An diesem Tag

José Francisco Morazán Quezada

Zentralamerikanischer Präsident

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General José Francisco Morazán Quezada (* 3. Oktober 1792 in Tegucigalpa; † 15. September 1842 in San José) war ein zentralamerikanischer Präsident.

Francisco Morazán war der bedeutendste und zugleich umstrittenste Präsident der Zentralamerikanischen Konföderation in der kurzen Zeit ihrer Existenz. Er kämpfte für den Erhalt der aus der Kolonialzeit überkommenen Einheit Zentralamerikas und für die Errichtung eines modernen, demokratischen und föderal strukturierten Staates auf der Grundlage der Ideen der französischen Revolution und der Verfassung der Vereinigten Staaten. Während er von den einen als Vorkämpfer für die zentralamerikanische Einheit, für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bis heute verehrt wird, wird er von anderen als politischer Fanatiker eingestuft, der durch seine kompromisslose Haltung für fünfzehn Jahre nahezu ununterbrochener militärischer Auseinandersetzungen und letztlich auch für den Untergang der zentralamerikanischen Einheit verantwortlich sei.

Francisco Morazán wurde als ältestes von vier Kindern des Viehzüchters und Kaufmanns José Eusebio Morazán Alemán und der Guadalupe Quezada Borjas in Tegucigalpa geboren. Sein Großvater Juan Bautista de Morazán stammte aus Italien und kam gegen 1760 als Kaufmann nach Honduras. Entgegen einer Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommenen Legende, stammte die Familie Morazán nicht ursprünglich aus Korsika. Diese zuerst in der Morazán-Biographie des honduranischen Schriftstellers und Politikers Ramón Rosa aus dem Jahre 1892 aufgestellte Behauptung diente wohl in erster Linie dazu, Morazán zu einem „Napoleon Zentralamerikas“ zu stilisieren.

Francisco Morazán besuchte verschiedene private Schulen in Tegucigalpa. Nachdem die von ihm zuletzt besuchte Schule des Franziskanerpaters José Antonio Murga im Jahre 1805 von den Kolonialbehörden geschlossen worden war, nahm er eine Stelle als Gehilfe des Notars León Vásquez an, der eine der umfangreichsten Bibliotheken Zentralamerikas besaß. Hier eignete er sich als Autodidakt umfangreiche juristische, philosophische und politische Kenntnisse an. Später setzte er seine Studien in der Bibliothek von Dionisio de Herrera fort, wo er unter anderem die Werke von Rousseau, Diderot, Montesquieu und D'Alembert las, die ihn nachhaltig beeinflussten.

Dank der erworbenen juristischen Kenntnisse war Morazán in der Folgezeit einige Jahre lang als Anwalt in Tegucigalpa tätig. Daneben nahm er Funktionen in der kolonialen Kommunalverwaltung von Tegucigalpa wahr.

Am 30. Dezember 1825 heiratete Morazán in Comayagua die junge Witwe María Josefa Lastiri Lozano, eine Nichte Dionisio de Herreras. Mit ihr hatte er eine Tochter, Adela Morazán Lastiri (1838–1921), die später den salvadorianischen Politiker Cruz Ulloa heiratete. Daneben hatte er zwei anerkannte nichteheliche Kinder: José Antonio Morazán Zelayandía (1826–1883, gelegentlich auch „José Antonio Ruíz“ genannt), der ihn später auf seinen Feldzügen begleitete und bis zum Rang eines Generals aufstieg, sowie Francisco Morazán Moncada (1827–1904), der sich nach Morazáns Tod in León in Nicaragua niederließ und später unter anderem Botschafter Nicaraguas in Brüssel war. Schließlich soll auch noch eine weitere Tochter, Dolores Morazán Escalante (* 1843), von ihm abgestammt haben. Diese wurde jedoch erst nach seinem Tod geboren, sodass er sie jedenfalls nicht mehr anerkannt hat.

Politischer und militärischer Aufstieg

Morazáns politische Laufbahn begann bereits zu kolonialen Zeiten an der Seite des Liberalen Dionisio de Herrera, der seine politischen Ideen maßgeblich mitprägte. Herrera holte Morazán zunächst als Mitarbeiter in sein persönliches Sekretariat. Kurze Zeit später wurde Morazán durch Vermittlung Herreras persönlicher Assistent des Oberbürgermeisters (Alcalde Mayor) von Tegucigalpa Narciso Mayol.

Erste militärische Erfahrungen sammelte Morazán unmittelbar nach der Unabhängigkeitserklärung der zentralamerikanischen Provinzen 1821, als es in Honduras zu einem ersten Konflikt zwischen Konservativen und Liberalen kam. Während die konservativen Kreise in Comayagua einen Anschluss Zentralamerikas an das junge Kaiserreich Mexiko befürworteten, setzten sich die Liberalen in Tegucigalpa für die Gründung einer unabhängigen Zentralamerikanischen Konföderation nach dem Vorbild der USA ein. Angesichts der Bedrohung Tegucigalpas durch Truppen des Provinzgouverneurs von Comayagua, José Tinoco de Contreras, bildeten die Bürger Freiwilligenkompanien. Morazán wurde zum Kompanieführer der ersten Kompanie ernannt.

Letztlich konnten die Liberalen zwar die Eroberung Tegucigalpas, nicht aber den von Gabino Gaínza betriebenen Anschluss Zentralamerikas an Mexiko verhindern. Während der kurzen Zeit der Zugehörigkeit zu Mexiko trat Morazán politisch nicht in Erscheinung.

Nach der Unabhängigkeit Zentralamerikas von Mexiko im Jahre 1823 wurde Morazán als Syndikus Mitglied des Gemeinderats von Tegucigalpa. Im gleichen Jahr wurde er von der Verfassunggebenden Versammlung der „Vereinigten Provinzen von Zentralamerika“ in die Kommission zur Festlegung der künftigen Mitgliedsstaaten und der Grundlagen des Wahlrechts berufen.

Nach der Konstitution der Provinz Honduras ernannte ihn deren erster Staatschef, Dionisio de Herrera, am 28. September 1824 zum Generalsekretär der Provinzialregierung. In dieser Eigenschaft hatte er maßgeblichen Einfluss auf die Ausarbeitung der ersten Verfassung der Provinz. Zwei Jahre später, am 6. April 1826, wurde er zum Präsidenten des Staatsrates (Consejo Representativo) gewählt.

Als im Oktober 1826 der Präsident der Zentralamerikanischen Konföderation, Manuel José Arce, angesichts heftiger Kritik der Abgeordneten seiner eigenen (liberalen) Partei an seiner Regierungspolitik – entgegen der Verfassung – das Föderationsparlament auflöste, kam es zu massiven öffentlichen Protesten, denen sich auch die Provinzialregierungen von Honduras und El Salvador anschlossen. Arce ließ die Proteste jedoch mit Waffengewalt unterdrücken und entsandte Truppen unter dem Kommando des Generalleutnants José Justo Milla nach Honduras. In dieser Situation wurde Morazán von Herrera das Oberkommando über die Verteidigung der Provinzhauptstadt Comayagua übertragen. Nach anfänglichen Erfolgen musste er sich jedoch geschlagen geben und floh zunächst nach El Salvador und von dort nach Nicaragua. Herrera wurde von den Föderationstruppen gefangen genommen und Milla als Staatschef von Honduras eingesetzt.

Staatschef von Honduras (1827–30)

In Nicaragua sammelte Morazán ein Heer, mit dem er bereits wenige Monate nach seiner Flucht wieder nach Honduras zurückkehrte und die Föderationstruppen vernichtend schlug. Da der gewählte Staatschef Herrera sich in Guatemala-Stadt (der Hauptstadt der Föderation) in Gefangenschaft befand, wurde am 27. November 1827 Morazán zum Staatschef von Honduras ernannt.

Als Staatschef führte Morazán die liberale Politik Herreras fort. Allerdings ließ ihm die weitere Entwicklung der Dinge auf Föderationsebene nicht viel Gelegenheit, eigene Akzente in der Politik der Provinz Honduras zu setzen. Denn die Regierung Arce mobilisierte nun Truppen gegen seinen liberalen Parteifreund Mariano Prado, den Staatschef der Provinz El Salvador. Am 7. März 1829 übertrug Morazán daher die Regierungsgewalt in Honduras interimistisch auf seinen Stellvertreter Diego Vigil und führte seine Truppen nach San Salvador. Dort vereinigten sie sich mit den salvadorianischen Truppen und drangen unter dem Oberbefehl Morazáns nach Guatemala ein. Am 13. April 1829 nahmen Morazáns Truppen Guatemala-Stadt ein. Da Arce geflohen war, übernahm Morazán übergangsweise die Präsidentschaft der Zentralamerikanischen Konföderation, übergab diese aber am 25. Juni 1829 an Francisco Barrundia verbunden mit dem verfassungsmäßigen Auftrag, Neuwahlen vorzubereiten. In den Monaten der Besetzung Guatemalas ließ Morazán seiner Abneigung gegen die konservativen Kreise Guatemalas freien Lauf: Seine Soldaten plünderten die Häuser vieler führender Konservativer sowie Kirchen und Klöster. Zahllose Kunstschätze wurden geraubt oder zerstört.

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