An diesem Tag

Josephine Brunsvik

Ungarische Adlige

Anúncio

Gräfin Josephine Brunsvik de Korompa, 1799–1810 Josephine Gräfin Deym von Stritetz, ab 1810 Baronin von Stackelberg, (* 28. März 1779 in Preßburg; † 31. März 1821 in Wien) war eine Angehörige des ungarischen Adelsgeschlechts Brunsvik. Sie war eine der zentralen Frauengestalten im Leben Ludwig van Beethovens, der ihr in den Jahren 1804 bis 1810/11 mindestens vierzehn zum Teil leidenschaftliche Liebesbriefe schrieb, in denen er sie unter anderem als „Engel“, „mein Alles“ und als seine „einzig Geliebte“ bezeichnete und ihr „ewige Treue“ schwor. Da sie „die einzige Frau [ist], die Beethoven nachweislich anhaltend und leidenschaftlich geliebt hat“, hält eine Reihe von Musikwissenschaftlern Josephine auch für die Adressatin des berühmten dreiteiligen Briefes an die „Unsterbliche Geliebte“ vom 6./7. Juli 1812. Ein endgültiger Nachweis dieser Hypothese konnte jedoch bisher nicht erbracht werden.

Josephines Brunsviks Vater Anton Brunsvik (1745–1793) starb im Alter von 47 Jahren und hinterließ seine Frau Anna, geb. Freiin Wankel von Seeberg (1752–1830) und vier Kinder: Therese (1775–1861), Franz (1777–1849), Josephine und Charlotte (1782–1843). Die Familie lebte in einem Schloss in Martonvásár bei Budapest.

Die Kinder genossen eine Ausbildung durch private Lehrer, studierten Sprachen und klassische Literatur. Alle vier erwiesen sich als talentierte Musiker: Franz wurde ein guter Cellist, die Mädchen zeichneten sich am Klavier aus – besonders Therese. Alle bewunderten die Musik von Ludwig van Beethoven, der sich während der 1790er-Jahre als Pianist in der österreichischen Hauptstadt Wien etabliert hatte. Franz widmete er später die f-Moll-Klaviersonate op. 57 (Appassionata), Therese die Fis-Dur-Sonate op. 78.

Am 3. Mai 1799 brachte Anna Brunsvik ihre beiden Töchter Therese und Josephine nach Wien, wo Beethoven ihnen Klavierunterricht erteilte. Über die erste Bekanntschaft der beiden Schwestern mit Beethoven schrieb Therese Brunsvik Jahrzehnte danach als hochbetagte Frau in ihren Memoiren: „Der Unsterbliche, liebe Louis van Beethoven war sehr freundlich und so höflich, als er sein konnte ... Er kam fleißig, blieb aber statt einer Stunde von 12, bis oft 4 bis 5 Uhr ... Der Edle muß selber zufrieden gewesen sein, denn durch 16 Tage blieb er nicht ein einziges Mal aus.“ Wie mehrere andere Männer muss sich auch Beethoven auf den ersten Blick in Josephine Brunsvik verliebt haben. Ungefähr sechs Jahre nach dem ersten Zusammentreffen gestand er ihr, er habe damals seine spontane Liebe zu ihr unterdrücken müssen. Sie selbst schrieb ihm – ebenfalls später, in ihrer Witwenzeit – von ihrer „enthousiastische[n] Seele“ für ihn, noch bevor sie ihn persönlich kennengelernt hatte.

Auf Drängen der Mutter, die für ihre Tochter einen wohlhabenden Gatten von gleichem Rang wünschte, heiratete Josephine Brunsvik am 29. Juli 1799 in Martonvásár den erheblich älteren Grafen Joseph von Deym (* 4. April 1752 in Wognitz in Böhmen; † 27. Januar 1804 in Prag), der sich bei ihrer ersten Begegnung in Wien am 5. Mai 1799 ebenfalls sofort in sie verliebt hatte. Der „Hofstatuarius“ Deym besaß in Wien am Rothen Turm ein großes Galeriegebäude, dessen zahlreiche Säle angefüllt waren mit Gips- und Wachsabgüssen berühmter antiker Statuen aus Italien, die Deym während seiner dortigen Aufenthalte selbst abgenommen hatte. Nach anfänglichen, überwiegend finanziellen Schwierigkeiten entwickelte sich die Deym-Ehe trotz des erheblichen Altersunterschiedes zu einer glücklichen Beziehung.

Beethoven blieb als regelmäßiger „standhafter Besucher der jungen Gräfin“ weiterhin Josephines Klavierlehrer und gab ihr unentgeltlich Unterricht. Für Deym komponierte er Stücke für eine Spieluhr. Außerdem wirkte er mit bei einer Reihe von Hauskonzerten im Deymschen Palais, bei denen viele seiner neuesten Kompositionen – wie die meisten Violinsonaten und vermutlich u. a. die Klaviersonaten op. 31/1 und 2 – aufgeführt wurden.

In ihrer kurzen Ehe mit Deym gebar Josephine Deym von Stritetz vier Kinder:

Victoire (Vicky) (* 5. Mai 1800 in Wien; † 2. Februar 1823 in Wien)

Friedrich (Fritz) (* 3. Mai 1801 in Wien; † 23. Januar 1853 in Wien)

Carl (* 27. Juli 1802 in Nußdorf ob der Traisen; † 18. Mai 1840 in Nagysurány)

Josephine (Sephine) (* 24. Februar 1804 in Wien; † 25. Juni 1821 in St. Pölten).

Während sie noch mit Sephine schwanger war, starb Graf Deym plötzlich am 27. Januar 1804 in Prag an einer Lungenentzündung. Bevor er starb, übertrug er seiner Frau testamentarisch die Vormundschaft über die Kinder und das Vermögen. Kurze Zeit nach Deyms Tod empfing der Kaiser in Wien die junge Witwe mit ihren älteren Kindern und tröstete sie: „Weinen Sie nicht, Ihre Kinder sind meine Kinder!“

Den Sommer 1804 verbrachte die verwitwete Josephine Deym von Stritetz zusammen mit ihrer Schwester Charlotte in einer Landwohnung in Hietzing beim Schönbrunner Schlosspark. Dort erkrankte sie schwer an einem Nervenfieber, wodurch sie in die Stadt zurückkehren musste. Nachdem sich ihre Gesundheit im Winter wieder gefestigt hatte, kam Beethoven immer häufiger zum Unterricht zu ihr, gegen Ende November bereits alle zwei Tage, und es entwickelte sich zwischen beiden eine immer engere Beziehung.

Zwischen 1804 und 1809 schrieb Beethoven Josephine eine Reihe leidenschaftlicher Liebesbriefe, von denen insgesamt vierzehn erhalten sind. 1957 wurden dreizehn von ihnen veröffentlicht; ein weiteres Fragment, das nur in einer Abschrift Josephines Deym von Stritetz erhalten ist, kam später hinzu. Alle diese Briefe weisen in Ton und Wortwahl deutliche Übereinstimmungen mit Beethovens berühmtem Brief an die „Unsterbliche Geliebte“ vom Juli 1812 auf. Dass diese Liebe nicht einseitig blieb, zeigen unter anderem Ausschnitte aus einem Brief Josephines, in dem sie ihm „den Besitz des edelsten ihres Ich’s“ zusicherte und aus einem weiteren Brief von ihr, wahrscheinlich 1805: „Mein Herz haben Sie schon längst, lieber Beethoven, wenn Ihnen diese Versicherung Freude machen kann, so empfangen Sie sie – Aus dem reinsten Herzen“. Beethoven schrieb ihr im selben Jahr: „Lange – lange – Dauer – möge unsrer Liebe werden – sie ist so edel – auf wechselseitige Achtung und Freundschaft gegründet ... o laßen sie mich hoffen, daß ihr Herz lange – und für mich schlagen werde – das meinige kann nur – aufhören zu schlagen – wenn es gar nicht mehr schlägt“. In dieser Zeit schrieb Beethoven für sie das Lied An die Hoffnung op. 32 sowie ein lyrisches Menuett, das Andante favori WoO 57 für Klavier (ursprünglich der zweite Satz der Waldsteinsonate op. 53), dessen Anfangsmotiv nach Auffassung von Massin und Harry Goldschmidt den Namen „Jo-se-phi-ne“ skandiert.

Die Liebe zwischen Beethoven und Josephine Deym von Stritetz, die beide geheim zu halten trachteten, wurde allerdings von Beginn an von der standesbewussten Familie Brunsvik äußerst misstrauisch beäugt. Je länger die Verbindung andauerte, desto größer wurde der Druck auf Josephine Deym von Stritetz, die Beziehung zu Beethoven zu beenden. Josephine selbst setzte dem stürmischen Drängen Beethovens Grenzen, da ihr bewusst war, dass es ihr nicht zuletzt aus juristischen Gründen unmöglich war, den nichtadligen Beethoven zu heiraten: Da nach damaligem Recht die Frau mit der Heirat ihrem Ehegatten in seinen Stand folgte, hätte sie ihren Adel aufgeben müssen und damit die Vormundschaft über ihre adligen Kinder verloren. Dies teilte sie Beethoven indirekt auch mit; im Winter 1806/07 schrieb sie ihm fast verzweifelt: „Dieser Vorzug, den Sie mir gewährten, das Vergnügen Ihres Umgangs, hätte der schönste Schmuck meines Lebens seyn können liebten Sie mich minder sinnlich – daß ich diese Sinnliche Liebe, nicht befriedigen kann – zürnen Sie auf mich – Ich müßte heilige Bande verletzen, gäbe ich Ihrem Verlangen Gehör – Glauben Sie – daß ich, durch Erfüllung meiner Pflichten, am meisten leide – und daß gewiß, edle Beweggründe meine Handlungen leiteten.“

Im Herbst 1807 gab Josephine Deym von Stritetz schließlich dem Druck ihrer adligen Familie nach und zog sich von Beethoven zurück: Sie ließ sich nur noch verleugnen, wenn er sie besuchen wollte. Auf diese Beethoven äußerst kränkende und traumatisierende Erfahrung könnte sich die Passage „… doch nie verberge dich vor mir“ in seinem späteren Brief an die „Unsterbliche Geliebte“ vom Juli 1812 beziehen.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Josephine Brunsvik | World in Stories