Jost Anton Müller, auch Jost Anton Müller von Ursern (* 16. September 1748 in Altdorf; † 1. August 1803 in Freiburg), war ein Schweizer Unternehmer und Politiker.
Jost Anton Müller gehörte zur Magistraten- und Unternehmerfamilie Müller.
Er wurde in Altdorf, der Hauptstadt des Kantons Uri, geboren. Sein Vater, Jakob Anton Müller (1697–1749), war Hauptmann in neapolitanischen Diensten. Seine Mutter war Maria Viktoria Constantia (* 22. Oktober 1718 in Altdorf; † 28. Februar 1806 ebenda), die Tochter des Politikers Franz Martin von Roll (1682–1739) und dessen Ehefrau Maria Katharina (* 1687), die Tochter von Jost Karl Püntener (1642–1714); seine Mutter brachte das Landgut «Huon» in Altdorf in die Ehe mit ein. Er hatte drei Geschwister:
Josef Anton Müller (* 23. April 1741 in Altdorf; † 6. November 1793 ebenda), von 1770 bis 1772 Urner Landammann sowie zwischen 1767 und 1792 mehrfach Tagsatzungsgesandter;
Maria Anna Katharina Müller (* 21. April 1745 in Altdorf), verheiratet mit dem Politiker Karl Alfons Bessler von Wattingen II. (1734–1784);
Karl Martin Müller (* 1744; † 25. Februar 1784 in Altdorf), Ratsherr und 1772 letzter urnerischer Landvogt der Herrschaft Locarno.
Sein Vater und dessen Bruder Karl Franz Müller (1698–1761) erwarben in spanischen und neapolitanischen Solddiensten ein grosses Vermögen. 1738 erlangten sie gegen Bezahlung eines hohen Geldbetrages das Urner Landrecht.
Um 1775 heiratete Jost Anton Müller Anna Waldburga (* 2. Februar 1755 in Altdorf), die Tochter von Franz Heinrich Gerig (1710–1763), der selbst als Oberstleutnant in neapolitanischen Diensten tätig war; gemeinsam hatten sie 9 Töchter und 5 Söhne; zu diesen gehörte auch der spätere Politiker Jakob Anton Müller. Den Wohnsitz hatte die Familie im Landhaus «Huon» in Altdorf.
Zu seinen Schwiegersöhnen gehörten der Mediziner und Historiker Karl Franz Lusser (1790–1859), und die Politiker Michael von Schorno (1772–1838) sowie Franz Josef Nager (1709–1786).
Seine Nichte Josefa Müller heiratete den Bankier Sebastian Crivelli (1772–1838).
Seine Nachfahren waren die Maler Jost Muheim (1808–1880) und dessen Sohn Jost Muheim.
Geschäftstätigkeit und Wirtschaft
Jost Anton Müller machte sich einen Namen als Unternehmer im Baumwoll- und Seidenhandel, Branchen, die für die Schweizer Wirtschaft der Zeit von grosser Bedeutung waren. Er war Teilhaber der Sozietät Gebrüder Müller sowie des Handelshauses Jost Müller & Comp., was auf seine bedeutende Rolle in der Urner Handelswelt hindeutet. Diese wirtschaftliche Basis verschaffte ihm die Mittel und das Ansehen, das erforderlich war, um eine prominente politische Rolle einzunehmen.
Politische Karriere vor der Revolution
Müllers politischer Aufstieg in Uri folgte einem charakteristischen Muster der Zeit. 1767 wurde er zum Landesfürsprecher ernannt, einer Position, die politisches Gewicht und Vertrauen seiner Mitbürger widerspiegelte. 1771 rückte er zum Geheimratssäckelmeister auf, bevor er von 1784 bis 1794 das Amt des Landessäckelmeisters bekleidete – eine Position, die direkte Kontrolle über die Finanzen des Kantons implizierte.
Seine Macht erreichte einen Höhepunkt mit seiner Wahl zum Landammann, dem höchsten exekutiven Beamten Uris. Er bekleidete dieses Amt, als Nachfolger von Heinrich Anton Straumeyer (1737–1794) in den Jahren 1794–1796; ihm folgte darauf Josef Maria Schmid (1740–1813). In dieser Zeit nahm er 1796 an der Tagsatzung in Frauenfeld teil.
In den Jahren 1774, 1776, 1783, 1788 und 1795 war er Ehrengesandter des Rats zum Syndikat der ennetbirgischen Vogteien in Lugano und Locarno.
Er diente von 1796 bis 1798 als Landvogt der Vogtei Rheintal, einer wichtigen administrativen Funktion mit rechtsprechender Autorität.