Jon Meade Huntsman junior (* 26. März 1960 in Palo Alto, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei) und Diplomat. Nachdem er von 2005 bis 2009 als 16. Gouverneur des Bundesstaates Utah amtiert hatte, war er von 2009 bis 2011 US-Botschafter in der Volksrepublik China sowie von 2017 bis 2019 in Russland. Zudem bewarb er sich um die Kandidatur der Republikaner bei der Präsidentschaftswahl 2012, beendete seine Kandidatur wegen der für ihn enttäuschenden Ergebnisse der Vorwahlen in New Hampshire jedoch am 16. Januar 2012.
Huntsmans Vorfahren wohnen seit sechs Generationen in Utah. Sein Großvater war Mitglied im Kollegium der Zwölf Apostel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen), der auch Huntsman angehört. Huntsmans gleichnamiger Vater Jon Huntsman senior ist Gründer der Huntsman Corporation. Mit seiner Frau Mary Kaye hat er sieben Kinder, davon jeweils ein aus China und Bangladesch adoptiertes. Seine Tochter Abby Huntsman ist Journalistin und Co-Moderatorin der ABC-Sendung The View und von 2016 bis 2018 der Fox-News-Sendung Fox & Friends.
Huntsman war als Missionar in Taiwan, wobei er Hochchinesisch lernte. Er studierte an der University of Utah und danach an der University of Pennsylvania, wo er einen Bachelor-Abschluss erlangte. Danach schlug er eine berufliche Laufbahn als Geschäftsmann ein und wurde Vorsitzender der Huntsman Corporation, einem multinationalen Chemieunternehmen mit Sitz in Salt Lake City. Sein erstes politisches Amt bekleidete er als Mitglied im Stab von US-Präsident Ronald Reagan. Unter dessen Nachfolger George Bush amtierte Huntsman als Unterstaatssekretär im Handelsministerium.
Vor seiner Wahl zum Gouverneur von Utah im Jahr 2004 bekleidete Huntsman den Posten des stellvertretenden US-Handelsvertreters. Bei seiner ersten Kandidatur gewann er mit 57 Prozent der Stimmen gegen den Demokraten Scott Matheson; im November 2008 wurde er mit 77 Prozent der Stimmen gegen Bob Springmeyer gewählt.
Im Jahr 2009 wurde Huntsman von Präsident Barack Obama zum US-Botschafter in der Volksrepublik China nominiert. Dieses Amt trat er im August 2009 in Peking an; sein Nachfolger als Gouverneur in Utah wurde der vorherige Vizegouverneur Gary R. Herbert. Huntsman erklärte seinen Rücktritt vom Botschafterposten zum 30. April 2011, da er sich um die Kandidatur der Republikaner bei der Präsidentschaftswahl 2012 bewarb. Sein Nachfolger in Peking wurde Gary Locke.
Am 15. Januar 2014 übernahm Huntsman den Vorsitz des Atlantic Council, einer einflussreichen Institution zur Wahrung der „US-Führerschaft“ in internationalen Belangen mit engen Verbindungen zu politischen Entscheidungsträgern in aller Welt.
US-Präsident Donald Trump nominierte ihn am 18. Juli 2017 als künftigen Botschafter der Vereinigten Staaten in Russland.
Huntsman war zum Zeitpunkt seiner Berufung zum US-Botschafter in Moskau unter anderem Mitglied in den Aufsichtsräten des Energiekonzerns Chevron, des Automobilherstellers Ford und der Hotelkette Hilton. Wie schon zuvor bei seinem Posten in Peking trat Huntsman auch in Moskau vorzeitig zurück. Sein Nachfolger wurde John J. Sullivan.
Am 1. November 2019 verlieh US-Außenminister Mike Pompeo ihm den Distinguished Service Award, die höchste Auszeichnung des State Department. Kurz darauf erklärte Huntsman, dass er sich bei der Wahl im November 2020 wieder um das Amt des Gouverneurs von Utah bewerben werde. Er wollte damit seinen Nachfolger Gary Herbert beerben, der nicht erneut kandidierte, verlor aber die Vorwahl gegen Spencer Cox.
Huntsman wurde am 26. März 1960 in Redwood City, Kalifornien, geboren. Sein Vater, Jon Huntsman Sr., war ein Geschäftsmann, der später durch das von ihm gegründete Unternehmen, die Huntsman Corporation, die in den 1970er Jahren Erfolge bei der Herstellung von generischen Styroporkartons für McDonald’s und andere Fast-Food-Unternehmen erzielte und sich in den 1990er Jahren zu einem der größten petrochemischen Unternehmen der Vereinigten Staaten entwickelte, Milliardär wurde. Seine Mutter ist Karen Huntsman (geb. Haight), Tochter des LDS-Kirchenapostels David B. Haight. Durch seinen Vater ist Huntsman der Ur-Ur-Urenkel des frühen LDS-Kirchenführers Parley P. Pratt.
1975 erwarb Huntsman als Eagle Scout den höchsten Rang der Boy Scouts of America. Huntsman besuchte die Highland High School in Salt Lake City, brach diese jedoch vor seinem Abschluss ab, um als Keyboarder in einer Rockband aufzutreten. Huntsman erhielt später einen G.E.D. und schrieb sich an der University of Utah ein, wo er, wie sein Vater, Mitglied der Sigma-Chi-Bruderschaft wurde. Huntsman diente zwei Jahre lang als Missionar für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Taiwan und wechselte später an die University of Pennsylvania, wo er 1987 einen Bachelor of Arts in internationaler Politik erhielt.
Als der junge Huntsman 1971 während einer Dienstes seines Vaters als Sonderassistent des Präsidenten das Weiße Haus besuchte, vertraute Henry Kissinger dem 11-Jährigen an, dass er heimlich nach China reisen werde. 1983 arbeitete Huntsman als Mitarbeiter des Weißen Hauses in der Verwaltung von Präsident Ronald Reagan. Von 1987 bis 1988 lebten und arbeiteten Huntsman und seine Familie in Taipeh, Taiwan. Während der Präsidentschaftswahlen 1988 war er Staatsdelegierter im Nationalkonvent der Republikaner 1988.
Unter Präsident George H. W. Bush war Huntsman von 1989 bis 1990 stellvertretender Assistant Secretary der International Trade Administration und diente anschließend von 1990 bis 1991 als Deputy Assistant Secretary of Commerce für ostasiatische und pazifische Angelegenheiten. Im Juni 1992 ernannte Bush Huntsman zum US-Botschafter in Singapur. Im August wurde seine Ernennung einstimmig vom US-Senat bestätigt. Mit 32 Jahren wurde er der jüngste US-Botschafter seit über 100 Jahren.
Im Januar 2001, nachdem George W. Bush sein Amt als Präsident angetreten hatte, berichtete die Washington Post, es bestehe die große Wahrscheinlichkeit, dass Huntsman zum neuen Botschafter der Vereinigten Staaten in China ernannt werden würde. Im März lehnte er Berichten zufolge die Ernennung zum US-Botschafter in Indonesien ab. Am 28. März ernannte Bush Huntsman zu einem von zwei stellvertretenden Handelsbeauftragten in seiner Regierung; in dieser Funktion war er von 2001 bis 2003 tätig.
Im März 2003 trat Huntsman von seinem Posten in der Bush-Regierung zurück. Mitte August beschloss der amtierende Gouverneur von Utah Michael Leavitt, zu dessen starken Unterstützern Huntsman zählte, nach drei Amtszeiten, nicht mehr für eine Wiederwahl zu kandidieren, um Administrator der Umweltschutzbehörde in der Bush-Regierung zu werden. Kurz darauf reichte Huntsman Unterlagen ein, um für das Amt des Gouverneurs von Utah zu kandidieren. In der Vorwahl der Republikaner im Juni 2004 schlug Huntsman den Abgeordneten Nolan Karras mit 66 zu 34 % der Stimmen. Im November 2004 gewann Huntsman mit 58 % der Stimmen die Wahl zum Gouverneur gegen Scott Matheson Jr. von den Demokraten. 2008 gewann Huntsman die Wiederwahl mit 77,7 % der Stimmen gegen Bob Springmeyer von den Demokraten. Huntsman behielt als Gouverneur von Utah hohe Zustimmungsraten und erreichte zeitweise 90 % Zustimmung. Er verließ das Amt mit einer Zustimmungsrate von über 80 % Utah wurde vom Pew Research Center on the States zum am besten verwalteten Bundesstaat ernannt. Nach seiner Amtszeit als Gouverneur zählte Utah zu den drei wirtschaftsfreundlichsten Bundesstaaten. Eine Bewertung des Cato Institute im Jahr 2006 gab Huntsman die Gesamtnote „B“ für seine Finanzpolitik; das Institut gab ihm ein „A“ für seine Steuerpolitik und eine „F“ für die Ausgabenpolitik. Utah zählte während Huntsmans Amtszeit zu den Bundesstaaten mit dem höchsten Beschäftigungswachstum in den USA. Der Bund der Steuerzahler in Utah schätzt, dass „die Steuersenkungen von 2005 bis 2007 insgesamt 407 Millionen USD betrugen“. Huntsman schlug vor, die Franchise-Steuer für kleine Unternehmen, die weniger als 5 Millionen USD verdienen, abzuschaffen. Während seiner Amtszeit als Gouverneur gelang es ihm, dass Utah seine progressive Einkommensteuer durch einen Spitzensteuersatz von 7 % durch eine Pauschalsteuer von 5 % ersetzte, den landesweiten Verkaufssteuersatz von 4,75 % auf 4,65 % und die Verkaufssteuer auf nicht zubereitete Lebensmittel von 4,70 % auf 1,75 % senkte und die Kfz-Zulassungsgebühren erhöhte. Er schlug eine Erhöhung der Zigarettensteuer um 400 % vor, aber die Maßnahme wurde nie gesetzlich verankert. Im Jahr 2008 schlug er nacheinander Steuergutschriften für Familien vor, die eine eigene Krankenversicherung abschließen, sowie Einkommensteuergutschriften für Kapitalerträge und Solarprojekte.