An diesem Tag

John Wolf Brennan

Irisch-schweizerischer Jazzmusiker, Komponist und Kolumnist

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John Wolf Brennan (* 13. Februar 1954 in Dublin) ist ein irisch-schweizerischer Klassik-, Jazz- und Improvisationsmusiker (überwiegend Klavier), Komponist, Dirigent und Kolumnist. Brennan wurde in den 1980er Jahren durch die Zusammenarbeit mit dem Saxophonisten Urs Leimgruber bekannt. Er veröffentlichte mehr als 80 Tonträger und wurde für 12 CDs in Folge mit 12 „Swiss Grammys“ ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Komponistengruppe Groupe Lacroix und komponierte über 280 Stücke. Seine bekanntesten Gruppen sind Pago Libre, Pilgrims, Triangulation, Sooon und FriendShip.

John Wolf Brennan entstammt einer schweizerisch-irischen Musikerfamilie mit deutschen Wurzeln. Brennan wurde 1954 als Sohn des Schweizer Hoteliers und Amateurpianisten Hans-Peter Wolf (1923–1986) und der Irin Una Wolf-Brennan, einer klassischen Sängerin, in Dublin geboren. Der Onkel Karl Ulrich Wolf (1921–1957), Pianist und Komponist, war seinerzeit designierter Direktor der Königlichen Musikhochschule Stockholm. Außerdem ist John Wolf Brennan weitläufig mit den irischen New-Age-Sängerinnen Enya und Moya Brennan verwandt. Seine Eltern zogen mit ihm 1961 in die Zentralschweiz. Ab dem elften Lebensjahr bekam er Klavierunterricht in Luzern. Musikalisch geprägt wurde er in seiner Jugend durch die Musik von den Beatles, Cream, Miles Davis, Pink Floyd und Jimi Hendrix. Entsprechend begann er 1970 als Bassgitarrist der Blues-Rockgruppe Crossbreed. Im Jahr 1974 legte er die Matura Typ E (Wirtschaftsgymnasium) an der Kantonsschule Luzern ab. 1974 trat er als Keyboarder Flame Dream bei, einer Artrock/Jazzrock-Band in der sein Bruder Peter Wolf Frontmann war.

Brennan studierte von 1975 bis 1979 Germanistik bei Peter Horst Neumann, Musikwissenschaft bei Luigi Ferdinando Tagliavini und Filmwissenschaft bei Stephan Portmann an der Universität Freiburg sowie Klavier und Musiktheorie bei Axel Jungbluth an der Swiss Jazz School in Bern. Anschließend studierte er von 1979 bis 1984 Klavier (Diplom 1985) bei Eva Serman und Musiktheorie bei Peter Benary am Luzerner Konservatorium. Ergänzend besuchte er 1977, 1978 und 1980 Sommerkurse in Komposition bei James Wilson und in Chorleitung an der Royal Irish Academy of Music in Dublin. 1983 wohnte er Improvisations- und Jazz-Workshops von Karl Berger, Carla Bley, David Cherry, Marilyn Crispell, Steve Gorn, Paolo Moura, Babatunde Olatunji und Naná Vasconcelos am Creative Music Studio in Woodstock, New York/USA bei. Von 1985 bis 1987 studierte er Schulmusik (Diplom 1987) an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik in Luzern. Darüber hinaus nahm Brennan an Kompositions-Meisterkursen bei Ennio Morricone (1992), Edison Denissow (1993), Klaus Huber (1994), Heinz Holliger (1998) und Hanspeter Kyburz teil.

Jazz- und Improvisationsmusiker

Nach den Besuchen der McGregor und McLaughlin-Konzerte in Willisau und Montreux in den 1970er Jahren besann er sich auf seine klassische Klavierausbildung zurück und verließ die Band Flame Dream wieder. Er gründete während seines Studiums 1977 mit dem Jazztrompeter Peter Schärli die Free-Jazz-Gruppe Freemprovisations (zunächst mit Gästen; ab 1979 als Quintett). 1979 veröffentlichten sie ihre erste LP: Opening Seed. Von 1980 bis 1984 war er Mitglied der Afro-Jazz-Band Mohrenkopf. Darüber hinaus gehörte er von 1980 bis 1982 neben Prem Ushma (Violine) und Barni Palm (Tabla) dem Trio Triumbajo an. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er von 1982 bis 1989 als Duopartner von Urs Leimgruber (Saxophon), mit dem er mehrere Alben einspielte. Das Duo wurde später um die Jazz-Sängerin Norma Winstone erweitert.

Für die Produktion seines ersten Piano-Soloalbums The Beauty of Fractals zog er 1988 für ein halbes Jahr nach Greenwich Village in New York. Ende der 1980er Jahre begann Brennan seine Solokarriere. Konzertreisen führten ihn durch Europa, Russland, Japan, China, Kanada und USA. Einen weiteren Schwerpunkt bildet seit 1989 seine Arbeit mit dem Crossover-Quartett Pago Libre, zu der Arkady Shilkloper (vormals Lars Lindvall), Florian Mayer (vormals Tscho Theissing, Steve Goodman) und Tom Götze (vormals Achim Tang, Georg Breinschmid und Daniele Patumi) gehören. Während eines 3-tägigen Festivals in Wetzikon 1990 traf er auf John Cage, der ihn bei der Interpretation einiger Klavierwerke beriet. Als Stipendiat der Binz-39 Stiftung hielt er sich 1993 im Tyrone Guthrie Centre in Annaghmakerrig, Irland auf. Mit einem Stipendium der Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr lebte er 1997 für sechs Monate im Londoner East End. Er stellte in dieser Zeit seine Solo-Platten Text, Context, Co-text & Co-co-text (1993/94) und The Well-Prepared Clavier (1997) fertig. Außerdem spielte er mit Julie Tippetts, Evan Parker, Paul Rutherford und Chris Cutler das Album HeXteT (1998) ein und knüpfte Kontakte mit den britischen Musikern Eddie Prévost, Elton Dean und Simon Picard. Weiterhin spielte er als Pianist mit Christy Doran, Patrice Héral, Esther Flückiger, Magda Vogel, Robert Dick, Gene Coleman, Hans Kennel, Margrit Rieben und Christian Wolfarth. Außerdem leitete Brennan mehrere Jazz- und Improvisationsensembles bei Musikfestivals in Willisau, Montreux und Luzern u. a. die esa, das Ensemble Extemporaneo, das Creative Works Orchestra, die Tribschen SinFONietta, die OrganIC VolCes und das klangschiff.

Neben zahlreichen Kompositionen für Kammermusikensembles und Ausflügen in die Klanginstallation schreibt Brennan überwiegend Theater- und Vokalmusik. Zu seinem über 220 Werke umfassenden Œuvre, das mehrheitlich im Pan-Verlag in Kassel erschien, gehören auch die Opern Güdelmäntig (2003–2004) nach Thomas Hürlimann und Night.Shift (2007) nach The Age of Anxiety von W. H. Auden. Letztere wurde durch den Regisseur Jakob Peters-Messer am Theater St. Gallen inszeniert. In jüngster Zeit schrieb er auch Hörspielmusiken, wie für das ausgezeichnete Hörbuch platzDADA! (2008). Wichtige Bezüge nimmt er in seinen Werken zu keltischen Themen, so veröffentlichte er mit Nadja Räss das Jodelbuch Jodel Vol.1 (2008) und ab 2010 die Reihe Wurzelklänge. Brennan ist Mitglied der schweizerisch-österreichischen Komponistengruppe Groupe Lacroix, die er 1993 mit Jean-Luc Darbellay, Christian Henking und Michael Schneider gründete. Später traten der Gruppe Marianne Schroeder, Michael Radanovics und Alfons Karl Zwicker bei. Mit dieser realisierte er diverse Musikprojekte, darunter zu Bildern von Paul Klee. Brennans klassische Kompositionen wurden u. a. durch James Galway (A Golly Gal’s Way to Galway Bay), Ori Meiraz (Alef Bet – an Ori-ental Peace Piece) und Evelyn Glennie (Dundrum) sowie das Moscow Contemporary Music Ensemble (Epithalamium und Frictions) und das Ensemble Sortisatio (N-gl) uraufgeführt.

John Wolf Brennan war viele Jahre als Klavierlehrer an der Musikschule Küssnacht und als Professor für Klavier am Gymnasium Immensee tätig. Daneben unterrichtete er an der Hochschule Luzern und war als Stiftungsrat der Zurich James Joyce Foundation tätig. Vorträge und Workshops hielt er u. a. bei den Cortona-Wochen der ETH Zürich. Er lebt mit seiner Frau Regula Hasler in Weggis am Vierwaldstättersee.

John Wolf Brennan gehört zu den Protagonisten der Neuen Improvisationsmusik, eines Grenzbereichs zwischen Klassik, Jazz und zeitgenössischer Musik. In einem Interview bezeichnete er die Musik des bekannten Jazztrompeters Wynton Marsalis als reaktionär. Brennan grenzt sich ebenso bewusst vom Free Jazz und der sogenannten Avantgarde der Darmstädter Ferienkurse ab. Er verfolgt beim Jazz ein Klavierspiel, das sich bei aller Atonalität an der Musik der Romantik und der impressionistischen Tradition orientiert. Seine Interpretationen erinnern am ehesten an den Bandleader John Zorn und die Jazz-Pianistin Irène Schweizer. Der Südwestfunk-Jazzredakteur Joachim-Ernst Berendt kommentierte: „Unter Brennans Händen tranzendieren die Klänge zur Zeitlosigkeit.“ Nach dem Musikjournalisten Martin Kunzler hat Brennan „einen eigenständigen europäischen Beitrag zur improvisierten rhythmischen „Weltmusik“ geschaffen, die unter dem Begriff Jazz subsumierbar ist“. Seine Musik greift Collage-Techniken auf, dessen „reflextionsreiche Message“ von „einer großen Offenheit von Materialien und Ideen“ lebt. Er ist „auf Polarisierung aus“. Brennan nannte seinen Musikstil „Komprovisation“. Er definierte ihn als: „[…] das Erschaffen von (komponierter) Musik aus dem spontanen Geist der improvisierten Musik, bzw. der umgekehrte Prozess, das Improvisieren mit dem ganzen vielfältig vernetzten Strukturbewusstsein einer Komposition.“ Wie auch die Pianisten Keith Tippett und Benoît Delbecq wurde Brennan zu einem der Vorreiter der von John Cage eingeführten Technik Präpariertes Klavier. Er zweckentfremdete Gegenstände wie Geigenbogenhaare und Fischerleinen zur Erzeugung dynamischer Obertöne und bezeichnete es als „Arcopiano“. Brennan komponiert polystilistisch und bedient sich in seinen seriellen und dodekaphonischen Werken auch der Folklore, des Jazz und der Popmusik. In seinen literarisch (Joyce, Beckett, Kafka) und bildnerisch (Klee, Kandinsky, Picasso, Miró) beeinflussten Werken trifft der Hörer auf Romantische Ironie, die eine Nähe zur Klassischen Moderne herstellt. Vorbilder sind für ihn u. a. die Komponisten Alfred Schnittke, John Cage und György Kurtág.

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