An diesem Tag

Johnny Winter

Amerikanischer Bluesmusiker

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Johnny Winter (* 23. Februar 1944 als John Dawson Winter III in Beaumont, Texas; † 16. Juli 2014 im Bezirk Bülach, Kanton Zürich, Schweiz) war ein amerikanischer Blues- und Bluesrock-Gitarrist, Sänger, Songschreiber und Musikproduzent.

Sein Repertoire umfasste sowohl Interpretationen traditioneller Bluesstücke und Coverversionen bekannter Rocktitel als auch bluesorientierte Eigenkompositionen. Besondere Aufmerksamkeit erregten seine energiegeladenen Liveauftritte, die sich durch den Gleichklang von schnellen Gitarrensoli und seinem kraftvollen rauen Gesang auszeichneten.

Als Produzent machte sich Winter durch seine Zusammenarbeit mit Muddy Waters, mit dem er zwischen 1976 und 1980 vier Alben produzierte, in der Bluesszene einen Namen. 1988 wurde Winter als erster weißer Musiker in die Blues Hall of Fame aufgenommen. Die Musikzeitschrift Rolling Stone listete Winter 2003 auf Rang 63 der 100 größten Gitarristen aller Zeiten.

Johnny Winter wurde 1944 im texanischen Beaumont geboren. Er kam, wie sein jüngerer Bruder Edgar Winter (* 28. Dezember 1946), mit Albinismus zur Welt. Seine ersten vier Lebensjahre verbrachte Winter in Leland, Mississippi, dem Geburtsort seines Vaters. In Leland betrieben sein Großvater und sein Vater einen Baumwollhandel unter dem Namen J.D. Winter & Son. Seit 2010 erinnert eine Gedenktafel des Mississippi Blues Trail vor dem ehemaligen Kontorgebäude von J.D. Winter & Son an die Wurzeln der Familie Winter in Leland. 1948 zog die Familie nach Beaumont, der Heimatstadt seiner Mutter.

Die Brüder Johnny und Edgar wurden von ihren Eltern John Dawson Winter Jr. (1909–2001) und Edwina Holland Winter (1917–2011) schon früh an die Musik herangeführt. Der Vater spielte in seiner Freizeit Saxophon und Gitarre und sang in Kirchen und bei privaten Veranstaltungen. Die Mutter spielte Klavier.

Im Alter von fünf Jahren begann Johnny Winter Klarinette zu spielen, wechselte mit neun Jahren zur Ukulele und mit elf Jahren zur Gitarre. Sein Bruder Edgar spielte Klavier und Saxophon. 1954 traten die Brüder im Rahmen eines Amateurwettbewerbs in einer lokalen Fernsehsendung auf, bei der sie als Duo Musik im Stil der Everly Brothers vortrugen.

Mitte der 1950er Jahre wurde Johnny Winters Interesse für den Rock ’n’ Roll sowie den Blues schwarzer Musiker wie Muddy Waters, Howlin’ Wolf, B. B. King, Jimmy Reed und Bobby „Blue“ Bland durch Radiosendungen des Discjockeys J.P. Richardson und des Bluesgitarristen Clarence Garlow aus Beaumont geweckt.

1959–1967: Anfänge als Profimusiker

1959 gründete Johnny Winter im Alter von 15 Jahren seine erste Band Johnny and the Jammers, an der auch sein Bruder Edgar beteiligt war. Die Band veröffentlichte 1960 ihre erste Single School Day Blues / You Know I Love You auf dem lokalen Plattenlabel Dart Records in Houston, die ihnen einen Achtungserfolg in Beaumont und Umgebung einbrachte. Bis 1967 folgten weitere Single-Aufnahmen, darunter Creepy / Oh My Darling (1960), Shed So Many Tears / That's What Love Does (1961), Voodoo Twist / Ease My Pain (1962), Gangster of Love / Eternally (1963), Road Runner / The Guy You Left Behind (1963), Gone for Bad / I Won't Believe It (1965), Birds Can't Row Boats / Leavin' Blues (1966), Parchman Farm / Tramp (1967), die unter verschiedenen Bandnamen wie Neal and the Newcomers, It and Them, Black Plague, The Great Believers und The Traits mit wechselnder Bandbesetzung für lokale Plattenlabel eingespielt wurden.

Seinen ersten Erfolg in den Charts hatte Winter mit der Single Harlem Shuffle / Somewhere, einer Aufnahme mit der Band The Traits, die 1966 von Universal Records aus Houston veröffentlicht wurde und sich im November 1966 zwei Wochen lang in den Billboard Hot 100 hielt. Diese frühen Plattenaufnahmen wurden nach Winters Durchbruch 1969 als Kompilationsalbum unter dem Titel The Johnny Winter Story für den internationalen Markt veröffentlicht. Das Repertoire der frühen Aufnahmen umfasste verschiedene Musikrichtungen von Blues und R&B über Soul bis Rock ’n’ Roll und zeigte den jungen Musiker auf der Suche nach einer eigenen musikalischen Stilrichtung.

1962 hatte Winter einen kurzen Gastauftritt bei einem Konzert von B. B. King im Musikclub The Raven in Beaumont, das Winter und sein Bruder als eine der wenigen weißen Zuhörer besuchten. Winter erinnerte sich Jahre später an diese Begebenheit: „Ich war etwa 17 und B.B. wollte mich erst nicht auf die Bühne lassen. Er fragte mich nach einem Gewerkschaftsausweis, und ich hatte einen. Außerdem habe ich immer wieder Leute rübergeschickt, um ihn zu bitten, mich spielen zu lassen. Schließlich beschloss er, dass es genug Besucher gab, die mich hören wollten und dass es sich lohnen würde, mich auf die Bühne zu lassen, egal ob ich gut war oder nicht. Er gab mir seine Gitarre und ließ mich spielen. Ich bekam stehende Ovationen, und er nahm seine Gitarre zurück.“

Nach seinem Highschool-Abschluss 1963 am Lamar State Collage in Beaumont zog Winter für rund acht Monate nach Chicago, wo er vergeblich versuchte, in der Bluesszene seiner Vorbilder Muddy Waters und Howlin’ Wolf Fuß zu fassen. Noch im selben Jahr kehrte er enttäuscht nach Beaumont zurück. Ab Mitte der 1960er Jahre tingelte Winter durch kleine Clubs und Juke Joints in den Südstaaten der USA, vor allem in Georgia, Louisiana und Florida.

1968–1969: Internationaler Durchbruch

1968 formierte Winter ein Bluesrock-Trio mit Tommy Shannon am Bass und „Uncle“ John Turner am Schlagzeug. In dieser Besetzung nahmen die Musiker im August 1968 ihr erstes Album The Progressive Blues Experiment in der Vulcan Gas Company, einem Musikclub in Austin auf. Das Album enthält sechs Interpretationen traditioneller Bluestitel sowie vier bluesorientierte Eigenkompositionen Winters und wurde erstmals im Oktober 1968 auf dem kleinen lokalen Plattenlabel Sonobeat in einer Auflage von nur hundert Exemplaren veröffentlicht. Nachdem Winter einen hochdotierten Plattenvertrag bei Columbia Records unterzeichnet hatte, wurden die Rechte an Imperial Records verkauft und das Album im März 1969 mit neuem Plattencover für den internationalen Vertrieb erneut veröffentlicht.

Am 7. Dezember 1968 erschien in der Musikzeitschrift Rolling Stone eine Reportage über die texanische Musikszene, in der Winter als „der heißeste Artikel neben Janis Joplin“ gepriesen und wie folgt beschrieben wurde: „Stellt euch einen hundertdreißig Pfund leichten, schielenden Albino mit langem fließendem Haar vor, der so ziemlich die flüssigste Bluesgitarre spielt, die man jemals gehört hat.“ Am 13. Dezember 1968 hatte Winter einen Gastauftritt bei einem Konzert von Al Kooper und Mike Bloomfield im Fillmore East in New York City, bei dem er seine Interpretation des B.-B.-King-Titels It's My Own Fault vor einem begeisterten Publikum vortrug. Das Konzert wurde 2003 erstmals auf CD unter dem Titel Fillmore East: The Lost Concert Tapes 12/13/68 veröffentlicht.

Der Artikel im Rolling Stone und der Auftritt im Fillmore East erregten die Aufmerksamkeit der großen Schallplattenkonzerne dermaßen, dass sie mit Traumsummen um den damals noch weitgehend unbekannten Provinzmusiker warben. Den Zuschlag erhielt im Februar 1969 Columbia Records mit einem Vorschuss von 600.000 Dollar, der bis dahin höchsten Summe, die für einen neuen Solomusiker gezahlt wurde.

Von Februar bis März 1969 fanden die Studioaufnahmen für das zweite Studioalbum Johnny Winter in gleicher Trio-Besetzung mit Tommy Shannon am Bass und „Uncle“ John Turner am Schlagzeug statt. Als Gastmusiker wirkten Edgar Winter (Klavier, Altsaxophon) sowie die Chicagoer Bluesveteranen Willie Dixon (Kontrabass) und Big Walter Horton (Mundharmonika) mit. Das im April 1969 bei Columbia Records veröffentlichte Album enthält sechs traditionelle Bluestitel sowie drei Eigenkompositionen. Das Album verschaffte Winter den internationalen Durchbruch und erreichte Platz 24 in den Billboard 200.

Im selben Jahr ging das Winter-Trio zusammen mit Edgar Winter auf Tournee und trat bei mehreren Musikfestivals auf. Höhepunkt war der Konzertauftritt beim Woodstock-Festival am frühen Morgen des 18. August 1969. Der Auftritt erschien jedoch später weder im offiziellen Film noch auf den Konzertalben Woodstock und Woodstock Two, da es zu Streitigkeiten zwischen Winters damaligem Manager Steve Paul und den Veranstaltern des Festivals kam. Der vollständige Konzertmitschnitt wurde erst vierzig Jahre später unter dem Titel The Woodstock Experience auf CD veröffentlicht.

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