An diesem Tag

Josef Zeitler

Deutscher Bildhauer

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Josef Zeitler, auch Joseph (* 24. September 1871 in Fürth; † 24. März 1958 in Stuttgart) war ein deutscher Bildhauer, der vor allem durch plastischen Architekturschmuck in Stuttgart und ganz Württemberg hervortrat. Er ließ sich 1897 in Stuttgart nieder und lehrte dort von 1923 bis 1937 als Professor an der Höheren Bauschule. 1941 plante Zeitler eine „Selbstbiographie, die er zu seinem 70. Geburtstag als Rückschau und Rechenschaft über ein tätig bewegtes Künstlerleben veröffentlichen“ wollte. Es ist nicht bekannt, ob Zeitler diese Autobiografie tatsächlich niedergeschrieben hat, desgleichen ist auch nichts bekannt über den Verbleib seines Nachlasses.

Zeitler wurde im fränkischen Fürth in der Heiligen Gasse (heute Heiligenstraße) geboren, später wohnte die Familie hauptsächlich in der Schützenstraße (heute Wilhelm-Löhe-Straße). Von seiner Geburt erzählte Zeitler in seiner humorvollen Art: „Mein Vater behauptete, dass ich in einen Maßkrug hineingegangen wäre, so klein war ich und eine lange Lebensdauer hätte mir keiner versprochen.“ Josefs Vater war der Schreinermeister August Paulus Zeitler, der seinen Sohn schon früh „zu strenger beruflicher Mitarbeit“ anhielt. Das Hauptgeschäft des Vaters bestand in der Anfertigung kunstvoller Schmuckkästchen.

Zeitler besuchte bis zu seinem 13. Lebensjahr die Volksschule. Seine Mutter (1840–1880), die erste Ehefrau seines Vaters, war „eine fromme und kunstliebende Frau“, die aus ihrem Sohn gern einen Maler gemacht hätte. Seine Lieblingsfächer waren Zeichnen, Singen, Turnen und Geografie. Ein Verwandter seiner Mutter, Vetter Kriegbaum, ein Maler und Fotograf, erteilte ihm ab seinem sechsten Lebensjahr Zeichenunterricht. Später äußerte Zeitler über ihn: „Dieser Mann mit seinem vornehmen Wesen hatte den größten Einfluß auf meine ganze Kindheit.“ Mit neun Jahren eröffnete der kleine Zeitler eine Zeichenschule für Kinder, in der „meistens … Jumpos (Elefanten) gezeichnet“ wurden. In der kargen Freizeit, die zum Spielen übrigblieb, beschäftigte er sich am liebsten mit Zirkusspielen, Kasperletheater und Theaterspielen. Die zweite Frau seines Vaters war die jüngere Tochter von Theodor von Muncker, der von 1863 bis zu seinem Tod 1900 Bürgermeister von Bayreuth war und maßgeblich die Realisierung von Richard Wagners Festspielidee in Bayreuth vorantrieb. Durch seine Stiefmutter kam Zeitler des Öftern nach Bayreuth. „Der Vater dieser zweiten Frau war mit Richard Wagner eng befreundet und so kam ich fast täglich in das Haus „Wahnfried“ und wurde Siegfrieds guter Freund und Spielkamerad.“

Nach Beendigung der Schulzeit wurde Zeitler um 1884 mit dreizehn Jahren nach Gütersloh in Westfalen zu seinem Onkel Johann Zeitler in die Lehre geschickt, der eine gutgehende Werkstätte für christliche Kunst betrieb. „Nach vierjähriger harter, aber auch sehr fruchtbringender Lehrzeit … rückte er bei Nacht und Nebel von dort aus; der junge Geselle, im Bewußtsein seiner Tüchtigkeit als Steinmetz, Bildhauer, Schreiner und Drechsler mochte sich eben nicht länger als Kindermädchen, Hausknecht und Viehfütterer gebrauchen lassen.“ Bei einem Hafnermeister in Aschaffenburg lernte er „in einigen Wochen auch die Technik der Keramik“.

Danach kam er um 1888 für einige Wochen zurück nach Fürth, um nach einem unersprießlichen Intermezzo als Schnitzer von Spiegelrahmen die „Flucht“ nach München anzutreten. Hier setzte der siebzehnjährige Zeitler seine Ausbildung bei dem Bildhauer Josef Flossmann fort und kam auch in Berührung mit den renommierten Architekten Gabriel von Seidl, Emanuel von Seidl, Theodor Fischer, Friedrich von Thiersch, Georg von Hauberrisser und Hans Grässel, durch die er unter anderem auch Arbeit bei der Ausschmückung des Bayerischen Nationalmuseums, des Neuen Rathauses, des Justizpalasts und der Kirche St. Anna im Lehel fand.

In der bayerischen Hauptstadt arbeitete Zeitler auch in einem Atelier für christliche Kunst. Dort lernte er den gleichaltrigen Ignatius Taschner kennen, der von 1889 bis 1895 an der Münchner Kunstakademie studierte. Taschner war ein lebenslustiger Franke wie Zeitler, und beide waren in vielerlei Hinsicht einander geistesverwandt. Beide arbeiteten in den verschiedensten Materialien, beide liebten das Kleinplastische und die volkstümlichen Genre- und Märchenmotive. Von Sebastian Kneipp erhielten sie den Auftrag, einen Altar für Bad Wörishofen zu schaffen, für beide der erste größere Auftrag. Während Zeitler auch später in seinem Kunststil der Tradition verhaftet blieb, entwickelte sich der vielseitige Taschner zum Jugendstil hin, ohne seine Neigung für volkstümliche Kunst aufzugeben.

Es ist nicht bekannt, wann Zeitler München verließ, jedenfalls begann er anschließend seine Wanderjahre, die ihn „ohne jegliche Barmittel als fahrender Geselle“ zu Fuß quer durch Deutschland und nach Italien, Frankreich, in die Niederlande, nach Belgien, in die Schweiz, nach Österreich, Ungarn, Dalmatien, Großbritannien, Dänemark und Schweden führten. Unterwegs verdingte er sich als Bildhauer, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und sich in seinem Beruf zu vervollkommnen. Im Zusammenhang mit der Arbeit an der Innenausstattung des Berliner Stadtschlosses hielt er sich zu Studienzwecken ein Jahr lang in Paris auf, um im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. ein Zimmer in Schloss Fontainebleau zu kopieren. In Paris besuchte er die Académie Julian und traf den berühmten Bildhauer Auguste Rodin, der ihn „zu seinen beiden ersten Arbeiten: figürliche Holzschnitzereien, denen eine intime humoristische Note eignete“ beglückwünschte. In Brüssel arbeitete er an der künstlerischen Ausschmückung von Joseph Poelaerts Justizpalast mit und in Lüttich an der Ausgestaltung der Rathaustreppe.

Auch in Deutschland arbeitete Zeitler an der Ausschmückung vieler Gebäude in vielen Städten mit, unter anderem in Berlin, wo er unter den Architekten Paul Wallot, Alfred Messel und Ludwig Hoffmann am Reichstagsgebäude und an der Staatsbibliothek sowie an der Innenausstattung des Berliner Stadtschlosses mitarbeitete. Seine Arbeit in Berlin trug ihm eine Essenseinladung ein, bei der er neben Bismarck saß, der anerkennend bemerkte: „Nun, Sie kleiner Mann haben schon Großes geleistet“. Des Weiteren war er am Hamburger Rathaus beschäftigt, an den Synagogen in Mainz und Frankfurt am Main, an Bauten in den Städten Köln und Münster sowie an einer von Heinrich Jassoy erbauten Kirche in Düsseldorf. Jassoy, der das Stuttgarter Rathaus erbaute, empfahl ihn dorthin, wo er zusammen mit 140 anderen Bildhauern mit Arbeiten für das neue Rathaus betraut wurde. Er schuf unter anderem 14 Reliefs, die nach weitgehender Zerstörung des Rathauses im Zweiten Weltkrieg heute im Depot des Stadtarchivs aufbewahrt werden und dem Anblick des Publikums entzogen sind.

Auf seinen Reisen lernte er wohl auch seine erste Frau kennen, die ihm zwei Töchter gebar, die ältere wurde 1893 in Köln geboren und die jüngere 1895 in Düsseldorf. Im gleichen Jahr weilte Zeitler vorübergehend in Stuttgart, wo er den plastischen Schmuck des Hauses Mörikestraße 21 schuf.

1932 zog Zeitler die Summe seiner Wanderjahre: Nachdem er sich nach München begeben hatte, begann „ein Leben voller Entbehrungen, Enttäuschungen aber auch voll reicher Erfolge. Meinen Vater kostete ich vom 14. Lebensjahr an keinen Pfennig mehr, denn ich habe weder eine Kunstakademie noch eine Kunstschule besucht, dafür jedoch bei unseren bekanntesten Meistern in deren Ateliers des In- und Auslandes gearbeitet und an Bauten von Bedeutung mitgeschafft, auch alle Länder Europas bereist und sehr viel gesehen und gelernt.“

1897 hatte sich Zeitler mit seiner Familie in Stuttgart niedergelassen, wo er die ersten drei Jahre im Haus Alexanderstraße 170 wohnte. Bis zu seiner Evakuierung im Zweiten Weltkrieg lebte er mit seiner Familie in verschiedenen Mietwohnungen in der Innenstadt (Heusteigstraße 103, Seestraße 97, 102, 32, Jägerstraße 34, Alleenstraße 36).

1903 mietete er ein Atelier im Haus Rote Straße 7 (heute Theodor-Heuss-Straße), später im Haus Marienstraße 9, von 1911 bis 1927 drei Stockwerke im Haus Marienstraße 48a, wo auch seine Hilfsbildhauer unterkamen, die er zur Bewältigung seiner vielen Aufträge anstellte. Seit 1928 bis zu seiner Emeritierung unterhielt er ein Atelier an der Höheren Bauschule und von 1941 bis 1943 und nach dem Krieg im Haus Weißenburgstraße 35. In den ersten Jahren ließ sich Zeitler im Adressbuch als Modelleur eintragen, später als Bildhauer, dann als Kunstbildhauermeister.

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