus der Kritik an ethischer und staatlich-kriegerischer Gewalt ergeben.

Butler beschäftigt sich mit der Frage nach dem Verhältnis von Subjekt, Körper und Macht. Die Kernvorstellung hierbei ist, dass Worte die Macht besitzen, Dinge – wie etwa den biologischen Körper – aus einer Begriffssubstanz heraus zu schaffen. Materie und Körper als apriorische Voraussetzungen von Sprache oder (allgemeiner) Zeichen werden infrage gestellt. Die dadurch verursachte neuerliche Ungewissheit bezüglich der Erzeugungsart körperlicher Materialität wird sprachphilosophisch gelöst. Ausgangspunkt ist hier die Annahme, dass Diskurse körperliche Gestalt formen. Dieser Vorgang wird mit Hilfe der Begriffe Materialisierung und Performativität erklärt. Mit dieser Theorie geht Butler von einer Subjektkonzeption nach Hegel aus und nimmt Bezug auf Foucault, Friedrich Nietzsche, Louis Althusser und Sigmund Freud. Butler vertritt die Ansicht, dass das Subjekt erst durch die Macht erzeugt wird. Den Begriff der Performativität verwendet Butler in Anlehnung an John Austin, der diejenigen Akte als performative Sprechakte bezeichnet, die das, was sie benennen, in Kraft setzen. Worte als performative Akte besitzen nicht nur die Macht, etwas zu beschreiben, sondern besitzen handlungsartige Qualität, indem sie das, was sie bezeichnen, auch vollziehen. Worte oder Sprache nehmen hier also den Charakter einer sozialen Tatsache an, wie z. B. die Aussage Es ist ein Junge, der einen bezeichneten Körper einer Kategorie wie etwa Geschlecht zuordnet. Dabei knüpft Butler explizit an Louis Althussers

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