Prinzessin Josephine von Leuchtenberg (* 14. März 1807 als Joséphine Maximilienne Eugénie Napoléone de Beauharnais in Mailand; † 7. Juni 1876 in Stockholm), auch Königin Josefina, auf Schwedisch Josefina av Leuchtenberg, war von 1844 bis 1859 Königin von Schweden und Norwegen. Sie war die älteste Tochter des französischen Generals Eugène de Beauharnais, Herzog von Leuchtenberg (Stiefsohn von Kaiser Napoleon Bonaparte) und der Prinzessin Auguste von Bayern und damit Enkelin der Kaiserin Joséphine von Frankreich und Enkelin des bayrischen Königs Maximilian I.
Ihr Vater, Eugène de Beauharnais, wurde 1805 von Napoleon zum Vizekönig des Königreichs Italien ernannt. Seine Residenz war in Mailand, wo Joséphine am 14. März 1807 als sein erstes Kind geboren wurde. Sie wurde Joséphine Maximilienne Eugénie Napoléone getauft, der erste Name auf Wunsch Napoleons, der letzte als Huldigung an ihn. Nur wenige Monate nach der Geburt bekam sie den Titel Prinzessin von Bologna und 1813 wurde sie zur Herzogin von Galliera ernannt. Ihre Kindheitsjahre wohnte sie auf dem Schloss in Monza bei Mailand. Eine ihrer Erzieherinnen war Philippine von Mieg. Der Grabstein für Philippine Stüler geb. von Mieg auf dem Alten Dorotheenstädtischen und Friedrichwerderschen Friedhof in Berlin trägt die Inschrift: „JOSEPHINE verw. KÖNIGIN v. SCHWEDEN u. NORW. ERRICHTETE DIESEN STEIN IN DANKBARER ERINNERUNG AN IHRE ERZIEHERIN u. FREUNDIN“.
Nach Napoleons Fall 1814 ging Eugène de Beauharnais ins Exil nach München. 1817 erhielt er von seinem Schwiegervater König Maximilian I. das Fürstentum Eichstätt, wo die Familie eine Residenz hatte. Im Winter wohnte sie in München, im Sommer auf dem Schloss in Ismaning und im Herbst in Eichstätt. Joséphines Muttersprache war Französisch und sie und ihre Geschwister mussten auch Deutsch, Italienisch und Englisch lernen. Die anderen Schulfächer waren Arithmetik, Geschichte, Geographie und Astronomie. Am 24. März 1821 wurde Joséphine von einem katholischen Priester gefirmt. Der Philosoph Friedrich von Schelling, der in München tätig war, beschreibt sie als liebenswertes und frohes Kind.
Karl XIV. Johann von Schweden hatte sich seit 1821 ernsthaft mit Kronprinz Oscars Heirat beschäftigt. Es gab einige Prinzessinnen in passendem Alter, die der König für besonders interessant hielt: Du kennst meine Wünsche, ich will, daß du dich zuerst auf die junge Prinzessin von Dänemark einstellst, wenn sie dir zusagt und deine Gefühle teilt, dann auf Prinzessin von Leuchtenberg und an dritter Stelle auf sie in Kassel und an letzter Stelle auf sie in Weimar schrieb der König in einem Brief an seinen Sohn. Im Mai 1822 begab sich der Kronprinz auf eine Rundreise durch Europa, um diese Prinzessinnen zu treffen. In Kopenhagen traf er die Prinzessinnen Caroline und Vilhelmine. In den Niederlanden besuchte er den königlichen Hof und war von Prinzessin Marianne entzückt, die mit damals 12 Jahren allerdings für eine Heirat noch zu jung war.
Am 23. August kam Oscar zu Besuch nach Eichstätt, um die 15-jährige Joséphine und ihre Geschwister zu treffen. Vor der Ankunft des Kronprinzen war Prinz Eugène mit ihr im Park spazieren gegangen und hatte ihr erzählt, welche Absicht der schwedische Kronprinz bei seinem Besuch hatte. Sie gefiel dem Kronprinzen und am 26. August hielt er um ihre Hand an. Dass Joséphine katholisch war, war eine Sache, die vor der Ehe diskutiert wurde. Joséphine war religiös, während ihr Vater religiös indifferent war. Er bat jedoch seiner Frau Augusta zuliebe darum, dass Joséphine ihren Glauben behalten dürfe. Die schwedischen Ratgeber Wetterstedt und Löwenhielm waren unterschiedlicher Ansicht, was das Angemessenste wäre. Es gab aber einen Präzedenzfall: Joséphines künftige Schwiegermutter Desideria von Schweden hatte ihren katholischen Glauben behalten dürfen, als sie schwedische Königin wurde. In der Heiratsurkunde wurde nur festgelegt, dass Joséphine an kirchlichen Zeremonien mitwirken sollte.
Kronprinz Oscar ging nach Schweden zurück, und Joséphine begann, Schwedisch zu lernen. Als Graf Wetterstedt im Februar 1823 wieder nach München kam, konnte er konstatieren, dass Joséphine große Fortschritte in der Sprache gemacht hatte: Ich habe bereits die Ehre gehabt, mich mehr als eine halbe Stunde lang mit Ihrer Königlichen Hohheit auf schwedisch zu unterhalten.
Die katholische Hochzeitszeremonie fand am 22. Mai 1823 in München statt, ohne dass der Kronprinz anwesend war. Joséphine wurde von ihrem Vater Eugène zum Altar geführt, während Kronprinz Oscar von Joséphines Onkel Karl von Bayern vertreten wurde. Zwei Tage später verließ Joséphine ihr Zuhause, um nach Schweden zu reisen, zusammen mit Gräfin Tascher de la Pagerie und Baronin Wurms und ihrer Kammerjungfer Berta Zück. In Lübeck traf die Gesellschaft Mariana Koskull und Gräfin Brahe und ging an Bord des Linienschiffes Carl XIII. Mit auf der Reise nach Schweden war auch Königin Desideria von Schweden, die sich 12 Jahre aus Schweden ferngehalten hatte. In Vaxholm ging Kronprinz Oscar an Bord. Als das Schiff am 13. Juni 1823 in Stockholm ankam, hatten sich Zehntausende Menschen an den Stränden versammelt.
Als das Schiff in Stockholm angekommen war, gingen Joséphine und die Königin an Bord des Bootes Wasaorden und gingen bei Manilla auf Södra Djurgården an Land. Auf der Brücke warteten der König und der Kronprinz. Die Frauen fuhren dann in Galawagen mit acht weißen Hengsten vorgespannt nach Schloss Haga, wo sie von Prinzessin Sofia Albertina, der Schwester des verstorbenen Königs Karl XIII. von Schweden, willkommen geheißen wurden. Joséphine wohnte ein paar Tage auf Haga, bevor sechs Tage später die Hochzeit am 19. Juni bei einer evangelisch-lutherischen Zeremonie in der Storkyrka bekräftigt wurde. Darauf folgte eine Reihe von Festlichkeiten, die in der Königlichen Oper abgeschlossen wurden, wo unter anderem Per Adolf Granbergs Frejas Hochzeit mit Musik von Franz Berwald sowie Mozarts Oper Titus aufgeführt wurden.
Am 12. Februar 1824 beschloss der König, den Kronprinzen zum Vizekönig von Norwegen auszuersehen, und dass er zusammen mit Josephine dorthin reisen sollte. In der norwegischen Politik war 1821 die sogenannte Vetofrage aktuell geworden. Hintergrund war, dass der König gegen das Storting nur suspensives Veto hatte, aber im August 1821 hatte der König Änderungen in der norwegischen Verfassung vorgeschlagen, die dem König ein absolutes Veto geben sollten. Im Gegenzug war der König bereit, einer Reihe norwegischer Forderungen entgegenzukommen. Die royalistische Welle, die im Sommer 1823 über Stockholm geschwappt war, hoffte der König, sollte in Kristiania ankommen, das seinerseits das Storting fügsamer machen sollte.
Die Reise des Kronprinzenpaares nach Norwegen wurde verschoben, als Josephines Vater am 21. Februar 1824 starb. Am 5. April verließ das Paar Stockholm und reiste über Västerås, Örebro, Karlstad, Kongsvinger nach Kristiania, wo es am 11. April ankam. Dort wohnte es auf der königlichen Residenz in Kristiania. Vormittags gab Josephine Empfang und nachmittags machte sie offizielle Besuche in Schulen oder Pfarrhäusern. Abends hatte man Gäste und anschließend ging das Kronprinzenpaar gemeinsam diejenigen Akten durch, die seine Unterschrift verlangten. Nach sechs Wochen reiste das Paar nach Kloster Herrevad in Skåne, um den dortigen militärischen Übungen beizuwohnen. Im August kehrten sie nach Kristiania zurück. Da das Storting dem König kein absolutes Veto geben wollte, musste der Kronprinz der Auflösung des Stortings beiwohnen. Am 11. Oktober verließ das Paar Kristiania für die Rückreise nach Schweden via Fredrikshald.
Am 3. Mai 1826 wurde das erste Kind des Kronprinzenpaares, Erbprinz Karl, geboren und innerhalb weniger Jahre vier Geschwister. Für die Kinder wurde im südöstlichen Teil des Stockholmer Schlosses, zum Burghof hin ein eigenes Zimmer eingerichtet. Im Herbst 1834 waren die zwei ältesten Söhne alt genug, um von zwei Lehrern betreut zu werden, dem Philosophen Christopher Jacob Boström und dem norwegischen Lehrer Otto Aubert. Josephine gab Aubert weite Befugnisse, was Disziplin angeht. In einem Brief an Kaiserin Karolina Augusta von Österreich erklärte Josephine, wie sie darauf achtete, die Kinder nicht zu verwöhnen. Aubert beschrieb die Kronprinzessin als immer liebenswert, schlicht, natürlich und angenehm im Umgang. Er war erstaunt über ihre Bildung, einmal fragte sie ihn, was er von dem deutschen Philosophen Schlegel hielte.