An diesem Tag

Joshua Reynolds

Englischer Maler

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Sir Joshua Reynolds, PRA FRSA (* 16. Juli 1723 in Plympton bei Plymouth, Devon; † 23. Februar 1792 in London) war neben William Hogarth und Thomas Gainsborough der bekannteste und durch sein künstlerisches und kunsttheoretisches Wirken der einflussreichste englische Maler des 18. Jahrhunderts. Er wird zur English school des 18./19. Jahrhunderts gezählt. 1768 wurde er erster Präsident der neu gegründeten Royal Academy of Arts. Joshua Reynolds wurde 1769 von Georg III. zum Ritter geschlagen und war damit erst der zweite englische Künstler, dem diese Ehre zuteilwurde. Er wurde taub geboren oder ertaubte im frühen Kindesalter.

Reynolds wurde als Sohn eines Geistlichen Samuel Reynolds (1681–1745) geboren und begann mit siebzehn Jahren eine Lehre bei dem Porträtmaler Thomas Hudson in London. Es waren vier Lehrjahre ausgemacht, doch schon nach zweieinhalb Jahren verließ Reynolds die Werkstatt Hudsons wieder, da er alles gelernt hatte, was Hudson ihm beibringen konnte. In den folgenden Jahren versuchte er sich in Plymouth in der Porträtmalerei.

Auf seiner Italienreise von 1750 bis 1752 vervollständigte er seine künstlerische Ausbildung. Er war begeistert von der Kunst der Antike und der Hochrenaissance, vor allem von den Werken Raffaels und Michelangelos, was ihn allerdings nicht davon abhielt, einige witzige Parodien auf ihre Werke zu malen, so etwa eine Parodie von Raffaels Schule von Athen. Aber auch die Venezianer hinterließen ihren Einfluss in Reynolds’ Werken.

Hinwendung zum „Grand Style“ mit seinen Anleihen bei großen Meistern

Zurück in London ist der Einfluss Italiens in seinen Werken unverkennbar. Fortan widmet sich Reynolds dem „Grand Style“ und wird zum Verfechter einer Porträt- und Historienmalerei, die sich am Ideal der großen Kunst vergangener Epochen orientiert. Grand Style bezeichnet einen idealisierten ästhetischen Stil, der sich aus dem Klassizismus und der Kunst der Hochrenaissance ableitet. Im 18. Jahrhundert verwendeten britische Künstler und Kunstkenner den Begriff, um Gemälde zu beschreiben, die visuelle Metaphern enthielten, um edle Eigenschaften zu suggerieren. Es war Sir Joshua Reynolds, der den Begriff in seinen Discourses on Art verbreitete, einer Reihe von Vorträgen, die er zwischen 1769 und 1790 an der Royal Academy of Arts hielt. Darin vertrat er die Ansicht, dass Maler ihre Sujets eher durch Verallgemeinerung und Idealisierung wahrnehmen sollten als durch die genaue Nachahmung der Natur.

Ursprünglich auf die Historienmalerei angewandt, die in der Hierarchie der Gattungen als die höchste gilt, wurde der Grand Style später auch auf die Porträtmalerei angewandt, bei der die Dargestellten in Lebensgröße und in ganzer Figur in einer Umgebung abgebildet wurden, die den Adel und den elitären Status der Dargestellten zum Ausdruck brachte. Zu den gängigen Metaphern gehörten die klassische Architektur, die für Kultiviertheit und Raffinesse stand, und der pastorale Hintergrund, der einen tugendhaften Charakter von unprätentiöser Ehrlichkeit implizierte, der nicht durch den Besitz großer Reichtümer und Ländereien befleckt war.

Die Nobilitierung der englischen Bildnismalerei

Im 18. Jahrhundert war in England hauptsächlich die Porträtmalerei nachgefragt, denn Adlige und reiche Geschäftsleute wollten an den Wänden ihrer Räume vor allem sich selbst in idealisierter Form repräsentiert sehen. Zudem traute man, auch wenn man andere Bildgattungen schätzte, den englischen Malern keine Historienbilder im großen Stil zu, sondern nur ausländischen Künstlern, vor allem Italienern und Franzosen. Dabei stellte seinerzeit das Historiengemälde die höchste Gattung innerhalb der Malerei dar. Diese Gattung wurde von den Sammlern jedoch überwiegend in Italien gekauft, und um die englische Malerei auf eine Stufe mit der Malerei in anderen europäischen Ländern zu stellen, galt es, die englische Historienmalerei, wie sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts nur wenige einheimische Künstler, etwa James Thornhill, pflegten, stärker gesellschaftsfähig zu machen. Um dies zu erreichen, näherte Reynolds das Porträt der Historie an. Diese Annäherung bedeutete eine Idealisierung und Erhöhung des Porträtierten, die bei den Auftraggebern gut ankam. Reynolds entwickelt sich zum beliebtesten Porträtmaler in London.

Präsident der Royal Academy of Arts (1768–1792)

Als 1768 die Royal Academy of Arts gegründet wurde, blieb König Georg III., der nicht unbedingt ein Anhänger Reynolds war, auf Grund von dessen Beliebtheit in der Öffentlichkeit nichts anderes übrig, als ihn zum Präsidenten zu ernennen. Und im darauffolgenden Jahr wurde Reynolds für seine Verdienste geadelt. In der Position des Akademie-Präsidenten war es für ihn leichter, sein Ziel, die Nobilitierung der englischen Malerei, zu erreichen.

1769 erhob ihn König Georg III. als Knight Bachelor in den Adelsstand.

1773 wagte er es erstmals, ein Historiengemälde, Ugolino und seine Söhne im Hungerturm, in der Royal Academy auszustellen, um die Öffentlichkeit auch an andere Gattungen neben der Porträtmalerei heranzuführen.

Sir Joshua Reynolds’ spektakuläres Porträt von Mai (Omai) nimmt einen zentralen Platz in der europäischen Kunstgeschichte ein. Es zeigt den ersten Polynesier, der Großbritannien besuchte, und gilt weithin als das beste Porträt eines der größten britischen Künstler.

Mai (um 1753–1777) stammte aus Raiatea, einer Insel, die heute zu Französisch-Polynesien gehört, und reiste mit Kapitän James Cook von Tahiti nach England. Im Juli 1774 landete Mai (oder „Omai“, wie er dort genannt wurde) im englischen Spithead und war damit der erste polynesische Besucher in Großbritannien. Bei seiner Ankunft erregte Mai das Interesse und die Bewunderung der britischen Gesellschaft. Joshua Reynolds hielt Mai in einem imposanten Ganzkörperporträt fest. Reynolds stellte Mai, der sich in England britisch kleidete, barfuß und dennoch elegant vor einer idealisierten tropischen Landschaft dar. Die dynamische Pose erinnert an eine der berühmtesten Skulpturen der klassischen Antike, den Apoll von Belvedere, während der Turban und die tätowierten Hände auf Mais außereuropäische Herkunft hinweisen. Der cremefarbene Stoff von Schärpe, Turban und Gewand stellt wahrscheinlich Tapa oder Rindenstoff dar, der in Mais polynesischer Kultur traditionell von Personen mit hohem sozialen Status getragen wurde. Im April 1776 reichte Reynolds das Porträt von Mai bei der jährlichen Ausstellung der Royal Academy ein, wo es großen Anklang fand.

Mais Reise nach England hatte diplomatische Gründe. Als er noch ein Kind war, wurde seine Heimatinsel Raiatea von der Nachbarinsel Bora Bora angegriffen und sein Vater getötet. Seine Familie floh nach Tahiti, das 1767 von der britischen Marine angegriffen und von König George III. beansprucht wurde. Mai, der während der Belagerung durch Kanonenschüsse verwundet wurde, war von den Waffen der Fremden beeindruckt. Als Kapitän Cooks Gefolge einige Jahre später von den pazifischen Inseln nach England zurückkehrte, sah Mai eine strategische Chance. Er beantragte die Überfahrt nach Großbritannien auf der HMS Adventure in der Hoffnung, Waffen zu erhalten, mit denen er das Land seiner Familie von den Bora Boranern zurückfordern konnte.

Im Juni 1776, kurz nach dem Ende der Ausstellung in der Royal Academy, trat Mai die Heimreise an. Er erreichte die Pazifikinseln, starb dort 1779, ohne nach Raiatea zurückzukehren. Das Porträt von Mai, das Reynolds als sein Meisterwerk betrachtete, blieb bis zu seinem Tod 1792 im Atelier des Künstlers.

Beim Atelierverkauf des Künstlers (3. Tag, 16. April 1796) wurde das Gemälde für 100 Guineen an Michael Bryan verkauft, der es 1796 an Frederick Howard, 5. Earl of Carlisle (1748–1825) veräußerte. Bis 2001 verblieb es im Besitz der Nachkommen des Earls of Carlisle. Am 29. November 2001 wurde das Gemälde auf einer Auktion bei Sotheby’s in London an den Kunsthändler Guy Morrison verkauft, vermutlich im Auftrag des irischen Geschäftsmannes John Magnier (* 1948), der bereits 2002 versucht, das Gemälde aus England zu exportieren, dem jedoch die Ausfuhrgenehmigung verweigert wurde. Schließlich wurde das Gemälde 2023 gemeinsam von der National Portrait Gallery in London und dem Getty Museum Trust in Kalifornien für 50 Millionen Pfund Sterling erworben. Die beiden Institutionen werden das Werk gemeinsam für öffentliche Ausstellungen, Forschung und Konservierung nutzen.

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