Jonathan Belcher (* 8. Januarjul. / 18. Januar 1682greg. in Cambridge, Massachusetts Bay Colony; † 31. August 1757 in Elizabethtown, Province of New Jersey) war ein Kaufmann, Geschäftsmann und Politiker der Province of Massachusetts Bay während der amerikanischen Kolonialzeit. Belcher diente gleichzeitig für mehr als ein Jahrzehnt als Kolonialgouverneur der britischen New Hampshire Colony von 1729 bis 1741 und von 1730 bis 1741 der Province of Massachusetts Bay. Später war er von 1747 bis 1757 zehn Jahre Gouverneur der Province of New Jersey.
Belcher wurde in eine wohlhabende Kaufmannsfamilie aus Massachusetts geboren. Er besuchte das Harvard College und trat dann in die Unternehmung der Familie ein. Gleichzeitig war er in der lokalen Politik aktiv. Er war maßgeblich an der Förderung Samuel Shutes als Gouverneur von Massachusetts im Jahre 1715 beteiligt und hatte einen Sitz im Colony’s Council, aber er entzweite sich im Laufe der Zeit mit Shute und wurde schließlich Mitglied der populistischen Strömung um Elisha Cooke. Nach dem plötzlichen Tode von Gouverneur William Burnet im Jahr 1729 übernahm Belcher erfolgreich den Gouverneursposten von Massachusetts und New Hampshire. Während seiner Amtszeit marginalisierte Belcher politisch jene, die er als Opposition empfand und machte sich damit viele mächtige Feinde in beiden Provinzen. In einem lang anhaltenden Grenzkonflikt zwischen Massachusetts und New Hampshire bevorzugte Belcher die Interessen Massachusetts einseitig, entgegen der von ihm offen verkündeten Neutralität in dieser Angelegenheit. Später wurde entdeckt, dass er politischen Verbündeten illegalen Holzeinschlag auf Kronländern erlaubte. Seine Gegner, angeführt durch William Shirley und Samuel Waldo, überzeugten schließlich das Board of Trade, Belcher abzusetzen, er wurde durch Shirley in Massachusetts und Benning Wentworth in New Hampshire ersetzt. Die Grenzstreitigkeiten wurden zugunsten New Hampshires entschieden.
Belcher wurde im Jahr 1747 zum Gouverneur von New Jersey mit Unterstützung der Quäker-Gemeinde ernannt. Er versuchte erfolglos, die Konflikte zwischen den Quäkern New Jerseys und den Großgrundbesitzern zu schlichten und förderte die Gründung des Colleges of New Jersey, heute Princeton University. Während der längsten Zeit seiner Amtszeit als königlicher Gouverneur litt Belcher an einer fortschreitenden Nervenkrankheit und starb im Jahr 1757 im Amt. Belchertown, Massachusetts wurde nach ihm benannt.
Jonathan Belcher wurde in Cambridge, Province of Massachusetts Bay, am 8. Januar 1681/2 geboren.
Belcher war das fünfte von sieben Kindern. Sein Vater Andrew war ein Abenteurer und Geschäftsmann und seine Mutter Sarah Gilbert Belcher, war die Tochter eines politisch gut vernetzten Kaufmanns und Indianerhändlers der Colony of Connecticut. Seine Mutter starb, als er sieben Jahre alt war und sein Vater schickte ihn zu Verwandten, während er das Handelsgeschäft vergrößerte. Andrew Belcher war ein sehr erfolgreicher Händler, auch wenn einige seiner Geschäfte gegen die Navigationsakten verstießen und einige Geschäfte angeblich mit Piraten durchgeführt wurden. Durch diese Geschäfte wurde er zu einem der reichsten Männer in Massachusetts in den 1680er und 1690er Jahren. Um den sozialen Status der Familie zu betonen, wurde der Sohn im Jahr 1691 auf die Boston Latin School geschickt, danach besuchte er im Jahr 1695 das Harvard College. Dort wurde Belcher als zweiter gelistet, die Reihenfolge der Listung gab einen Hinweis auf die Wichtigkeit einer Familie. Als Erster wurde Jeremia Dummer gelistet. Belcher und Dummer verfolgten beide eine politische Karriere in der Provinz, manchmal als Verbündete, teilweise auch als Gegner. Belchers fünf Schwestern wurden alle in politisch oder wirtschaftlich prominente Familien verheiratet, so wurden wichtige Verbindungen geschmiedet, die die Karriere Belchers später förderten.
Im Januar des Jahres 1705 heiratete Belcher Mary Partridge, Tochter des ehemaligen Vizegouverneurs der Province of New Hampshire William Partridge, eines gelegentlichen Geschäftspartners seines Vaters. Das Paar hatte drei Kinder, (Andrew, Sarah, und Jonathan). Mary Belcher starb im Jahr 1736.
Agent im Handelsimperium seines Vaters
Belcher machte im Alter von 17 Jahren seinen Abschluss in Harvard. Danach trat er in das Geschäft des Vaters ein. Das Handelsimperium, welches sein Vater aufgebaut hatte, umfasste Handel von den Westindischen Inseln nach Europa und enthielt Aktien oder Eigentumsrechte an mehr als 15 Schiffen. Im Frühjahr 1704 wurde er von seinem Vater nach London geschickt, um eigene Geschäftskontakte aufzubauen und sich militärische Versorgungsverträge zu sichern. Nachdem er diese Geschäftskontakte auf Grundlage von Briefen seines Vaters geknüpft hatte, reiste Belcher weiter in die Vereinigten Niederlande, um dort Kontakte mit holländischen Kaufleuten zu knüpfen und eine Tour durch Westeuropa zu starten. Nach Besuchen in Rotterdam und Amsterdam reiste er nach Hannover, wo er von Kurfürstin Sophie von Hannover empfangen wurde und den späteren König von Großbritannien Georg I. Ludwig kennenlernte. Nachdem er den Gerichtshof des Königreichs Preußen in Berlin angerufen hatte, kehrte er nach Neu England zurück. Nach diesen Reisen, bei denen er eine Vielzahl von religiösen Praktiken kennengelernt hatte, kehrte er zum Calvinistisch geprägten Kongregationalismus Neu Englands zurück. Er vertrat diesen Glauben während seines gesamten Lebens.
Während der Jahre des Spanischen Erbfolgekrieges, welche in Nordamerika auch bekannt wurde als der Queen Anne’s War von 1702 bis 1713, wurde Belchers Vater als wichtiger Anbieter der Provinzmiliz beibehalten und diente als allgemeiner Kommissar der Provinz. Belcher war am Management der Aktivitäten des Handelsgeschäfts der Familie beteiligt. Im Jahr 1708 reiste er erneut nach London, wo er einen Großauftrag mit der Admiralität abschloss. Der Kriegseinsatz verursachte wirtschaftliche Umwälzungen in Massachusetts und die Belchers, die Getreide und andere Vorräte für militärische Zwecke gehortet hatten, wurden zu einem Zielpunkt für die Unzufriedenheit der Bevölkerung, als es zur Nahrungsmittelknappheit gegen Ende des Krieges kam. Das Lagerhaus der Familie wurde zum Angriffsziel bei den Unruhen in Boston und Belcher wurde bei einem Überfall vom Mob geschlagen.
Zu Belchers Handelstätigkeit gehörte auch der gelegentliche Handel mit Sklaven. Es ist bekannt, dass er Sklaven besessen hat, diese bekam er von seinem Freund Isaac Royall. Er präsentierte der Kurfürstin Sophie bei seinem zweiten Besuch in Hannover im Jahre 1708 einen versklavten Indianer. Dennoch äußerte er eine Abneigung gegen die Sklaverei, wie aus einem Schreiben im Jahre 1739 hervorgeht: „Wir haben aber nur wenige in dieser Gegend, und ich wünschte, es gäbe weniger.“
Neben dem kaufmännischen Handel hatte die Familie Belcher umfangreichen Landbesitz in New England. Aufgrund von Fehlern bei den frühen Grenzziehungen zwischen Massachusetts und dem benachbarten Connecticut gab Massachusetts in den frühen 1700er Jahren Land in dem zentralen Teil der Provinz nach Connecticut als Ausgleich für die Erhebungsfehler, die zu Gunsten Massachusetts waren. Als Connecticut dieses Land im Jahr 1716 versteigerte, war Belcher einer der Käufer. Die Ländereien, die dazugehörten, wurden schließlich eine eigene Town, Belchertown.
Belcher erbte Land von seinem Vater, welches sich in dem Gebiet des heutigen Wallingford und Meriden, Connecticut befand. Er gab einen größeren finanziellen Betrag bei dem Versuch, dort profitabel Metallerze, insbesondere Kupfer abzubauen, aus. Im Jahr 1714 erweiterte er seine Geschäftstätigkeiten im Bergbau, mit der Beteiligung an einer Mine in Simsbury, dem heutigen East Granby, Connecticut. Ein Bericht spricht im Jahr 1735 von einer Investitionssumme in Höhe von £ 15.000 für diese Unternehmungen. Jedoch schlugen diese Bemühungen fehl, da es zu dieser Zeit gegen die britischen Gesetze war, in den Kolonien Kupfer zu schmelzen, um die Kosten der Verschiffung nach England zu umgehen. Er ließ das Kupfer schließlich illegal schmelzen. The Simsbury Site, später Old Newgate Prison, wurde durch den Staat als Gefängnis genutzt und ist heute ein National Historic Landmark.