An diesem Tag

Joseph Renftle

Altkatholischer Geistlicher

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Joseph Renftle (* 6. oder 23. März 1823 in Balzhausen; † 28. März 1881 in Sauldorf) war ein deutscher römisch-katholischer und später altkatholischer Geistlicher.

Joseph Renftle stammte aus einem an der Hasel gelegenen Dorf im Mittelschwäbischen, das zu Zeitpunkt seiner Geburt ungefähr 730 Einwohner hatte. Dort war seine Familie bereits seit Anfang des 17. Jahrhunderts ansässig. Seine unmittelbaren Vorfahren waren Schreiner.

Er war das erste Kind des Schreinermeisters Anton Renftle († 1863) und dessen Ehefrau Eva Lochbronner († 1861) und hatte noch eine Schwester.

Joseph Renftle verbrachte die Kindheit in seinem Heimatdorf und besuchte dort die 1826 neu errichtete Volksschule. Mit der Hilfe des Pfarrers Jakob Mortstein und dessen Kaplan Konrad Lindenbaur, die ihn privat unterrichteten, wurde er auf das Gymnasium vorbereitet, so dass er 1838 zum Gymnasium (heute Johann-Michael-Sailer-Gymnasium) nach Dillingen kam. Nachdem er im Sommer 1841 als viertbester Schüler und Preisträger in Mathematik die Schule beendet hatte, ging er an das erzbischöfliche Lyzeum (heute Philosophisch-theologische Hochschule) nach Freising und erhielt Philosophie-Unterricht bei Magnus Jocham und Martin Deutinger. Er setzte die Ausbildung am Lyzeum der Benediktinerabtei St. Stephan in Augsburg fort und immatrikulierte sich als Kandidat der Theologie an der Universität München; hier hörte er die kirchengeschichtlichen Vorlesungen bei Ignaz Döllinger, dessen Auffassungen er sich ganz zu eigen machte.

Im Studienjahr 1845/1846 absolvierte er den zweiten theologischen Kurs am Dillinger Lyzeum und hörte die kirchengeschichtlichen Vorlesungen bei Florian Moll (1788–1848), studierte Exegese bei Lorenz Klemens Gratz (1806–1884) und Moraltheologie bei Matthias Merkle sowie Dogmatik bei Johann Evangelist Wagner.

Am 4. April 1846 weihte ihn Bischof Peter von Richarz in Dillingen in der Studienkirche Mariä Himmelfahrt mit 50 anderen Diakonen zum Priester.

Er wurde zunächst als Hilfspriester nach Aletshausen geschickt, ging 1847 nach Zell bei Eisenberg und 1848 nach Bodelsberg, Wertach und Nesselwang. Im darauffolgenden Jahr erhielt er die Versetzung nach Altusried und Bergheim bei Dillingen, 1850 nach Hainhofen, Altenstadt und Missen. Dort blieb er bis 1853, bevor er als Aushilfsgeistlicher nach Staufen bei Dillingen kam. Bereits wenige Monate später wies ihn das Ordinariat als Benefiziat nach Lauingen und er erhielt 1856 die Pfarrei St. Martin in Staufen.

In Staufen beschäftigte er sich in seiner Freizeit vor allem mit Botanik, Physik und Chemie; dabei entstanden erste Zweifel an der Glaubwürdigkeit katholischer Stellungnahmen zur Naturwissenschaft, die durch regelmäßige Lektüre der Augsburger Allgemeinen Zeitung verstärkt wurden.

Nachdem Pfarrer Alois Lindenbaur, der Bruder des einstigen Kaplans Konrad Lindenbaur aus Balzhausen, in Mering verstorben war, bewarb sich Joseph Renftle um diese besser dotierte Pfarrstelle und wurde durch Bischof Pankratius von Dinkel am 27. Juli 1860 zum neuen Pfarrherrn von Mering bestellt. Am 28. August 1860 erfolgte, nach der Bestätigung durch König Maximilian II. Joseph, die feierliche Amtseinführung in der dortigen St. Michaelskirche.

Nach dem Tod seiner Mutter, die bis dahin bei ihm lebte, erregte er immer häufiger Anstoß wegen seines Lebenswandels; hierzu kam ein innerer Seelenkampf, weil er sich immer mehr von der Kirche entfernte, aber jedes vertrauliche Gespräch mit seinen Mitbrüdern vermied. Er studierte heimlich die Veröffentlichungen des 1863 suspendierten katholischen Universitätsprofessors Jakob Frohschammer und die indizierten Bücher von Aloys Pichler, der ein Schüler von Ignaz von Döllinger war und der den kirchlichen Standpunkt völlig preisgab. Nachdem er das evangelische Handbuch der neuesten Kirchengeschichte von Friedrich Nippold erworben hatte, verfolgte er dessen öffentliche Auseinandersetzung mit dem Mainzer Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler.

Im Januar 1870 wandte er sich schriftlich an Friedrich Nippold und bat diesen um Rat und Hilfe: Ich bin katholischer Priester und seit meinem Austritt aus dem Klerikalseminar (1846) in der Seelsorge. Meine Liebe zur Wahrheit und Gerechtigkeit, mein Haß gegen Lüge und Scheinheiligkeit hat alle Vorurteile zerstreut, kurz, ich bin seit mehr als sieben Jahre kein römischer Katholik mehr. Die Vergleichung unseres Kirchenwesens mit der Religion des Evangeliums führte mich dahin, wo ich jetzt stehe. Er trug sich mit dem Gedanken, zur evangelischen Kirche überzutreten, allerdings riet Friedrich Nippold ihm davon ab, setzte sich aber mit dem Schwiegersohn des protestantischen Theologen und Diplomaten Christian Karl Josias von Bunsen, dem Chef des großherzoglichen Kabinetts in Karlsruhe, Friedrich August Johannes Paul Ungern Sternberg (1817–1895), in Verbindung, der über Joseph Renfle Erkundigungen einzog und dessen Berufung in ein evangelisches Pfarramt ermöglichen wollte.

Sein ständiges inneres Ringen, die dauernden Glaubenszweifel und die intensive Beschäftigung mit der teilweise polemisch gegen die katholische Kirche gerichteten Literatur prägten allmählich die Predigten von Joseph Renftle und den Religionsunterricht: Ich kann mich nicht länger mehr verstellen; der Klerus der Umgegend, von dem ich mich absperre, hat Spuren von meiner Gesinnung ... Selbst die Pfarrkinder sagen, ich sei lutherisch. Dazu kamen der Umgang mit den sogenannten Fortschrittlern, den Liberalen, zu denen in Mering unter anderem der Bürgermeister Joseph Hölzl, der Apotheker Friedrich Wilhelm Geret sowie der Augsburger Rechtsanwalt und Landtagsabgeordnete Joseph Völk gehörten. Weiterhin kam er in den Verdacht unerlaubter Beziehungen zu einem Mädchen; so wurde im Mai 1869 die unmittelbar vor der Niederkunft stehende Magd aus dem Pfarrhof in ein Nachbarhaus getragen.

Das Bischöfliche Ordinariat Augsburg wollte diese Missstände nicht mehr dulden und forderte ihn auf, sich binnen sechs Monaten um eine andere Pfarrei zu bemühen. Nach einem kurzen Zögern entschloss er sich jedoch, sein Amt weiterzuführen; als Vorbild galt ihm hierbei sein ehemaliger Münchener Kirchengeschichtslehrer Ignaz Döllinger, der am 21. Januar 1870 in der Augsburger Allgemeinen Zeitung eine Erklärung zur Päpstlichen Unfehlbarkeit abgegeben hatte. Für Joseph Renftle stand zu diesem Zeitpunkt fest, dass er ein von den Konzilsvätern verabschiedetes Unfehlbarkeitsdogma des Papstes nie anerkennen werde. In diesem Sinn bezog er in den nächsten Monaten auf der Kanzel Stellung gegen die römische Kirchenversammlung und gab, nach glaubhafter Aussage am 29. Mai 1870, in der Sonntagspredigt an, Unerhörtes und Unsinniges strebt man in Rom an. Bis Petri und Pauli werde man es verkünden. Die Folge wird eine neue Glaubensspaltung sein und der Schluß die Inquisition.

Nachdem die Päpstliche Unfehlbarkeit verkündet worden war, beschlossen die deutschen Bischöfe am 30. August 1870 in Fulda die Herausgabe eines gemeinsamen Hirtenworts, um die Gläubigen zur Annahme dieses Glaubenssatzes zu ermahnen. Die Veröffentlichung in Bayern erfolgte, ohne dass ein königliches Plazet eingeholt worden war; durch einen Ministerialbeschluss vom 9. August 1870 war allerdings die Publikation vatikanischer Dekrete ohne Erlaubnis der Regierung untersagt.

Bischof Pankratius von Dinkel ordnete am 26. September 1870 die Verlesung des Hirtenbriefes für die gesamte Augsburger Diözese an und Joseph Renftle verlas ihn am 9. Oktober 1870, begann die Verlesung aber mit einer Erklärung: Ich werde nun diesem Auftrag nachkommend, Euch das vorlesen, was die Ende August dieses Jahres in Fulda versammelten Bischöfe dem Volk ihrer Diözesanen in Betreff des letzten römischen Konzils sagen wollen. Bevor ich aber zur Verkündigung jener Ansprache schreite, erkläre ich, daß ich an die Rechtmäßigkeit dieses Konzils nicht glaube und zwar, weil es kein freies Konzil gewesen ist, weil gerade bei den wichtigen Beschlüssen die er forderliche Stimmeneinhelligkeit gefehlt hat und weil Glaubenssatzungen aus jener Versammlung hervorgegangen sind, die in der Heiligen Schrift und in der kirchlichen Überlieferung nicht begründet sind. Ich bin mir der Folgen dieser Erklärung wohl bewußt, muß aber Gott mehr gehorchen als den Menschen. Seine Ehre, die Ehre der wahren Kirche Christi, die Liebe zum christkatholischen Volke, dem wir Priester Wahrheit schuldig sind, zwangen mich zu dieser Erklärung. Hierdurch entstand die erste altkatholische Gemeinde in Bayern (siehe auch Alt-Katholische Kirche in Deutschland#Nach dem Ersten Vatikanischen Konzil (1870)).

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