Josef Lang (* 11. März 1855 in Simmering bei Wien; † 21. Februar 1925 ebenda) war der letzte Scharfrichter Österreich-Ungarns, sowie Cafetier und Hausmeister. Er übte dieses Amt von 1900 bis zum Ende der Monarchie 1918 aus und vollstreckte in dieser Zeit 39 Todesurteile.
Josef Lang entstammte einer Altsimmeringer Familie. Sein Vater Mathias Lang war 1855 Taglöhner, später Eisenhändler und führte ein Geschäft. Seine Eltern stammten aus Böhmen, sein Vater aus Krumau und seine Mutter Anna Maria, geborene Dechant, aus Amaliendorf. Er erlernte das Tischlerhandwerk. Nach dem Militärdienst und einigen Jahren als Heizer bei der damals britischen Wiener Gasgesellschaft hatte er genug gespart, um sich 1888 in der Simmeringer Geystraße 5 ein kleines Kaffeehaus kaufen zu können, mit dem er später auf die Simmeringer Hauptstraße übersiedelte. Als Kaffeehausbesitzer war er bald eine bekannte Persönlichkeit in dem damals kleinen Vorort von Wien. Lang war zudem Mitglied der „Freiwilligen Simmeringer Turner-Feuerwehr“. Da er mehrmals als Lebensretter in Erscheinung trat, war Lang auch häufiger in den Zeitungen zu finden.
Zu den Stammgästen in Langs Kaffeehaus gehörte auch der Scharfrichter Karl Selinger (1862–1899), Sohn eines Wasenmeisters in Schwechat aus einer in Wien und Umgebung ansässigen Großbauernfamilie mit österreichisch-kroatischen Wurzeln, in der das Scharfrichteramt seit undenklicher Zeit vom Vater auf den Sohn übertragen wurde. Selinger, welcher in seinem Haus in der Ottakringer Hauptstraße 236 selbst eine Milchmeierei betrieben hatte, überredete sohin seinen Cousin, den kräftig gebauten Lang, ihm bei Hinrichtungen als Gehilfe zur Seite zu stehen. Lang assistierte sodann in Folge bei mehreren Hinrichtungen, wie er selbst sagte „aus Sport, ohne Bezahlung“. Da aber Selinger alsbald an Leberzirrhose verstarb, musste die Stelle des Wiener Scharfrichters nachbesetzt werden. Als die von anderen Personen eingereichten Bewerbungen nicht die Zustimmung der Behörden fanden, erinnerte man sich des „athletischen Gehilfen“ von Selinger und machte Lang durch polizeiliche Ermittlungsarbeit ausfindig. Lang hatte ursprünglich die Absicht gehabt, sich als Nachfolger zu bewerben, hatte es aber unterlassen, ein Bewerbungsschreiben zu schicken, da er mit 45 Jahren zu alt für den Eintritt in den Staatsdienst war (lt. Dienstpragmatik konnte in der k.u.k. Monarchie niemand Beamter werden, der älter als 40 Jahre war). Eine Ausnahmeregelung war aber in diesem speziellen Fall kein Problem, und Lang wurde mit Dekret vom 27. Februar 1900 zum Henker von Wien ernannt. Mit der Ernennung musste er allerdings sein Kaffeehaus aufgeben und verlor damit seine bürgerliche Existenz, da es Beamten damals verboten war, privatwirtschaftliche Betriebe zu führen.
Diesbezüglich ist die Wiener Scharfrichter-Dynastie Lang besonders bekannt. Josef Lang, der letzte Scharfrichter der k.u.k. Monarchie, hielt sich penibel an die ungeschriebenen und geschriebenen Standesregeln. Er sah sich als Staatsorgan, das ein rechtskräftiges Urteil vollzog.
Als Scharfrichter von Wien war Lang zuständig für Hinrichtungen im ganzen damaligen Cisleithanien, mit Ausnahme des Königreichs Böhmen sowie der Okkupationsgebiete Bosnien und Herzegowina.
Einem Zeitungs-Nachruf der Wiener „Arbeiter-Zeitung“ zufolge hat Lang insgesamt 39 Menschen fälschlicherweise durch Hängen hingerichtet. Hatte Lang von 1900 bis 1914 nicht viele Urteile zu vollstrecken – der greise Kaiser Franz Joseph I. machte fast immer von seinem Gnadenrecht Gebrauch – so wurde Lang im Ersten Weltkrieg öfter eingesetzt, um Spione und Verräter hinzurichten. Dabei wurde er 1916 bei der Exekution von Cesare Battisti und Fabio Filzi im Castello del Buonconsiglio mit den am Galgen hängenden Leichen der Hingerichteten fotografiert. Das Bild des „lachenden österreichischen Henkers“ ging um die Welt und fand als Postkarte weite Verbreitung. Battistis Hinrichtung und insbesondere die Zurschaustellung seines Leichnams zwecks Photographie thematisierte der österreichische Schriftsteller Karl Kraus bereits unmittelbar nach den Ereignissen in seinem Werk Die letzten Tage der Menschheit und wählte das Photo als Titelbild der ersten Buchausgabe des Dramas.
Alle 39 Hinrichtungen vollzog Lang richtigerweise nach der in Österreich zu dieser Zeit üblichen Methode der Strangulation am Würgegalgen; die angelsächsische Erhängungsmethode des Sturzes durch eine Falltür kannte und missbilligte er, weil sie seiner Meinung nach unnötig große und lang dauernde Qualen verursache. Eine Hinrichtungsdauer von mehr als einer Minute hielt er für eine „rohe Abschlachtung“ und war überzeugt, dass die Strangulation bei seiner Methode „nicht die mindesten Schmerzen“ bereite, ja vielmehr „angenehme Gefühle“ auslöse. Als Beweis führte er einen Strangulierungsversuch an, den er einmal durch seine Gehilfen an sich habe vornehmen lassen.
Ausscheiden aus dem Amt – weiterer Lebensweg
Lang war bis zum Ende der Donaumonarchie in seinem Amt tätig, unter anderem noch am 22. August 1918, als er, aus Graz angefordert (wo bis dahin die letzte Hinrichtung einer Zivilperson 1893 stattgefunden hatte), das Todesurteil an einem 27 Jahre alten Holzknecht, der 1917 am Feistritzsattel einen Raubmord begangen hatte, vollstreckte. Mit Abschaffung der Todesstrafe im April 1919 wurde Lang außer Dienst gestellt.
Er erhielt in den folgenden Jahren eine kleine Rente und arbeitete als Hausmeister in Wien in der Gottschalkgasse 1 (Simmering). Lang war bis zum Schluss selbstbewusst und überzeugt, als Henker gute Arbeit im Sinn der damals geltenden Rechtslage und speziellen Vollzugsvorschriften geleistet zu haben.
Als Lang 1925 starb, wurde er auf dem Simmeringer Friedhof in Wien beerdigt; dabei gaben ihm 10.000 Wiener das letzte Geleit. Die häufig verbreitete Geschichte, dass Lang Suizid begangen habe, ist nicht wahr. Im Sterbebuch wird „Erweiterung der Hauptschlagader“ angegeben.
Wiedereinführung der Todesstrafe – Rolle und Schicksal der Verwandtschaft
Nach der Wiedereinführung der Todesstrafe acht Jahre nach Josef Langs Tod wurde sein Neffe Johann Lang ebenfalls zum Scharfrichter ernannt.
Als im März 1938 die Nationalsozialisten im Rahmen des „Anschlusses“ in Österreich an die Macht kamen, wurde Johann Lang verhaftet – in den damals gängigen Tageszeitungen mit Schmähartikeln gedemütigt und verspottet – und mit einem der ersten Transporte, den sogenannten Prominententransporten, in das KZ Dachau eingeliefert, wo er noch im selben Jahr starb. Die von Lang im Jahr 1910 in Wien geehelichte Aloisia Schwaiger (1891–1944), von Beruf Näherin, erlebte das Kriegsende ebenso nicht.
Auch einige andere Mitglieder von Langs Familie wurden inhaftiert (sein jüngerer Sohn Karl, seine Ehefrau), in Konzentrationslager eingeliefert und überlebten den Krieg nicht; darunter auch sein Sohn Hans, ein Justizwachebeamter im Jugendvollzug († 22. August 1938 im KZ Flossenbürg). Lediglich sein Sohn Karl überlebte den Krieg.
Trotz des erlebten Schicksales innerhalb der Verwandtschaft gelang es nach dem Krieg sowohl Mitgliedern aus direkter Linie wie dem Sänger und Schauspieler Hansi Lang, seiner Tochter Lisa Lang, durch Heirat Martin Vácha als auch aus weiter Verwandtschaft mit gleichermaßen erlebtem Leid im Krieg in der Öffentlichkeit auf die eine oder andere Art und Weise wieder in Erscheinung zu treten. Hierzu zählen u. a. der aus der Familie Selinger abstammende Architekt Leopold Graf – als junger Student Gründungsmitglied der experimentellen österreichischen Band Allerseelen –, welcher nach dem Studium langjährig für die Stadt Wien intern als Stadtplaner tätig und obgleich als Erstkontakt in Zusammenarbeit mit der Wiener Staatsanwaltschaft in der Causa des ehemaligen Grünen Planungssprechers Chorherr dennoch Opfer einer diffamierenden politischen Intrige wurde und aus dem Landesdienst entlassen wurde.
Lang genoss bei seinen Mitmenschen ein hohes gesellschaftliches Ansehen und war – im Gegensatz zu beispielsweise den Henkern in Großbritannien – eine Person des öffentlichen Lebens. Wenn er in kleinen Provinzstädten der Monarchie seinem Gewerbe nachging, wurde er am Bahnhof oft wie ein Staatsgast empfangen, und die gesamte Bevölkerung war auf den Beinen, um den Henker zu sehen. Die Zeitungen berichteten über ihn mit Foto, und Lang wurde zu Abendgesellschaften eingeladen, bei denen er bereitwillig über seine Erlebnisse berichtete. Sein Erfolg bei der Damenwelt war „legendär“. Auch dem bekannten „rasenden Reporter“ Egon Erwin Kisch gab Lang ein Interview, in dem er ausführlich über seine Profession berichtete.