Joseph Pletz (* 3. Januar 1788 in Wien; † 30. März 1840 ebenda) war ein österreichischer römisch-katholischer Geistlicher, Pädagoge und Autor. Von 1836 bis zu seinem Tod hatte er das Amt des kaiserlichen Hof- und Burgpfarrers inne.
Herkunft und Ausbildung bis zur Priesterweihe
Joseph Pletz wurde als Sohn des Andreas Pletz (* unbekannt; † 7. Dezember 1805), Buchhalter eines Handlungshauses in Wien sowie dessen Ehefrau Cäcilia (* unbekannt; † 1833), eine Tochter des Hofkammerjuwelier Johann Bernhard Büttner, geboren. Seine Schwester war Barbara Pletz (* 18. Juni 1791; † unbekannt).
Er besuchte anfangs die deutsche Schule in Wien und wechselte später zur Normalschule St. Anna, dort unterrichteten die Katecheten Anton Hye (1761–1831) und Augustin Johann Joseph Gruber, der spätere Erzbischof von Salzburg. 1801 kam Joseph Pletz an das Gymnasium St. Anna und hatte Unterricht bei den Lehrern August Weimer (Weltprediger und Katechet), Martin Span (Professor der Rhetorik und griechischen Sprache), Wenzel Hanke (Professor der Geographie und Geschichte), Professor Vincenz Pleban, Valentin Höflich (Professor der Poetik und griechischen Sprache) und Professor Anton Reiman.
Anlässlich des Todes seines Vaters 1805 musste Joseph Pletz bereits im Alter von 17 Jahren selbst Unterricht erteilen, um seinen Lebensunterhalt zu sichern, hierbei hatte er die Unterstützung des Kurpriesters Franz Schmid (1764–1843), dem späteren Prälaten und Domkantor, der ihn in den besseren Häusern Wiens vorstellte und einführte.
Aufgrund seiner sehr guten Schulzeugnisse erhielt Joseph Pletz nach dem Tod seines Vaters ein Stipendium aus dem Wiener Universitätsfonds, so dass er 1806 ein Philosophie- und Theologie-Studium an der Universität Wien beginnen konnte. Er besuchte die Vorlesungen von den Professoren Jakob Frint, Franz Hammer (1758–1825) (Philosophie), Remigius Samuel Döttler (1741–1812) (Mathematik und Physik), Anton Joseph Stein (Philologie) und Martin Johann Wikosch (Geschichte).
1808 trat er in das erzbischöfliche Alumnat ein und besuchte die Theologie-Vorlesungen an der Wiener Universität bei Vincenz Darnaut (Kirchengeschichte), Leopold Ackermann (Bibelstudium), Anton Aryda (orientalische Sprachen), Altmann Arigler (neutestamentliches Bibelstudium), Thomas Dolliner (1760–1839) (Kirchenrecht), Augustin Braig (1766–1821) (Dogmatik), Theobald Fritz (1771–1848) (Moraltheologie), Andreas Reichenberger (Pastoral) und Vincenz Eduard Milde (Erziehungskunde), Unterricht im katechisieren erhielt er an der Normalschule St. Anna bei Wendelin Simmerdinger (1783–1832). Am 30. August 1812 erhielt Joseph Pletz die Priesterweihe.
Positionen und Aufgaben 1812 bis 1816
Kurz nach seiner Priesterweihe ernannte ihn der Erzbischof Sigismund Anton von Hohenwart am 28. Oktober 1812 zum ersten Studienpräfekten im Alumnat; mit dieser Stelle eines Studienpräfekten im erzbischöflichen Seminarium war auch die Stelle eines Adjunkten der theologischen Studien an der Universität Wien verbunden.
1813 erwählte ihn der Erzbischof von Hohenwarth zu seinem Zeremoniar.
Als Alumnatsdirektor Franz Bugl am 1. September 1813 verstarb, wurde Joseph Pletz die Leitung des Seminars übertragen, bis der neue Direktor ernannt wurde.
Als Adjunkt lehrte er nach dem Austritt des Professor Braig in dem Schuljahr 1814/1815 die Dogmatik an der Wiener Universität.
Am 6. September 1816 wurde er zum wirklichen Hofkaplan ernannt.
Lehrer an Frintaneum und Universität Wien
1816 wurde durch den Hof- und Burgpfarrer Jakob Frint die höhere Bildungsanstalt für Weltpriester zum Heiligen Augustin, das „Frintaneum“, in Wien gegründet. Die Vorsteher dieser Bildungsanstalt war zugleich Mitglied der Hofkapelle. Als erster Studiendirektor wurde Joseph Pletz durch Jakob Frint ausgewählt. Er war nun Studiendirektor des Frintaneum und damit zuständig für die unmittelbare Leitung der gesamten wissenschaftlichen Bildung. Der Hofkaplan Johann Michael Leonhard war als Spiritual für die moralische Bildung der Studenten zuständig. Nach einem Jahr wurde Michael Johann Wagner, der spätere Bischof von St. Pölten, als Hofkaplan und zweiter Studiendirektor berufen. Diese drei teilten sich dann die Bildung der Studenten in der Bildungseinrichtung.
Am 10. März 1823 wurde Joseph Pletz zum Professor der Dogmatik an der Wiener Universität ernannt.
Er wurde durch Kaiser Franz I. am 15. Februar 1827, nach dem Tod von Kanonikus Anton Schopp, zu dessen Nachfolger als Domherr der Metropolitankirche St. Stephan und Konsistorialrat ernannt.
Joseph Pletz plante 1827 die Herausgabe einer theologischen Zeitung, "Neue theologische Zeitschrift", die der von Frint herausgegebenen folgen sollte. Dies wurde durch Bischof Frint und Professor Fourerius Ackermann unterstützt, so dass die Zeitung von 1828 bis zu seinem Tode herausgegeben werden konnte.