Jon Stewart (* 28. November 1962 in New York City als Jonathan Stuart Leibowitz) ist ein US-amerikanischer Komiker, Schauspieler, Schriftsteller, Produzent und Regisseur. Er ist insbesondere durch die satirische Nachrichtensendung The Daily Show with Jon Stewart bekannt, die er von 1999 bis 2015 auf dem Fernsehsender Comedy Central moderierte und für die er seit Februar 2024 wieder tätig ist.
Jon Stewart wurde als Jonathan Stuart Leibowitz geboren. Seine Mutter Marian (geborene Laskin) war Lehrerin und später pädagogische Beraterin, während sein Vater Donald Leibowitz als Physikprofessor am College of New Jersey (vormals Trenton State College) tätig war. Stewarts Familie sind litauische Juden, die aus Belarus, Polen und der Ukraine in die Vereinigten Staaten emigrierten. Einer seiner Großväter wurde in Manzhouli (heute Teil der inneren Mongolei) geboren. Stewart hat einen älteren Bruder, Lawrence, und zwei jüngere Brüder, Dan und Matthew.
Stewarts Eltern ließen sich scheiden, als er elf Jahre alt war, und er entfremdete sich weitgehend von seinem Vater. Auch deswegen entschied er sich dazu, seinen Nachnamen abzulegen und stattdessen seinen Mittelnamen „Stuart“ zu verwenden.
Stewart und sein Bruder Lawrence wuchsen in Lawrenceville, New Jersey auf und besuchten die Lawrence High School. Stewart spielte dort im Fußballverein und wurde von seinem Abschlussjahrgang zum Schüler mit dem besten Sinn für Humor gewählt. Sich selbst beschreibt er in dieser Zeit als „Fan von Eugene Debs und ein bisschen linksgerichtet“.
Stewart wuchs in der Ära des Vietnamkriegs und des Watergate-Skandals auf, was in ihm eine „gesunde Skeptik gegenüber öffentlichen Berichten“ erweckte. Sein erster Job war eine Stelle bei Woolworth, wo auch sein Bruder Lawrence arbeitete.
1984 schloss er sein Studium am College of William & Mary in Virginia ab, wo er ursprünglich Chemie als Hauptfach gewählt hatte, bevor er zu Psychologie wechselte; zudem spielte er wie auf seiner High School im Fußballteam. In seiner Studienzeit wurde Stewart Mitglied der Studentenverbindung Pi Kappa Alpha, distanzierte sich aber später und verließ die Verbindung nach sechs Monaten. „Meine College-Karriere bestand darin, spät aufzustehen, mir die Notizen eines anderen einzuprägen, Bongs zu rauchen und zum Fußballtraining zu gehen“, erinnert er sich später. Sein Fußballtrainer beschrieb ihn später als „guten Spieler“ mit „viel Energie“. Nach dem College hatte Stewart verschiedenste Jobs, darunter Notfallplaner für das New Jersey Department of Human Services, Vertragsverwalter für die City University of New York, Puppenspieler für Kinder mit Behinderung, Fußballtrainer an einer High School in Virginia, Caterer, Bedienungshilfe, Regalbefüller bei Woolworth’s und Barkeeper im legendären City Gardens in Trenton, New Jersey. Nach seinem Umzug nach New York trat er vor allem als Stand-Up-Comedian in den Comedy-Clubs der Stadt auf und wurde bald regelmäßiger Performer im Comedy Cellar in Manhattan, wo er zwei Jahre lang jeden Abend als letzter Komiker auftrat.
1989 begann Stewart als Autor für die Fernsehsendung Caroline’s Comedy Hour zu schreiben. Von 1991 bis 1993 war er neben Patty Rosborough Ko-Moderator der Sendung Short Attention Span Theater auf dem Fernsehsender Comedy Central und moderierte auf MTV die Sketch-Serie You Wrote It, You Watch It.
Stewarts Karriere erhielt 1992 durch einen Auftritt bei der NBC-Show Late Night with David Letterman einen großen Schub. Noch im selben Jahr bekam er auf MTV seine eigene Sendung, die Jon Stewart Show. Die Sendung war nach Beavis und Butthead die erfolgreichste Sendung des Musiksenders. Allerdings floppte die Sendung ein Jahr später, als sie als von MTV und Paramount Pictures produzierte, einstündige Version in Syndikation vertrieben wurde. 1995 wurde sie abgesetzt.
The Daily Show (1999–2015 und seit 2024)
1999 übernahm Stewart die Comedy-Central-Sendung The Daily Show, die zuvor mit mäßigem Erfolg vom Komiker Craig Kilborn moderiert wurde. Mit Jon Stewart wurde die Sendung sehr rasch immens erfolgreich.
Der Einfluss von Stewart und der Daily Show auf die politische Debatte in den USA wurde als sehr groß eingeschätzt. Im Juli 2009 wurde Jon Stewart so von den Lesern der Online-Ausgabe des Time-Magazines (nach dem Tod von Walter Cronkite) zum „most trusted newscaster“ gewählt – und dies vor „seriösen“ Größen wie Charlie Gibson von Fernsehsender ABC oder Brian Williams von der NBC. Stewart verstand sich allerdings ausschließlich als Satiriker.
Stewart ist bekannt für seine kritische Haltung gegenüber der Leistung der großen Nachrichtenmedien in den USA, denen er ein weitgehendes Versagen in Hinblick auf unabhängige Recherche und die Kontrolle der Politik vorwirft; gäbe es ausreichend investigativen Journalismus, so Stewart, wäre seine eigene Show überflüssig. Besonders der den Republikanern nahestehende konservative amerikanische Nachrichtensender Fox News wurde von Stewart regelmäßig der Parteilichkeit und der Verbreitung von Desinformationen bezichtigt.
2015 kündigte Stewart an, dass er die Moderation der Daily Show abgeben würde. Am 6. August 2015 moderierte er nach rund 16-jähriger Tätigkeit seine bis auf weiteres letzte Sendung. Sein Nachfolger, der südafrikanische Kabarettist Trevor Noah, moderierte die Sendung bis zum 8. Dezember 2022.
Durch den großen Erfolg der Daily Show wurde Stewart in Anlehnung an den ehemaligen CNN-Slogan „The most trusted name in fake news“ genannt (deutsch: „Der vertrauenswürdigste Name in Sachen gefälschte Nachrichten“). Trotz ihres weiterhin grundsätzlich satirischen Ansatzes hatte sich die Daily Show unter Stewart zu einer sehr wichtigen Instanz des investigativen Journalismus und der kritischen politischen Berichterstattung entwickelt.
Im Januar 2024 wurde bekannt, dass Stewart als Gastmoderator und Executive Producer zur Daily Show zurückkehren wird. Seit dem 12. Februar 2024 moderiert er jede Woche die Montagsausgabe der Sendung, ursprünglich bis zur Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2024. Ende Oktober 2024 wurde bekannt, dass er die Sendung bis 2025 weiterhin am Montagabend moderieren wird. Die Daily Show widmet sich weiterhin kritisch der politischen Entwicklungen in den USA, vielbeachtet wurde unter anderem die Folge zur kurzzeitigen Absetzung der Show von Late Night Moderator Jimmy Kimmel im September 2025, bei der Stewart außerplanmäßig an einem Donnerstag die Moderation übernahm, um sich mit seinem Kollegen zu solidarisieren.
Aufmerksamkeit erregte Stewart auch durch seinen Auftritt in der beliebten CNN-Sendung Crossfire im Jahr 2004, in der er den überrumpelten Moderatoren dieser Politik-Talkshow, Tucker Carlson und Paul Begala, vorwarf, Zuschauer nicht etwa seriös und aufklärend über politische Themen zu informieren, sondern in ihrer Sendung stattdessen nur die Polarisierung der politischen Diskussion und die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft voranzutreiben: „It’s hurting America. Here is what I wanted to tell you guys: Stop... You have a responsibility to the public discourse, and you fail miserably“ („Sie schadet Amerika. Dies ist, was ich euch sagen wollte: Hört auf... Ihr tragt Verantwortung für den öffentlichen Diskurs, und ihr versagt jämmerlich“). Die Sendung wurde wenig später von CNN eingestellt, ausdrücklich unter Verweis auf Stewarts Kritik.
Neben der Daily Show war Jon Stewart auch in einigen Kinofilmen zu sehen, unter anderen in The Faculty, Half Baked, Tötet Smoochy, Big Daddy und Jay und Silent Bob schlagen zurück, und in Gastrollen in diversen Fernsehserien wie Chaos City, Die Nanny oder auch Die Simpsons. Zudem moderierte er 2006 und 2008 die Oscars und die Grammy Awards in den Jahren 2001 und 2002.
2014 führte Stewart bei dem Drama Rosewater Regie. Der Film, für den Stewart auch das Drehbuch schrieb, basiert auf den Memoiren Then They Came for Me des iranisch-kanadischen Journalisten und Aktivisten Maziar Bahari und erzählt von dessen Inhaftierung im Evin-Gefängnis anlässlich der Proteste nach der iranischen Präsidentschaftswahl 2009.