Jordan Simon (auch: Johann Georg Alban Simon; * 5. November 1719 in Neustadt an der Saale; † 2. August 1776 in Prag) war ein deutscher katholischer Theologe.
Simon hatte ab 1732 das Gymnasium in Münnerstadt besucht und trat daselbst 1736 in den Augustinereremitenorden ein, wo er sein Noviziat bestand. 1757 wurde er in das Kloster nach Mainz geschickt, er widmete sich dort während eines sechsjährigen Aufenthalts den philosophischen und theologischen Studien. 1742 wurde er zum Priester geweiht und erhielt eine Anstellung als Professor der Philosophie in dem Augustinerkloster in Konstanz. Ohne Erlaubnis seiner Vorgesetzten und ohne die nötigen Mittel unternahm er, von nicht zu bekämpfender Reiselust erfüllt, eine Wanderung durch Italien, Frankreich, Spanien, die Niederlande, Norddeutschland und einen Teil von Russland.
Nach drei Jahren kam er nach Erfurt, wo er Prediger an der Pfarr- und Klosterkirche zu St. Wigbert, und später Doktor und 1768 Professor der Universität Erfurt wurde. Als reger Gegner der dortigen Reformbestrebungen fiel Simon, auch aufgrund seiner zahlreichen Denunziationen gegen seine Universitätskollegen bei dem damaligen Kurfürsten und Erzbischof von Mainz Emmerich Joseph in Ungnade und musste von Erfurt nach Würzburg gehen. Von dort wurde er, nach dem Tode des Kurfürsten, wieder nach Erfurt zurückgerufen als Professor des kanonischen Rechts. Er geriet dabei erneut in größtenteils selbst verschuldete Konflikte, die eine Kriminaluntersuchung über ihn zur Folge hatte. Nur durch eine schnelle Flucht entging er der Verhaftung. Eine Zeitlang hielt er sich zu Münnerstadt auf, welches er aufgrund seines Verhaltens verlassen musste und damit einen Verweis für das gesamte Frankenland erhielt.
Auch in Rom, wohin er sich 1771 begab, schien man ihn nicht dulden zu wollen. Er ging daher nach Böhmen und von da nach Wien, wo man, unbekannt mit seiner früheren Lebensweise, ihn wohlwollend aufnahm. Seine Talente und Kenntnisse verschafften ihm mehrere einflussreiche Gönner, auf deren Verwendung er 1773 eine Professur der Polemik auf der Universität Prag verdankte. Später wurde er Assessor des dortigen erzbischöflichen Konsistoriums, königlich Böhmischer Rat, päpstlicher Pronotar und Haustheologe des Kardinals Valenti.
Ungeachtet seiner Schwächen in persönlicher und moralischer Hinsicht, die an seinem Charakter hafteten, war ihm stets ein inniges, leicht erregbares Gefühl für Religiosität geblieben. Theologische Studien hatten früh seinen Scharfsinn geübt und das Streben nach einer vielseitigen Bildung geweckt. Im Besitz von gründlichen Kenntnissen, besonders in den einzelnen Teilen des theologischen Wissens, zeichnete er sich als hervorragender Kanzelredner durch seinen lebendigen und eindringlichen Vortrag, den man besonders aus seinen Fastenpredigten in Parabeln (1776) und aus seinen Predigten über die Menschwerdung, Leiden, Tod und Auferstehung Christi (1778) kennenlernt.
Unter seinen übrigen Schriften verdienen besondere Beachtung die 1758 herausgegebenen Positiones ex universa Theologia positivo-dogmatico-historico-polemica und die 1765 ebenfalls in lateinischer Sprache geschriebene Synopse der vier Evangelisten. Als unversöhnlicher Katholik hatte er sich schon im Jahr 1761 in einer eignen Schrift als entschiedener Gegner des Materialismus gezeigt. In Simons Leben bleibt in manchen Punkten sein Charakter und Wirken durchaus unklar, was ihm den Ruf einer der umstrittensten Geister des Augustiner Ordens eintrug. Sicher aber ist, dass er ein begabter, vielseitiger Gelehrter und ein freimütiger Vorkämpfer für die katholische Gegenaufklärung war.
Parvulus tiro magni philosophi Augustim, in schola veritatis magistri, mundum philosophicum perillustrans, sive principis Augustiniano - Platonica cum fundamentalibus Cullianis atomistico- chymico mechanicis concordata, novis et antiquis philosophico-theologico - juridicorum placitis, methodo historica illustrata. Konstanz 1746
Lobrede zu Ehren des heiligen Benedict. Konstanz 1746
Anweisung zur italiänischen Sprache. Erfurt 1755, (Schweinfurt) 1770
Etwas für Alle, d. i. des erlauchten Abts Don Diego Zunica Klagen, in welchen die Bedrängnisse aller Stände vorgetragen, und Antworten, wodurch sie getröstet werden; oder Etwas für Alle; aus dem Lateinischen in’s Deutsche übersetzt. Erfurt 1755, Erfurt und Frankfurt a. M. 1767
Diss. de poenis parvulorum, sine baptismo decedentium. Erfurt 1758
Positiones ex universa theologia positivo-dogmatico-historico polemica. Erfurt 1758
Diss. Cephas non Apostolus, sed discipulus Antiochiae, a Paulo reprehensus. Erfurt 1758
Μελετηδις verborum Christi Matth. 17, 24, s. politica ecclesiae potestas ct ejus a tributo civili immunitas. Erfurt 1759
Urteil über die Seelenlehre einiger Aerzte oder die Selbstvernichtung des heutigen Gott und die Seele leugnenden Materialismus. Augsburg 1761 (auch unter dem Titel: Widerlegung des Materialismus.)
Das Welt betrügende Nichts: die Hexerei; von Ardoino Ubidente dell’ Osa. Würzburg 1761, 2. Aufl. (unter dem Titel: Die Nichtigkeit der Hexerei und Zauberkunst.) Frankfurt und Leipzig 1766
Primitiae studii historico-ecclesiastici, exhibentes primum Ecclesiae Christianae saeculum; una cum tabulis chronologics. Würzburg 1762
Die Bekehrung Augustin’s, in sechs Feldpredigten. (Würzburg) 1763