Josef Albert Meisinger (* 14. September 1899 in München; † 7. März 1947 in Warschau, Polen) war ein deutscher Oberst der Polizei, SS-Standartenführer und Kriegsverbrecher.
Der Sohn von Josef Meisinger und seiner Ehefrau Berta Volk besuchte vier Klassen der Volksschule in München, um dann dort das Luitpold-Gymnasium und Realgymnasium zu absolvieren. Am 23. Dezember 1916 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger bei einem Minenwerfer-Ersatzbataillon. An die Westfront rückte er am 17. Juli 1917 aus, um dort im Reserve-Infanterie-Regiment 30 und in der Minenwerferkompanie 230 eingesetzt zu werden.
Mit einer schweren Verwundung zu 30 Prozent kriegsbeschädigt, wurde er mit dem Dienstgrad eines Vizefeldwebels am 18. Januar 1919 aus dem Heeresdienst entlassen. Als Auszeichnungen im Ersten Weltkrieg erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse und das Bayrische Militärverdienstkreuz. In das Freikorps Epp wurde er am 19. April 1919 aufgenommen, in dem er die Münchner Räterepublik bekämpfte.
Von Juli 1919 bis zum 30. September 1920 war er bei der Bayerischen Handelsbank beschäftigt. An den Ruhrkämpfen beteiligte er sich als Freiwilliger bei der Reichswehr vom 13. März bis 20. April 1920, weswegen er nach eigener Aussage nicht weiter in seiner Bank arbeiten konnte. Als Inspizient beim Landgericht München II war er vom 1. Oktober 1920 bis zum 30. September 1922 angestellt. Zur Polizeidirektion München wurde er am 1. Oktober 1922 versetzt. Als Führer des 3. Zuges der 2. Kompanie des Freikorps Oberland beteiligte er sich am 8./9. November 1923 am Hitlerputsch.
Aufstieg in SS und Polizeiapparat
Als SS-Anwärter trat Meisinger am 5. März 1933 in die SS ein (SS-Nummer 36.134). In die Bayerische Politische Polizei (BPP) wurde er am 9. März 1933 versetzt und kam somit mit Reinhard Heydrich in dienstliche Verbindung (ebenfalls um dieselbe Zeit erhielten von Epp und Himmler Führungspositionen bei der bayrischen Polizei). Vorher war Meisinger bei der Sitte gewesen. Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.201.697). Am 28. Juni 1933 wurde er zum SS-Truppführer befördert. Den Blutorden der NSDAP (Nr. 374) erhielt Meisinger am 9. November 1933. Mit Martha Zirngibl (* 16. August 1904 in Fürth) ging er am 3. April 1934 die Ehe ein.
Die Beförderung zum SS-Obertruppführer erfolgte am 20. April 1934. Als Heydrich nach Berlin ging, nahm er von der BPP seine vertrauten Mitarbeiter mit: Heinrich Müller, Franz Josef Huber und Josef Meisinger, auch „Bajuwaren-Brigade“ genannt. Somit wechselte Meisinger am 1. Mai 1934 zum Geheimen Staatspolizeiamt (Gestapa) nach Berlin, um am gleichen Tag zum Kriminalrat ernannt zu werden. Er übernahm dort die Leitung des Dezernats II 1 H und II H 1. Dieses Dezernat hatte folgende Aufgaben:
Aufdeckung von Gegnern von Adolf Hitler innerhalb der NSDAP (Dezernat II 1 H)
Verfolgung von Homosexuellen (§ 175)
Verfolgung von Fällen der Abtreibung sowie von Verstößen gegen das Verbot intimer Beziehungen von Juden zu Nicht-Juden
Rückwirkend zum 1. Mai wurde er am 9. Mai 1934 zum SS-Untersturmführer befördert. Während des Katholikentages in Berlin am 24. Juni 1934 observierte er den Führer der Katholischen Aktion Erich Klausener. Nachdem er Heydrich „staatsfeindliche Äußerungen“ seitens Klauseners gemeldet hatte, wurde Klausener von Heydrich auf eine Todesliste von NS-Gegnern gesetzt und im Zuge der Röhm-Morde am 30. Juni 1934 von einem SS-Mann vor seinem Büro erschossen.
1935 übernahm Meisinger auch die Leitung des Sonderdezernats II S „Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung“. Am 16. Dezember 1935 erhielt er als Anerkennung den Julleuchter der SS. Ab 1936 übernahm Meisinger als Leiter die Referate PP II H (Angelegenheiten der NSDAP, ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände) und PP II S (Bekämpfung der Homosexualität und der Abtreibung) im Hauptamt der Sicherheitspolizei. Am 23. April 1936 erfolgte die Beförderung zum SS-Sturmbannführer. Dabei wurde Meisinger als Mitarbeiter immer wieder schlecht beurteilt. Heydrich bezeichnete ihn als „Widerling“, Heinrich Müller beschwerte sich wiederholt über ihn, und Werner Best beurteilte ihn als einen primitiven Mann mit brutalen Methoden.
Von 1936 bis 1938 leitete Meisinger die „Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung“ im Gestapa. Zum SS-Obersturmbannführer wurde Meisinger am 30. Januar 1937 befördert. Im gleichen Jahr wurde er zum Regierungsrat ernannt. Als der Oberbefehlshaber des Heeres Werner von Fritsch im Juli 1936 und erneut in der Blomberg-Fritsch-Krise 1938 der Homosexualität bezichtigt wurde, war Meisinger für die entsprechenden Ermittlungen zuständig. Einige Ermittlungsrichtungen liefen ins Leere. So war Meisinger z. B. mit Kriminalkommissar Eberhard Schiele nach Ägypten gereist, um zu ermitteln, ob Fritsch dort während seines Urlaubs im November/Dezember 1937 homosexuelle Kontakte gehabt hatte. Hauptbelastungszeuge wurde schließlich ein Otto Schmidt, der sich in der Berliner Halb- und Unterwelt bewegte. Meisinger leitete die Vernehmungen Schmidts. Er wollte die Gunst der Stunde nutzen und seinen Vorgesetzten eindeutige Ergebnisse liefern. Zu diesem Zweck legte er Schmidt Fotos von Fritsch zur Identifizierung vor, so dass dieser aus der Beschriftung der Fotos Daten entnehmen konnte, die er dann in seine Aussagen einflocht. Anschließend übermittelte Meisinger in Umgehung des Dienstweges die Ermittlungsakte direkt an Himmler, der sogleich bei Hitler vorstellig wurde. Vor Gericht jedoch brach die Anklage gegen Fritsch, der einer Verwechslung zum Opfer gefallen war, zusammen. Mit dem Fehlschlag gegen Fritsch war Meisingers Laufbahn im Gestapa beendet, er und andere seiner Dienststelle wurden abgelöst, strafversetzt oder entlassen. Von 1938 bis 1939 wurde er im Archiv des SD-Hauptamtes eingesetzt.
Mit dem Überfall auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Meisinger im September 1939 Stellvertreter von Lothar Beutel, dem Kommandeur der Einsatzgruppe IV in Polen. Am 23. Oktober 1939 wurde er Nachfolger von Beutel, der wegen Korruption abgelöst wurde, und war bis zum 1. März 1941 Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD im Distrikt Warschau. Am 1. Januar 1940 ernannte man ihn zum SS-Standartenführer.
Meisinger ging mit aller Gewalt gegen Polen und Juden vor. So ließ er im Wald von Palmiry Massenerschießungen an 1700 Menschen durchführen. Als Vergeltung für den Mord an einem polnischen Polizisten ließ er am 22. November 1939 alle 55 jüdischen Einwohner eines Hauses erschießen und am 20. Dezember 1939 107 Polen als Vergeltung für den Tod zweier Deutscher. Heydrich bezeichnete die diesbezüglichen Anweisungen im Juli 1940 als „außerordentlich radikal“.
Meisinger wurde so berüchtigt, dass man ihn den „Schlächter von Warschau“ nannte. Walter Schellenberg schreibt in seinen Memoiren, er habe – als Entgegnung auf eine Intrige von Meisinger gegen ihn – dem nunmehrigen Gestapochef Heinrich Müller Informationen über die (so Schellenberg) „bestialischen Taten“ von Meisinger in Warschau zukommen lassen. Nach Ende der Untersuchungen habe Himmler laut Schellenberg entschieden, Meisinger vor ein Standgericht zu stellen und zu erschießen. Er wurde aber durch Heydrich gerettet, der ihn nach Japan schickte. In seinem späteren Prozess in Warschau behauptete er, im Oktober 1940 schon nicht mehr in Warschau gewesen zu sein, doch ist auch seine Beteiligung an der Errichtung des Warschauer Ghettos um diese Zeit wahrscheinlich.
Im Februar 1941 heiratete er seine Sekretärin, die zuvor u. a. für Himmler gearbeitet hatte. Im März 1941 arbeitete er kurzzeitig im Reichssicherheitshauptamt.
Bespitzelung, Denunzierung und Verhaftung (ehemaliger) deutscher Staatsbürger